\/ ^ -'rMftfy'i-^ w-t/^ Jaliresbericht über die Fortschritte auf dem Gesammtgebiete der Aö:rikiiltiir-Chefflie. Begründet NEW vü:iiv Dr. Robert Hoffmann, botanical « GARDEN Fortgesetzt Dr. Eduard Peters, Chemiker der agrikultur-chcmischcn Versuchsstetion für die Provinz Posen in Kuschen hei Schmiegel und Generalsekretär des landwirthschaftliehen Ilauptverelns im Regierungsbezirk Posen. Achter Jahrgang: das Jahr 1865. Mit einem vollständigen Saeh- und Namen-Register. BERLIN. Verlag von Julius Springer- 1867. Erste Abtlieilung. Die Chemie des Ackerbaues. .latircsbericht. VITI. CO LinnARY' Der Boden. ^<^;^^^ Bodenbildung. Die Entstehung der deutschen Marschen an der Entstehung ler Nordse« Marschen. Nordsee, von Prof. Kutzen.*) — Die Anfänge zu diesen ^"^°''^^^*- Marschlandschaften veranlassten die in die Nordsee sich ergies- senden grösseren deutschen Flüsse in ihrem Mündungsgebiete durch Schlammablagerungen an den flachen Ufern und Küsten, welche von da an ihre grösste Bedeutung erhalten, wo Ebbe und Fluth, überhaupt wo der Einfluss des Meeres beginnt; denn hier fand und findet nicht nur in Folge der immer geringer werdenden Strömung des Flusswassers, auf mechanische Weise, sondern auch in Folge des durcli die Mischung von süssem und salzigem Wasser vor sich gehenden Ausscheidungsprozesses und der dadurch bewirkten Sedimentbildung, auf chemischeWeise, in hohem Grade Vermehrung des für die Marschen so gedeih- lichen Fruchtbodens statt. Ueberdies wird derselbe sowohl in qualitativer wie in quantitativer Beziehung noch ansehnlich verstärkt durch Milliarden von Leibern aus der mikroskopischen Thierwelt, in welcher ein Sterben ohne Ende in jenem Gebiete des sogenannten Brackwassers vor sich geht. Durch die An- häufung dieses, für üppige A^egetation überaus befähigten Frucht- CO bodens an der Mündung der Flüsse erhob sich allmählich an •— Stellen, wo sonst eine Meeresbucht, ein kleiner Meerbusen war, ^ eine üferlandschaft, die vom Flusse ein- oder mehrarmig durch- zogen wurde und im letzteren Falle eine der sogenannten Delta- 1 1 f Landschaften bildete. — Doch dergleichen Landschöpfungen ^ waren nur möglich bei mehr passivem und ruhigem Verhalten *) Landwirthschaftliches Centralblatt für Deutschland, 1865. I. S. 306. 4 Bodenbildung. der See. Anders daher häufig an der Nordsee, diesem von Natur starkström enden, überdies gar oft durch West- und Nord- west-Orkane so sehr aufgeregten und ausserdem bis weit vom Strande ab verhältnissmässig nur wenig tiefen Meere. Hier wurde das mitgeführte feine Material der aus Süd und Südost einmündenden Flüsse (der Eider, Elbe, Weser, Ems) nach allen Seiten von den anstürmenden Meereswogen umhcrgeschleu- dert, und so auch häufig au die nahen kleineren Inseln, Halb- inseln, Sandbänke u. s. w. geworfen. Durch Wiederholung solcher Vorgänge wuchs der Boden nach und nach über die gewöhnliche Wogenhöhe hinaus und überkleidete sich dann mehr und mehr mit Grün. Hierdurch wurde der germanische Anbauer, der Viehzucht trieb, auf diese bald üppig wuchernden Stellen des neuen Landes von seiner minder fruchtbaren Geest (dem höher liegenden Sandlande) hinunter gelockt; er fing an, daselbst auf höhere Stellen (Warten) Wohnungen für sich und sein Vieh zu bauen und nahm später, um sich mit den Seinigen und seiner Habe vor der Wuth der durch heftige Winde empor- getriebenen Wogen zu schützen, ebenso, wie der Bewohner des an den Mündungen der Flüsse mehr ruhig angesetzten Frucht- landes, die Errichtung von Dämmen oder Deichen in Angriff. Hierdurch war der feste Grund und sichere Anfang zu der Erhaltung, Vervollkommnung und dem fortschreitenden Gedeihen der Marschen gewonnen. — Der Haupt- D c r H au p t m u s ch cl k alk und seine Verwitterungs- Tnd Line produktc, V o u E m 1 1 W 1 f f. *) — Der Verfiisser hat sich der verwitte- höclist intercssantcn Aufgabe unterzogen, die in Würtemberg besonders verbreiteten Gebirgsformationen in ihrer ursprüng- lichen Beschaffenheit und in iliren wichtigeren Verwitterungs- stufen, sowie die aus den letzteren unmittelbar hervorgegangenen Bodenarten einer genauen chemisclien Analyse zu unterwerfen. Zunächst bezogen sich diese Untersuclumgen auf den Haupt- rauschelkalk, das betreffende Untersuchungsmaterial wurde in dem sogenannten Strohgäu, einige Meilen nördlich von Stuttgart, den oberen dolomitisclien Schichten dieses Gesteins entnommen. Die Verwitterungsprodukte des Gesteins bilden, häufig gemischt mit den untersten thonigen Scliicliten der Lettenkohle-Formation, rungspro dukte. *) Die landwirthschaftlichen Versuchsstationen. Bd. 7, R. 272. Bodenbildimg. 5 einen Boden von hoher natürlicher Fruehtljarkeit, welcher aus- gezeichnete Körnerernten liefert und aucli das Gedeihen von Luzerne und anderen Blattfriichten selir begünstigt. Die untersuchten Proben waren folgendermassen beschaffen: Nr. I. Dichtes Gestein mit fast muscheligem Bruche, im Innern dun- kelgrau, nach Aussen hin heller und etwas abfärl)cnd; mit einigen wenigen LiJchern, die mit kleinen gelblichbraun gefärbten Krystallen ausgekleidet waren. Oberer doloniitischer Muschelkalk im ersten Stadium der Verwit- terung, aber noch fest und zäh, schwierig zu pulvern. Kr. II. Mürbes, leicht zu pulverndes Gestein, ohne Liicher und Poren, auf dem Bruche erdig und stark abfärbend. Es war hellgelblich gefärbt, schien aber seiner Lagerung und ganzen Struktur nach aus Nr. I. entstan- den zu sein, indem namentlich kohlensaurer Kalk ausgelaugt und dadurch der Gehalt an unliislicher, thonigsandiger Substanz erhobt worden ist. Nr. III. Zur Hälfte aus einem feineren Pulver, zur Hälfte aus klei- neren imd grosseren, sehr mürben und leicht zu pulvernden Gesteinsbrocken bestehend, „der Untergrund des Fruchtbodens, beim Ausbiss der Schichten aufgenommen." Die Brocken waren der Probe Nr. IL, aus welcher Nr. III. durch weitere Verwitterung hervorgegangen ist, ganz ähnlich. Steine und Pulver zeigten gleiche prozentische Zusammensetzung und wurden deshalb zusammen analysirt. Bezüglich der Ausführung der Analyse ist auf des Verfassers „Ent- wurf zur Bodenanalyse"*) zu verweisen, die Substanzen wurden dabei successive mit kalter und heisser konzentrirter Salzsäure , mit Schwefel- säure und Flusssäure behandelt. Die Untersuchungen lieferten nachstehende Resultate: A. Die Substanz mit kalter konzentrirter Salzsäure behandelt. Bestandtheile. IL IIL Wasser bei 125'* C. verflüchtigt Verlust bei schwachem Gliiheu Kohlensaurer Kalk Kohlensaure Magnesia Eisenoxyd Thonerde Phosphorsäure Schwefelsäuie Kieselsäure Kali Natron 0,2S5 0,128 77,907 16,593 0,613 0,064 0,0771 0,0320 0,0227 0,0137 0,0145 Unlöslicher Eückstand (bei 100" C.) . . . . | 4,270 löö^oioo Glühverlust des Rückstandes | 0,143 99,877 0,673 0,673 47,752 34,949 1,551 0,087 0,1624 0,0128 0,0120 0,0263 0,0209 Jl.4,43£ 100,3534 0,651 1,248 1,414 35,200 22,767 1,951 0,354 0,4187 0,0330 0,0230 0,0531 0,0161 37,882 101,360 1,636 99,702 I 99,724. *) Die landwirthschaitlichen Versuclustationeu Bd. (j, S. 141. 6 Bodenbildung. B. Der Rückstand von A. mit konzentrirter Salzsäure gekocht. Bestaudtheile. IL 0,0547 0,4386 0,0707 0,0293 0,0880 0,l-427 0,0053 III. Im geglühten Zustande berechnet | 13,783 i 36,240 Kieselsäure in der Lösung Thonerde Eisenoxyd Kalk Magnesia Kali Natron 0,1340 1,0333 0,1407 0,0420 0,0407 0,2947 0,0087 Kieselsäure, in kohlensaurem Katron löslich 1,3467 2,5040 Rückstand, als geglüht berechnet 11,6267 31,7867 ; 13,8027 35,9848. Der Rückstand von B. mit konzentrirter Sclnvefelsäiire Ijeliandelt. Bestandtheile. L II. III. Rückstand von B. (bei Nr. I. von A.), im geglühten Zustande bei'echnet Kieselsäure in der Lösung Thonerde Eisenoxyd Kalk Magnesia Kali Natron 4,127 0,0373 0,4267 0,0347 0,0106 0,0420 0,0803 0,00(57 11,6267 0.1380 1,2253 0,0647 0,0080 0,0827 0,25.53 0,0140 31,7867 0,2.560 4,6007 0,3813 0,0613 0,3100 0,9507 0,0513 Kieselsäure, in kohlensaurem Natron löslich Rückstand, geglüht • ■ . . • 0,6383 0,9143 2,5740 1,7880 6,6113 2,1700 7,6373 7,6687 I 17,5380 D. , 4,1266 , 11,6267 i 31,7866. Der Rückstand von C. mit fiusssauren Dämpfen behandelt. Bestandtheile. II. III. Rückstand von C, geglüht Thonerde Kalk Magnesia Kali Natron 2,5740 I 7,6687 | 17,5880 0,2740 0,0107 0,0073 0,1787 0,0053 0,8100 ! 1,7267 0,0127 0,0093 0,69.53 0,0140 0,0947 0,0080 1,5220 0,0480 0,4760 2,0980 1,5413 6,1273 3,3994 14,1386 Kieselsäure • • • • 2,5740 7,6686 17,5380. Es ergiebt sicli hieraus als jirozc-utische Zusammensetzung der ganzen Gesteinsmasse, wenn man die in kalter Salzsäure unlösliche Kalkerde und Magnesia getrennt von der Haupt- masse der kohlensauren Erdeu aufführt: Bodenbildung. Bestandthoile. I. II. m. Wasser, bei 125" C. verflüchtigt ' 0,2850 Glüliverlust j _(),128<) Kohlensaurer Kalk 77,',I07U Kohlensaure Magnesia : lt),5i)30 Kalkerde I 0,0213 Magnesia 0,041)3 Kali 0,2737 Natron 0,0265 Phüsphorsäure I 0,0771 Schwefelsäure I 0,0320 Eisenoxyd ' 0,6477 Thonerde , 0,7647 Kieselsäure 3,0714 0,6730 0,6730 47,7520 34,1)490 0,0500 0,1800 1,1196 0,0542 0,1624 0,0128 1,6863 2,5611 9,8487 Nach Abzug der kohlensauren Erden bleibt als Rest 99,8775 94,5000 5,3775 99,7021 82,7010 17,0011 1,2480 1,4140 35,2000 22,7670 0,1587 0,3587 2,8204 0,1241 0,4188 0,0330 2,1490 7,7147 24,6950 99,1014 57,9670 41,1344. Um die in Folge der Verwitterung des Gesteins einge- tretenen Veränderungen deutlicher hervortreten zu lassen, be- rechnet Wolff die Bestandtheile der Verwitterungsprodukte auf die ihnen entsprechende Menge unverwitterten Gesteins. Als Grundlage für diese Berechnung ist der Gehalt an reinem Thon angenommen worden, indem vorausgesetzt ist, dass bei einer langsamen und ruhigen Auslaugung des Gesteins der Thon fast vollständig auf der ursprünglichen Lagerstätte zurückbleibt. Der Gehalt an in Schwefelsäure und Salzsäure löslicher Thon- erde und der dadurch und durch Behandlung mit kohlensaurem Natron gelösten Kieselsäure betrug: I.*) II.*) ni. 1,669 - 1. 5,562 = 8,33. 16,543 = 2,97. Wenn man hiernach die Bestandtheile von Nr. I. mit dem Faktor 3,33 multiplizirt, so erhält man die ursprünglichen Bestandtheile, welche bei der * Verwitterung 100 Theile von Nr, II. bildeten; für Nr, III. ergeben sich die entsprechenden Mengen von Nr. II , wenn man die prozentischen Bestand- thoil(! derselben mit 2,97 multiplizirt. Wir müssen uns darauf beschränken, nur die Differenz in den so bercclmeten und den durch die Analyse ermittelten Stoflen mitzutheilen , welche die bei der Verwitterung ausge- tretenen oder liinzugetretenen Stoife (-|-) repräsentirt. *) Hier ist eine kleine Menge Thon hinzugerechnet worden, welche sich der Zersetzung durch die Schwefelsäure entzogen hatte. Bodenbildung. Bestandtheile. II. m. Wasser, bei 120" C. verflüchtigt Glühverlust Kohlensaurer Kalk Kohlensaure Magnesia Kalkerde Magnesia Kali Natron Phosphorsäure Schwefelsäure Eisenoxyd Thonerde Kieselsäure 0,276 + 0,247 211,678 20,306 0,021 -\- 0,016 + 0,20'J 0,034 0,095 0,094 0,471 ■4- 0,014 0,379 0,751 0,585 106,613 81,032 + 0,010 0,186 0,505 0,037 0,063 0,005 2,859 + 0,108 4,556 Kohlensaure Kalkerde und Magnesia Eisenoxyd und Kieselsäure Wasser 233,354 231,984 197,192 187,645 1,370 0,850 9,547 7,415 0,520 0,029 2,132 1,330 ! 0,491 i 0,796. Bezüglich des Verhaltens der einzelnen Bestandtheile des Gesteins bei der Verwitterung ergiebt sieh aus den vorstehenden analystischen Resultaten Folgendes: 1) Die Auflösung und Auslaugung der kohlensauren Erden bedingt hauptsächlich die Verwitterung des Gesteins und die allmähliche Konzentration der übrigen Bestandtheile. Zunächst ist der kohlensaure Kalk absolut und relativ in weit reichlicherer Menge aufgelöst worden, als die kohlensaure Magne- sia, nämlich auf 1 Aeq. der letzteren beinahe 9 Aeq. des ersteren. Ein gleiches Verhalten zeigt sich meistens bei der Verwitterung dolomitischer Kalksteine. Während in dem unverwitterten Ge- steine 1 Aeq. kohlensaure 2»Iagnesia auf fast genau 4 Aeq. kohlensauren Kalk sich berechnen, enthält dasselbe in seiner Verwitterungsstufe Nr. 11. auf 1 Aeq. Magnesia nur 1,15 Aeq. Kalkerde, also fast gleiche Aequivalente, zumal da wahrschein- lich der grössere Theil des Eisens in der Form von Eisen- oxydul als Vertreter der Magnesia in doloniitischer Verbindung zugegen ist. — Bei der weiteren Verwitterung treten die beiden kohlensauren Erden zu fast gleichen Aequivalentcn aus, ihr gegenseitiges Verhältniss bleibt also ziemlich unverändert. 2) Nächst den kohlensauren Erden werden bei der Ver- witterung des Muschelkalks besonders Eisenoxyd und Kiesel- säure entfernt, jedoch bei der Umwandlung von 11. iu 111. in Bodenbildung. 9 verhältnissmässig weit grösserer Menge, als bei dem Ueber- gange von I. in IL Für das Eisenoxyd liegt die Erklärung dieser Erscheinung darin, dass dieses wahrscheinlich ein Bc- standtheil des eigentlichen Dolomits ist und daher in verhält- nissmässig grösserer Menge fortgeführt werden muss, wenn der Auslaugungsprozess in der zweiten Vcrvvitterungsperiode auf den Dolomit übergeht. Für die Kieselerde lässt Wolff CS dahingestellt, ob diese wirklich in dem zweiten Stadium der Verwitterung in beträchtlicher Menge ausgewaschen wird, oder ob im vorliegenden Falle besondere Verhältnisse eine raschere ])rozontische Zunahme im Thongehalte, gegenüber dem Ge- halte an sandiger Su)),stanz bewirkt und ausserdem den Thon selbst reicher an Thonerdc und entsprechend ärmer an Kiesel- säure gemacht haben. 3) Von der überhaupt nur in geringer Menge vorhandenen Schwefelsäure tritt im ersten Verwittcrungsstadium eine reichlichere Menge aus, als später; bei dem schliessliclien Zerfallen des Gesteins lindet sogar wieder eine Zunahme des prozeutischen Gehalts an Schwefelsäure statt. 4) Die Phosphor säure, welche, wie eine spezielle Untersuchung lehrte, in dem Gesteine fast ausschliesslich an Kalk gebunden war, löst sich in um so geringerer Menge auf, je melir der prozentische Gehalt an koiilensauren Erden im Gestein abnimmt, die Menge der thonigen und sandigen Sub- stanzen dagegen zunimmt. Nach Wolff zeichnen sich die im Terrain des Muschel- Phosphor kalks lagernden Ackererden in Würtemberg fast überall durch "''"'''f^^^ ' o o verschiecle- einen beträchtlich höheren Fhosphorsäuregehalt vor den nor Boden- aus anderen Formationen entstandenen Bodenarten aus, wie "'^'^''' dies folgende von Beyer ausgeführte Bestimmungen bestätigen: Phosphorsäuregehalt Fruchtbodeu auf dem Prozent. Hauptmuschelkalk, bei Assumstadt 0,309 Lettenkohlensaiulstcm vom Schwärzer Hof 0,10G Keuper.-andsteiii vom Burgholzhof 0,127 Lias — Posidouieuschiefcr bei Metzingon 0,137 Lias — Mittleier Amaltheeuthon bei Metzingeu 0,160 .Iura — Brauner Sandstein von Wasseralfingen 0,203 Jura — Impressathon bei Geisslingen 0,090 Kieselkalkboden von Louseer Berg 0,043. 10 Bodenbildung. 5) Auch bei den Alkalien findet eine sehr beträchtliche Konzentration in Folge der fortschreitenden Verwitterung des Muschelkalks statt. Im ersten Stadium der Verwitterung tritt eine sehr geringe Menge von Kali aus, mit der Zunahme des Prozentgehalts an thonigen und sandigen Substanzen, in denen das Kali wahrscheinlich schwer lösliche Verbindungen bildet, findet zwar ein gesteigerter Verlust an Kali statt, immerhin aber ergiebt sich aus den Resultaten der Untersuchung, dass bei der Verwitterung des Muschelkalkes keine irgendwie be- trächtliche Menge von Kali ausgewaschen wird, sondern viel- mehr eine fortdauernde Ansammlung desselben stattfindet. — Das Natron bildet einen sehr unwesentlichen Bestandtheil des Muschelkalks, wahrscheinlich beruht der geringe Natron- gehalt auf einem dem Gesteine mechanisch und zufällig bei- gemengten geringen Quantum von Chlornatrium. 6) Bei der successiven Behandlung der analysirten Sub- stanzen mit Salzsäure, Schwefelsäure und Natronlösung blieb eine weisse lockere Substanz ungelöst, welche selbst unter dem Mikroskop kaum eine Spur von Sandkörnern oder Gesteins- partikelchen erkennen Hess und entweder als ein inniges Ge- menge von Quarzsand und Feldspath oder als eine sekundäre, nachträglich gebildete feldspathartige Verbindung anzusehen ist. Die Menge dieser feinsandigen Substanz betrug in 100 Theilen des Gesteins: I. IL iir. 2;3Gh 7,r)78 17,539 sie bestand in lOU Theilen aus: Im Mittel Fcldspath 47,2 56,7 53,9 52,6 Quarzsaud 52,8 43,3 46,1 47,4. Durch Vergieichung mit der Zusammensetzung gleichartiger feinsandiger Substanzen aus sechs verschiedenen Hohenlieimer Erdarten*) findet Wolff, dass dieselbe bei dem Muschelkalkc; weit reicher an Kalifeldspath und an feldspathartigen Verbin- dungen überhaupt war und ausserdem in einem feiner zertheiltcn Zustande sich befand. 7) Die thonigc Substanz im Muschclkalkc ist vcrhäll- nissmässig reich an Kieselsäure oder vicdmelir ein inniges Ge- menge von rein(Mu Thon mit iu Alkalien lösliclier Kieselsäure, *) Beschreibung der liuul- und forstwiithschuftlicheu Akademie Hoheu- heim. Stuttgart, 1863. S. 131. Bodenbildunp. 1 1 welche letztere entweder in einem fein zcrtheiltcn Zustande als freie Kieselsäure oder in durch Salzsäure und Schwefelsäure zerlegbaren Verbindungen, namcntlicli niil Kalk und Kali im (rcstein vorhanden war. Die Zusammensetzung der mittelst Schwefelsäure aufgeschlossenen Thonsubstanz entsprach der Formel AI., 0,^, 2810;, = G3,9rroz. Kieselsäure und 36,1 Proz. Thonerde. Schliesslich weist Wolt'f darauf hin, dass die natürliche Fruchtbar- keit eines Bodens wie durch den Gehalt an Phosphorsäure, so auch zum grossen Theile durch das quantitative Verhalten der Alkalien, ganz beson- ders des Kalis zu den übrigen Bestandtheilen bedingt ist. Das Kali ist hauptsächlich durch die thonige Substanz im Boden gebunden und es ist anzunehmen, dass je vollständiger der vorhandene Thon mit dem Kali gleich- sam gesättigt ist und je mehr davon im Verhältniss zur Thonerde von Säuren gelöst wird, um so leichter auch das Kali den Pflanzen zugänglich sein wird. Das Mengenverhältniss zwischen dem in einem Bodenauszuge ent- haltenen Kali und der Thonerde bietet nach Wolff daher ein wichtiges Moment für die Beurtheilung der Fruchtbarkeit des Bodens. Je thoniger ein Boden ist und oft auch je mehr Humus, namentlich sauren Humus er enthält, desto weniger Kali geht verhältnissmässig durch die Behandlung des Bodens mit kalter konzeutrirter Salzsäure in Losung über, wenn auch mit dem grösseren Thongehalte die absolute Menge des vorhandenen Kalis und der iu kalter, namentlich aber in heisser konzeutrirter Salzsäure lös- liche Theil desselben immer grösser wird. Ueber die Entstehung und Zusammensetzung des udici aie Saharasandes, von F. Piccard.*) — In der Saharawüste ^^'"^''"''""s ' ' und Zuaain- tindet sich wenige Fuss unter der meistens aus Flugsaud be- menset/.ums stehenden 01»erfläche eine feste deutlich o-eschichtete Unterlage, ^^^ ^^''*'''- die dem Sandstein der Molasseformation sehr ähnlich, aber gröber, zerreiblicher, weniger hart und zusammenhängend ist und aus Quarzkörnern besteht, die durch Gips zusammengekittet sind, während das Bindemittel des Molassesandsteins bekannt- lich kohlensaurer Kalk ist. Der Saharasandstein unterliegt daher sehr leicht den zerstörenden Einflüssen dei- Atmosphäre, die schwach zusammengehaltenen Körner fallen auseinander und werden zu Flugsand. Der Saharasand wird hiernach an Ort und Stelle erzeugt, bei starkem Winde wird er fortgerissen und bildet oft 30 bis 50 Fuss hohe Hügel, sog. Dünen, die ihre Stelle, Form und Höhe nicht unverändert beibehaKcn, sondern je nach 0,04 0,7100 1 0,5497 0,1609 23,9 n 0,1 1,7750 1,5343 0,2413 14,3 n 0,2 3,5500 3,2087 0,3419 10,1 Phosphorsauros Natron . . 0,01 0,1775 1 0,1500 0,0281 16,6 (?) (2 Na 0, HO, PO, + 24aq.) 0,02 0,3550 ! (1,2870 0,068(5 20,4 rt 0,04 0,7100 1 0.5805 0,1301 19,3 r 0,1 1,7750 ! 1,5494 0,2262 13,0 M 0,2 3,5500 1 3,2229 0,3277 9,7 Phosphorsaures Ammoniak 0,01 0,1775 0,1496 0,0285 16,9 (NH4O, 2H0, PO,) 0,02 0,3550 0,8191 0,0365 10,8 (?) n 0,04 0,7100 0,6198 0,0908 13,5 w 0,1 1,7750 1,5850 0,1906 11,3 « 0,2 3,5500 3,2877 0,2629 7,8 Die Phosphorsäure zeigte hiernach — wie auch schon durch frühere Untersuchungen ermittelt war — - ein von der Schwefelsäure und de tn Chlor verschiedenes Verhalten; sie wurde aus allen Lösungen vom Boden aufgenommen; die Ab- sorption war am höchsten bei den konzentrirten Lösungen, doch nicht genau im Verhältniss mit der Konzentration stei- gend, sondern die verdünnteren Lösungen wurden relativ mehr erschöpft. Die Qualität des Salzes zeigte sich von Einfluss auf die Absorption: vergleicht man die aus den verschiedenen Salzen unter gleichen Verhältnissen vom Boden aufgenommenen Phosphorsäuremengen mit den Aequivalenten der Salze, so ergiebt sich, dass die Absorption um so bedeutender war, je höher das Atomgewicht der mit der Säure verbundenen Basis ist. 4. Das Verhalten des Bodens ffcsen Kalk, — 250 CC. Flüssigkeit ent- Absorbir wurden Konzen- hieltei 1 Kalk in Proz. Angewandtes Salz. tration. vor der nach der in der ur- Absorption Absorption Gramm. sprüngl. Aeq. Grm. Grm. Menge. Schwefelsaurer Kalk . . . 0,01 0,0700 0,0592 0,0173 26,0 (CaO, S0;,-j-2aq.) 0,02 0,1400 0,1222 0,0243 17,3 n 0,04 0,2800 0,2553 0,0312 11,1 Salpetersaurer Kalk . . . 0,01 0,0700 0,0699 0,0066 0,8 (?) (CaO, NO,) 0,02 0,1400 0,1285 0,0180 13,5 »> 0,04 0,2800 0,2647 0,0224 8,4 » 0,1 0,7000 0,6808 0,0257 3,8 .... " .^ — . 0,2 1,4000 1,3737 0,0328 2,4 Chlorkalcium (CaCl) . . . 0,01 0,0700 0,0647 0,0118 17,7 n 0,02 0,1400 0,1257 0,0208 15,6 n 0,04 0,2800 (^2595 0,0270 10,2 n 0,1 0,7000 0,6757 0,0308 4,6 VI 0,2 1,4000 1,3691 0,0374 2,8 Jahresbericht. VIII. 2 18 Chemische und physische Eigeuschaften des Bodens. Auch bei diesen Versuchen macht sich der Einfluss der Konzentration der Salzlösungen, wie derjenige der Säure, mit welcher der Kalk verbunden war, geltend. Aus der Gips- lösung wurde mehr Kalk absorbirt, als aus einer gleichkon- zentrirten Chlorkalciumlösung und aus dieser mehr, als aus salpetersaurem Kalk. 5. Das Verhalten des Bodens gegen Magnesia. — 250 CC. Flüssigkeit ent- Absorbirt wurden Konzen- hielten B lagnesia iu Pro«. Angewandtes Salz. tration. vor der nach der in der Ur- Absorption Absorption Gramm. sprung!. Aeq Grm. Grm. Menge. Schwefelsaure Magnesia . 0,01 0,0500 0,0302 0,0220 46,4 (MgO, HO, SOaH-eaq.) 0,02 0,1000 0,0660 0,0362 38,2 n 0,04 0,2000 0,1543 0,0479 25,2 n 0,1 0,5000 0,4288 0,0734 15,5 „ , »J , 0,2 1,0000 0,8710 0,1312 13,8 Salpetersaure Magnesia . 0,01 0,0500 0,0284 0,0238 50,2 (MgO, NOJ 0,02 0,1000 0,0651 0,0371 39,1 n 0,04 0,2000 0,1552 0,0470 24,8 ») 0,1 0,5000 0,4291 0,0731 15,4 « 0,2 1,0000 0,9207 0,0815 8,6 (?) Chlormagnesium (Mg Gl) . 0,01 0,0500 0,0338 0,0184 38,8 » 0,02 0,1000 0,0676 0,0346 36,5 55 0,04 0,2000 0,1572 0,0450 23,7 J5 0,1 0,5000 0,4453 0.0569 10,2 (?) »5 0,2 1,0000 0,9037 0,0985 10,4 Die Magnesia zeigt hiernach ein gleiches Verhalten wie der Kalk, doch scheint die Qualität der Säure hierbei die Absorption nicht in dem Masse wie bei den Kalksalzen zu beeinflussen. r.. Das Verhalt en des Bodens gegen Natron. — 250 CC. Flüssigkeit ent- Absorbir wurden Konzen- hielten Natron in Proz. Angewandtes Salz. tration. vor der nach der in der ur- Absorption Absorption Gramm. sprÜDgl. Ae.]. Grm. Grm. Menge. Schwefelsaures Natron . . 0,01 0,0777 0,0664 0,0140 18,9 (NaO, SO^ + lOaq.) 0,02 0,1555 0,1366 0,0216 14,6 55 0,04 0,8110 0,2765 0,0372 12,6 5? 0,1 0,7775 0,6953 0,0849 11,5 5) 0,2 1,5550 1,4366 0,1211 8,2 (?) Salpetersaures Natron . . 0,01 0,0777 0,0664 0,0140 18,9 (NaO, NO,) 0,02 0,1555 0,1354 0,0228 15,4 55 0,04 0,3110 0,2785 0,0352 ll59(?) 55 0,1 0,7775 0,6913 0,0889 12,6 55 0,2 1,5550 1,4117 0,1460 9,9 Chlornatrium (NaCl) . . . 0,01 0,0777 0,0692 0,0112 15,2 55 0,02 0,1555 0,1363 0,0229 15,4 ), 0,04 0,3110 0,2674 0,0463 15,7 55 0,1 0,7775 0,6781 0,1020 13,8 » 0,2 1,5550 1,3949 0,1638 11,1 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. 19 Angewandtes Salz. 2."i0 CC. Flössif-'Ueit ont- Ahsorbiv wnrdon Konz.-ii- liiclt Natron in l'roz tr.it ion. vor der iiafh der in der ur- Absorption Absorption Gramm. sprüngl. Ao<|. Orm. Grm. Menge. 0,005 0,0777 0,0584 0,0220 29,9 0,01 0,1555 0,1168 0,0414 28,1 0,02 0,3110 0,241!) 0,0718 24,3 0,05 0,7775 0,6235 0,1567 21,2 0,1 1,.5550 1,2758 0,2819 19.1 0,01 0,0777 0,0632 0,0172 2Öy) 0,02 0,1555 0,1234 0,0348 23,6 0,04 0,3110 0,2403 0,0734 24,9 0,1 0,7775 0,61!J2 0,1G10 21,8 0,2 1,5550 1,3522 0,2055 13.9 Phosphorsaures Natron . . (2NaO, HO, P05-|-24aq.) T7 Kohlensaures Natrou . . (NaO, CO,-f lOaq.) die Im allgemeinen gilt auch für das Natron dasselbe wie für _-_ vorhergelienden Basen; bei dem phospliorsauren Natron wurde zwar auch Phosphorsäure von der Erde lixirt, jedoch standen die ab.sorbirten Mengen von Phosphorsäure und Na- tron nicht in dem Verhältnisse zu einander, in welchem sie phosphorsaures Natron bilden, sondern es wurde weniger Phos- phorsäure aufgenommen. Die Versuche mit Chlornatrium und kohlensaurem Natron ergaben das Abweichende, dass aus den Lösungen von 0,01, 0,02 und 0,04 Aeq. im Liter nahezu gleich grosse Mengen absorbirt wurden. 7. Das A^erhalten des Bodens gegen Kali. — 250 CC. Flu sickeit ent- Absorbir wurden Konzen- hielten Kali in l'roz. Angewandtes Salz. tration. vor der nach der iu der ur- Absorption Absorption Gramm. sprnngl. Aeq Grm. Grm. Lösung. Schwefelsaures Kali . . . 0,01 0,1177 0,0580 0,0609 54,5'" (KO, SO3) 0.02 0,2355 0,1390 0,0977 43,8 M 0,04 0,4710 0,3226 0,1496 33,5 M 0,1 1,1775 0,9427 0,2360 21.1 W 0,2 2,3550 2,0059 0,3503 15,7 Salpetersaures Kali .... 0,01 0,1177 0,0623 0,0566 50,7 (KO, NO5) 0,02 0,2355 0,1527 0,0840 37,6 V 0.04 0,4710 0,3625 0,1097 24,G « 0,1 1,1775 1,0129 0,1658 14,9 » 0,2 2,3550 2,0490 0,3072 13,8 Chlorkalium (KCl) .... 0,01 0,1177 0,0559 0,0630 56,5 « 0,02 0,2355 0,1397 0,0970 43,4 n 0,04 0,4710 0,3638 0,1084 24,3 » 0,1 1,1775 1,0188 0,1652 14,6 w 0,2 2,3550 2,0729 0,2833 12,8 Phosphorsaures Kali . . . 0,005 0,1177 0,0476 0,0713 63,9 (2K0, HO, PO;,) 0,01 0,2355 0,1096 0,1271 56,9 » 0,02 0,4710 0,2609 0,2113 47,4 » 0,05 1,1775 0,8492 0,3295 29,5 n 0,1 2,8550 1,8557 0,5005 22,4 Kohlensaures Kali .... 0,01 0,1177 0,0470 0,0719 64,5 (KO, CO,) 0,02 0,2355 0,1178 0,1989 53,3 » 0,04 0,4710 0,2491 0,2231 50,0 M *^'i 1,1775 0,8693 0,8094 20,6 » 0,2 2,3550 1,9815 0,3747 16,8 20 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. Auch hei dem pliosphorsauren Kali macht sich das schon bei dem eutsprcchenden Natronsalze Beobachtete bemerklich, dass der Boden relativ mehr Kali als Phosphorsäure aufnimmt. Im Uebrigen ist das Verhalten der Kalisalze dem der Kalk-, Magnesia- und Natronsalze ähnlich. 8. Das Verhalten des Bodens o-co-en Ammoniak. Angewandtes Salz. Konzen- tration. Aei]. 250 CG. Flüssigkeit ent- hielten Ammoniak vor der 1 nach der Absorption Absorption (irin. (irm. Absorbirt wurden in Proz. der nr- sprnngl, Lösnng. Schwefelsaures Ammoniak (NH, 0, SO3) Salpetersaures Ammoniak (NH,U, NO,,) Chlorammonium (NH4 Cl ) Phosphorsaures Ammoniak (NH,0, 2H0, PÜ5) Kohlensaures Ammoniak (2NH4(), 3 CO,) 0,01 0,02 0,04 0,1 0,2 0,01 0,02 0,04 0,1 0.2 0,01 0,02 0,04 0,1 0,2 O.Ol 0,02 0,04 0,1 0,2 0,01 0,02 0,04 0,1 0,2 0,0425 0,01.50 0,0290 1 0,0850 O,04G2 0,0409 0,1700 0,104S 0,0(588 0,4250 0,3188 0,1173 0,8500 0,7173 0,1400 0,0425 0,020s 0,0229 0,0850 0,04; 18 0,0371 0,1700 0,111G 0,0(ilC) 0,4250 0,3425 0,0871 0,8500 0,7287 0,1280 0,0425 0,0208 0,0229 0,0850 0,041(4 0,0375 0,1700 0,1120 0,0(312 0,4250 0,3481 0,0811 0,8500 0,7383 0,1174 0,0425 0,0138 0,0307 0,0850 0,0343 0,0.535 0,1700 0,0829 0,0919 0,4250 0,2354 0,2000 0,8500 0,5379 0,3294 0,0425 0,0178 0,(J2(30 0,0850 0,0461 0,0410 0,1700 0,0995 0,0744 0,4250 0,8082 0,1233 0,8500 0,(3837 0,1755 G0,3 48,0 40,3 27,3 1(3,4 53,4 43,4 3(3,1 20,4 15,0 53.4 44,1 35,9 19,0 13,8 72,0 (32,8 .54,0 47,0 38,7 (31,1 48,1 43,7 28,9 20,(3 die vcr- Am die Auch bei den Ammoniaksalzen beeinflusste hiernach Säure, mit welcher das Ammoniak vor der Absorption bundcn war, die Absorption in beträchtlichem Grade, stärksten erschöpft wurden bei gleicher Konzentration Lösungen von phosphorsaurem Ammoniak, dann diejenigen von schwefelsaurem Ammoniak und kohlensaurem Ammoniak, end- lich die von Chlorammonium und salpetersaurem Ammoniak. Bemerkenswcrth erscheint, dass sich ein vollkommen glciclies Verhalten ergab für Chlorammonium und salpetersaures Ammo- niak und zwischen dem schwefelsauren und kohlensauren Salze. Wenn man die Ergebnisse der verschiedenen Versuchs- reihen unter sich vergleicht, so ergiebt sich, dass ein und Chemische und physische Eigeuschaften des Bodens. 21 derselbe Eodeu sehr ungleiche Gewichtsmeugen der verschie- deueu ßaseu aus äquivalenten Lösungen auluimnit, auch stehen die absorbirten Mengen nicht im Verhältniss ihrer Atomge- wichte. Die zu den Versuchen benutzte Erde zeigte das relativ grösste Absorptionsvermögen füi- Ammoniali und dann in ab- steigender Linie für Kali, Magnesia, Phosphorsäure, Natron und zuletzt für Kalk. — Bei vielen Versuchen bestimmte Küllenberg die durch Einwirkung der Salzlösung in Lösung übergeführten Basen, es ergab sich aus der stöchiometrischen Berechnung, dass in mehreren Fällen die gelösten Basen den absorbirten Mengen beinahe vollkommen äquivalent waren, in einigen wenigen Fällen waren sie zu niedrig, meistens wui'de ein Ueberschuss gefunden. Da hierbei zu berücksichtigen ist, dass durch die Salzlösungen grössere Mengen der schwer lös- lichen Erdsalze einfach gelöst wurden, als durch reines Wasser, so ist anzunehmen, dass für die absorbirte Basis nahezu äqui- valente Mengen anderer, im Boden schon vorhandener Basen in Lösuno- überi>;eführt wurden. Die zu den Versuchen benutzte Erde enthielt nach der Analyse keine Karbonate, es ergiebt sich also , dass deren Anwesenheit nicht unumgänglich noth- wendig ist zum Eintritt der Absorption, sondern dass die Kar- bonate durch andere Verbindungen — wahrscheinlich Silikate — vertreten werden können, mit denen die der Absorption unterliegenden Basen Substitutionen eingehen. Bei den freien Basen hält B retschnei der es für möglich, dass diese durch Flächenanziehung gebunden werden. 9. Die Löslich keit des vom Erdboden aus phos- phorsaurem Ammoniak absorbirten Ammoniaks und der Phosphor säure in Wasser. — 100 Grm. der obigen Erde wurden in einem Trichter 24 Stunden lang mit 250 CG. einer Lösung von phosphorsaurem Ammoniak digerirt, welche 0,7260 Grm. Phosphorsäure und 0,29 11 Grm. Ammoniak ent- hielt, dann filtrirt und mit soviel Wasser ausgewaschen, dass 250 CG. Filtrat erhalten wurden. Im Filter blieben 54,28 CG. Flüssigkeit zurück. Es wurden dann noch viermal je 250 GG. Wasser und zuletzt 1000 CG. durch die Erde filtrirt. Die Erde hatte 0,0799 Grm. Phosphorsäure und 0,0475 Grm. Ammoniak aufgenommen. In den verschiedenen Auszügen wurden ge- funden : 22 Cbcmisclic und physische Eigenschaften des Bodens. Phosphorsäure. Ammoniak. 1. Filtrat ; 0,0927 Grm. 0,0187 Grm. 2. „ 0,0255 „ 0,0054 „ 3. „ 0,0140 „ 0,0045 „ 4. „ . 0,0095 „ 0,0026 „ 5. „ . ■ 0,0076 „ 0,0009 „ Zusammen 0,1493 Grm. 0,0321 Grm. Davon ab die nur mechanisch mit dem Wasser in der Erde zurückgehaltene Menge . . . 0,1152 „ 0,0435 „ bleibt für das aus dem absorbirten Zustande wieder in Lösung Versetzte 0,0341 Grm, — 0,0114 Grm, Es ist hiernach nur von der Phosphorsäure ein kleiner Theil durch die Behandkmg mit Wasser wieder gelöst worden, während das Durchfiltriren von 2000 CO. Wasser bezüglich des Ammoniaks nicht einmal ausreichte, die ganze Menge des mit der zurückbleibenden Flüssigkeit in der Erde verbliebenen Ammoniaks auszuspülen. Durch direkte Bestimmung des Am- moniaks in der zu diesem Versuche benutzten Erde ergab sich, dass der Boden etwas weniger absorbirtes Ammoniak enthielt, als er nach der Rechnung hätte enthalten sollen. Es ist daher möglich, dass ein kleiner Theil desselben oxydirt worden ist, jedenfalls aber zeigen die Versuche, dass das absorbirte Ammo- niak mit grosser Festigkeit von der Erde zurückgehalten wird. Von der absorbirten Fhosphorsäure löste sich 1 Theil in 51 Gl 2 Theilen Wasser wieder auf. Henneberg und Stohmann*) folgerten aus ihren Versuchen, dass mit Ammoniak gesättigte Erde circa ein Zwanzigtausendstel ihres Gehalts an Ammoniak au Wasser abgiebt; Peters**) hat gezeigt, dass die Wieder- auflösung absorbirter Substanzen durch Kohlensäure, Salze etc. sehr be- fördert Avird. uebor ii i • t • • j i-i ii durch Acker- Absorptions versuchen mit Chlornatnum wurde m jedem Jballc * '""• 0,5 Pfd. = 3500 Grains der Erden mit vier Dezigallonen der Salzlösung, enthaltend 41,52 Grains Chlornatrium in einer Flasche mit Glasstöpsel Übergossen und vier Tage unter Um- rühren digerirt. Die Flüssigkeit wurde, nachdem sie sich geklärt hatte, abgehoben, filtrirt und analysirt. Die gefun- *) Liebig's Annalen. Bd. 107, S. 152. **) Die landwirthschaftlichen Versuchsstationen Bd. 2, S. 136. ***) Journal of the Royal agricultural society of England. 1865. S. 298. Chemische uiul physische Eigenschaften des Bodens. 23 deno. Schwefelsäure ist auf Kalk berechnet, das Chlor auf Magnesium, Kalium, Natrium und der Rest auf Kalcium. 1. Kalkboden. Der Boden war ein Kreidemergel, welcher enthielt: Wasser 3,62 Organische Substanzen 4,23 Kohlensauren Kalk 67,50 Eisenoxyd und Thonerde 7,54 Magnesia 0,44 Kali und Natron 0,79 Unlöslichen kicseligen Rückstand . . 15,88 Chlor und Phosphorsiiure Spuren 100,00. Nach beendeter Absorption enthielt die Flüssigkeit in 0,4 (}allonen: Kieselsäure, löslich 0,36 Grains Eisenoxyd und Thonerde . . 0,16 „ Chlornatrium 36,24 „ Chlorkalium 1,04 „ Chlormagnesium 0,30 „ Chlorkalcium 6,04 „ Schwefelsauren Kalk 7,55 „ Phosphorsäure » . Spur „ 51,69 Grains. Die Flüssigkeit enthielt Natron. Chloi'. vor der Absorption . . 22,00 Grains 25,16 Grains nach der Absorptio n . 19,20 „ 26,57 „ Mehr oder weniger —2,80 Grains -1-1,41 Grains. Absorbirt waren mithin 2,80 Grains Natron oder 1000 Gr. Boden absorbirten 0,8 Gr. Natron. Derselbe Boden absor- birte bei einem ähnlichen Versuche mit Chlorkalium auf 1000 Gr. Erde 3,578 Gr. Kali. Der Chlorgehalt zeigte sich nacli der Absorption etwas erhöht. 2. Zäher Thonboden. Der Boden hatte folgende Zusammensetzung: Wasser 3,91 Organische Substanzen und chemisch gebundenes Wasser ........ 4,80 Thon 78,13 Kalk 2,19 Sand . . 10,97 100,00. 24 Cliemisclie und phj'sische Eigenschaften des Bodens. Wasser 3,91 Organische Suhstanzen und Hydratwasser 4,80 Eisenoxyd und Thonerde 7,85 Phosphorsäure 0,04 Kohlensaurer Kalk • 2,08 Schwefelsaurer Kalk 0,15 Magnesia, Alkalien und Verlust 0,32 Kieselsäurehaltiger Kückstand 80,85 100,00. Vier Dezigallonen der Salzlösung enthielten nach vier- tägigem Kontakt mit der Erde: Kieselsäure, loslich .... 0,36 Grains Eisenoxyd und Thonerde . 0,28 „ Chlornatrium 34,88 „ Chlorkalium 1,80 „ Chlormagnesium 1,35 „ Chlorkalcium . 3,80 „ Schwefelsauren Kalk . . . 1,3G „ Phosphorsäure • 0,08 „ 43,91 Grains. Die Flüssigkeit enthielt Natron. Chlor, vor der Absorption . . 22,00 Grains 25,16 Grains nach der Absorption . 18,48 „ 25,42 „ Mehr oder weniger —3,52 Grains. +0,26 Grains. Hier war also etwas mehr Natron absorbirt, nämlich auf 1000 Grains Erde 1,057 Gr. Natron, der Chlorgehalt war nahezu gleich geblieben, 3. Fruchtbarer sandiger Lehmboden. Wasser 2,95 Organische Substanzen und Hydratwasser 6,75 Eisenoxyd und Thonerde 6,10 Kohlensaurer Kalk 1,22 Alkalien und Magnesia 1,20 Sand und Thon 82,22 Chlor ■ ■ Spuren 100,44. Nach beendeter Absorption enthielt die Flüssigkeit: Kieselsäure, löslich .... 0,12 Grains Eisenoxyd und Thonerde . 0,20 „ Chlornatrium 37,36 „ Chlorkalium 1,72 „ Chlormagncsium 0,30 „ Chlorkalcium 4,60 „ Schwefelsauren Kalk . . . 0,96 „ Phosphorsäure ■ Spur „ 45,26 Grains. Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. 25 Die Flüssigkeit enthielt Natron. Chlor, vor der Absorption . . 2J,ÜU Grains "25,10 Grains nach der Absorptio n ■ lHJ'.i „ 20,05 „ Mehr oder weniger — 2,21 Grains -\- 1,49 Grains. 1000 Grains Erde absorbirten liicnuich 0,G2 Graiüs Natron. 4. Humusbuden. Wasser 2,420 Organische Substanzen . . . 11,7(X) Eisenoxyd und Thonerde . . 11,800 Kohlensaurer Kalk 1,240 Schwefelsaurer Kalk .... 0,300 Phosphorsäure 0,080 Chlornatrium 0,112 Kali, iu Säure löslich .... 0,910 Kieselsäure, löslich 4,090 Unlösliches . 67,530 100,248. Die Flüssigkeit entliielt nach beendeter Absorption: Kieselsäure, löslich .... 0,12 Grains Eisenoxyd und Thonerde . 0,28 „ Chlornatriura 34,92 „ Chlorkalium 0,72 _ „ Chlormagnesium 0,47 „ Chlorkalcium 5,30 „ Schwefelsauren Kalk .... 0,41 „ Phosphorsäure .... . . . Spuren „ 42,22 Grains. Natron. Chlor. Vor der Absorption . 22,00 Grains 25,16 Grains Nach der Absorpti on 18,50 „ 25,27 „ Mehr oder weniger —3,50 Grains +Ojll Grains. 1000 Grains absorbirten mithin 1 Grain Natron. 5. Mergelboden. Zäher Thonmergel, enthaltend: Feuchtigkeit 4,72 Organische Substanzen und Hydratwasser . 11,03 Eisenoxyd 9,98 Kohlensauren Kalk 12,10 Thonerde ■ 6,06 Schwefelsauren Kalk 0,75 Magnesia und Alkalien 1,43 Kieselsäure (iu Kali löslich) 17,93 Unlösliches (Thon) ■ . 30,00 100,00. , 26 Clicmische und physische Eigenschaften des Bodens. Die Chlornatriumlösung enthielt in 0,4 Gallone 40,32 Grains Chlornatriura. Aus 3500 Grains Erde lösten sich bei der Ab- sorption : Organische Substanzen . . 2,520 Grains Kieselsäure 0,100 „ Eisenoxyd und Thonerde 0,080 „ Schwefelsaurer Kalk . . . 1,428 „ Kohlensaurer Kalk .... 2,172 „ Chlornatrium 33,642 „ Chlorkalium 0,538 „ Chlormagnesiuiu 0,460 „ Chlorkaicium 5,758 „ Phosphorsilure .... . . 0,058 „ 46,736 Grains. Direkt durch Eindampfen gefunden 46,500 Grains. Natron. Chlor. Vor der Absorption enthielt die Flüssigkeit 21,366 Grains 24,467 Grains Nach der Absorption 17,878 „ 24,696 „ Mehr oder weniger — 3,488 Grains + 0,229 Grains. Absorbirt wurden also von 1000 Gr. Erde 0,996 Gr. Natron. 6. Unfruchtbarer eisenschüssiger Sandboden. Der Boden enthielt Eisen, Quarzsand, wenig Thon und nur Spuren von kohlensaurem Kalk. Feuchtigkeit 1,43 Organische Substanzen 3,39 Eisenoxyd und Thonerde 12,16 Kohlensaurer Kalk 0,15 Alkalien und Magnesia 0,46 Unlösliches 82,41 Schwefelsäure und Phosphorsäur e Spuren 100,00. Stickstoft'gehalt 0,21 Proz., davon 0,085 Proz. als Ammoniak. Die Absorptionsflüssigkeit enthielt nach der Absorption: Organische Substanzen . 2,180 Grains Kieselsäure 0,160 „ Eisenoxyd und Thonerde 0,122 „ Chlornatrium 36,222 „ Chlorkalium 0,818 „ Chlormagnesium 0,304 „ Chlorkaicium 0,608 „ Schwefelsauren Kalk . . . 1,070 „ Phosphorsäure .... . . 0,040 „ 41,524 Grains. Chemisclie und pliysisrlio Eigenschafton dos Bodens. 27 Die Flüssigkeit enthielt: Natron. Chlor, vor der Absorption 40,320 Gr. Chlornatriuni = 21,366 Gr. 24,467 Gr. nach der Absorption • . . . . 19,193 n 24,402 „ Weniger 2,173 Gr. 0,065 Gr. Ein Tlicil des Chlors fand sich nach beendeter Absorption an Ammonium gebunden in der Flüssigkeit vor. 1000 Gr. Erde hatten aufgenommen: 0,62 Gr. Natron. Im Folgenden sind die erhaltenen Resultate übersichtlich zusammengestellt, /uglcich sind dabei die Kalimengen mit auf- geführt, welche dieselben Erden aus einer Chlorkaliumlösung unter ähnlichen Verhältnissen absorbirten. 1000 Gr. Erde nahmen auf: Natron. Kali. Kalkboden 0,800 Gr. 3,578 Gr. Streuger Thonboden 1,057 „ 3,970 „ Fruchtbarer sandiger Lehmboden . 0,620 „ 2,626 „ Humoser Boden 1,000 „ 3,758 „ Mergelboden 0,996 „ 3,373 „ Steriler eisenschüssiger Sand . . . 0,620 „ 1,465 „ Mit einigen dieser Erden führte Völker auch Versuche mit anderen Natronsalzen aus. Verhalten von schwefelsaurem Natron gegen Mergelboden. Die Ausführung dieses Versuchs geschah ganz in derselben Weise wie oben beim Chlornatrium ange- geben ist. Die Flüssigkeit enthielt 44,93 Grains schwefelsaures Natron (wasserfrei) in 0,4 Gallonen Lösung. Nach beendeter Absorption enthielt die Flüssigkeit: Organische Substanzen 0,440 Grains Kieselsäure 0,180 „ Eisenoxyd und Thonerde mit Spu- ren von Phosphorsäure .... 0,080 „ Kohlensauren Kalk 2,764 „ Schwefelsauren Kalk 8,506 „ Kohlensaure Magnesia 0,276 „ Kohlensaures Kali 0,252 „ Chlornatrium 1,266 „ Schwefelsaures Natron 36,874 „ 50,638 Grains. Natron. Schwefelsäure. Vor der Absorption enthielt die Lösung . 19,617 Grains 25,312 Grains Nach der Absorption . . . 13,283 „ 25.770 Mehr oder weniger — 6,334 Grains -\- 0,458 Grains. 28 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. 1000 Gr. Erde absorbirten hiernach 1,809 Gr. Natron. Völker nimmt an, dass ein Theil des schwefelsauren Natrons sich mit dem kohlensauren Kalk des Erdbodens umsetzte, und dass das hierbei gebildete kohlensaure Natron von den in der Erde enthaltenen Silikaten gebunden wurde. Schwefelsaures Natron gegen sterilen Sandbo- den. — Die xibsorptionsflüssigkeit war dieselbe wie bei dem vorigen Versuche, nach Beendung der Absorption enthielt dieselbe : Organische Substanzen 3,240 Grains Kieselsäure . - Ü,12U „ Eisenoxyd und Thonerde mit Phosphorsäure 0,100 „ Schwefelsauren Kalk 1,714 „ Schwefelsaure Magnesia 0,642 „ Schwefelsaures Kali 0,812 „ Chlornatrium 0,680 „ Schwefelsaures Natron 39,696 „ 47,004 Grains. Natron. Schwefelsäure. Gehalt vor der Absorption . . 19,617 Grains 25,312 Grains Nach der Absorption . . . . . 17 ,329 „ 25,552 „ Mehr oder weniger — 2,288 Grains -1-0,240 Grains. 1000 Grains Erde absorbirten mithin 0,653 Grains Natron. Auch hier fand sich nach beendeter Absorption ein Theil der Schwefelsäure an Ammoniak gebunden vor. Salpetersaures Natron gegen Mergelboden. — 1750 Grains Erde wurden mit 0,1 Gallone einer Lösung, welche 24,92 Gr. salpetersaures Natron enthielt, drei Tage lang dige- rirt, die Analyse der Flüssigkeit ergab: vor der Absorption nach der Absorption Salpetersäure . 1.5,82 Grains 15,715 Grains Natron 9,10 „ 9,569 „ Kali — 0,420 „ Kalk — ^__ 2,408 ^_^ 24,92 Grains 287ll2 Grains. Der Erdboden gab an reines Wasser geringe Mengen von Chloriiatrium, Kali und Kalk ab, woraus sich erklärt, dass nach der Behandlung der Erde mit der Salzlösung der Natrongehalt höher gefunden werden konnte. Da auch der Salpctcrsäure- gelialt mit einer gci-ingcn Diflcrenz derselbe geblieben ist, so erscheint es wahrscheinlich, dass das salpetersaure Natron nicht der Absorption unterliegt. Cliemische und jibysische Eigenschat'ion ilcs Bodens. 29 Küllenberg's Untersucluinjjon haben bezüglich des Natrons ein ent- gegengesetztes Resultat ergeben (S. LS), hinsichtlich der Salpetersiuiic ist anzunehmen, dass diese der Absorption eben so wenig wie Schwefelsäure und Chlor unterliegt. — Aus dem Umstände, dass bei den Absorptionsver- suchen mit Chlornatrium sich nach Beendung der Absorption ein Theil des Chlors au Ammonium gebunden vorfand, ergiebt sich, dass das Kochsalz die Fähigkeit hat, aus Bodenarten, welche stark mit verrottetem Dünger, mit Peruguano oder anderen ammoniakhaltigen Substanzen gedüngt worden sind, das Ammoniak anfzulüscn und den Pflanzen zugänglich zu machen. Hieraus erklärt sich die Erfahrung, dass das Kochsalz in leichten Boden- arten nach der Düngung mit Stallmist allein oder in Vermischung mit Peiu- guano namentlich zu Cerealien besonders günstig wirkt. Die Vermischung des Pcruguanus mit Kochsalz vor dem Ausstreuen auf das Feld hat sich erfahrungsmässig sehr günstig erwiesen, nicht, wie man wohl anftunehnen pflegt, weil das Kochsalz das Ammoniak bindet, sondern gerade umgekehrt, weil es dasselbe löst und vor der Absorption schützt. lieber den Gehalt des Bodens an Ammoniak, Ammoniak-, Salpetersäure und Totalstickstoff innerhalb der sSn/e-Tmi Vegetationszeit und unter verschiedener Pflanzen- st'ckstoef- decke, vonPaulBretscli neide r.*) — Diese Untersuchungen ^ßöVens" wurden in folgender Weise ausgeführt: Auf einem Felde wurden vier Parzellen von je 1 Quadratruthc Grösse abgemessen und durch drei Puss breite Wege von einander getrennt. Auf einer Parzelle wurde der Erdboden zu 12 Zoll Tiefe ausgehoben, ein hölzener Rahmen von 12 Zoll Höhe eingesenkt, und der Erdboden dahinein zurückgebracl)t. Dies Feldchen wurde mit ZuckeiTüben bepflanzt, aucli eins der anderen — nicht gesiebten — Felder wurde mit Zuckerrüben, die beiden letzten mit Wicken und Hafer bestellt. Der Boden war Ende April genau analy- sirt worden und hatte als Mittel aus sechs gut übereinstimmen- den Analysen die nachstehende Zusammensetzung ergeben. Später wurden zu fünf verschiedenen Zeiten sowohl von diesen vier Feldchen, als auch von einem der sie trennenden vegeta- tionsleeren Wege je 1 Kubikfuss Boden ausgehoben, derselbe gesiebt, und sein Gehalt an Wasser, Salpetersäure, Ammoniak und Gesammtstickstoff ermittelt. Die Bestimmung des Ammoniaks geschah nach Knop's azotometri- scher Methode, die der Salpetersäure nach der Methode von Scblüssing. Zusammensetzung des Erdbodens. 1000 Gewichtstheile des bei 150" C. getrockneten Bodens enthielten: *) Mittheilungen des landwirthschaftlichen Centralvereins für Schle- sien. Heft 14, S. 121. 30 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. Saud und Thou- . . . . 938,61 Lösliche Mineralstoffe 38,25 Humus 23,14 1000,00. In Salzsäure löslich: Kali 1,12 Natron 0,65 Kalk 2,26 Magnesia 2,00 Eiseuoxyd 15,15 Manganoxyd .... 1,35 Thonerde 13,83 Schwefelsäure . . . 0,26 Phosphorsäure . . . 0,91 Kieselsäure .... 0,69 Kohlensäure .... Spur Chlor 0,03 Gesammtstickstoff . 0,75 Ammoniak 0,0096 Salpetersäure . . . 0,0091. In der vierfachen Menge kalten Wassers löslich: Mineralstoffe .... 0,56. Organische Stoffe . 0,19. Wasserhaltende Kraft 36,35 Proz. Die folgende Zusammenstellung giebt die gefundenen Ge- halte an Ammoniak, Salpetersäure und Gesammtstickstoff auf die Fläche eines preussischeu Morgens bei 9,56 Zoll Tiefe berechnet in Pfunden: Rübeu- feld, Rüben- gesiebt. feld. 29,6 29.6 7,4 24,0 6,1 20,6 4,6 14,8 4,3 7,7 0,0 8,0 28,2 28,2 140,5 135,3 164,3 221,1 58,0 44,7 26,5 3,0 0,0 0,0 Vegeta- tionsleer. Gehalt an Ammo niak Ende April .... 12. Juni .30. Juni 22. Juli 13. August .... 9. September . . Gehalt an Salpe- tersäure Ende April .... 12. Juni 30. Juni 22. Juli 13. August 9. September . . 29,6 20,6 12,0 19,7 8,0 8,0 28,2 28,2 51,5 13,9 7,7 46,6 29,0 0,0 35,8 7,1 6,1 0,0 29,6 13,9 16,0 14,8 21,6 11,7 28,2 53,1 159,0 21,6 40,7 0,0 Chemische uud physische Eigeuschafteu des Büdeus. ^ 1 Ol Rüben- feld, gesiebt. Hafer- feld. Vege- tations- Iccr. Gesammtgehalt au Stick- stoff iu Form vou Ammo- niak und Salpetersäure Ende April 12. Juni 30. Juni 22. Juli 13. August [). September .... Totalstickstoffgehalt Ende April 12. Juni 30. Juni ! 2333,5 22. Juli I 2699,2 13. August 2733,5 9. September . . . . [ 2582,1 31,G 42,2 47,5 18,7 10,3 0,0 2326,1 2430,5 31,6 54,7 74,2 23,6 7,0 6,5 2326,1 2604,4 2871,9 2742,5 3157,9 2328,2 31,6 30,2 11,7 15,4 31,6 16,7 28,4 9,1 10,V 8,0 3,0 2326,1 2326,1 2802,7 3069,9 2843,8 2757,3 V 2361,9 3157,9 3132,9 3260,8 2502,4 31,6 25,1 54,3 17,7 28,2 9,6 2326,1 2359,7 2241,4 2462,8 2205,9 2147,5 Hiernach finden sehr beträchtliche Unterschiede in dem Gehalte des Bodens an Ammoniak und Salpetersäure während der verschiedenen Jahreszeiten statt. Der Ammoniakgehalt nimmt vom Frühlinge nach dem Herbste hin ab : bei dem ganz gleichmässigen, gesiebten Boden zeigt sich eine stetige Abnahme des Ammoniak vom April bis zum September, am geringsten ist die Abnahme bei dem vegetationsleeren Wege. Vergleicht man den Ammoniakgehalt des letzteren mit dem weit niedrigeren der lockeren gesiebten Erde, so scheint der Grad der Porosität des Bodens auf den Ammoniakgehalt von Einfluss zu sein. Die Abnahme des Ammoniaks in den mit Vegetation bedeckten Böden führt zu dem Schlüsse, dass das während des Winters angehäufte Ammoniak im Laufe des Sommers allmählich aus dem Erdboden verschwindet und zwar in um so höherem Grade, je mehr der Boden durch Kultur gelockert wird; auf vegeta- tionsleerem Boden ist die Verminderung nicht mit Sicherheit nachgewiesen. Dies ist bei der Salpetersäure nicht der Fall, hier zeigten die Felder ein verschiedenes Verhalten, Bei den Rübenfeldern trat zuerst bis Ende Juni eine bedeutende Stei- gerung ein, von diesem Zeitpunkte ab sank der Salpeter- säuregehalt jedoch wesentlich herab und verminderte sich nun stetig und in solchem Grade, dass im September keine Spur mehr davon aufzufinden war. Ganz ähnliche Verhältnisse zeigte auch die Erde aus den yegetationslceren Wegen, nur trat hier 32 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. die Steigerung des Salpetersäuregehalts langsamer ein, und zwar jedenfalls aus dem Grunde, weil dieser Boden nicht wie bei den Rübenfeldern durch Behacken mehrfach aufgelockert ■wurde. Bei den mit Wicken und Hafer bestandenen Feldstücken machen sich Unregelmässigkeiten bemerklich, auflallig ist nament- lich die Steigerung des Salpetersäuregehalts im Wickenfelde im Juli bis 13. August. Mit Ausnahme des Wickenfeldes, welches nach dem Abernten dicht mit Pflanzenüberresten be- deckt war und eine geringe Menge Salpetersäure auch noch im September enthielt, zeigten sich die Bodenarten im Herbste völlig frei von Salpetersäure. Die Gesammtmenge des assimi- lirbarcn Stickstoffs zeigt bei den Rübenfeldern eine Zunahme vom Beginn der Vegetation an, bis zum Ende des Juni, dann tritt eine stetige und beträchtliche Verminderung ein, die sich übrigens fast in gleichem Grade auch in dem Boden vom Wege beobachten lässt. Unter Wicken und Hafer dagegen wird der Boden selbst in der Zeit, in welcher auf den Rübenfeldern eine erhebliche Nitrifikation wahrgenommen wurde, nicht reicher an verfügbarem Stickstoff. Am Schlüsse der Vegetation sind alle Felder ärmer, als im Frühling. Die Angaben für den Total- stickstoflfgehalt zeigen viele Unregelmässigkeiten die wenig- stens zum Theil der Schwierigkeit, ein ganz gleichmässiges Untersuchungsmaterial herzustellen, zuzuschreiben sind. Bei dem Wickenfelde ergiebt sich eine kontiuuirliche Vermehrung des Totalstickstoflfs , veranlasst durch die den Boden in reichlicher Menge bedeckenden abgefallenen Blätter. Aber auch bei den übrigen Feldstücken ist mindestens eine Abnahme des Stickstoflfgehalts nicht wahrnehmbar. Schliesslich gelangt Bretschn eider zu folgender Schlussfolgerung: „Geht also aus den Untersuchungen auf der einen Seite hervor, dass der Totalstickstoflfgehalt des Ackers durch den Pflanzenbau nicht erschöpft wird, und auf der anderen Seite, dass auch die Quantitäten des assimilirbaren Stickstoffs, trotz der Anwesenheit der Kulturpflanzen, die ihn aufnehmen, fast in demselben Grade ab- und zunehmen, wie in einem völlig vegetationsleeren Felde, dass dieselben sogar im Frühjahr und Sommer unter einer Pflanzendecke eine nachweisbare Vermehrung durch Salpeter- bildung erfahren, während es unter dem Einflüsse der klima- tischen Verhältnisse hiesiger Gegend ein naturgemässcr Verlauf Chemische und phjsische Eigenschaften des Bodens. 33 zu sein scheint, duss die Quantitäten des assimilirbaren Stick- stoffs gegen den Herbst hin im Boden verschwinden, so ist man zu der Annahme gezwungen, dass der Kulturboden den Pflanzen ausreichende Quantitäten von Stickstoff zu liefern ver- mag, dass durch eine Reihe bisher theilweisc noch unbekannt gebliebener Ursachen die Prozesse im Boden und in der lebens- fähigen Pflanze dahin wirken, dass aus Wasser und atmosphä- rischem Stickstoff fortdauernd die beiden Körper erzeugt werden, welche man als die einzigen stickstoffhaltigen Nahrungsmittel des Pflanzenreiches erkannt hat." Es erscheint auffällig, dass bei den Bestimmungen des Totalstickstoff- gehalts in der Erde der Rübenfelder, wo doch ein Blattabfall während der Vegetation nicht stattfand, keine Abnahme bemerklich wurde. Da die Humussubstanzen im Erdboden der Verwesung unterliegen, welche durch die Lockerung des Bodens beschleunigt wird, und eine Vermehrung des Ammoniak- und Salpetersäuregehalts der Erden nicht eintrat, sondern vielmehr eine Abnahme, so ist anzunehmen, dass das durch die Verwesung der Humusstoffe gebildete Ammoniak und die Salpetersäure von den Pflanzen aufgenommen wurden; dem müsste aber eine Abnahme des Total- stickstoffgehalts entsprechen, die beträchtlicher sein müsste, als der Verlust der vegetationsleeren, nicht gelockerten Erde. — Ueber die Entstehung von Ammoniak aus Luft Eutstehuug und Wasser unter dem Einflüsse der Porosität des ^°° '^"'"<'- Diak aus Ackerbodens hat Decharme*) Untersuchungen ange- Luft und stellt. Es wurden zur Entscheidung dieser Frage 200 Liter ^^-'^ser ^ " unter dem Luft, die ihres Ammoniakgehalts beraubt war, über 250 Grm. Einflüsse der gewöhnliche Ackererde hinweggeleitet, welche vorher gewaschen j^"'"^''"' und geglüht oder bezüglich ihres Totalgehalts an Stickstoff bodens. untersucht und schliesslich auf ihren natürlichen Feuchtigkeits- gehalt zurückgebracht worden war. Die Gesammtsumme des gebildeten Ammoniaks betrug 0,139 Grm. — Ueber den Phosphors äurcgehalt in wässrigen ueber den Bodenauszügen von Eduard Heyden.**) — Der Verfasser ^''o'p'»'"^- . ^ ./ / Säuregehalt hat die von W. Knop'^**) ausgesprochene Behauptung, dass in in wässrigeu wässrigen Bodenauszügen keine Phosphorsäure vorhanden sei, Bo^en- ausziigen. durch Versuche geprüft, und ist dabei, wie schon früher Franz *) Aus Chem. news 186.5. Nr. 268 durch chemisches Centralblatt 1865, S. 782. **) Annalen der Landwirthschaft. Bd. 45, S. 189. ***) Chemisches Centralblatt 1864, S.168. Jabresbericht VII. Jahrg., S.31. Jahresbericht. VIII. o 34 Chemische uuil physische Eigensrhaften des Bodens. Schulze'^) zu entgegengesetzten Resultaten gelangt. Bei der Ausführung der Untersuchungen wurde durch 1250 Grm. Erde so viel Wasser filtrirt, dass 2500 CC. Filtrat erhalten wurden, in welchem die Phosphorsäure durch Molybdäuflüssig- keit bestimmt wurde. Benutzt wurden zwei Ackererden nebst dem dazu gehörigen Untergründe, deren Gesammtgehalt an Phosphorsäure durch Bcliandlung mit konzentrirter Salzsäure bestimmt wurde. Es wurde gefunden: Phosphorsäure in Salzsäure löslich, in Wasser löslich. Ackererde A. . . 0,137 Proz. 0,0057 Proz. Untergrund A. . 0,147 „ 0,0026 „ Ackererde B. . . 0,1G5 „ 0,0053 „ Untergrund B. . 0,153 „ 0,0019 „ Interessant ist bei diesen Ermittelungen, dass in den unteren Erdschich- ten ein viel kleinerer Theil der Phosphorsäure, im in Wasser löslichen Zustande vorhanden ist, als in der Ackerkrume. Hey den berechnet, dass der Gehalt der beiden Bodenarten an direkt in Wasser löslicher Phos- phorsäure nahezu ausreichend ist, um dem Bedarfe, welchen eine Halm- fruchterute während ihrer Vegetationszeit beansprucht, zu genügen. Die Auflösung der im Erdboden an Eisenoxyd und Thonerde gebundenen Phosphorsäure wird dem Verfasser zufolge, durch die kohlensauren Alka- lien bewirkt, welche als Zersetzungsprodukte der Silikate in keinem Boden fehlen. Einen direkten Beweis hierfür lieferte Heyden durch Ausziehen einer Erde mit einer einprozeutigen Lösung von kohlensaurem Natron, durch welche 0,008'J Proz. Phosphorsäure gelöst wurde, während eine gleiche Menge reinen Wassers nur 0,0053 Proz. Phosphorsäure aus der- selben Erde in Lösung überführte. uebereinige Ucbcr cinigo Ursaclicu der Unfruchtbarkeit des ursacheu A. g k g T b d c u s, vou Augustus Völkcr.**) — Die Ursachen der Uli- ' " ' fnichtbaikeit der Unfruchtbarkeit eines Erdbodens können sehr verschiedener des hrd- ^^.^ sein, bald liegen sie in einer ungenügenden chemischen bodeiis. 7 D o o Beschaffenheit des Bodens, bald ist der physische oder mecha- nische Zustand schuld daran, bald wirken beide Umstände zusammen. Der Verfasser hat nun in der nachstehenden Unter- suchung die gewöhnlichsten Ursachen der Unfruchtbarkeit oder Unproduktivität des Ackerbodens genauer untersucht. 1. Unfruchtbarkeit in Folge der Anwesenheit *) Die landwirthschaftlichen Versuchsstationen. Bd. 6, S. 409. Jahres- bericht VII. Jahrgang, S. 31. **) Journal of the Royal agricultural Society of England. II Series Bd. 1, S. 113. Chemische tiud physische Eigcuschafteu des Bodens. 35 schädlicher Stoffe im Erdboden. — Alle Erdböden, welche iin angefeuchteten Zustande blaues Lackmuspapier schnell rötlien, enthalten eine dem Pflanzenleben schädliche Substanz; gute und fruchtbare Bodenarten zeigen sich entweder neutral oder schwach alkalisch. Die saure Beschaffenheit unfruchtl)arer Bodenarten rührt entweder von einem Ucbermass an Humus- säure oder von einem Gehalte an Eisenvitriol her. Eine andere Substanz, welche zuweilen in unfruchtbaren Erdarten sich lindet, ist der Schwefelkies (Pyrit) ; dieser verwandelt sich unter dem Einfluss des atmosphärischen Sauerstoffs in schwefelsaures Eisenoxydul und deshalb finden sich diese beiden Verbindungen (Schwefelkies und Eisenvitriol) gewöhnlich zusammen vor. Ein Gehalt von 0,5 Proz, an Eisenvitriol macht das Land unfruchtbar und bei 1,0 Proz. Gehalt ist jedes Ptlanzenwaehsthum unmög- lich. Manche Bodenarten von bläulichgrauer oder dunkelgrüner Farbe enthalten beträchtliche Mengen von Eisenoxydul und dabei nur ganz geringe Mengen von Eisenoxyd, auch dies ist ein Zeichen schlechter Beschaffenheit. Drainage, Untergrund- pflügen, Grubbern und andere mechanische Operationen, welche der Luft den Zutritt zu dem Boden erleichtern, sind zur Ver- besserung derartiger Böden zu empfehlen. Als Zeichen der eingetretenen Verbesserung gilt die Umänderung der bläulichen Färbung in eine rothbraune. Da das Eisenoxydul in Wasser unlöslich ist, so kann es schwerlich geradezu als ein Gift für die Pflanzen angesehen werden, aber es zeigt die Abwesenheit des Sauerstoffs im Boden an, ohne welchen die Vegetation nicht in einem gesunden Zustande verbleiben kann. Eine andere Substanz, das Kochsalz, findet sich in übermässiger Menge besonders in solchem Lande, welches erst kürzlich dem Meere abgewonnen oder vom Meere überschwemmt wird. In derartigem Boden wachsen zwar einige Gräser und Meeres- pflanzen, aber Cerealion, Wurzelgewächse, Klee und andere Futterpflanzen gedeihen darin nicht. Bei trockenem Wetter pflegen solche Bodenarten weisse Effloreszenzen von Kochsalz zu zeigen. Völker beobachtete, dass fruchtbare Böden bei der Berieselung mit Seewasser unfruchtbar wurden. — In In- dien und Ungarn kommen Ackererden vor, welche ein Ucber- mass an Kali- und Natronsalpeter enthalten und Auswitterungen dieser Salze zeigen. 156 Chemisclip nur! ])hysische ?]igeii Schäften des Bodens. Nachstehend folgen einige Analysen solcher Erdarten, welche in Folge eines Gehalts au schädlichen Substanzen unfruchtbar sind. Torfboden von Meare bei Bridgewater. Organische Substanzen (reich an Huniussäure) . 97,760 Eisenoxyd und Thonerde 0,536 Kohlensaurer Kalk 0,855 Magnesia 0,144 Kali 0,131 Natron 0,065 Phosphorsäure 0,053 Schwefelsäure 0,051 Kieselsäure . . 0,405 100,000. Stickstoffgehalt 1,428 Proz. Bei diesem Boden ist der Gehalt an Mineralstoffen und namentlich an Phosphorsäure sehr gering, der Boden ist unfruchtbar durch Ueberfluss an organischen Säuren. Kalk und Mergel haben bekanntlich die Fähigkeit, diese Säuren zu neutralisireu und bilden daher die besten Korrektions- mittel für solche Bodenarten. Boden vom Haarlemer Meere in Holland. Organische Stoffe und chemisch gebundenes Wasser .... 14,71 Eisenoxyd und Thonerde 9,27 Schwefelsaures Eisenoxydul 0,74 Zweifach Schwefeleisen (Pyrit) 0,71 Schwefelsäure, mit Eiseuoxyd zu basischem Sulfat verbunden 1,08 Schwefelsaurer Kalk 1,72 Magnesia 0,73 Kali 0,53 Natron 0,32 Chlornatrium 0,09 Phosphorsäure 0,27 Unlösliches (Thon) • • 69,83 100,00. Stickstoffgehalt 0,52 Proz. Der Boden ist reich an pflanzennährenden Bestandtheilen, besonders auch an Phosphorsaure und ebenso an organischer, stickstoffreicher Hu- mussubstanz, aljer leider ist er in beträchtlichem Grade mit schwefelsaurem Eisenoxydul imprägnirt und daher unfruchtbar. Volker bemerkt hierzu, dass dieser Boden erträgliche Ernten geliefert habe, so lange er nur ganz flach bearbeitet worden sei, nach tieferer Bearbeitung ergab er vollständige Missernten. Eine starke Düngung mit Stallmist verschlimmerte das Uebel noch mehr, darnach gingen selbst die tiefer wurzelnden Unkräuter aus und nur die flach wurzelnden blieben. Es erklärt sich dies daraus, dass durch die Mistdüngung das Uebermass an löslichen Substanzen im Erd- boden noch mehr gesteigert wurde. Die Verbesserungsmittel für derartige Erden sind Kalk, Mei-gcl oder Kreide, durch welche das schwefelsaure Chemische und iiliysische Eigenschaften des Bndons. 37 Eisenoxydul in freies Eisenoxydul und Gips zersetzt wird; um die voll- ständige Oxydation des ersteren zu erreichen, ist zugleich eine Durchlüftung des Bodens durch zweckentsprechende Bearheitung zu empfehlen. Boden von der Meeresküste bei Hampshire. Feuchtigkeit 5,45 Organische Stoffe und chemisch gebundenes Wasser . 9,93 Eiseuoxyd und Thonerde 7,18 Schwefelsaures Eisenoxydul 1,39 Zweifach -Schwefeleisen 0,78 Schwefelsaurer Kalk 0,34 Magnesia 0,51 Chlornatriura 0,04 Kali und Natrun 0,83 Unlösliches • • 73,55 100,00. Diese Erde ist der vom Haarlemer Meere sehr ähnlich. Unfruchtbarer Boden von Sandy in Bedfordshire. Organische Stoffe und chemisch gebundenes Wasser . 4,27 Eisenoxyd und Thonerde 3,84 Phosphorsäure 0,09 Schwefelsaurer Kalk 0,85 Magnesia 0,96 Kali und Natron 0,47 Schwefelsaures Eisenoxydul 1,05 Schwefeleisen 0,56 Unlösliches (hauptsächlich Sand) • 87,91 100,00. Der Boden war durch feinzertheiltes Schwefeleisen sehr dunkel, fast schwarz gefärbt, obgleich er wenig Humus enthielt. In dieser fein zer- theilten Form scheint das Schwefeleisen besonders schädlich zu sein. Wo solche schwarze Böden vorkommen, soll sich in der Luft zu Zeiten ein Geruch nach Schwefelwasserstoff bemerklich machen, besonders bei warmer Witterung im Sommer. Völker schreibt diesen Geruch einer Einwirkung der in der Luft enthaltenen Kohlensäure auf das Schwefeleisen zu. Salzboden, mit Kochsalz und Kalksalpeter überladen. Feuchtigkeit 10,86 Organische Stoffe 4,84 Eisenoxyd und Thonerde 11,28 Phosphorsäure 2,35 Kohlensaurer Kalk .... 5,21 Salpetersaurer Kalk . . . 2,32 Chlornatrium 11,61 Chlorkalium 2,31 Unlösliches 49,22 100,00. Stickstoffgthalt U,24 Proz. Öalpetersäuregehalt 1,526 Proz. 38 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. Der hohe Gehalt an Phosi^horsäure in diesem Boden deutet darauf hin, dass die Salpetersäure sich aus thierischen Stoffen gebildet hat. Aehnlich, wie hier die Salpetersäure, können auch andere lösliche Substanzen, die als unentbehrliche Nährstofle der Pflanzen anzusehen sind, den Boden unfruchtbar machen, wenn sie in zu grosser Menge in demselben vor- kommen. Völker nimmt an, dass dies Uebermass bereits eintritt, wenn der Boden mehr als 0,1 Proz. löslicher Salze enthält. 2. Unfruchtbarkeit in Folge eines Mangels an einem oder mehreren Pflanzennährstoffen. — Nicht selten kommen Bodenarten vor, welche, wie die nachstehend analysirten, einen zu geringen Gehalt an Phosphorsäure ent- halten, um den Erfordernissen einer üppigen Vegetation ge- nügen zu können. Sandboden. Thonböden. Feuchtigkeit — 10,06 12,37 Organische Substanz . . . 3,02 7,69 8,07 Eisenoxyd und Thonerde . 4,34 13,36 14,45 Phosphorsäure 0,07 0,04 0,01 Schwefelsaurer Kalk . . . 0,10 0,17 0,14 Kohlensaurer Kalk .... 0,17 0,24 0,00 Kali und Natron 0,26 1,65 1,21 Magnesia 0,41 0,46 0,37 Unlösliches 91,63 66,33 63,38 Diese Analysen beweisen, dass Bodenarten von sehr ver- schiedenen physischen Eigenschaften an demselben Fehler leiden können. Dies zeigt also, dass die blosse Berücksichtigung der physischen Beschaffenheit des Erdbodens zu einer Beurtheilung seiner Ertragfähigkeit nicht ausreicht. Völker ist der Ansicht, dass die relative Produktionsfähigkeit verschiedener Bodenarten oft in einem engen Zusammenhange mit ihrem Gehalte an Phospliorsäure steht, dieser also in erster Linie die Fruchtbar- keit des Bodens bedingt. — Eine andere Substanz, welche ebenfalls zuweilen nur in Spuren im Erdboden vorkommt und nicht selten in zu geringer Menge, ist der Kalk. Ueber einen etwaigen Mangel an Kalk im Boden giebt die Wirksamkeit der Kalk- und Mergeldüngung Auskunft. Nachstehende Analysen betreffen Erdböden, welche alle gegen Kalk und Mergel sich sehr dankbar erwiesen haben. riioniisclie uiul jibyi^isclio Kigenschiifton dos Bodens. 39 Bcstandtheile. Sand- boden von Kont. ZiUicr liii- mosci- Boden von Sonuner- sctshirc. Thon- bodon von I)o- nu'i;ira. Moorboden vomKcnnioor in Sonimcr- setsliirc. Fenchtigkoit Organische StoiVe .... Eisonoxyd und Tbonorde Phosphorsiiure Scliwefelsäure Kalk Magnesia Kali und Natron Unlösliches 3fi2 7,50 0,13 0,43 0,49 0,48 87,f)3 1()(),(I0 — 7,03 16,80 12,58 10,08 11,10 — 0,48 — 0,11 0,75 0,13 1,56 0,33 0,45 0,52 64,36 67,72 55,32 13,(18 0,06 1,20 (V.t7 0,54 1,02 27,81 100,00 100,00 100,00. Es dürfte hierbei die Bemerkung nicht überflüssig sein, dass die Kalk- und Mergeldüngung häufig auch in solchen Buden noch einen günstigen Erfolg zeigt, welche schon an sich nicht unbedeutende Mengen von Kalk enthalten, mindestens ausreichend, um Ilnnderte von Ernten mit Kalk zu versorgen. Nach Stückhardt*) reicht ein Gehalt von 0,5 Proz. Kalk im Erdboden vollständig hin, um dem Kalkbedarfe der Kleepflanze zu genügen. Eine weitere sehr verbreitete Ursache der Ertraglosigkeit mancher Bodenarten ist der Mangel an Alkalien und besonders an Kali; höchst wahrscheinlich ist dieser Mangel viel weiter verbreitet, als man gewöhnlich annimmt. Alle Produkte des Feldbaues enthalten viel Kali, am meisten die Wurzelgewächse. Wenn diese Gewäclise, z. B. Turnips u. dergl., mit einer blossen Superphosphatdüngung gebaut werden, so müssen sie das Land an Kali erschöpfen. Vielleicht mag das hier und dort beob- achtete Feldscldagen der Wurzelfrüchte auf Land, welches früher gute Ernten derselben lieferte, von dem Mangel an Al- kalien abhängig sein. Die Analyse lehrt, dass manche ertrag- arme Bodenarten wenig Alkalien enthalten, wälirend in allen ertragreichen der Gehalt an Kali und Natron beträchtlicher ist. Thonböden sind dabei oft ebenso arm als Sandböden. Schwerer Thonböden. Leichter Sandboden. Feuchtigkeit 4,01 Organ. Stoffe und chemisch geb. Wasser 8,51 Eisenoxyd und Thonerde 11,24 Phdsphorsäure 0,06 Schwefelsäure 0,19 6,92 6,43 0,11 Kalk Magnesia 0,46 Kali und Natron 0,45 Unlösliches 75,08 hauptsächli ch Thon 1()(),()0 *) Chemische Feldpredigtcn. II. Theil, S. 48. 0,65 0,39 0,33 85,17 Sand 100,00. 40 Chemische und j^hysische Eigenschaften des Bodens. Völker bemerkt hierzu, dass hei diesen beiden Buden Kali und Natron augenscheinlich mangeln; beide sind zugleich arm an Phosphorsäure und Kalk. Es lässt sich aus der Analyse nicht beurtheilen, wie weit diese Ansicht begründet ist, da nur die Gesamratmenge der Alkalien , Kali und Natron aber nicht getrennt bestimmt sind, auch ist über die Art des be- nutzten Lösungsmittels nichts bemerkt. Im Allgemeinen ist jedoch der Gehalt von 0,33 und 0,45 Proz Alkalien nicht als ein abnorm niedriger zu bezeichnen. — Der Verfasser bemerkt ferner, dass unfruchtbare Böden selten nur an einem Pflanzenuährstofle arm sind, aus diesem Grunde genügt es auch selten, zur Verbesserung derselben einseitige Düngestoffe, welche wie der Kalk nur einen Bestandtheil zuführen, in Anwendung zu bringen. Sandige Bodenarten bedürfen im Allgemeinen öfterer einer Zuführung von Kalk, als von Phosphorsäure oder Kali. In Deutschland hat man dagegen bei der Kalkdüngung gerade umgekehrt die Erfahrung gemacht, dass der Kalk sich für bündige, thonige, schwere Bodenarten besonders nützlich erweist, für leichte Bodenarten dagegen entbehrlich ist. — Die Schwächen des Sandbodens zeigt nach Völker die nachstehende Analyse. Armer Sandboden. Feuchtigkeit 4,78 Organische Stoffe 1,03 Eisenoxyd und Thonerde . . . 1,72 Kalk 0,19 Magnesia 0,10 Kali 0,23 Natron — Phosphorsäure 0,04 Schwefelsäure 0,12 Kohlensäure und Chlor .... Spuren Unlösliches 91,79 bestehend aus: Kieselsäure 89,32 Thonerde 1,81 Kalk — Magnesia 0,36 Kali 0,15 Natron 0,15 100,00 91,79. Dieser Boden ist als ein hungriger zu bezeichnen, es fehlt ihm an Kalk, Phosphorsäure und Alkalien. Erfahi-ungsmässig zeigt sich solcher Boden besonders dankbar für Kloakendünger (town sewage). 3. Unfruchtbarkeit in Folge ungünstiger Boden- mischung. — Die fruchtbarsten Erdai'tcn: Alluvialbilduugen und abgelagerter Schlick aus Flüssen, lassen sich betrachten als eine innige mechanische Mischung von Thon, Kalk, Saud und organischen Substanzen, in welcher keiner dieser Bestand- theile vorwiegt und so dem Lande einen besonderen Charakter Chomisrlie und physische Eigenschaften dos Bodens. 41 aufprägt. Auf der anderen Seite bewirkt ein solches Vor- walten eines dieser Gemengtheile oft eine relative Ertraglosig- keit. Jeder dieser Stoffe besitzt gewisse cliemisclie und phy- sische Eigenschaften, welche für die Entwickelung der Pflanzen nützlich sind, und es ist daher leicht zu begreifen, wie wichtig ihre intime und genau proportionirte Mischung ist, welche wir im Alluvialboden finden. Beispiele derartiger Böden von einem einseitig excessiven Charakter sind die nachstehenden. r.estaiultluMle Feuchtigkeit Organische Stoffe und chemisch gebuudeues Wasser Thonorde und Eisenoxyd Kohlensaurer Kalk Magnesia Kali und Natron Phosphorsäure Schwefelsäure Kieselsäure Erde und Thou ^^ , 100,(X)0 j 100,00 I 100,00 1 100,00. 4. Unfruchtbarkeit in Folge einer zu geringen Mächtigkeit der auf Fels lagernden Ackerkrume. — In gebirgigen Gegenden finden sich zuweilen Bodenarten, welche, obgleich sie von ausgezeichneter Beschaffenheit sind, doch wegen zu geringer Mächtigkeit der unmittelbar auf Fels lagernden Ackerkrume nur geringe Erträge liefern. 5. Unfruchtbarkeit in Folge eines undurchlas- senden oder extrem thonigen Untergrundes, welcher nicht leicht zu drainiren ist. — Ein beträchtlicher Theil der Thonböden ist nach Völker unproduktiv in Folge eines undurchlässigen Thonuntergrundes von grosser Mächtigkeit, welcher in England oft 30 bis 40 Fuss tief liegt. Die Drai- nage wirkt in solchem Boden, obgleich verbessernd, doch nicht durchgreifend genug. Ein solcher Boden von Shepton-Mallet, Sommersetshire, entluelt in 100 Theilen: Feuchtigkeit 4,54 Organische Stoffe und gebundenes Wasser 14,40 Eisenoxyd, Thonerde und Phosphorsäure . 14,45 Schwefelsaurer Kalk 0,-*J Kohlensaurer Kalk 14,«0 Magnesia <*,9|j Kali und Natron ti,93 Unlösliches (hauptsächlich Thon) . . . ■ ■ • 49,(jG t00,tK3. 42 Chemische luul jihysischo Eigenschaften dos Bodens. Der Boden war durch einen Gehalt au Eisenoxydul und organischen Stoffen dunkel gefärht; ohgleich nicht geradezu schädlich, zeigen Eisen- oxydul und Ueherniass an organischen Suhstanzen doch eine ungesunde Beschaffenheit des Bodens au. Sie sind Zeichen einer ungenügenden Durch- lüftung des Bodens, denn in porösem Boden fehlt das Eisenoxydul und auch die organischen Uehorrcste der Pflanzen und des Düngers können sich darin nicht in schädlichem Uehermass ansammeln. Chemisch betrachtet, enthält dieser Boden alle Pflanzennährstoffe in überflüssiger Menge, dies ist auch der Grund, weshalb erfahrungsmässig der Stallmist in demselben nicht wirkt. Dieser und ähnliche Bodenarten finden sich in England be- sonders in der Liasformation, gewöhnlich liegt unter dem Ackerboden ein Thonbett von grosser Tiefe, welches so zähe ist, dass es selbst durch Drainage der Luft nur wenig zugänglich gemacht werden kann. 6. Unfruchtbarkeit durcli Mangelhaftigkeit der Drain anlagen. — Schlecht ausgeführte oder schadhaft ge- wordene Drainanlagen sind oft die Ursache der Ertraglosigkeit von Bodenarten, welche man nur ordentlich zu drainiren braucht, um sie für immer zu A'crbessern. 7. Unfruchtbarkeit in Folge schlechter physi- scher Beschaffenheit. — Völker theilt die Analyse eines Weidelandes mit, welches nach dem Niederlegen zur Weide in den beiden ersten Jahren luxuriöse Erträge lieferte, später aber trotz der verschiedenartigsten Düngung unfruchtbar wurde. Wiesenboden von Churchdown. Feuchtigkeit 4,04 Organische Stoffe und chemisch gebundenes Wasser . . . 11,66 Eisenoxyd, Thonerde und Phosphorsäure 16,67 Kohlensaurer Kalk , 10,03 Magnesia 1,38 Kali und Natron 1,01 Unlösliches (Thon) . 55,21 10(»,00. Der Verfasser glaubt, dass die Abnahme der Produktivität dieses Bodens nicht die Folge eines Mangels an Nährstoffen, sondern einer \or- schlechterung der physischen Beschaffenheit ist. In den ersten Jahren nach dem Niederlegen zur Weide war der schwere Thonboden noch porös, später setzen sich die Poren zusammen und verhinderten dadurch den Zu- tritt der Luft. In solchen Boden Dünger zu bringen, ist unvortheilhaft; Guano und Ammoniaksalze schaden bei trockenem Wetter geradezu und bei feuchter Witterung ist das Wasser ausreichend, um von den im Boden enthaltenen Nährstoffen eine genügende Menge löslich zu machen. Das Korrektionsmittel für solche Bodenarten ist die Luft, sie müssen umgebro- chen werden, längere Zeit — besonders den Winter hindurch - in rauher Furche liegen, um wieder den nöthigen Grad von Lockerheit zu erhalten. Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. 43 Am Schlüsse seiner Abliantllung spricht Völker seine Ansichten über den Werth der Bodenanalysen für praktische Zwecke der Landwirthschaft aus; er glaubt, dass eine sorg- fältig ausgeführte und mit Sachkenntniss gedeutete Analyse über folgende Punkte bestimmte Auskunft geben kann : 1. Ob ein Boden ertraglos ist in Folge eines Gehalts an schädlichen Substanzen (sclnvefelsaures Eisenoxydul) odcu- durch ein schädliches Uebermass an löslichen Salzen (Kochsalz, Nitrate etc.)- 2. Ob der Boden in Folge eines Ueberwiegens eines der mechanischen Geraengtheile (Thon, Sand, Kalk, Humus) eine unvortheilhafte Mischung besitzt. 3. Ob der Boden Mangel leidet an Kalk, Phosphorsäure, Kali oder mineralischen Pflanzcnnährstoften im Allgemeinen. 4. Ob der Boden durch Kalk-, Mergel- oder Thondüngung verbessert werden kann, und welcher dieser Stoffe am vor- theihaftesten erscheint. 5. Ob Spezialdünger (Superphosphat oder Ammoniaksalze) auf einem Boden verwendet werden können, ohne demselben nachhaltig zu schaden, oder ob Stallmistdüngungen erforderlich sind, durch welche alle dem Boden entzogenen Stoflfe ersetzt werden. 6. Welche käufliche Dünger für einen Boden die geeignet- sten sind. 7. Ob die im Erdboden enthaltenen Nährstoffe darin im assimilationsfähigen oder inerten Zustande vorhanden sind. 8. Ob Tiefpflügen und Dampfpflügen für einen Boden empfehlen s werth erscheint, um die natürlichen Quellen der Fruchtbarkeit zu befördern. 9. Ob ein Thon mit Vortheil zur Düngung benutzt werden kann, und ob im gebrannten oder ungebrannten Zustande. In Deutschland ist in neuerer Zeit die Bodenanalyse mit Unrecht sehr in Misskredit gekommen, nachdem man früher die Erwartungen davon gar zu hoch gespannt hatte. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, dass die Analyse des Bodens im Stande ist, über die obigen Punkte mit mehr oder weniger Bestimmtheit Auskunft zu geben, allerdings ist aber hierzu, wie auch Völker ausdrücklich hervorhebt, eine richtige Auslegung der Ana- lyse erforderlich, welche eine genaue chemische und landwirthschaftliche Sachkenntniss voraussetzt. 44 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. Abhängig- keit der Produktivi- tät eines Bo- deu8 von seiner che- mischen Konstitu- tion. üebcr die Abhängigkeit der Ertragfähigkeit des Bodens von seiner chemischen Konstitution, von Frhr. von Schorlemer.'^) — In unserm vorjährigen Berichte haben wir mitgetheilt, dass in Westphalen ausgeführte Boden- untersuchungen ein mit der praktischen Werthschätzung über- einstimmendes Resultat ergeben haben, der Art, dass in erster Reihe der Gehalt des Bodens an Phosphorsäure die Ertrag- fähigkeit bedingt. In der ersten Bodenklasse wurde der höchste Gehalt an Phosphorsäure gefunden, mit jeder niedrigeren Klasse verminderte sich derselbe. Eine scheinbare Ausnahme fand da statt, wo entweder ein übermässiger Gehalt an Eisenoxyd die Klassifika- tions- distrikt. Gemeinde. Acker- klasse. Beschaffenheit der Ackerkrume. Altenberge Rheine Steiulurt Laer Laer Altenberge Laer Altenberge Alteuberge Rheine, rechts der Ems Rheine, links der Ems Mesum Neueukirchen Ilembergen Rheine, rechts der Ems Borghorst Steinfurt Borghorst Horstraar Wel bergen Laer Laer I II III IV V VI I II III IV V VI I II III IV V VI VII Humusreicher saudiger Lehm, in offener trockener Lage Sandiger Lehm, in trockner Lage .... Lehmiger Sand, in eingeschlossener, et- was nasser Lage Etwas strenger nasser Thon Bündiger Thon, in nasser, kalter Lage . Schwerer, ganz trilgerThon (weisser Klai), in kalter Lage Humoser lehmiger Sand, in freier, etwas zu trockner Lage Lehmiger Saud, in offener, trockner Lage Grauer, wenig humoser Sand, in trockner Lage Grauer, magerer Sand, in eingeschlosse- ner, etwas nasser Lage Grauer, sehr magerer Sand, in sehr trock- ner Lage Grauer, ganz magerer Sand . . . . . . .. Sehr humusreicher lehmiger Saud, in freier, trockner Lage n;ich Süden Etwas humusreicher lehmiger Sand, in eingeschlossener, etwas nasser Lage . Sandiger Lehm, in nasser Lage ..... Sandiger Ijchm, in nasser Lage Magerer humusarmer Sand , in etwas nasser Lage Grauer magerer Sand, in sehr trockner Lage • • • • Braungrauer, fast humusfreier Sand, neu kultivirtes Haideland ; **) Ürigiualniittheilung. Chemisclie luul ])liysiscl)0 Eigonsch \ftcn des üodons. 45 Güte dos Bodens hciiitriichtigtc, oder, wo ein sehr reicher Gelialt an koldcnsaurcm Kalk auftrat. Jn geringerem Grade schien der Hnmusgehalt die Ertragfähigkeit des Bodens zu beeinflussen. Durch die Güte des A^erfasser sind wir in den Stand gesetzt, jetzt die analytischen Ergebnisse dieser inte- ressanten Untersuchungen mitzutheilen. Die betreffcndon Bodenarten sind überall zu gleichen Theilen aus Ackerkrume und Unteigrund gemischt worden. Die chemische Unter- suchung fand zwei Jahre nach der Einschätzung der Ackerbiulen , welche die Musterstücke für die Bonitirung des Kreises Hteinfurt bildeten, statt; sie ist von Sigismund Feldhaus ausgeführt worden. Beschaffenheit des Untergrundes. Tiefe der Acker- krume. ZoH. In 100 Theilen trockner Erde wurden gefunden: Phos- phor- säure. Humus. Durchlässiger Lehm oder verwitter- ter Kalkstein Ziemlich durchlässiger Thon oder Gerolle Sand Sehr strenger eisenschüssiger Lehm Sehr strenger Thon Ganz undurchlassender strenger Thon Sand und etwas Kalkgerölle . . . . Lehmiger Sand, in der Tiefe Kalkstein Sand mit Orstein Eisenschüssiger Sand Gelber und weisser Sand Orbänke, Sand Durchlassender sandiger Lehm . . . Eisenschüssiger Sund Ziemlich strenger undurchlassender Lehm, eisenschüssig Undurchlassender Thonboden . . . . Eisenschüssiger Orsand Orsand und Orbänke Or.sand und Orbänke *) Davon 1,03 Proz an Kohlensäure gc 12 10 8 4 3-4 1 — 2 15 9 8 6 4 3 14 11 8 5 6 5 3 bunden. 0,0988 0,0649 0,0305 0,0333 0,0252 0,0432 0,0519 0,0301 0,0108 0,0127 0,0168 0,0011 0,0598 0,0422 0,0226 0,0289 1,34 1,02 1,159 1,21 1,38 1,03 2,27 1,49 J,.54 1,87 1,32 1,76 2,42 1,58 0,87 1,26 Eisen- oxyd. 1,77 1,71 2,14 4,49 3,23 4,03 2,89 2,04 2,83 1,38 166 1,02 2,72 1,87 3,23 2,72 0,0006 1,80 2,16 0,072 0,015 0,00035 0,95 1,20 0,084 0,009 Spuren 0,52 0,35 Spuren 0,013 **) Davon 12,58 Proz. an Kohlensäure geb. Kalk. Mag- nesia. 0,84 0,61 0,57 0,56 1,34*) 12,86**) 0,42 0,28 0,27 0,14 0,092 0,045 1,13 0,59 0,29 0,21 0,053 0,025 0,068 0,087 0,046 0,214 0,038 0,032 0,012 0,019 0,026 Spuren 0,041 0,035 0,028 0,007 46 Chemische und physisehe Eigenschaften des Bodens. Der Verfasser bemerkt hierzu, dass die Abstufung der Phosphorsäure und des Humus meist mit der Abstufung der Ackerklassen übereinstimmt, und wo sieh eine Abweichung zeige, da werde durch den grösseren oder zu grossen Gehalt an Eisenoxyd, durch den zu grossen Kalkgehalt, wie bei der VI. Klasse von Altenberge (dem schwersten und schlechtesten Thonboden des Kreises) oder den zu geringen Kalkgehalt, wie bei der IV., V., VI. und VII. Klasse von Neuenkirchen, Hem- bergen, Rheine rechts der Ems, Horstmar, Welbergcn und Laer, oder endlich durch die Tiefe der Krume die Abstufung der Einschätzung gerechtfertigt. Wir verweisen hierbei darauf, dass auch Völker*) den Phosphor- sauregehalt des Bodens als wichtigstes Moment für die Beurtheilung sei- ner Produktivität betrachtet. Analyse Eiucu vorzüglichcn Flachsboden von Londonderry- TgLll country analysirte Hodges.**) — FUchs- Thon und organische Stoffe . 10,97 bodens. g^Q^ . . 89,03 100,00. Kali 0,11 Natron 0,03 Kalk 0,09 Chlor 0,17 Schwefelsäure . . . 0,06 Organische Stoffe . 0,48 0,94 in Wasser lösliche Stoffe. Eisenoxyd 7,49 Thonerde 3,31 Kalk 1,12 Magnesia 0,09 Kohlensäure .... 0,65 Phosphorsäure . . . 0,02 Kieselsäure 0,28 Organische Stoffe . 7,14 20,10 in Säure lösliche Stoffe. Unlösliches . . . . 79,01 100,05. Stickstoffgehalt . . 0,19 Prozent. Analysen C. Karmrodt*) analysirte verschiedene zum Hopfen- """hfden^" bau benutzte Bodenarten. Diese waren: *) S. 38. **) Farmers magazinc Bd. 28, S. -101. ***) Zeitschrift des landwirthschaftlichen Vereines für Rheinpreussen. 186.5. S. 322. Cliemisiho und physisclic Eigonschaftcn des Bndcus. 47 Nr. 1. Weisser Untergrund ) der besten Hopfenanlagcn Nr. 2. Schwarzer Untergrund ( zu Saaz in Böhmen. Nr. 3. Rother Untergrund von Kylburg, der besten Hopfen- lage der Rheinprovinz, aus einer Tiefe von 2,5 Pusa entnommen. Nr. 4. Untergrund einer Hopfenlage vom „Berlenborn", Bann Bitburg, aus 2 Fuss Tiefe. (In der oberen Krume befindet sich viel Kalkstein.) Nr. 5. Untergrund einer schönen Pflanzung bei Nattenheim. Aus drei Fuss tief rajolten Feldern ist die Probe aus 2 Fuss Tiefe entnommen. Nr. 6. Mineral (Bitterspath) aus dem Nattenheimer Boden; dasselbe stellt kleine, bis erbseugrosse. strahlig-kri- stallinisclie, weisse Körner dar, welche in dem gelb- lichen, festen Gestein des Nattenheimer Bodens ein- gesprengt sind. Bestandtheile. Chemische Analyse: Kali Natron Magnesia Kalk Thonerde Eisenoxyde Phosphorsäure Schwefelsäui-e und Chlor Kohlensäure Kieselsäure, löslich . . Kieselsäure und Silikate Organ. Stoffe und ehem. gebundenes Wasser . Feuchtigkeit . . Summa In Wasser löslich Organische Stoffe . . . Mineralische Stoffe . . Schlämraanalyse: Abschlämmbare Theile Sandiges Mineral . . . Feuchtigkeit 1,620 0,268 0,331 0,230 18,000 4,200 0,103 wenig Spur 30,488 37,232 0,975 0,276 0,672 0,228 20,469 6,872 0,107 wenig Spur 40,909 12,872 1,010 0,159 0,722 0,157 8,327 4,312 0,037 wenig Spur 12,596 69,240 2,815 0,621 1,888 0,940 14,956 10,440 0,092 wenig Spur 36,040 22,940 0,185 wenig 1,440 49,245 1,855 0,035 wenig 39,200 5,420 12,410 21,084 2,650 30,000 Summa i 1007ÖOOTlOO,000 Cäsium und Rubidium i Laspeyres*) ist es gelungen, in 100,000 , l(tO,000 i 100,000 I — m Melaphyr. — Hugo cäsium und einem platonischen Gesteine jn^Me^phyr. *) Annalen der Chemie und Pharmacie Bd. 134, S. 349. 48 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. der Rheinprovinz, dem sogenannten Melaphyr (Gabbro oder Hyperit) von Norheim bei Kreuznach, Cäsium und Rubidium nachzuweisen. Eine annähernde Bestimmung ergab darin 0,000380 Proz. Cäsiumoxyd und 0,000298 Proz. Rubidiumoxyd. Bisher waren diese beiden seltenen Metalle ausser im Leiiidolith und Lithionglimmer nur in sogenannten sekundären oder derivaten Substanzen der anorganischen und organischen Natur, nämlich hauptsächlich in Aus- laugungsprodukten, in Quell- oder Soulwässern oder deren künstlichen und natürlichen (Stassfurter Abraumsalze) Mutterlaugen, in Drusen oder Gang- mineralien oder in Vegetabiliea nachgewiesen worden. Rubidium rJ^^ Engclbach*) fand Rubidium neben Lithium, Kupfer, im Basalte. ^^^^^^ ^j-q^.) Kobalt, Blci , Zinn, Titan (über 1 Proz. Titan- gäure), Chrom (0,026 Proz. Chromoxyd) und Vanadin (0,012 Proz. Vanadinsäure) in dem Basalte von Annerod in Hessen, ueber die Ucber die Konstitution der Feldspathe, von Gu- der Feld- stav T s c h BP m ak.**) — Die Verschiedenheit in der chemischen spafhe. Zusammensetzung der feldspathartigen Mineralien erklärt der Verfasser dadurch, dass dieselben Gemische isomorpher Ver- bindungen sind und zwar von blos drei Substanzen, die im Adular, Albit und Anorthit fast rein auftreten. Die kalireichen Feldspathe, die man gewöhnlich als Orthoklas zusaramenfasst, erscheinen als regelmässige Durchwachsungen von Orthoklas und Albit, welche beiden indess nicht isomorph sind, da der Orthoklas monoklinisch, der Albit triklinisch kristallisirt. Durch die stets vorkommende Zwillingsverwachsung der Albittheilchen entstehen jedoch Sammelformen, die ähnliche Dimensionen haben, wie der Adular, und daher kommt es, dass die Bei- mengung des an und für sich nicht isomorphen Albits an der Orthoklasform so wenig ändert. Die übrigen Feldspathe sind isomorphe Gemische von Albit und Anorthit, wozu manchmal kleinere Mengen von Orthoklas treten. Was man Oligoklas, Andesin, Labrador genannt hat, sind nur einzelne Glieder einer kontinuirliclicn Reihe, deren Zwischenglieder jene Feldspathe bilden, welche man bisher nicht unterzubringen wusste. Die partielle Isomorphic des Orthoklas und Albits, sowie die voll- ständigere des Albits, Anortliits, Danburits, die des Orthoklas und Barytfeldspatlies hat ihren Grund in der gleichen atomisti- *) Annalen der Chemie und Pharmacie Bd. 135, S. 12.3. *♦) Anzeiger der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften m Wien. 1864. S. 219. Nedlitz. Chemisch© und physische Eigenschaften des Bodens. 49 sehen Konstitution, wclclic der Verfasser in folgendem Schema andeutet: Anorthit . . . Cag AI-, AU Si4 0,^ j Oligoklas, Andesin, Albit Na2 AI2 Si.^ Si.i 0,6 ( Labrador etc. Adular . . . . K2 ^^2 ^^2 Si^ 0,6 Orthoklas, Sanidin etc. Barytfeldspath Bag AI2 AI2 Si4 0,6 Hyalophan. Danburit . . , Ca2 B2 B2 Si4 0^6 Der Verfasser rechnet hiernach auch den barythaltigen Hyalophan und den Danburit, welcher anstatt der Thonerde Borsäure enthält, zu den Fcldspathen. — Die Aus- und Einfuhr an mineralischen Pflan- Bodensiatik zennährstoffen während zwölfjähriger Bewirthschaf- tung des Amtes Nedlitz bei Magdeburg, von August Boden stein.*) — Zur Orientirung über diese Wirthschaft sei bemerkt, dass dieselbe circa 1850 Morgen Ackerland und 37 Morgen Wiesen besitzt. Von dem Ackerlande bestehen 1400 Morgen aus Roggenland, ca. 300 Morgen aus Weizen- boden, 100 Morgen aus humosera Kalkboden und 50 Morgen aus Flugsand mit Sandunterlage. Bei dem übrigen Land be- steht der Untergrund, vielfach abwechselnd, aus Mergel, Saud und braunem oder schwarzem Lehm, unter welchem Lehmmergel lagert. Drainirt sind 960 Morgen des Areals. Die Frucht- folge ist bei dem besseren Boden folgende: 1. Kartoffeln, ge- düngt, 2, Sommerkorn, in Guano etc., 3. i Klee, auch Lupinen, Buchweizen etc., l Luzerne, 4. | Winterkorn, gedüngt, l Luzerne gejaucht, 5. | Kartoffeln, ^ Luzerne, 6. l Sommer- korn, in Guano, l Luzerne und Brache, 7. | Wickfutter, Hül- senfrucht und Lupinen, gedüngt, i Oelfrucht, gedüngt, 8, Winter- korn, in Guano oder dergl. Für die 50 Morgen Flugsand lautet die Rotation: 1. Kartoffeln, gedüngt, 2. Lupinen, 3. Roggen, gedüngt. — Dies ergiebt 826 Morgen Halmfrucht und 45 Mor- gen Oelfrucht; 979 Morgen geben Futter, da die zur Reife kommenden Hülsenfrüchte von Schlag 7 verfüttert werden. Kleine Abweichungen von dieser Fruchtfolgc kommen jedoch vor. Gedüngt werden jährlich 708 Morgen und ausserdem noch 80 bis 90 Morgen je mit 10,000 Quart Jauche befahren. Die Düngerproduktion beträgt 3000 bis 3200 Fuhren zu 20 Centner; *) Der chemische Ackersmann. 18G5. S. 39. JaLresberichl. Vlll. 50 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. der Düngez' wird täglich ausgebracht und mit Gips, Erde und Jauche behandelt. Die Düngung beträgt 4 bis 5 Fuhren per Morgen, eine stärkere Verwendung hat sich nicht vortheilhaft erwiesen. Von käuflichen Düngestoffen wird fast nur Guano — 400 Zentner jährlich zu ^ bis | Zentner per Morgen — verwendet; Hornspähne und Knochenmehl, Kalk, Asche und Melassenschlempe haben sich nicht bewährt. Der Viehstand besteht aus 130 Stück Rindvieh und 1000 bis 1100 Schafen. Die Brennerei verarbeitet jährlich 900 bis 1000 Wispel Kar- toffeln und das entsprechende Malz, oder für fehlende Kar- toffeln ein Aequivalent an Getreide. Die geringe Wiesenfläche des Gutes liefert nur etwa soviel Heu, wie für die gehaltenen 18 bis 20 Gespannpferde nöthig ist. Die Durchschnittserträge betrugen per Morgen: Weizen. Roggen. Gerste. Hafer. Kartoffeln. Scheffel. 6,07 5,86 6,98 6,30 0,91 Hierbei ist zu bemerken, dass der beispiellos geringe Er- trag der Kartoffeln in den ersten 4 Jahren durch starkes Auf- treten der Kartoffelki*ankheit sich erklärt, wie auch mit dadurch, dass der Anbau in nassem und nicht drainirtem Boden statt- fand, da die Drainage, der Hauptsache nach, erst im Jahre 1858 beendet wurde. Das Jahr 1858 ergab eine Missernte beim Getreide, Weizen wurde in diesem Jahre gar nicht ge- erntet, die übrigen Halmfrüchte ergaben ganz ungenügende Ernten, die Kartoffeln dagegen in diesem Jahre den höchsten bis jetzt erzielten Ertrag von 75,5 Scheffeln per Morgen. Aus- und Einfuhr im Mittel der 12 Jahre 1852 — 1863. Scheffel. a. 1852-55 7,34 b. 1856—59 5,65 c. 1860-63 8,62 1852—63 7,20 Mehr ertrag c. — a. . 1,28 Scheffel. Scheffel. Scheffel. 9,42 12 26,5 8,94 10,95 70 11,12 14,77 58 9,8 12,57 51,5 1,7 2,77 31,5 Ausfuhr per Jahr: Ztr. Phos- phor- Kali, säure. Pfd. Pfd. Kalk. Pfd. Mag- nesia. Pfd. Kiesel- säure. Pfd. Stick- stoff. Pfd. Roggen und Weizen Oclfrüchte Milch Fleisch 1216 77 2270 87 16 20 1113 124 455 175 16 20 742 77 455 36 100 31 240 156 300 47 35 22 185 4 2400 230 1590 260 Häute Wolle 200 100 Summa Jährliche Ausfuhr per Morgen • 1903 1,03 1310 0,71 527 0,30 401 0,22 189 0,11 4840 2,7 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. 51 Einfuhr per Jahr: l'bDsphor- säure. Kali. Kalk. Matc- nesia. Kiesel- säure. ' Stick- stoff. Ztr. Pfd. Pfd. Pfd. Pfd. Pfd. 1 Pfd. 25 1617 27 14.50 30 970 5 130 10 380 2 1200 110 Gerste und Hafer . . . 2900 Hülsenfrüchte 1H3 183 200 30 46 5 640 Kartoffeln 4G50 750 2800 90 180 140 1800 Heu, gekauft 292 145 350 260 90 580 430 Heil, selbst erbaut . . .523 260 620 470 156 1040 780 Stroh 175 35 175 60 26 450 70 Rapskuchen 415 830 620 250 370 33 1860 Kleie und Mehl .... 102 160 92 15 50 20 220 Rübenmelasse (;f;4 — 3600 — — — 660 Rübenpresslinge .... 5 — — — — — — Animalischer Dünger . 160 40 120 190 20 160 60 Peruguano 408 4890 1220 4480 450 — 5300 Hornspähne 160 80 — — — — 1600 Knochenmehl 29 670 — 930 90 — 130 Chilisalpeter 10 — — — — 160 Heringe 10 20 3 30 2 — 20 Gips 81 21 2400 1800 20 — Gebrannter Kalk .... — Abraumsalz 1 — — — — — — Summa 9540 10,800 11,140 1800 3630 16,740 Jährliche Einfuhr per Morgen .5,15 5,80 6,00 1,02 1,96 8,10 Mehr eingeführt per 1 Jahr und Morgen . . 1 4,10 5,10 5,70 0,80 1,85 5,40 A. Stöckhardt bemerkt hierzu, dass aus dieser Ueber- sicht der schonende Einfluss eines sehr starken Brennereibe- triebes auf die Bodenkraft einer Wirthschaft mit vorherrschend armem Boden in sehr charakteristischer Weise hervortritt. Er berechnet, dass von dem Nedlitzer Feldareale die Produkte von 80 bis 85 Proz. zur Verfütterung und nur die Körner von 15 bis 20 Proz. des Areals zum direkten Verkauf gelangen. Die Bodenarten der Nedlitzer Feldmark enthalten nach den Unter- Buchungen von Junghähnel und Meitzendorf. Roggenboden. Weizenhoden. Hur noser Kalk Prozent. Proient. Prozent. Gesammt-Kalkerde .... 0,083 2,005 15,500 Gesammt-Magnesia .... 0,022 0,102 0,305 Lösliches Kali 0,042 0,166 — Lösliche Kieselerde .... 0,026 0,044 — Gesammt-Phosphorsäure . 0,070 0,142 — Gesammt-Schwefelsiiure . 0,059 0,071 0,227 Verbrennliche Stoffe . . . 2,580 4,370 15,400 Wasserhaltende Kraft . . 42,400 51,600 — Reaktion deutlich sauer. schwach alkalisch. — 52 Chemisclie und physische Eigenschaften des Bodens. Der Gehalt des Roggenbodens an mineralischen Pflanzenuährstoffen ist hiernach nur gering, beträchtlich reicher ist der Weizenboden, und an Kalk, Magnesia und Schwefelsäure auch der humose Kalkboden. — Stöck- hardt giebt hierbei zugleich einen Nachweis darüber, wie sich der Ge- halt des Bodens bei gleichbleibender Bewirthschaftung im Laufe der Zeit erhöhen wird. Ein- u Ausfuhr Ein- und Ausfuhr von Kali- und Phospliorsäure Kali und bei der Ackerwirthschaft der Domäne Ohsen, vom Phosphor- L.-Oek.-Rath Spang-enbera-.*) — Die Domäne Ohsen hat in säure bei . i o o der Domäne Gigeuer Bcwirthschaftung ein Areal von 1405,5 Morgen Acker- ohsen. land; der Boden gehört grösstentheils dem schweren, thonigen Alluvium der Weserniederung an, die Höhenschläge der Keuper- formation. Das Land ist meistens drainirt und gemergelt, es wird in sechs verschiedenen Rotationen bewirthschaftet. Wir müssen uns auf die Mittheilung beschränken, dass im Ganzen bebaut werden mit: Oelsaaten 113,.5 Morgen, Lein 40 „ Winterweizen 313,5 „ Sommerweizen 30 „ Roggen 164 „ Hafer 115,5 Erbsen 90 „ Rauhzeug (Bohnen und grüne Erbsen) 64 „ Kartoffeln 65 „ Runkelrüben 55,5 „ Steckrüben 30 „ Mais 15 „ Wickgemenge 69,5 „ Klee und Kleegras 156 „ Weide . 84 1405,5 Morgen. An Wiesen sind 1 10,5 Morgen vorhanden, deren Ertragfähig- keit durch regelmässige Ucberschwcmmungen und durch Düngung mit Schlamm aus der Weser dauernd gesichert ist. Geerntet werden durchschnittlich im Jahre: Weizen . . 4253 Ztr. Körner, 7360 Ztr. Stroh, Roggen . . 1954 „ „ 4028 „ Hafer . . . 1375 , „ 2422 „ „ Erbsen . . 810 „ „ IfiSO „ „ Rauhzeug 594 „ „ 1496 „ „ Oelsaaten 1138 „ „ 1955 „ „ *) Journal für Landwirthschaft Bd. 10, S. 395. [GOl Ztr. 1)30 n 300 V 529 V 150 n 307 r> 828 « Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. 53 Lein 1000 Ztr. Pflanzenmasse. Kartoffeln . . 5700 „ Knollen. Runkelrüben 133(55 „ Rüben, 5550 Ztr. Blätter. Steckrüben . .5400 „ „ (Blätter untergepflügt). Mais .... 2100 „ Grünmais. Wickgemenge I8(j5 „ Kleeheu , . . .5390 „ Wiesenheu . 3300 „ Weideertrag 3285 „ Davon gelangen ausser sämmtlicliem Stroh, Rauh- und Wurzelfutter in der Wirtliscliaft zur Verwendung: Hafer .... Bohnen . . . Erbsen . . . Gerste .... Roggenkleie Leinkuchen . Rapskuchen Der Viehstand beträgt 36 Pferde, 63 Stück Grossrindvieh, 50 bis 60 Stück Jungvieh, 20 Stück Mastvieli (während 20 Wochen iin Winter), 1100 alte Schafe, 450 Lämmer und 77 Schweine. Es werden jährlich 36 Kälber aufgezogen und im Alter von 18 bis 20 Monaten fett an den Fleischer ver- kauft, ebenso werden jährlich 480 Ferkel aufgezogen, die als grösstentheils Absatzferkel abgegeben werden. Die Ausfuhr an Milch beträgt jährlich 1552 Ztr. Die Düngerproduktion der Wirthschaft berechnet sich auf: 34801 Ztr. Schafmist, (3643 „ Pferdemist, 31374 „ Riudviehmist, 7(j3(j „ Schweinemist. Ausserdem kommen jährlich noch 77 Ztr. Peruguano und 155,5 Ztr. Bakerguanosuperphosphat zur Verwendung. Die Gesammteinfuhr berechnet sich auf .... 4',iO(JG Pfd. Kali und 25665 Pfd. Phosphorsäure, Die Gesammtausfuhr dagegen auf . 4()G80 „ „ „ 242(_i6 „ Es werden hiernach mehr eingeführt 2377 Pfd. Kali und 1459 Pfd. Phosphorsäure. Der Verfasser hat die Ein- und Ausfulir für die sechs ver- schieden bewirthschafteten Feldkomplexe Ijerochnet; es stellt sich hier bei dreien ein Minus an Kali und bei zweien ein Minus an Phosphorsäure heraus, wir müssen jedocli bezüglich dieser Berechnung: auf das Original verweisen. Das oben niitgetheilte 54 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. Ergebniss für die Gesammt-Ein- und Ausfuhr zeigt, dass trotz einer gewiss angreifenden Bewirthschaftung und obgleich nur 110,5 Morgen Wiesen und 82 Morgen permanente Weiden, da- gegen kein technischer Betrieb vorhanden ist, doch durch inten- sive Fütterung, neben einem geringen Zukauf von Düngestoffen, ein völliger Ersatz für die dem Ackerlande entzogenen minera- lischen Pflanzennährstoffe geleistet wird. Der Verfasser bemerkt hierzu: „Eine Verwendung von Kraftfutter bei der Viehzucht in einem solchen Umfange wird manchen praktischen Landwirth der älteren Schule zu einem bedenklichen Kopfschütteln vermögen, es kann indess heutigen Tags kein Zweifel darüber obwalten, dass eine intelligent betriebene Viehhaltung von einer reichlichen Verwendung von Kraftfutter und namentlich Oelkuchen nicht zu trennen ist, und dass, wenn die Verhältnisse für den Ab- satz von Vieh und thierischen Produkten nur einigermassen günstige sind, solche intelligente Verwendung sich auch voll- ständig bezahlt macht. Die obigen Berechnungen liefern einen Beleg dafür, dass unter Voraussetzung einer intelligent betrie- benen Viehhaltung, es selbst für Wirthschaften, denen grössere Wiesen- und Weideflächen nicht zur Verfügung stehen, und in denen technische Fabrikbetriebe nicht stattfinden, nicht grosser Verwendurgen käuflicher Düngestoffe bedarf, um dem Liebig'- schen Postulate einer vollständigen Herstellung des Gleichge- wichts in der Entnahme und Wiederzufuhr der mineralischen Pflanzennährstoffe gerecht zu werden." In dem vorliegenden Falle bedingte dies Postulat eine jährliche Ausgabe von 916 Thlr. oder von 20 ögr. per Morgen jährlich für Guano und Superphosphat. vergiei- Vergleichende Uebersicht des Ertrages der bel- 1,?^"^*.. eischen Landwirthschaft im Jahre 1846 und 1856, von Uebersiclit ö ' des Standes A. Frank.*) — Der Verfasser giebt auf Grund der statistischen und Ertrages ßg^-j^jj^ß jgg bel^ischen Ministeriums folgende Uebersicht dea der bel^ri- ~ o sehen Land- Standcs der belgischen Landwirthschaft in den Jahren 1846 ■ ^'iT^^lt und 1856. Die Feldmasse sind hierbei auf preussische Morgen im Jahre 1816 ^ " und i8äc. umgerechnet, der Berechnung der Düngerproduktion wurden die üblichen Mittelwerthe von Mcntzel, von Lenge rke und E. Wulff zu Grunde ffelegt. *) Zeitschrift des Centralvereins der Provinz Sachsen. 18G5. S. 97. Agronomische Zeitung. 1865. S 379. Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. 55 .a a ÖD ns a u s-S m H > bc ^1 sä a> Ö 3 fco a> -^ .9 o a s (M O ' (>r irT -^ ■* CO o '3 N I I I I ::- 1 I I I I I '^ I . es — ä d 17^] -^ (T) lO [>. (M O , rH -+I ?l -^ CO rM CO 1 O T— 1 i— 1 CO -t i- ■^ I— ( tT" CO \n <-) CO CO t— *-H 'Ct, 1^ ■rs o o l^ 00 1—1 m -5 1^ lO C/J Cl T-H -n c- •-S co~ ^ co" CO i-T ■-^ ^ i-H CO -* — I CTi '^H ~. CO OT (M :0 '*! t- O ~- 00 C-l C^< O fM CO Ol O 'f O CTj l^ O CO lO -« C^ lO l- 00 o >o (M o y? CO CO -O O CO (M O (M CO T-H O iC i-H lO d O' C"! CO wi "^ O CO O O CO O .-I l~ ~. iS CO Ol lO o ui o o CO CO o rH O O O CO CM rH o O O CO o ^ CO 'ti /s1 m N ° Qi «e CU fc? 3 :2 bßfci=5'o"Ct^ a p, .S -^^ r^- a ) Landwirthschaftliches Centralbl. f. Deutschland 1865. I. S. 323. ^) Amtsblatt f. d. landw. Vereine d. Konigr. Sachsens 1865. S. 105. 3) I.andwirthschaftl. Centralbl. f. Deutschland 1865. II. S. 81. ^) Lüneburg. land- und forstw. Zeitung 1865. S. 1 5) Zeitschr. d. landw. Centralver. f. d. Prov. Sachsen. 1865. S. 100, 215. c) Zeitschr. f. d. landw. Ver. d. Grossh. Hessen 186.5. S. 63. ') Allgemeine land- und forstwirthsch. Zeitg. 1865. S. 563. ^) Schlesische landw. Zeitung. 18G5. S. 173. ö) Zeitschr. f. d. landwiithsch. Ver. d. Grossh. Hessen. 1865. S. 396. »ie Luft. Bildung von Nebel, Regen und Schnee wird durch Temperatur- differenzen aufsteigender und herabsteigender Luftströmungen bewirkt, wodurch bei langsamer Ausgleichung sanfte Regen (Schnee), bei heftiger Kondensation Platzregen und Hagel ent- stehen. Gelangen überkaltete Wassertropfen auf die Erde ohne zu gefrieren — bei ruhiger Atmosphäre, — so entstehen Eisregen; gefrieren sie nur oberflächlich, so entstehen Hagel- körner mit flüssigem Kerne ; vollständig gefroren bilden sie durch- sichtige Eiskugeln mit weissem Kerne und durchsichtiger, wenn sie aber längere Zeit in der Kälte verharrt haben, mit zerklüfteter Oberfläche — ganz undurchsichtige Körner. Die verschiede- nen Formen der Hagelkörner erklärt Berger durch ungleich- massigen Ansatz kondensirten und nachträglich gefrierenden Wasserdampfs au das den ersten Kern bildende Hagelkorn beim Herabfallen. Die Hagelbildung schlösse sich hiernach genau an die Bildung der übrigen atmosphärischen Niederschläge an und unterschiede sich von die- ser durch nichts als durch die Stärke der sie alle bedingenden Ursachen : der Teniperaturdifierenz und des Feuchtigkeitsgrades des aufsteigenden warmen und des absteigenden kalten Luftstromes. Wald nnd Wald uud Wittcrung von Dr. Berger.*) — In einem Aufsatze unter dieser Ueberschrift bespricht der Verfasser verschiedene meteorologische Erscheinungen, aus denen wir das Wichtigste kurz referiren. Bekanntlich hat H. Krutzsch**) gefunden, dass im Hochwalde die Temperatur bei Tage nie- driger, bei Nacht höher ist als auf dem kahlen Felde und in einer niedrigen Pflanzung, der Wald mithin die Temperaturex- treme abstumpft. Nördlinger ist dagegen bei ähnlichen Un- tersuchungen zu dem Schlüsse gelangt, dass bei ruhigem oder von schwachem Winde begleiteten dichten Nebel, bei trüber, wolkenreicher, regnerischer, windiger Witterung, auch sofern Schnee liegt, die Temperatur in- und ausserhalb des Waldes am Boden und in der Höhe sich gleichstellt, während sonst im Allgemeinen der Wald nicht nur bei Tage, sondern auch bei Nacht kälter, als das niedere Gehölz und das freie Feld ist. Nur während der Zeit der Dämmerung ergaben einige Beobachtungen Nördlinger 's eine höhere (höchstens 1°,5) Witterung. *) Poggendorff's Aunalen Bd. 124, S. .'■y28. **) Tharander Jahrbuch. 1859. S. 257. Die Luft. 67 Temperatur für den Wald. Diese Differenz in Bezug auf hei- tere, ruhige Nächte veranlasste den Verfasser neue Unter- suchungen anzustellen, welche im Allgemeinen das Resultat ergaben, dass in der Abenddämmerung die Temperatur vom Saume des Waldes nach dem Freien hin nur sehr alimählich abnahm, während des Morgens die niedrige Temperatur des Freien sich bis zum Walde erstreckte; man brauchte aber nicht weit in den Wald hineinzugehen, um seine höhere Tem- peratur vollständig zu erreichen. Bei stärkerem Winde zeig- ten Wald und Feld selbstverständlich gleiche Temperatur. Ebenso selbstverständlich ist, dass gegen Abend der Hochwald eine niedrigere Temperatur hatte als das Freie, indem alle Theile der bis unten belaubten Eichen ihre Wärme frei aus- strahlen konnten. Früh Morgens angestellte Beobachtungen in einer benachbarten Dickung zeigten, dass das den Sonnenstrah- len zugängliche Blätterwerk einer ebenso raschen Erwärmung als Abkühlung fähig ist. Weitere Beobachtungen lehrten, dass bei höherer Lage des Ackerlandes dieses niedrigere Temperatur hat, als der tiefer liegende Wald, während bei gleicher Lage sich der geschlossene Wald bei Nacht wärmer zeigt, als das Freie. Da der Wald ausserdem bei Tage kühler ist, als das Freie, so stumpft er die Temperaturextreme ab. Berg er giebt hierfür folgende Erklärung: Nur ein kleiner Theil der Blätter giebt bei Nacht seine Wärme unmittelbar und vollstän- dig durch Strahlung an die freie Atmosphäre ab, bei den un- teren Blättern, Zweigen, Aesten und dem Erdboden findet da- gegen ein beständiger Wechselaustausch der Wärme statt, sofern sie nicht durch Leitung an die erkaltende Luft abgege- ben wird. Dieser Strahlung ist es zuzuschreiben, dass schon bei den ersten Schritten im Walde das Thermometer steigt und dass es am Saume in der Abenddämmerung höher steht, als im Freien, von welchem eine kalte Luftströmung zum Walde geht. Nur die äussersten Blätter sind unter den Thau- punkt abgekühlt, während man im Innern keinen Thau findet. Je dichter und voller das Laubwerk ist, desto geringer ist die Wärmemenge, welche auf diese Weise für die Waldluft verlo- ren geht. Umgekehrt wird die Sonnenwärme bei Tage auf dieselbe Weise nur langsam in ein Walddickicht eindringen, während sie rascher da erwärmt, wo alles Laub ihr zugänglich 5* 68 Die Luft. ist. Da jedoch die Erwärmung bei Tage durch die Verdun- stung beeinträchtigt wird, die Erkaltung bei Nacht in einer nicht 'geschlossenen Belaubung grösser ist, als in einer geschlos- senen, so wird sich Krutzsch's Resultat bestätigen. Während die Mitteltemperatur aller 24 Stunden im Walde niedriger ist, als im Freien, ist sie höher, als in einer oben nicht geschlosse- nen Fichtenpflanzung. Was die Verdunstung anlangt, so wird diese bei Tage keine grosse Wärmemenge beanspruchen, bei Nacht aber wird in der Regel umgekehrt durch Kondensation eine grössere Wärmemenge frei, die der Luft zu gute kommt. Endlich kommt noch hinzu, dass die Erwärmung des Stammes und der Aeste ihr Maximum später erreicht und dies höher ist, als das Maximum der Luft, ebenso dass das Minimum nicht bis zum Minimum der Luft hinuntergeht und die Erwärmung des Wald- bodens, die bei Tage geringer, bei Nacht aber auch eine geringere Abkühlung erleidet, wodurch die kalte herabfallende Luft am Boden und an den Bäumen sich wieder erwärmen würde. Ein solches Her- abfallen kalter Luft findet aber nach Berg er nicht statt. Die in den Wald eindringenden horizontalen Luftströmungen werden an den Stämmen vielfach gebrochen, ihre Intensität vermindert sich um so mehr, je stärker dieselbe war. In der Nacht (Abend) drängt sich die kältere, dichte Luft des Freien in der Tiefe in den Wald, dort steigt sie in die Höhe bis zu den Gipfeln, sie strömt dann seitwärts ab und sinkt im Freien wieder auf die Erdoberfläche herunter. Bei Tage ist der Kreislauf der Luft umgekehrt, die kühlere Waldluft ergiesst sich dann ins Freie, erwärmt sich dort und steigt in die Höhe, senkt sich über dem Walde herab, um sich abzukühlen und die Zirkulation von neuem zu beginnen. Diese Luftströmun- gen machen sich den Forstleuten und Waldbewohnern beson- ders Morgens und Abends bemerklich. Einfluss des Waldes auf die Feuchtigkeit. — Da die Sonne nicht unmittelbar auf das Innere des Waldes ein- wirkt, da ferner die allgemeinen Luftströmungen in diesem wenig wirken, so wird ihm im Allgemeinen weniger Feuchtig- keit entzogen, als dem freien Felde. Wenn ferner bei Tage die kältere Luft beim Beginne ihres Kreislaufs Feuchtigkeit aus dem Walde mit ins Freie bringt, so vermehrt sich durch deren Erwärmung die Kapazität und der relative Feuchtigkeits- Die Luft. 69 gehalt wird geringer. Das dampflförmige "Wasser steigt mit in die Höhe und wird von oben demselben wieder zurückgegeben. Bei Nacht saugt die Luft die im Freien niedergeschlagene Feuchtigkeit theilweise wieder auf und führt sie mit in den Wald. Von diesem wird sie nicht wieder zurückgegeben, denn beim Aufsteigen wird sie an den oberen Blättern kondcnsirt und der hierdurch und durch die Abkühlung der von oben her- absinkenden Luft gebildete Thau fällt zum Boden herab. Es muss folglich das Freie in der Nähe von Wäldern und deren Umgebung austrocknen und der Wald selbst feuchter werden. So erklärt sich die allgemein anerkannte grosse Feuchtigkeit des letzteren und sein günstiger Einfluss auf den Wasserreich- thum der Bäche, Flüsse und Seen; so wird es sich ferner erklä- ren, warum die Vegetation unmittelbar am Waldsaume von Dürre leidet. — Wenn die Abhänge und Höhen eines Thaies bewal- det sind, so kühlt der Wald die Hoch- und Tiefebenen bei Nacht bedeutender ab, als es eine kahle Bergwand thun würde; bei Tage, wo die im Thale mit waldigen Abhängen aufsteigende Luft und Feuchtigkeit demselben grösstentheils wieder zurück- gebracht wird, also nicht bis zu den benachbarten Höhen steigt, wird die Hochebene nicht erwärmt und wird ihr die Feuchtig- keit des Thaies und Hanges bei Tage vorenthalten, bei Nacht entzogen. Der Gesammteinfluss des waldigen Thaies auf die Hochebene wird also mehr noch als die des Waldes auf glei- cher Ebene ein abkühlender und austrocknender sein. Dies bestätigt sich nach dem Verfasser an den Hochebenen am Wisperthale, und vom Harz her wird vielfach geklagt über die Trockenheit, welche die Wiederauflforstung bloss gelegter Stel- len bewirkt. Der Thalsohle wird dagegen die relativ sehr feuchte Waldluft bei Tag und Nacht zugeführt, in letzterer wird dieser Wassergehalt daselbst niedergeschlagen und dem Boden gegeben, daher erklärt sich die Feuchtigkeit der Thal- sohle. Bei Tage wirkt der hohe Feuchtigkeitsgehalt der in das Thal strömenden Waldluft der Austrocknung entgegen. Bezüglich des Einflusses des Waldes auf die Regenmenge gelangt Berger zu dem Schlüsse: Nicht der Wald an und für sich vermehrt die Niederschläge des aufsteigenden Luftstromes, sondern der Wechsel zwischen Wald und Feld , zwischen sei- nem Laubdache und den Waldblössen. Es erklärt sich dies 70 Die Luft. daraus, dass die Feuchtigkeit über der zwischen Wald und freiem Felde abwechselnden Fläche, durch den von letz- terer emporsteigenden Strom in die Höhe geführt, sich kon- densirt, und bei Nacht wieder, wenn sie nicht als Regen her- abgeführt worden, herabsinkt und sich unmittelbar auf dem Laubdache absetzt, theilweise auch von dem Felde durch den in den Wald eindringenden Strom dieser Aufbewahrungs- und Vorrathskammer der als Thau oder Regen abgesetzten Feuch- tigkeit wieder zugeführt wird. Auch auf die allgemeinen Luftströmungen und deren Nie- derschläge schreibt der Verfasser den Waldungen einen Ein- fluss zu, durch welchen die Regenbildung begünstigt wird. Er nimmt an, dass durch die Abwei:hselung zwischen Wald und Feld ein für eine nördlichere oder südlichere Gegend bestimm- ter Niederschlag früher ausgeschieden werden muss. Und da nun die durch den Regen gebrachte Feuchtigkeit theilweise vom Walde aus wieder in Zirkulation tritt, um unter geeigneten Umständen wieder Regen zu bilden, so muss durch jene Ab- wechselung der periodische Charakter verwischt und eine gleich- massigere Vertheilung auf die einzelnen Jahreszeiten bewirkt werden. Auch den niedrigeren Vegetationsüberzügen, Wie- sen u. 3. w. schreibt der Verfasser einen ähnlichen, wenn auch weit schwächeren Einfluss auf den aufsteigenden Strom und die damit zusa'iimenhängenden Witterungserscheinungen zu. In höherem Grade kommt dieser den Flüssen, Sümpfen und Seen zu, weil bei diesen die Temperaturunterschiede mit dem Lande bedeutender sind. Selbst die Städte wirken ähnlich, nament- lich diejenigen, welche viele Fabriken haben, über welchen der aufsteigende Strom noch besonders verstärkt wird durch die aus den Essen strömende heisse Luft. Espy sagt, dass seit- dem Manchester so zu sagen ein grosser Brennofen geworden, es daselbst mehr oder weniger alle Tage regne. — Einflnss der Eiufluss d c r W i tt c r u u gs V c r h äl t ul s s 6 des Jahres a'.l'f"da"s^ 1864 auf das Pflanzenwachsthum an einigen Orten Pflanzen- in Sachscu, von H. Krutzsch.*) — Auf den meteorologi- schen Stationen in Sachsen wird neben den gewöhnlichen Beob- achtungen auch der Eintritt gewisser Vegetationserscheinungen, *) Der chemische Ackersmann. 1865. S. 89. Die Luft. 71 so bei den landwirthschaftlichen Gewächsen der Zeitpunkt des Erscheinens der ersten Blätter, der ersten Aehi-e, der ersten ßlüthe und der Reife aufgezeichnet. Der Verfasser hat diese Beobachtungen zusammengestellt und daraus zu ermitteln ge- sucht, inwieweit die hierbei sich herausstellenden Verschieden- heiten durch die Witterungsverhältnisse der einzelnen Stations- orte bedingt sind. Die Beobachtungen beziehen sich auf die Vegetation des Hafers und Sommerroggens. Lage und Bodenverhältnisse der Stationsorte. — Die nie- drigst gelegene Station ist der Gohriscli bei Strehla, 286 Par. Fuss über der Meeresfläche; er liegt in der dem rechten Eibufer sich anschliessenden Ebene, welche mit Diluvialsand bedeckt ist. lu Hubertusburg, 586 Fuss über dem Meere, haben die Felder ebenfalls eine ebene L;ige, ihr Boden ist aber ein schwerer, bündiger Diluviallehm. Hinter hermsdorf in der sächsischen Schweiz hat eine Seehöhe von 1159 Fuss, die Felder sind aus verwittertem Quadersandstein hervorgegangen und auf einem westlichen Abhänge gelegen. Nur um 37 Fuss höher liegt Grillenburg, am Fusse des Erzgebirges, auf einer von Wald umgebenen Ebene; der Boden ist ebenfalls aus Quadersandstein hervorgegangen und nasskalt. Rehefeld bei Alteubeig, 2115 Fuss hoch über dem Meere, hat aus Glimmerschiefer entstandenen Boden, an einem westlichen Abhänge liegend. In Georgen- grün bei Auerbach, 2211 Fuss hoch, ist der Boden aus Granit hervorge- gangen und theils östlich, theils südöstlich gelegen. Reitzenhain bei Marienberg endlich, auf dem Kamme des Erzgebirges bei 2390 Fuss Höhe gelegen, hat Glimmerschieferbuden, in feuchter, südostlicher Lage. Die Keimungsperiode. — In Betreff der Zeit, welche von der Saat bis zur Entwickelung der beiden ersten, flächen- förmig ausgebreiteten und seitwärts abstehenden Blätter ver- strichen war, ergaben die Beobachtunoen Folu'endes: Stationsort. Saat. Hafer. Erste Entwik- Blätter kelungs- ülatter. , ^^^^ ^^ Datum. Tagen. Sommerroggen. Erste Entwik- Saat. ! ß™' ] kelungs- ßjatter. ^^^^ -^ Datum. Tagen. Gohrisch Hubeitusburg . . . Hinterhermsdorf . Grillenburg 1. Saat 2. Reheield ...'.'.'. Reitzenhain .... Georgengrün . . . U.April 20. April 23. „ ! 9. Mai 21. „ ! 4. „ 19- « jl3. „ 10. Mai 16. „ 9. „ 20. „ 26. Aprill 5. „ •28. „ |17. „ 6 16 13 24 6 11 9 19 5. April 20. April 21. April 4. Mai 9. Mai 16. Mai 2.5. April 14. „ 26. „ 14. „ 15 11 7 19 18 Wenn die Wahl der Saatzeit, wie anzunehmen ist, bei diesen Versuchen sich nur nach den stattgehabten Witterungs- 72 Die Luft. Verhältnissen gerichtet hat, so haben diese in der Zeit der Einsaat Verschiedenheiten bis über vier Wochen bedingt. Der Zeitpunkt, zu welchem die Keimung aufhörte, scheint von den Beobachtern nicht richtig aufgefasst zu sein, denn die Keimungs- periode ist trotz niedriger Temperatur doch sehr kurz gefun- den. Nach J. Sachs währt die Keimperiode des Roggens bei einer Bodentemperatur von 7 bis 9^^ 20 bis 25 Tage, diese Temperatur wurde bei den vorliegenden Beobachtungen nach Ausweis der meteorologischen Tabellen nicht erreicht, wie nach- stehende üebersicht zeiat. Station. o fcX' tJO 03 a> ■*^ o CO a o ^ Jh CJO 1 Tage mit Mittel- temperatur von — 4 bis 0». 5 10 bis bis ' bis + 4". 9". 115». c o. a ■- u S '- Grillenburg I.Saat. 19. April — 13. Mai 2. „ 10. — 16. Mai . . . Rebefeld 9.-20. „ . . . Reitzenhain .... 28. April — 17. Mai 2 6 2 15 3 _ 2 8 5 4 8 53,73 55,27 78.04 57,90 Es dürfte hieraus zu schliessen sein, dass in den Fäl- len, wo nach der Saat Nachtfröste und Schneefälle eintraten, die Entwickelung der Keimung verzögert wurde. Darnach scheint es empfehlenswerth, mit der Frühjahrssaat wo mög- lich so lange zu warten, bis keine Fröste oder Schneefälle mehr eintreten. Aus den beiden Beobachtungen in Grillen- burg scheint sich eine Konvergenz in der Dauer der Kei- mung und der Wärmesumme der Tage, die 5 und mehr Grade Mitteltemperatur besassen, herauszustellen. In Reitzenhain er- gab sich eine nahezu gleiche Wärmesumme; bei der Unsicher- heit der Bestimmung des Endpunktes der Keimung und der Differenz in den Ergebnissen zu Rehefeld u. s. w. müssen wei- tere Beobachtungen darüber entscheiden, ob ein Verhältniss zwischen der Lufttemperatur und der Dauer der Keimung be- steht. Die Periode der Blüthenentwickelung. ■ — Die folgende Üebersicht enthält die Zeit, welche vom Erscheinen des ersten Blattes bis zur ersten Blüthe verging, die Wärme- summe dieses Zeitraumes und die Mitteltemperatur. Die Luft. 73 Station. Zeit. Hafer. Gohiisch . . . Hiuterhermsdorf Reitzenhain . . Sommerroggen Gohriscli ... Hinterhermsdori Georgengrün . Reitzenhain . . 20. April — 26. Juni 4. Mai — 13. Juli 17. „ -28. „ 20. April — 30. Juni 2. Mai — 3. Juli 14. „ -25. „ 14. „ -21. „ Tage. Wärme- sumnie. Mitteltem- peratur. 67 70 72 71 62 72 68 6300,69 6460,37 6230,54 6860,30 5460,01 6700,28 5750,28 90,52 90,32 80,66 90,67 80,81 90,31 80,46 Die Wärmesumme, welche der Hafer von der Entwicke- luno; des ersten Blattes bis zur Blüthe bedarf, lässt sich hier- nach auf etwa 630^ bemessen, zugleich ist durch diese Ver- suche eine Bestätigung des von Boussingault aufgestellten Gesetzes gegeben, dass die Dauer der Vegetationsperiode im umgekehrten Verhältniss zur mittleren Temperatur steht. Beim Roggen differiren die Zahlen beträchtlich, die meteorologischen Beobachtungen machen es wahrscheinlich, dass auf dem Goh- risch ein Mangel au Regen, in Georgengrün dagegen Regen- überfluss die Eutwickelung verzögert hat. Die Reifeperiode. — Vom Eintritt der Blüthe bis zur Reifezeit. Station. Zeit. Tage. Wärme- summe. Mitteltem- peratur. Hafer. Gohriscb .... Hinterhermsdorf Reitzenhain . . . 26. Juni 13. Juli 28. Juli — 10. August - 22. „ — 16. Septbr. 45 40 50 5890,98 4630,37 4500,74 130,11 110,58 90,01 Sommerroggen. Gohriscb .... Hiuterhermsdorf Georgengrün . . Reitzenhain . . . 30. Juni 3. Juli 25. „ 21. „ — 7. August -22. „ — 30. Septbr. -24. „ 38 50 67 65 4950,01 5670,23 6340,33 5910,61 130,03 110,34 90,47 90,10 Bei diesen Zahlen stellt sich keine Uebereinstimmung zwi- schen der Dauer der Reifezeit und der Wärmesumme heraus, dagegen zeigt sich, dass die Reifezeit um so mehr verkürzt wird, je höher die Mitteltemperatur steigt. Noch deutlicher wird diese Beziehung durch die folgende Zusammenstellung. 74 Die Luft. Station. Regen- tage. Regen- menge. Par. Lin. Tage mit Mittelte 5-9" lO-lP 12-13" mperaturen von 14-15", 16"|17'' 18» Gohrisch .... Hinterhermsdorf Georgen grün . . Reitzenhain . . 16 32 40 28 33,6 71,1 75,0 58,7 2 11 40 42 11 21 13 14 13 12 9 7 8 3 6 — 5 1 — 2 1- — 1 Man ersieht hieraus, wie die Reifezeit sich verlängert und die Wärmesumme sich vergrössert, je mehr die Zahl der Tage mit hohen Temperaturen abnimmt. Es ist also für den Eintritt der Reife nicht allein die Wärmesummu massgebend, sondern auch die Höhe der Tagestemperatur. Hiernach würde also für die Reifeperiode das Boussingault'sche Gesetz, dass die Dauer der Vegetation zu der mittleren Temperatur im umgekehrten Verhältnisse steht, keiue Gültigkeit haben. Krutzsch macht übrigens noch darauf aufmerksam, dass auch die Bodenwärme und Boden- feuchtigkeit den Eintritt der Reife zu beeinflussen scheint. Auf den anderen Stationen, welche in den vorstehenden Mittheilungen nicht berücksichtigt sind, wurde die Blüthezeit nicht beobachtet, bei diesen können also nur die ganzen Ve- getationszeiten vom selbstständigen Wachsthume an bis zur Reife verglichen werden. Station. Zeit. Tage. Wärme- Mitteltem- peratur. Hafer. Gohrisch Hinterhermsdorf . Hubeitusburg . . . Grillenburg 1. Saat n ^' 11 Rehefeld Georgengrün . . . Reitzenhain .... Sommerroggen. Gohrisch Hinterhermsdorf . Rehefeld Georgengrün . . . Reitzenhain .... 20. April bis 10. August 4. Mai „ 22. „ » 13. „ „ 29. Septbr. 19 n ^'J- 11 « 26. „ „ 10. Oktbr. „ 16. Septhr. 4, 9. 13. 16. 20. 5. 17. 20. April bis 7. August 2. Mai 22. 16. Mai bis 26. Septbr. 14. „ „ 30. „ 14. „ „ 24. „ 112 110 96 139 126 129 158 122 109 112 133 139 133 1227,62 1109,84 112.5,41 1440,47 1326,40 1113,10 1368,29 1074,28 1181,31 1113,24 1147,77 1304,61 1166,89 Diese unter einander so bedeutend abweichenden zeigen wie verschieden in dem kleinen Lande Sachsen 10 ",96 10",09 110,72 10 ",36 10 ",52 8 ",63 80,66 80,80 100,84 90,94 80,63*) 90,38 80,77 Zahlen die kli- *) Halbreif geerntet. Die Luft. 75 matischen Verliältnisse sind, an dem einen Orte wird der Ha- fer in 96 Tagen reif, an dem andern in 158 Tagen, am dritten Orte kommt er gar nicht zur Reife. Aus der Mitteltemperatur lässt sich dieser Unterschied nicht allein erklären , auch die Mittcltemperaturen der einzelnen Tage zeigten nach Ausweis der meteorologischen Tabellen keine grosse Differenz, wohl aber ergab sich ein nicht unerheblicher Unterschied bezüglich des Temperaturminimums, bis zu welchem sich die Luft in den einzelnen Nächten abkühlte. Die Anzahl der Tage mit niedri- gen Minimaltemperaturen war in Rehefeld weit bedeutender, als z. B. in Reitzenhain. Interessant ist noch die Beobachtung, dass in Grillenburg die erste Saat in Folge von Fiösten, welche dieselbe während der Keimungspeiiode trafen, 10 Tage später reifte, als die si)ätere Saat und eine um 13 Tage längere Vegetationszeit von der Keimung bis zur Reife hatte Auch dies scheint gegen die Vortheilhaftigkeit allzu früher Saaten zu sprechen. Untersuchungen zur Klima- und Bodenkunde mit uuter- Rücksicht auf die Vegetation, von H. Hoffmann.*). ^„1! K7ima'- — Die mit einer unermüdlichen Ausdauer ausgeführten Unter- u"d Boden suchungen des Verfassers führten denselben zu folgenden Schlussfolgerungen : I. Die Pflanzenareale haben einen (oder bisweilen meh- rere) Schöpfungscentren, unerklärbar bei dem jetzigen Stande der Wissenschaft, wie die Schöpfung selbst; von hier aus ist ihr Areal allmählich bevölkert und ausgefüllt worden, ein Vor- gang, welcher in vorhistorischer Zeit begann und sich noch heute fortsetzt. H. Soweit nicht der Mensch störend eingreift, findet jede ' Pflanze hierbei zuletzt eine Grenze, welche sie nicht mehr überschreitet. ni. Diese Grenze ist bedingt 1) durch die Konfiguration der Länder und Meere, 2) durch das Klima. Was das letztere betrifft, so sind die Pflanzen in dieser Beziehung im Laufe von Generationen vielleicht unbegrenzt biegsam; aber sie erreichen die mögliche Grenze nur unter dem schützenden Einflüsse des Menschen, während sie, sich selbst überlassen, bereits an dem Punkte stehen bleiben, wo andere, dort einheimische. Pflanzen die klimatischen Bedingungen um ein Minimum günstiger finden. *) Beilage zur botanischen Zeitung. 1865. 76 Die Luft. IV. Die innere Ausfüllung eines Areals ist, so weit be- deutende Höhendifferenzen u. dgl. dabei in Betracht kommen, von denselben klimatischen Verhältnissen abhängig, im üebri- gen aber von der physikalischen Beschaffenheit des Bodens; die Pflanzenarten erfüllen das Gebiet so weit, als nicht andere Pflanzen, welchen die lokal gegebenen Bodenverhältnisse um ein Minimum günstiger sind, sie, als die relativ schwächeren, verdrängen und ihr erneutes Eindringen verhindern. Auch sie gedeihen nur unter der schützenden Obhut des Menschen, in- dem er ihre Feinde (das Unkraut) beseitigt, an anderen Stellen. Wir müssen uns darauf beschränken, aus den umfassenden Untersuchungen und Beobachtungen des Verfassers, den Früch- ten eines zwanzigjährigen Fleisses, nur das Wichtigste kurz zu resumiren: In Betreff des ersten Punktes bringt der Ver- fasser eine lange Reihe von Thatsachen bei, welche beweisen, dass sowohl aus der Tertiärzeit wie aus der Diluvialperiode lebende Pflanzen- und Thierformen sich herüber gerettet haben bis auf unsere Zeit. Wenn es auf diesem Wege, der auf die Urgeschichte unserer Erde zurückführt, auch nicht möglich ist, das G-eheimniss der lokalen Schöpfung zu lösen, so ist ein Zurückgehen auf die frühere Gestaltung des Landes doch wohl geeignet, wenigstens die jetzige eigenthümliche Form gewisser Areale zu erklären, welche sonst jeder wissenschaftlichen Be- trachtung unzugänglich schienen. Durch die Beschaffenheit von Klima und Boden lässt sich das Problem der geographi- schen Verbreitung der Pflanzen nicht allein erklären. Dies wird genügend durch die einfache Thatsache bewiesen, dass manche Gewächse an Orten, wo sie wildwachsend nicht vor- kommen, seit ihrer Einführung durch die Hand des Menschen als vegetabilische Eroberer aufgetreten sind und die einheimi- schen Pflanzen sogar verdi-ängt haben. Wie bereits in frühe- rer^ Zeit viele Forscher die Uebereinstimmung in der Flora und Fauna weit auseinander liegender Länder dadurch erklärt haben, dass sie für diese in einer früheren, längst vergange- nen Zeit eine Verbindung durch Festland voraussetzen, so fin- den sich nach Hoffmann auch in Spezialgebieten Andeutun- gen, welche auf ähnliche geologische Zustände — vorzeitliche Trennung oder Verbindung — hinweisen. Der Verfasser hat bereits iu eiuer früheren Arbeit nachgewiesen, dass Die Luft. 77 die heutige Wasserscheide zwischen Rhein (Wetterau) und Weser (Eder und Fulda) sich gleichzeitig als eine Pflanzenscheide für eine gewisse, nicht unbedeutende Anzahl von Gewächsen kundgiebt, was danuif hindeutet, dass nach dem Ende der Tertiärzeit ein grosser Rheinsee bis an die Nord- seite der Wetterau und in südlicher Richtung auf die Schweiz hinweisend, sich erstreckte, welcher in Folge der mittlerweile erhobenen Basalteruption des Vogelberges von den nördlicher liegenden Gegenden abgesperrt war. Auch Colin*) ist vor Kurzem durch seine Beobachtungen im Boberthale am Riesengebirge zu dem Schlüsse gekommen, dass zum Verständniss der heutigen Arealformen gewisser Pflanzenarten auf eine untergegangene oder verwischte Konfiguration des Landes zurückgegangen werden müsse. Schon oft ist es versucht worden, die Arealgrenzen der Gewächse durch klimatische Verhältnisse zu erklären, man hat sich bemüht, dieselben auf eine einfache klimatologische For- mel zurückzuführen, leider aber bisher mit wenig Erfolg, weil die drei Faktoren, welche das Klima bilden: meteorische Nie- derschläge, Temperaturvertheilung und Insolation in so man- nigfache Wechselwirkung treten, dass ein einfacher Ausdruck hierfür wenigstens zur Zeit nicht möglich ist. Am wenigsten Einfluss scheinen die meteorischen Niederschläge auf die Ve- getation auszuüben; Hoffmann zeigt, dass sowohl die Zahl der Regentage, wie die Höhe des Regenfalles für einen und denselben Ort beträchtlich diflferiren kann, ohne dass diese Schwankungen von einem sichtbaren Einflüsse wären, und dass selbst von Ort zu Ort anscheinend bedeutende Verschiedenhei- ten der mittleren Regenmenge keine entsprechende Differenzen in der Vegetation der beiden Orte bedingen. "Weit hervortre- tender ist der Einfluss der Wärme, und dies deshalb, weil die der Pflanze zugetheilte Wärme vollständig für vegetative Zwecke benutzt wird, ja ein Zuviel von Sonnenwärme (bei genügender Befeuchtung) kaum vorkommen kann; während dagegen die bei weitem grösste Menge des Wassers, welches im Bereiche einer Pflanze niederfällt, unverwerthet wieder den Flüssen zuströmt. Dur(;h eine kritische Erörterung eigener und fremder Beobach- tungen gelangt Hoffmann zu dem Schlüsse, dass die ursprüng- liche, namentlich von Humboldt vertretene Idee von der Be- deutung der Mitteltemperaturen durchaus ungenügend ist zur Erklärung der Arealgrenzen; dass dieselbe eine wesentliche *) Verhandlungen der botanischen Sektion der schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur. 1860. S. 48. Bonplaudia 1860, S. 139. 78 Die Luft. Verbesserung erfuhr durch die Griseb ach 'sehe umfassendere Auffassungsweise der Vegetationsliuien als Ausdruck einer man- nigfacheren Geltendmachung sehr verschiedener thermischer Effekte; dass weiterhin die Verwerthung der Temperatursura- men, wie sie von Boussingault und Fritzsch wesentlich verbessert und von A. de Candolle vertreten wird, einen entschiedenen Fortschritt bezeichnet, bei dem letzteren Forscher namentlich dadurch, dass derselbe die werthlosen niederen Tem- peraturen ausser Rechnung Hess und auf der anderen Seite die kompensatorische Bedeutung der Insolation wenigstens andeu- tend mit in Betracht zog, sowie die Wichtigkeit der Nieder- schläge für das Pflanzenleben berücksichtigte; dass aber hier- durch das Phänomen immer komplizirter geworden ist, während gleichzeitig das Verstäudniss an Wahrheit entschieden gewann, derart, dass von nun an alle Bemühungen, zu jenen einfachen Vorstellungen zurückzukehren, als fruchtlos erscheinen müssen und der richtige Weg für die Zukunft deutlich vorgezeichnet ist, wenn schon gleichzeitig unverkennbar hervortritt, dass die bisherigen meteorologischen Beobachtungsweisen einer gründ- lichen Umgestaltung bedürftig sind. Indem also Hoff mann der Ansicht ist, dass das komplizirte Phänomen des pflanzen- geographischen Areales einer Spezies nicht durch eine einfache klimatologische Formel zu erklären ist, stellt er es trotzdem nicht in Abrede, dass es nicht in Zukunft bei verbesserter me- teorologischer und phänologischer Beobachtungsweise gelingen sollte, die Arealgrenzon für gewisse Pflanzen klimatologisch in befriedigender Weise zu erklären. Seiner Ansicht nach giebt es Arealgrenzen, welche eine klimatologische Begründung ha- ben, und andere, wo die Grenze rein zufällig ist, wie ein Fluss oder ein Meer bei mangelnder Wanderung durch Menschen- hülfe u. dei'gl. Hoffmann hat die Gründe weiter erörtert, weshalb eine einfache Beobachtung der Temperatursummen nicht ausreichend ist zur Erklärung der geographischen Verbreitung der Pflan- zen. Man kann daraus die Höhe und die Dauer einer gewis- sen Temperatur, auf welche es zunächst ankommt, keineswegs bemessen. Innerhalb der Polarkreise macht sich besonders auch der Einfluss der Insolation geltend und für niedere Brei- ten bewirkt die unwandelbare Beständigkeit der Temperatur Die Luft. 79 ganz analoge Anomalien. Für eine und dieselbe Pflanze be- rechnen sich in verschiedenen Jahren selbst bei gleichem Stand- orte sehr verschiedene Temperatursummen. Dies liegt weniger darin, dass die Wärme ungleich wirkte, als darin, dass durch Eintreten kalter Witterung nach dem Erwachen der Vegetation diese sehr bedeutend verzögert wird, namentlich ist dies bei Frösten der Fall. Interessant sind die Beobachtungen Hoff- mann 's über die bleibende Aenderung des gesammten Vege- tationstypus bei bleibender Einwirkung der Temperatur. Er zeigt, dass bei manchen Gewächsen, Vitis vinifera, Amygdalus, Quercus, Ligustrum vulgare, Prunus etc. die Winterruhe durch Versetzung in wärmere Gegenden oder durch künstliche Wärme verkürzt oder ganz aufgehoben wird. Doch ist es wahrschein- lich, dass diese wunderbare Akkomodation erst im Laufe von mehreren Vegetationen zu Stande kommt. An Hex Aquifolium zeigt Ho ff mann, wie nicht die Zunahme der Winterkälte die Begrenzung bedingt, sondern die inkonstanten, in grossen Ex- tremen schwankenden Temperaturen des Nachwinters und Früh- lings. Eine länger liegende Schneedecke im Gebirge bewirkt, dass dort Pflanzen ausdauern, welche im flachen Lande bei fehlender Schneedecke während der wechselnden Witterung des Frühlings zu Grunde gehen. Von Einfluss ist hierbei mit, dass die Temperaturextreme und zwar ihre Schwankungen nach unten, gleichfalls mit der Höhe des Landes abnehmen, was Hoff mann durch Beobachtungsresultate belegt. Bezüglich der Fruchtreifong, wozu ein warmer Sommer gehört, stehen die Gebirgslagen gegen das flache Land zurück. Das Erfrieren der Pflanzen findet in der Regel nicht im Winter statt, sondern erst beim Erwachen der Vegetation oder im Vorwinter. Bei Obstbäumen steht das Missrathen der Ernte in einer direkten Beziehung zu dem Auftreten von Frösten während der Blüthezeit. Die Abhängigkeit der Pflanzen von der chemischen und physischen Beschaffenheit des Bodens hat der Verfasser in doppelter Richtung zu erforschen sich bestrebt, einerseits durch Analysirung originaler Bodenproben vom Standorte der betref- fenden Pflanzen, anderseits durch Kulturversuche mit densel- ben Pflanzen in künstlich hergerichteten Bodenarten. Der Ver- fasser hat in der Rheinpfalz die Verbreitung mehrerer wild- wachsenden Pflanzen durch eine lansre Reihe von Jahren ver- 30 Die Luft. folgt und nicht weniger als 177 Erd- und Gesteinsarten gesam- melt, welche für das Vorkommen oder Nichtvorkommen dieser oder jener Pflanzen charakteristisch sind. Bei der chemischen Analyse der Bodenproben wurde zunächst nur der Kalkgehalt berücksichtigt. Es ergab sich hierbei, dass Kalkpflanzen im chemischen Sinne nicht existiren, indem die Pflanzen, welche allgemein für kalkanzeigend gehalten werden, wie Bupleurum falcatum, Dianthus Carthusianorum, Prunella grandiflora, Sedum album weder im Mittel aller Analysen einen grösseren Kalk- gehalt des Bodens voraussetzen, noch auch im Einzelnen ir- gendwie übereinstimmende Ergebnisse erkennen lassen; sie kommen eben auf Erden vor, deren Kalkgehalt von schwachen, eben noch messbaren Spuren bis zu mehreren Prozenten schwan- ken kann. Gerade dieselben Schwankungen des Kalkgehalts zeigen sich auch bei Böden, auf welchen, wie man vermuthen sollte, die betreffenden Pflanzen dem allgemeinen Charakter nach vorkommen könnten, in der That aber fehlen; endlich zeigen die sogenannten bodenvagen Pflanzen ganz dieselben Schwankungen des Kalkgehalts im Boden. Ebenso wenig be- stätigte sich die Vermuthung, dass in kalkarmen Bodenarten eine Vertretung des Kalks durch Magnesia stattfinde. Hoff- mann hält den grösseren oder geringeren Kalkgehalt des Bo- dens für ganz irrelevant für den Kalkgehalt der Pflanzen, in- dem dieselben Zeit und Mittel haben, selbst aus einem äusserst kalkarmen Boden allen ihnen nöthigen Kalk zu gewinnen. Dies zeigten die Kalkbestimmungen in den Aschen von Bupleurum falcatum, welche Pflanze in vier verschiedenen Bodenarten kultivirt worden war. ^ . , . , Prozent der Asche. Auf Sandstein gewachsen 20,5 Kalk, B,7 Magnesia. Auf Kalkstein gewachsen 17,9 „ 9,5 „ Auf kalkarmer Gartenerde gewachsen 20,4 „ — „ Auf Kalkstein gewachsen, älter .... 23,2 „ — „ Auch die Existenz der sogenannten Kali- und Kieselpflan- zen bezweifelt Hoffmann, dagegenhält eres für wahrschein- lich, dass es Salzpflanzen giebt, welche ganz entschieden einen grösseren Salzgehalt im Substrate verlangen. Weit mehr wie von der chemischen Beschafl'enheit des Bodens ist das Gedeihen der Pflanzen von der physischen Beschaffenheit, namentlich von der Porosität und der wasser- Die Luft. 81 haltenden Kral't al)liängig. HuITniann fand, dass Euphorbia Cyparissias und rruncUa grandiHora, zwei Pflanzen, welche auf sehr verschiedenen Standorten zu wachsen pflegen, in der Po- rosität ihrer Böden nur einen sehr wenig erheblichen Unterschied erkennen Hessen, ebenso die anderen. Es zeigte sich über- haupt, dass die Porosität der verschiedenen Brdarten zu wenig verschieden ist, um für das Vorkommen der bodeusteten und bodenvagen Pflanzen eine nachweisbare Bedeutung zu haben, wenn auch vielleicht anzunehmen ist, dass diese Eigenschaft des Bodens nicht ohne P]influss auf die spontane Vegetation ist. Bedeutender ist der Einfluss der Wasserkapazität; als Mit- telzahlcn der langen Reihe von Bestimmungen fand der Ver- fasser, dass für die nachstehenden Pflanzen die beigefügten Wasserkapazitäten charakteristisch sind. Wasser- Vorkoriimcn von Fehlen von Kapazität. 1,9 Sedum album. 2,1 — Sedum album. 2,3 — Asperula cynanchica. 2,6 Euphorbia Cyparissias. Euphorbia Cyparissias. 2,6 Bupleurum falcat. . — 2,7 — Falcaria Rivini. 2,8 — Bupleurum falcat. 2,8 Gartenerde — 2,8 — Eryngium campestre. 3,0 Pteris aquilina. — 3,0 Dianthus Carthusiauorum. Dianthus Carthusiauorum. 3,1 Coronilla varia. — 3,1 Prunella grandiflora. Prunella grandiflora. 3,2 Medic;igo falcata — 3,2 Asperula cynancliica. — 3,3 Eryngium campestre. Falcaria Rivini. — 3,5 — Zur Bestimmung der wasserhaltenden Kraft wurden 25 bis 50 Grm. der lufttrocknen Erden mit 4 Par. KubikzoU Wasser eine Stunde digerirt, dann abfiltrirt und das Filtrat gemessen. Die Difl'erenz ergab das absorbirte Wasser, welches alsdann auf 100 Grm. Erde berechnet wurde ; die Angaben der Tabelle bezeichnen mithin KubikzoUe. Eine Bestätigung der vorstehenden Skala findet Hoffmann ausser in der notorischen Abhängigkeit des Vorkommens ge- wisser Pflanzen von dem Feuchtigkeitsgehalte des Standortes auch in dem gesellschaftlichen Vorkommen mehrerer dieser Pflanzen, die bezüglich der wasserhaltenden Kraft gleiche An- sprüche an den Boden machen. So kommen Prunella grandi- J»br«!8bericht. VIII. ß 32 Die Luft. flora und Dianthus Carthusianorura häufig zusammen vor, wäh- rend die extremen Pflanzen: Euphorbia mit Asperula, Sedum mit Eryngium oder Prunella mit ßupleurum selten kombiniren. Gelegentlich kommen jedoch Ausnahmen von dieser Regel vor, was also eine grosse Streckbarkeit der einen oder der ande- ren dieser Spezies andeutet, andererseits ergab die Untersu- chung negativer Erdproben nicht immer einen beträchtlichen Unterschied in der Wasserkapazität, gegenülter den Erden, auf welchen die betreifende Pflanze gefunden wurde. Die Was- serkapazität entscheidet also nicht ausschliesslich über das Vor- kommen einer Pflanze, ihre Bedeutung für die Pflanzen liegt nicht allein in der hierdurch bedingten Kontinuität der Wasser- zufuhr zu den Wurzeln, sondern auch darin, dass diese Ver- hältnisse den grössten Einfluss auf die Erwärmbarkeit des Bo- dens haben müssen, was Hoffmann durch Thermometerbeob- achtungen in drainirtem und undrainirtem Felde und durch Beobachtungen über den Eintritt der Blüthe von Collinsia bi- color und Adonis aestivalis belegt. Die wasserhaltende Kraft steht in Beziehung zur Durchnässbarkeit und Durchlassfähig- keit, zur Gasaufnahme und damit zur Verwitterung und zur Leitung der Wärme. Wenn nun auch nach dem Vorhergehen- den anzunehmen ist, dass nicht in der chemischen Qualität, sondern in den physikalischen Verhältnissen des Bodens das spezifisch Bestimmende für die einzelnen bodensteten Pflanzen zu suchen ist, so kommt doch schliesslich wieder die chemische Konstitution des Bodens in Betracht, so weit diese bei den meisten Bodenarten die physische Beschaffenheit bedingt. Hoffmann theilt, nach T hur mann 's Vorgange, die Pflanzen ein in ubiquistische, hygrophile (feuchten Boden liebende) und xerophile (trocknen Boden liebende); er gelangt hierdurch zu der alten Eintheilung der Bodenarten in leichte, schwere, warme, kalte, nasse, trockne u. s. w. zurück und nimmt für sich nur den Fortschritt in Anspruch, diese Bezeichnungsformen auf ihren wahren Werth zurückgcfülirt und ilnien eine wissen- schaftliche Bedeutung, ein Verständniss untergelegt zu habeu. Man kann sich hiernach die ganze Summe der physikalischen Verhält- nisse eines Bodens, auf welchem eine wildwachsende Pflanze wächst und Bich bleibend erhält, in einer Art von labilem Gleichgewicht denken. Jede Störung der äusseren Verhältnisse bedingt eine Aenderung, aber nur wenn sie bleibend ist, ein Uebergewicht, welches, wenn auch langsam, zuletzt Die Luft. 83 doch dahin führt, dass die urspriiiighchc Plhuize diircJi andere verdrangt wird. Wird dagegen durcli die Hand des Menschen das Ueherhandnehmen der eindringenden Pflanzen (die Verunkrautung) verhindert, so gelingt es, die Pflanzen, wie Iloffniann durch Kulturversuchc nachgewiesen hat, auch unter ungünstigeren Verhältnissen zu erhalten, ihr wildes Vorkommen setzt dagegen ein Maximum von günstigen Verhältnissen voraus. Wir erwähnen endlich noch folgende Abhandlungen : The air wc breatho, by Cuthb. W. Johnson.') Observations ozonometriques, par Berigny. ^) Meteorologie ai)pli(iuee a l'agriculturc, par Leroy.^j Meteorology. Its influence on agriculture. ') Des forets et de leur influence sur les climats, par Becquerel. ^) Die Wittcrungserscheinungen des nördlichen Deutschlands im Zeit- räume von 1858 bis 18(Jo.^) Der Eisbruch und der Winterhauch, von Grunert. ~) Der Moorrauch, von L. Immen ^); über dasselbe Thema, von G. Karsten. !*} Der Einfluss der Wälder auf Klima, Kultur der Länder, Wohlstand und Sitten der Menschen, von v. Pannewitz. '") Ueber die Witterung des Jahres 18G4 und des Winters von 1804—65, von H. W. Dove.") Der Regenfall im Walde, von Nurdlinger. '•^) Ueber die Vertheilung der Wärme auf der Erdoberfläche, von Witte. '3) Ueber den Zusammenhang der Witterung mit der Laudwirthschaft. '^) Ein Beitrag zur Witterungskundc. '■') Mark lane express. 1864. Nr. 1759. Compt. rend. Bd. 59, S. 537. Journal de la societe centrale d'agriculture. 1865. S. 26. Mark lane express. Bd. 34, Nr. 1745. Compt. rend. Bd. 60, S. 1049. Annalen der Landwirthschaft Bd. 45, S. 348. Forstliche Blätter. 1864. S 160. Mittheilungen des landwirthsch. Provinzial-Vereins für Stade. 1864. Landwirthsch. Wochenblatt für Schleswig-Holstein etc. 1865. S. 17. Schlesische landwirthschaftliche Zeitung. 1865. S. 85. Zeitschrift des preussischen statistischen Burcau's. 1865. S. 93. Kritische Blätter für Jagd- und Forstwissenschaft. Bd. 48, S. 256. Zeitschrift für die gcsammten Naturwissenschaften Bd. 26, S. 97. Zeitschrift für deutsche Landwirthe. 1865. S. ,306. Landwirthsch. Wochenblatt für Schleswig-Holstein etc. 1865. S. 225. 84 Rückblick. Rückblick. Chemische Untersuchungen über die Bestandtheile des Luftmeeres und deren Verhalten sind im verflossenen Jahre nicht ausgeführt worden; wir haben nur über eine Beobachtung von Violette und de Gernez zu be- richten gehabt, welche es wahrscheinlich macht, dass das bereits von an- deren Chemikern im Regenwasser gefundene schwefelsaure Natron einen konstanten Bestandtheil der Atmosphäre bildet. Desto grösser ist die Zahl der meteorologischen Untersuchungen, deren Ergebnisse wir in hergebrach- ter Weise diesem Abschnitte unseres Berichtes einverleibt haben. Wir haben zunächst eine Bestätigung der von Nöllner, Mohr u. anderen beobach- teten Erscheinung mitgetheilt, dass unter Umständen das Regenwasser in der Atmosphäre bis unter Null Grad erkalten kann und dann beim Herab- kommen auf die Erde sogleich gefriert; Alex. Müller hatte Gelegenheit, diese Beobachtung in Schweden zu machen. — Das Phänomen der Hagel- bildung ist noch immer nicht endgültig erklärt, doch erscheint es wahr- scheinlich, dass bedeutende Temperaturdifferenzen in den Luftströmungen dabei die Hauptrolle spielen. — Ueber den Einfluss des Waldes auf die Witterung liegt eine umfassende Arbeit von Berger voi", welche die man- nigfachen Beaiehungen des Waldes zu den klimatischen Verhältnissen sei- ner Umgebung behandelt. Bezüglich der Einwirkung des Waldes auf die Temperaturverhältnisse schliesst der Verfasser sich der Ansicht von H. Krutzsch an, dass der Wald die Temperaturextreme abstumpft. Die Aus- trocknung im Innern des Waldes wird durch die Abhaltung der direkten Einwirkung der Sonnenstrahlen und der austrocknenden Luftströmungen beschränkt, andererseits veranlassen die durch den Wechsel von Wald und Feld hervorgerufenen Luftströmungen Thau- und Regenniederschläge, be- wirken aber dadurch zugleich eine raschere Austrocknung der Umgebung des Waldes. Hieraus erklärt sich, warum die Vegetation am AValdessaume so leicht durch Dürre leidet und warum nach Dove und Desor die in Nordamerika sich ansiedelnden deutschen Frauen, trotz der grossen Regen- menge, über das schnelle Trocknen der Wäsche in angenehmes Erstaunen und über das schnelle Austrocknen des Brotes in Verzweiflung gerathen, warum dort die Eisblumen an den Fenstern fehlen, die Wiener Flügel bald durch Austrocknen verlieren etc. Auch niedere Vegetationsüberzüge und Städte wirken nach dem Verfasser auf die meteorischen Niederschläge ein; in letzter Beziehung ist besonders die Beobachtung von Espy interessant, dass mit der grossartigen Entwickelung der Fabrikindustrie die Zahl der Niederschläge in Manchester sehr erheblich gesteigert worden ist. — H. Krutzsch besprach den Einfluss der Witterungsverhältnisse des Jahres 1864 auf das Pflanzenwachsthum an einigen Orten in Sachsen. Die beträcht- lichen Unterschiede in der Meereshöhe der Bcobachtungsorte (2000 Fuss) bedingten sehr bedeutende Verschiedenartigkeiten in der Entwickelung der Pflanzen, welche jedoch nicht allein von der Temperatur derartig abhängig sich zeigen, dass das Bons sin gault 'sehe Gesetz, nach welchem die Dauer der Vegetationspei'iode im umgekehrten Verhältniss zur mittleren Tempe- ratur stehen soll, überall bestätigt würde. Ueberhaupt erscheint es auch nach H. Ho f f manu' s Untersuchungen mindestens zur Zeit unmöglich, den Einfluss der klimatischen Verhältnisse auf das Pflanzenwachsthum auf eine Rückblick. 85 einfache klimatologische Formel zurückzuführen; -^ sehen, dass nicht — ■wie man früher wohl angenommen hat — die Wärmesurame, noch die Höhe der Mitteltemperatur allein massgebend ist, für den Eintritt der Reife ist vielmehr ein bestimmtes Temperaturminimum unumgänglich nothwendig, ebenso ergiebt sich aus den Beobachtungen von Krutzsch, dass ein Hin- abgehen der Temperatur unter Null Grad die Vegetation auf längere Zeit retardirt. Nicht minder einflussreich für das Pflanzenwachsthum sind die Regenverhältnisse und, wie bereits von Schub eler u. and. nachgewiesen wurde, die Insolation. Wenn sich nun auch zur Zeit der Einfluss dieser verschiedenen, das Klima bedingenden Faktoren auf das Pflanzenwachs- thum noch nicht genau würdigen lässt, so ist doch durch die in Sachsen von Krutzsch eingeführte philnologische Beobachtungsweise neben der eigentlich meteorologischen der richtige Weg für die hierauf bezüglichen Untersuchungen angezeigt und es ist von diesen auch eine wesentliche För- derung landwirthschaftlicher Zwecke zu erwarten. — Hoffmann's Unter- suchungen beziehen sich auf die Erscheinungen bei der spontanen Vegeta- tion; erzeigt, dass auch für die wildwachsenden Pflanzen eine Begrenzung hinsichtlich ihrer geographischen Verbreitung durch die klimatischen Ver- hältnisse nicht überall nachweisbar ist. Auch die chemische Bodenbeschaf- fenheit sieht Ho ff mann nicht als massgebend für die spontane Bedeckung des Bodens mit Pflanzen an, sondern er schreibt vielmehr den Hauptein- fluss der Wasserkapazität des Bodens und überhaupt der physischen Be- schaffenheit desselben zu. Die geographische Verbreitung einer l)estimmten Pflanze wird ausserdem noch durch das Schöpfungscentrum, d. h. die Oert- lichkeit, von der aus die Pflanze sich verbreitete, und die in der Konfigu- ration der Länder und Meere liegenden Hindernisse bedingt, welche der weiteren Verbreitung der Pflanze eine Grenze setzen. Literatur. Dell' ozono, di Giov. Ferd. Rubini. Triest, Coen. Resultate der auf der königlichen meteorologischen Station Torgau in den Jahren 1848 — 1864 gemachten Beobachtungen, von Prof. J. A. Arndt Torgau, Jakob. Vergleichende Untersuchungen über den Wachstbumsgang und Ertrag der Rothbnche und Eiche im Spessart, der Rothbucbe im iistlicben Weser- gebirge, der Kiefer in Pommern und der Weisstanne im Schwarzwalde, von Robert Hartig. Stuttgart, Cotta. Die Wetterpropheten und die Wetterprophezeiungen, oder: Ist die Kunst, das Wetter vorbei zubestimmeu, entdeckt oder nirht? von Herrm. J. Klein. Neuwied, Heuser. 86 Literatur. Supplemeut zur MimatograpLiscIieu Uebersicht der Erde, von Adolf Mühry. Leipzig, C. F. Winter. Uebersichten der Witterung in Oesterreich und einigen auswärtigen Statio- nen im .Jahre 18G3. Wien, Braumüller. Beiträge zur Meteorologie und Klimatologie von Mittel-Amerika, von Mor. Wagner. Jena, Frommann. Was in der Luft vorgeht. Populäre Vorträge über Luftdruck, LuftschilT- fahrt und Meteorologie, von F, Feilsch. Berlin, Si)ringer. Ergebnisse mehrjähriger Beobachtungen über die periodischen Erschei- nungen in der Flora und Fauna Wiens, von Karl Fritsch. Wien, Ge- rolds Sohn. Ueber die mit der Höhe zunehmende Temperatur der untersten Luft- schichten, von Karl Fritsch. Wien, Gerolds Sohn. üeber unsere Kenntniss von den Ursachen der Erscheinungen in der or- ganischen Natur, von Huxley. Aus dem Englischen von Carl Vogt. Braunschweig, Vieweg & Sohn. Handbuch der Witterungskunde, von G. A. Jahn. Leipzig, Senf. Klimatologie von Böhmen, von Karl Kreil. Wien, Gerolds Sohn. Meteorologische Al)handlungen, von Gust. Ed. Lösche. Dresden, Mein- hold & Söhne. Ueber die Messung der Luftfeuchtigkeit, zur richtigen Würdigung der Kli- mate, von R. von Vivenot. Wien, Seidel & Sohn. Astra castra: experiments and adventures in the atmosphere, by Hattou Turner. London. Observations made at the magnetical and meteorological observatory ad Trinity coUege, by H, Lloyd. Duldin. — -M^^ja&y^M- Die Pflanze. Nähere Pflanzenbestandtlieile und Asclien- Analysen. U e b e r den Gehalt der Pflanzen a n A m m o n i a k und oehait der Salpetersäure, von A. Hosäus.^) — Anschliessend an p"^"'«" " t ' ' Ammoniak seine früheren Ai'])oitcn über diesen Gegenstand**), unternahm uüd sai- der Verfasser neuerdings eine Untersuchung über das Verhal- p«««"aure. ten des Ammoniaks und der Salpetersäure während der Vege- tation der Pflanzen. Es dienten dazu zunächst Roggen-, Wei- zen- und Gerstenpflanzen, welche in einem und demselben tho- nigen Sandboden gewachsen waren, und Haferpflanzen von einem in guter Kultur stehenden schweren Thonboden. In der ersten Entwickelungsperiodc gelangten die Pflanzen ungetheilt zur Untersuchung, später wurden die einzelnen Pflanzentheile getrennt analysirt. Nachstehende Zusammenstellung giebt eine tabellarische Uebersicht über die erlangten Resultate, das Am- moniak und die Salpetersäure sind darin für die trocknen Sub- stanzen berechnet, zugleich ist das Verhältniss zwischen dem in der Form von Ammoniak und in der Form von Salpeter- säure vorhandenen Stickstoff und der Wassergehalt der frischen Substanzen mit aufgefülirt. *) Zeitschrift für deutsche Landwirthe. 1865, S. 97. **) Jahresbericht. VII. Jahrgang, S. 84. 88 Nähere Pflanzenbesiandtheile und Aschenanalysen. S-4 Ol +j ,£5 -tj a W " O ^ QJ eS 2 'S -^ N »^ ^ -r -. JTfcc • t-l 00 »o o •-C ir; t— vT: IC oö'oö^cT c^ma5TH^oooco(MOOTHt~inoo CO --D CO lo i^o t>Tfiir5co:oai«coi-*'*i ö~cro"o"o"T-ro"o o~o o"o"o"o o o aoi7JiO'XOtDO'*^'-i--r>i-i«ri'S* -x>c a cä 2 W) c4-0 fe c« a> , a P a 'Tl OS p— « -*J «3 'S . 0 1 1 1 !M 1 .-I s3 £ (>r ö ' o~o ö'o^ C p cö C/2 ^ *-■ -SÄ -S ^ Ö ^ -' -H CO 'MiOCO X lO CD d CM <:0 CO r- C^ s a < CJ CJ lO 1 55 GOTfi 1 xi er» CO CO CO t^ CO-* CO oS C4 ^10^ 1 1— 1 CO i— ' 1 ^J i fs a s 'S s :Cä ^^ M CQ '3 Ol a cn _bp 3 ci N a 4) ^ c;:^'a a> -^ 2 > \3 1^ a QJ « fl ä 3 .— «j a . e« a et, s WS 11 w^ cß q; S CO •^ cn a a CD «^ a Cß c« 3 3 '0 3 SP -3 "5 -^ bjo 3 iS'» CO ^ ööö liJ (M(M Cl ■-I CO CO CO 4> ^ 00 - lO >0 O O^O O Iß O, lO, ö" cT o cTiO o t^ö" T-T CO CO t-co'-i? t^co-* CO W 'S> CO CO 05 Tji O -XI (M ■* O o -^i^ oo^o r-i^co in (M GT) Or-I t- — i o O lO 1 CO-* 1 rv) 1— ( CO0O(M 1 iClT-< tH c^ ö"oo oo >o lO N "5 < s a a -< s 1=, •~^ cS ;^ cS q3 ^ fl PM aj a !^ a -; *f "C .,4 a e, CS CS -< ^ a ^ od CO jä (N (M (N a^a > 4) « =-' . -^ b 2 o rt a o, ^ »-'S r4 ,^ <" «3 r'^ja CS =3 H cs^ f^ o a a "a ^ i-s 1-5 ü ^ ö 92 Nähere Pflanzeabestandtheile und Ascheuanalysen. Auch bei diesen Pflanzen war der Gehalt an Ammoniak und Salpetersäure im Mai vor dem Beginne der Fruchtbildung am grössten. Im Juni bei der Bildung der Samen nahm er bedeutend ab, um bei der völligen Reife wieder etwas höher zu steigen. Endlich unternahm der Verfasser noch einige Bestimmun- gen bei der Schwertlilie (Iris germanica L.) , der Hauszwiebel (Allium Cepa L.) und dem Porre (Alhum Porrum). Es wurden hierbei folgende Mengen von Ammoniak und Salpetersäure ge- funden. j Amrao- I Salpeter- I niak. säure. i Prozent. I Prozent. Im Juni untersucht. Allium Cepa, Hauszwiebel. Allium Porrum, Porre. • . Iris germanica, Schwertlilie. Blätter . . . Zwiebol . . Blätter . . . Zwiebel . . Blätter . . . Wurzelstock 0,079 0,106 0,10G 0,159 0,079 0,10G 0,106 0,053 0,159 0,185 0,079 0,079 0,337 0,168 0,252 0,252 0,252 0,084 Im Oktober untersucht. Allium Cepa Blätter . . . Zwiebel . . Allium Porrum Blätter . . . Zwiebel . . Iris germanica Blätter . . . Wurzelstock Hiernach ergaben die im Juni ausgeführten Bestimmungen in den analysirten Liliaceen und der Iris einen nicht unbeträcht- lichen Gehalt an Salpetersäure, während die im Oktober ge- machten Untersuchungen die frühere Beobachtung*) bestätig- ten, dass im Herbste, also am Ende der Vegetationszeit, diese Pflanzen frei sind von Salpetersäure. Diese interessanten Untersuchungen lassen über die physiologische Bedeutung des Ammoniaks und der Salpetersäure keinen Zweifel, der re- lative Gehalt der Pflanzen an diesen beiden Verbindungen variirt beträcht- lich, im Allgemeinen ist ihre Menge beim Beginne der Vegetation am gros- sesten, später scheint dieselbe um so mehr abzunehmen, je lebhafter der Vegetationsprozess und damit der Verbrauch der Pflanzen ist, bis mit be- ginnender Reife der Gehalt wieder steigt. Um die physiologische Rolle, welche jeder dieser beiden StickstoffVerbindungen im Pllanzenlebeu zu- kommt, genauer festzustellen, wird es weiterer Untersuchungen bedürfen, *) Vergl. Jahresbericht. VII. Jahrgang, S. 85. I'flan7,en- schleime. Nähere Pflanzenbestandtheilc und Aschenanalysen. 93 ebenso lassen uns die vorliegenden Untersuchungen noch im Unklaren dar- über, ob in genetischer Beziehung ein Zusaninienliang zwischen den beiden Stickstoffverbindungen besteht, so zwar, dass in den Pflanzen die eine in die andere übergeführt wird, oder ob beide direkt an der Bildung der or- ganischen stickstoffhaltigen Pflanzenbestandtheile sich betheiligen können. Endlich dürfte aber auch eine genaue Prüfung der angewendeten analyti- schen Methoden dringend nothwcndig sein, da die gefundenen Mengen von Salpetersäure und Ammoniak theilweise so hoch sind, dass ein Zweifel an der Präexistenz so grosser Mengen dieser Stoffe in den Pflanzen nicht ungerechtfertigt erscheint. lieber die Pflaiizensclileimc hat A.B. Frank*) Un- ueber di« tcrsuchiingen ausgeführt, aus denen hervorgeht, dass diese Kör- per zum Theil dem Gummi angereiht werden müssen, wenn die Erzeugung von Schleimsäure durch Salpetersäure und die Un- fähigkeit, durch Jod und Schwefelsäure blau gefärbt zu wer- den, als Unterscheidimgsraerkmale des G-ummi's von der Zellu- lose betrachtet werden. Zugleich ergiebt sich aus den Unter- suchungen, dass es nothwcndig ist, die Unlöslichkeit in Wasser und das Auftreten als organisirte Membran nicht mehr als Cha- rakteristikum der Zellulose anzusehen. Das Verhalten der Pflanzenschleime gegen Wasser ist nicht geeignet, eine chemische Eintheilimg derselben darauf zu gründen, denn ein und derselbe Körper kann aus einer löslichen und einer unlöslichen Modifi- kation gemengt in der Pflanze auftreten, die Verwandtschaft eines und desselben dieser Körper zu Wasser kann künstlich erhöht werden, endlich finden vielfache Uebergänge zwischen Lösung und Aufquellung statt. Die unorganischen Bestandtheile der Schleimstofife haben auf deren Eigenschaften nicht den min- desten Einfluss, sie sind mitliin als zufällige Beimengungen zu betrachten, und es ist deshalb ungerechtfertigt, mit Schmidt allen diesen Körpern einen gleichen Grundstofi", der durch Ver- bindung mit unorganischen Substanzen die abweichenden Eigen- schaften der ersteren annehmen soll, zuzuschreiben. Diese Eigenthümlichkciten sind vielmehr als in der Konstitution des organischen Körpers selbst begründet anzunehmen und es scheint sich in der Gruppe der Pflanzenschleime ein ähnlicher Reich- thum an Isomericn zu eröffnen, wie in der Familie der Kohlen- wasserstoffe. Die Pflanzenschleime werden bald als Umwand- lungsprodukte der Zellmembran gewisser Gewebe von den ♦) Erdmann's Journal Bd. 95, S. 479. 94 Nähere Pflanzenbestandtheile und Aschenanalysen. Pflanzen ausgeschieden, bald stellen sie die Verdickungsschich- ten gewisser im organischen Zusammenliange mit der Pflanze verharrender Zellen dar, bald sind sie im Zellinhalte und bald in Interzellularkanälen enthalten. Aus den umfangreichen Untersuchungen des Verfassers über die einzelnen Pflanzenschleime heben wir nur Folgendes hervor. Tragant h. — Der Traganth ist nicht als ein beson- derer chemischer Körper, sondern im wesentlichen als ein des- organisirtes Pflanzengewebe zu betrachten, dessen Zellen zum Theil aus Zellulose bestehen, und gewöhnlich noch mit ihrem Zellinhalte verselien, zum Theil aber in Gummi umgewandelt sind, welches in einer löslichen und in einer nur aufquellenden an der Bildung der Zellmembran noch betheiligten Modifikation auftritt. Der Aschengehalt des Traganths Hess sich durch Vertheilen in salzsäurehaltigem "Wasser und Ausfällen mit Al- kohol bis auf 0,63 Proz. herabmindern, ohne dass hierdurch die Eigenschaften desselben im mindesten verändert wurden. Kützing erkannte zuerst, dass der Traganth orgauisirt ist, ihm zu- folge besteht derselbe aus einer äusseren dicken Zellwand in mehreren Schichten von Bassorin, aus Gelin (Zellulose) die innerste zarte Zelle dar- stellend, und den in letzterer enthaltenen Amj'lonkörnchen. Von Mo hl zeigte später, dass die aufquellende Substanz durch eine Umwandlung der Zellmembranen entsteht, welche die Zellen des Markes und der Mark- strahlen von ihrer Perij^herie aus nach innen fortschreitend erleiden. Frank bemerkt hierzu, dass wahrscheinlich ein Theil des Traganths aus dem Pflanzensafte sezernirt werde. Kirs chgum mi. — Dieser Körper stimmt in seinen wesent- lichsten Eigenschaften mit dem Gummi des Traganths überein, auch tritt er wie dieses in einer löslichen und in einer blos aufquellbaren Modifikation auf. Wiegand hält das Kirschgummi ebenfalls für ein Umwandlungspro- diikt des Zellgewebes, und zwar können sich nach ihm sowohl die Wände der Gefässe, als auch ein in abnormer Menge im Heizkörper gebildetes llolzparcnchym, als endlich auch Rinde- und Bastgewebe in Gummi um- wandelo. Auch hierbei nimmt Frank einen theil weisen sekretionellen Ursprung des Gummis aus den Pflanzensäften an und behauptet zugleich, dass auch die sekundäre Membran der Uulzfasern eine Desorganisation in Gummi erleiden könne. Leinsamenschleim. — Der Leiusamenschleim löst sich in kaltem Wasser nur unvollständig auf, er stellt die sekundäre Membran der oberflächlichen Zellen des Samens dar, welche der äusseren und der inneren Wand der Zelle in solcher Mächtig- Nähere Pflanzenbestandtheile und Asclienanalysen. 95 keit aufgelagert ist, dass im ausoehildctcii Zustande nur eine sehr enge, oft kaum sichtbare Höhle in der Mitte der Zelle übrig bleibt, im jugendlichen Zustande bestehen diese Zellen nur aus den dünnen pi'imärcn Membranen, welche nicht auf- quellen und mit Jod und Schwefelsäure sich Ijlau färben, und sind um diese Zeit dicht mit Stärkekörnern erfüllt, welche spä- ter in dem Masse, als sich die schleimigen Vcrdickungsscliich- ten ablagern, wieder verschwinden, so dass sie vielleicht das Material /Air Bildung der letzteren liefern. Plohsamenschleim. — Diese Substanz bildet in kaltem Wasser eine zähe Gallertc, die von heissem Wasser gelöst wird; sie stellt ebenfalls die sekundäre Membran der oberfläch- lichen Zellen des Samens dar, gehört aber hier nur der Aussen- wand an, zeigt eine schichtcuföi"mige Struktur und füllt gewöhn- lich die Zelle bis zum Verschwinden des Lumens aus. Althäaschleira. — Völlig in kaliem Wasser löslich. In der Altheewurzel flnden sich zwischen dünnwandigen mit Stärkemehl augefüllten Zellen die fast ganz mit Schleim aus- gefüllten Schleimzellen, als deren sekundäre Membran der Schleim zu betrachten ist. Quittensamenschleim. — In diesem ist wiederum eine lösliche und eine in Wasser nur aufquellende gallertartige Sub- stanz enthalten. Mit Salpetersäure behandelt, giebt der Quit- tensamenschleim nur Kleesäure, keine Schlcimsäure. Der Schleim bildet in dem Quittensamen kappenförmige , schleimige Ver- dickungsschichtcn auf der Innenseite der oberflächlichen Zellen; er zeigt das Verhalten der Zellulose mit Jod und Schwefel- säure eine blaue Färbung anzunehmen. Ihm nahe steht das Amyloid Sc hl ei den 's und die sekundäre Membran der Kotyledonarzellen von Tropaeolum majus, welche beide durch Jod sich sofort bläuen; letztere Substanz quillt in kochendem Wasser auf, löst sich aber selbst bei tagelangem Kochen nicht vollständig. In den unreifen Quittensamen werden die oberfläch- lichen Zellen nur aus den dünnen, primären Membranen, welche sich mit Jod und Schwefelsäure nicht bläuen, gebildet, und ihr Inhalt bestellt aus einem trüben Protoplasma, welches nur spärliche Stärkekörnchen enthält. Später lagern sich dann die kappcnförmigen schleimigen Verdickungsschichten auf der In- nenseite der Aussenwand ab. Gerbraehl. 96 Nähere Pflaiizeiiljestaudtheile uud Abcheuaualysen. Säle p schleim. — Derselbe ist iu kaltem Wasser völlig löslich und giebt mit Salpetersäure nur Kleesäure. In den Orchisknollen bildet der Schleim den Zellinhalt der Schleim- zellen, welche ausser dem Schleime keine körnigen Formele- mente, sondern nur in der Mitte des schleimigen Inhalts ein Bündel nadeiförmiger Kristalle von oxalsaurem Kalk enthalten. Ufber das Ucbcr das Gerbmehl, von Th. Hartig.*) — Das Gerbmehl, der Träger des Gerbstoffes der Holzpflanzen ist nach dem Verfasser ein iu Form, Grösse und Färbung dem Stärkemehle oder dem Grünmehle (Chlorophyll) ähnlicher Kör- per; es ist wie jene ein Derivat der Kernstoffkörper des Zell- kerns, ein hüllhäutiger, durch Selbsttheilung sich mehrender, durch Intussuszeption wachsender Organismus, wie iene im Ptychoderaume des doppelhäutigen Zellschlauches lagernd. Vorherrschend ist das Gerbmehl farblos (Leukotannin) , häuH- ger wie das Grünmehl gefärbt (Chlorotannin), seltener gelb (Xanthotannin), häufiger roth (Erythrotannin). Von den Zellu- losekörnern, vom Stärkemehle und dem Grünmchle unterschei- det sich das Gerbmehl durch seine Löslichkeit im kalten Was- ser wie durch seine Reaktionen mit Metallsalzen. Eisensalze färben das Gerbmehl schwarz oder grün, Jodlösung blau (Un- terschied vom Klebermehle), salpetersaures Quccksilberoxydoxy- dul roth, — Das körnige Gerbmehl verschmilzt in den meisten Fällen schon in der Zelle zu einer zusammenhängenden amor- phen, glasigen, spröden Masse (Quercus), oder es geht an der Stelle von Zellulosekörnern in die Bildung einer sehr verdick- ten, sekundären Zcllwandung ein (Celtis, Quercus), oder es bil- det, gewissermassen versteinernd, kristallinische Körper durch Aufnahme von Kalk (Celtis, Ampelopsis). Die primitive Zell- wandung ist stets frei von Gerbstoff. Auch das Stärkemehl und Klebermehl sieht Hartig als organisirte, durch Intussus- zeption wachsende, durch Selbsttheilung sich vermehrende Körper an. Zwischen ihnen, dem Grünmehle und dem Gerl)- mehle, linden Uebergänge und Umbildungen statt. Man wird daher auch das Gerbmehl in die Reihe der organisirtcn Kör- per des Zelleninhaltcs stellen müssen, da man nicht annehmen kann, dass derselbe Körper in seinen verschiedenen Entwicke- *) Botanische Zeitung. 1865. S. 53 und 237. Nähere Pflaiizciiljcstaiuithcik' und Asc!ieu;inalyseu. 97 luugs- und IJinbildimgsziistäiRluu ciiniuil Orguui.smurf, ciji lunlc- rcs Mal Aggregat ist. — Später berichtete Hart ig, dass die Vcruuitluing, das Gcrbincld sei m-sprünglicli Stärkemehl oder Grüiimehl, sich uicht bestätigt habe. Schon iu deu jüngsten Trieben Hessen sich diejenigen Zellen, welche später Gerbmehl führen, durch ihre Reaktion auf Eiscnsalze als solche erkennen. Alle Holzarten enthalten Tanninkörper. Es lagern dieselben vorzugsweise im Zellgewebe der grünen Rinde; sie gehen von dort aus einerseits in die Zellen der Korkschicht und selbst der Oberhaut, andererseits in das Markstrahlgcwebe und in das Mark ein. Im Baste sind die Markstrahlzellen, die Sieb- zellfasern und die jungen ßastbündelfasern Träger amorphen Gcrbmehls, das sich beim Beginn des Zuwachses auch in den innersten Siebfasern findet. Im Holze kommt Tannin nur in den Markstrahlen vor, die Zellfasern enthalten stets Stärke- mehl. Blätter und manche Früchte (Eicheln) sind reich an GerbstoffIs.örpcrn. Die Triebe der Eiche enthalten in allen Theilen des Holzes und des Markes körniges, in Bast und Rinde hingegen amorphes Gerbmehl. H artig 's Ansichten über die ßiklung und den Inhalt der vegetabili- schen Zelle weichen bekanntlich von der Protoplasmathcoric wesentlich ab, wir verweisen hierin auf Hartig's Lehrbuch für Förster. 10. Auflage. 18G1 und seine Entwickelungsgeschichte des Pflanzenkeimes 1858. lieber den Gerbstoffgchalt verschiedener Pflan- f^eibstoer- zensubstanzen hat A. Commaille^") nach einer neuen ^^fl^JJ^." Methode Untersuchungen ausgeführt, welche folgende Resultate stoRen. ergaben : Grüne Galläpfel 76,14 Proz. dito andere Sorte 81,88 „ dito dito 80,56 „ Grüne Galläpfel, durchbohrt 79,28 „ dito andere Sorte 83,48 „ Gallussäure in den grünen Galläpfeln . 2,30 „ Jühannisbrod, reif und trocken 2,93 „ dito andere Sorte 4,65 „ dito grün und trocken 21,20 „ Blätter vom Johannisbrodbaum, trocken 17,82 „ „ „ Mastixbaum „ 16,74 „ „ von der Bärentraube „ 8,50 „ bis 10,54 Proz. Sumachblätter 61,12 „ *) Compt. rend. Bd. 59, S. 393. Jahiesbericlit. VUI. n 98 Ncähere Pflanzenbestandtheile und Aschenanalysen. Rinde von Rhus pentapliyllura 33,00 Proz. bis 34,24 Proz. Gelbe Chinarinde 14,20 „ Zweige vom Mastixbaum, ohne Blätter . 11,06 „ Jujubenholz, ohne Rinde 24,62 „ Holz von Eucalyptus globulus 2,54 „ „ „ Rhus pentaphyllum 0,88 „ Kampecheholz 25,58 „ Grüner Kaffee 5,17 „ Katechu 54,40 „ bis 55,04 Proz. Vin du midi, ordinär. 1 Liter 1,96 „ ucber das Uebep das Wachs der Sumachineen, von J, ß. Wachs der sumachi- Batka.*) — Dem Verfasser gelang es, aus den Blättern von neen. Rlius coHaria durch Behandlung mit Aetzkali und Chloroform ein Wachs auszuziehen, welches ähnlich wie das sogenannte ja- panische Wachs (von Rhus succedanea?) beim Erhitzen schmilzt, in absolutem Alkohol löslich ist, sich aus dieser Lösung durch Wasser milchweiss in Flocken ausfällen lässt und beim Ver- dampfen die Abrauchschale wachsartig überzieht. Es unter- schied sich nur durch einen angenehmen Veilchengeruch von dem japanischen Wachse. Das Wachs der Sumacharten löst sich in kochender Boraxlösung vollständig auf und bildet da- mit eine gelatinirende, beim Erkalten schnell erstarrende Seife, aus welcher durch Säuren das Wachs gefällt wird, welche Eigenschaften dem Bienenwachsc nicht zukommen. In den Blättern von Rhus Toxicodendron hat Kittel Wachs nach- gewiesen. ^ucber das Ucbcr das Chlorophyll. — E. Fremy**) hat bekannt- lich schon früher nachgewiesen, dass man das Chloropliyll durch Einwirkung von Salzsäure und Aethcr in einen gelben Körper (Phylloxanthin) und in einen blauen (Phyllocyanin) spalten kann. Im weiteren Verlaufe dieser Untersuchungen hat sich ergeben, dass auch andere Säuren, selbst schwache, ganz ähnlich wie die Salzsäure wirken. Das Phyllocyanin bildet eine in Alkohol und Aether lösliche Säure, welche diesen Flüssigkeiten eine olivengrüne, im reflcktirten Lichte bronzerothe oder violette Färbung ertheilt und von Schwefelsäure oder Salzsäure, je nach der Konzentration, mit grüner, röthlicher, violetter oder schön blauer Farbe gelöst wird. Fremy nimmt an, dass das Chlo- *) Chemisches Centralblatt. 1865. S. 12. **) Compt. rend. Bd. 61, S. 188. Chlorophyll. Nähere Pflanzonbestamltheile und Aschenanalysen. 99 rophyll sich wie ein Fett verhalte, das neutrale Phylloxanthin entspräche dann dem Glycerin und die Phyllocyaninsäure würde als eine blaugi-ün gefärbte Fettsäure zu betrachten sein. Nach Chatin und Filhol*) enthalten sowohl die Blü- then, als auch andere sich schnell cutwickelnde Pflanzengewebe eine Substanz, welche begierig Sauerstoff aufnimmt, sich unter dem Einflüsse desselben zersetzt und die braune Färbung der Blätter im Herbste bewirkt. Unter dem Einflüsse von Licht und Luft wird das Chlorophyll gelblichbraun und dann durch Salz- säure nicht wieder grün. Die grüne Farbe kann nur dann durch Salzsäure wieder hergestellt werden, wenn das Chlorophyll mit Xanthin gemengt ist. Die Gegenwart von Basen begünstigt die Umwandlung, bei welcher Sauerstoff absorbirt und Kohlensäure ausgeschieden wird, Säuren erschweren sie, konzentrirte Säuren verändern das Chlorophyll gänzlich. Junge Blätter, sowie die Blu- menblätter, sind auf der Oberfläche mit einer schützenden fett- artigen Materie überzogen, welche sich vermindert, je näher die Zeit des Gelbwerdens oder des Färbens der Blätter her- anrückt. Entfernt man diese oberflächliche Fettschicht, so tritt das Braunwerden rasch ein, selten unterbleibt dies in Folge ausnahrasweiser Abwesenheit der oxydabelen Substanz, z. ß. bei den Blättern von Acer Negundo. Die herbstliche gelbe Fär- bung der Blätter wird nach der Entfernung der oberflächlichen Fettschicht an der Luft in Roth umgewandelt, ebenfalls unter Sauerstoffabsorption. Schweflige Säure und andere desoxydi- rende Mittel färben die roth gewordenen Blätter wieder gelb. Gelb und roth gewordene Blätter enthalten mehr oder weniger von der braunen Substanz der abgestorbenen Blätter. Die gelbe Färbung, welche später in Roth übergeht, scheint dar- nach ein niedrigeres Stadium der Oxydation zu bilden. Bei einigen Pflanzen (Aprikose, Pappel) werden übrigens die Blät- ter nur gelb, niemals roth, die Oxydation schreitet also bei diesen nicht bis zur Rothfärbung fort. Ebenso verhält es sich mit den gelben Himbeeren, Stachelbeeren, Pflaumen und Johan- nisbeeren gegenüber den rothen Früchten. Die rothen Blätter enthalten gewöhnlich auch gelbe Substanz unter der rothen, welche ihre Oberfläche färbt; man kann diesen Farbstoff durch *) Compt. rend. Bd. 61, S. 371. Stärke- körner. 100 Niilicru PriauzcnljestaiuUlieilu und Asclieuaiialyseu. Aetlier ausziclicii uiul durcli Ammoniak unter Einwirkung der Luft in Roth umwandeln. Manche Blätter sind durch Cyanin roth gefärbt, andere durch eine Substanz, welche sich durch ihre Nichtfärbung im zerstreuten Lichte charakterisirt. Die Wallnussblätter enthalten eine farblose Substanz, welche unter dem Einflüsse des AmmonialvS an der Luft eine schön violette Farbe annimmt. Diese Substanz wird bei der herbstlichen Fär- bung zerstört, sie findet sich während des Frühlings noch nicht in den Blättern. Neben diesen Farbstoffen enthalten alle Blät- ter eine Substanz, welche durch Eisenchlorür schwarz gefärbt wird, ferner findet sich in allen Blättern und krautartigen Thei- len Quercitrin, mit demselben häufig Tannin, Gallussäure und, wie Stein und Bolley nachgewiesen haben, auch Quercetin und Melin. üeber die Ucber dic chemische Verschiedenheit der Stärke- v'JrTcMe-'' kömcr, von C. W. Nägeli.'-^) — Der Verfasser zieht aus denheit der yeincn Untcrsuchungen, welche hauptsächlich dic KartoÜ'el- und die Getreidestärke betreffen, folgende Schlussfolgerungen: 1. Die Weizenstärkekörner scheinen schon im unveränderten Zustande aus einer weicheren Masse zu bestehen, als die Kar- toffelstärke, wie dies ziemlich sicher aus dem verhältnissmässig geringeren Randschatten der ersteren hervorgeht. Salzsäure zieht in gleicher Zeit mehr Substanz aus dem Wcizenstärke- mehle, als aus der Kartoffelstäi-ke. 2. Aus dieser Thatsaehc, sowie aus der Beobachtung, dass das Weizenstärkemehl nach gleicher Einwirkung der Salzsäure eine grössere Verwandtschaft zu Jod hat, als die Kartoffelstärke, folgt ferner, dass erstere relativ mehr Granulöse und weniger Zellulose enthält. 3. Die grössere Weichheit der Substanz und der grössere Reichthum an Granulöse erklärt es jedoch nicht, weshalb die unveränderte Weizenstärke mit Jod und Wasser eine mehr violette Färbung annimmt, und weshalb die unveränderte Kartoffelstärke in Säu- ren und Alkalien leichter und in Kupferoxydammoniak lang- samer aufquillt. Diese Verschiedenheit erklärt sich entweder durcli eine verschiedene molekulare Anordnung der Granulöse und Zellulose in den verschiedenen Stärkearten, oder es wei- chen Granulöse und Zellulose selber durcli ungleiche chemische *) Aus den Sitzungsberichten der Münchencr Akademie der Wissen- schaften. 18G3. durch das chemische Ccntralblatt. 18G5. S. I'.i4. Nillioro P}lnn;^onliostaii(ltlioiIo urul Apclionaiiaivhon. lOl Bescliartciiheit von einander ab. Der Verfasser hält die ersterc Annahme für die richtigere. Ueber den Stärkegehalt verschiedener Kartoffel- sorten, von Robert Hoffmaim.*) — Der Verfasser hat die verschiedenen durcli die Novara von ihrer Weltumsegelungs- reisc heimgebrachten KartoH'clsorten anch im Jalire 18G4 ^vie- der kultivirt und den Stärkegehalt der geernteten Knollen J)e- stimmt. Indem wir auf die Ergebnisse der früheren Unter- suclunigen"^-'^') verweisen, lassen wir nachstehend die Ergebnisse der drittjährigen Ernte folgen. Zum Anbau war dasselbe A'^er- suchsfeld wie in den Jahren 1862 und 1863 benutzt worden: Stärkegehalt. Niitmey 18,70 Proz. Black Merccr 18,46 Early Worcestcr 26,24 Mexikaner 14,96 Moris white 20,61 White Kidney 12,22 Carter 12,67 Black Kidney 11,77 Lady Finger 19,89 White raercer 17,52 Champion 17,0,5 Amerikanische blaue Kartoffel . . . 18,23 Scotch Grey 23,52 Amerikanische Sechswochenkartofi'el 14,73 Varietät, aus Samen gezogen .... 20,13 Round Pinkeye 20,85 Holländische Frühkartoffel 20,13 Zwiebel- Kartoffel 22,.54 Tovereigns- Kartoffel 21,33 Braunschweiger Frühkartoffel .... 20,13 Vergleicht man diese Angaben mit den in den beiden ersten Anl)aujahren erzielten Resultaten, so ergicbt sich, dass der ('harakter der verschiedenen Kartoffelsorten sich im Allgemei- nen konstant erwiesen hat. Die schon im Jahre 1862 stärke- reichsten Knollen sind es auch in den späteren Jaliren ge))h'e~ ben, besonders zeichneten sich die Zwiebelkartoflel und Ea]'l_> Worccster durch hohen Stärkegehalt aus, während an den schlechten und mittelguten Sorten keine wescntliclie Verbes- Ertrag. 3 fach. 5 10 4 5 5 -10 G 3 3-4 5-6 6 4 8 Ucljcr den Stärkeficlialt vcrscliicde- iior Kailof- fclsorlpu. *) Centrallihitt tTir die gesammte Landeskultur in Böhmen. 1865. S. 67- **) .Jahresbericht. YL Jahrgang, S. 49. VII. Jahrgang, S 90. 102 Nähere Pflanzenbestandtheile und Aschenanalysen. Analysen von russi- schen Wei- xensorten. seruüg; weder im Stärkegebalte noch im Ertrage, zu be- merken ist. Analysen einiger russischer Weizensorten, von N. Laskowsky. *) — Der Verfasser bestimmte in verschie- denen auf der landwirthschaftlichen Ausstellung von 1864 zu Moskau ausgestellten Weizensorten den Gehalt an Wasser, Stickstoff und Fett. Die hierbei erhaltenen Resultate sind nach- stehend zusammengestellt. Wasser- Gehalt des getrock- Beschaffen- gehalt des neten Weizens an Nr. Gouvernement. Kreis. heit des lufttrocknen Weizens. Weizens. Stickstoff. Fett. Prozent. Prozent. Proxent. A. El iropäisches Eus äland. 1 Orenburg Orenburg hart 12,86 4,25 2,03 2 Woronesch Waluiki hart 11,23 4,24 1,36 3 Tambow Lebedjan halbhart 10,91 3,98 — 4 Charkow Kupjansk hart 11,61 3,98 — 5 Kursk Ischigrow halbhart 12,29 3,98 1,18 6 Orenburg Troizk halbhart 10,62 3,95 1,53 7 Kaluga Peremyschl halbhart 11,44 3,81 — 8 Orenburg Kosaken hart 10,88 3,67 1,94 9 Samara Novousensk hart 9,97 3,66 1,93 10 Moskau Swenigorod mehlig 13,47 3,64 1,23 11 Wjatka Kotjelniki mehlig 12,77 3,63 — 12 Saratow Kamyschin halbhart 10,74 3,56 2,57 13 Kursk Nowoioskol hart 11,00 3,56 — 14 Tula Nowosilek halbhart 11,78 3,55 1,57 15 Rjasan Michailowsk halbhalt 10,73 3,51 1,31 16 Wjatka Kotjelniki halbhart 12,56 3,35 — 17 Taurien Theodosia hart 10,72 3,12 2,12 18 Taurien Theodosia hart 10,97 2,80 — 19 Wilno Troksk mehlig 12,36 1,95 2,23 Mittel 11,52 3,58 1,75 B. Ka ukasus. 20 Eriwan — hart 10,10 4,30 — 21 Nachitschewan — mehlig 12,53 3,41 1,76 22 Imerctien — hart 10,49 3,35 1,97 23 Tifiis — hart 11,55 2,62 — Mittel 11,16 3,42 1,86 C. Sib irien. 24 Tobolsk — halbhart 12,27 2,75 2,00 25 Tobolsk — dem vorigen sehr ähnlich 12,20 2,73 — Mittel 12,23 2,74 2,00 Mittel für alle untersuchten Weizensorten 11,52 3,24 1,78 *) Annalen der Chemie und Pharraacie Bd. 135, S. 346. Nähere Pflanzenbestandtheile und Aschenanalysen. 103 Alle untersuchten Weizensorten, auf verschiedenen Böden und unter verschiedenen Düngungs- und Kulturverhältnissen er- wachsen, enthalten viel Eiweissstoflfe. Die Ursache dieses hohen Eiweissgehaltes sieht Laskowsky lediglich in den, dem osteuropäischen Tieflande eigenen klimatischen Verhältnissen. Das Klima Russlands überhaupt, der östlichen und südöstlichen Gouvernements aber insbesondere, unterscheidet sich bedeutend von dem des europäischen Westens: niedere Temperatur des Winters, hohe Temperatur des Sommers und Regenmangel sind die Hauptmerkmale des kontinentalen Klimas des östlichen Europas. Je weiter wir uns von den westlichen Gestaden Europas nach Osten entfernen, desto höher wird die Sommer- temperatur, desto geringer der jährliche Regenfall. Es ist hieraus zu schliesseu, dass der Stickstoffgehalt des in verschie- denen Ländern produzirten Weizens um so höher ist, je näher der Produktionsort der östlichen Grenze liegt, je mehr also der kontinentale Charakter des Klimas hervortritt. Diese Annahme findet durch folgende Zusammenstellung von Analysen ihre Bestätigung: Mittlerer proz. Stickstoffgehalt Heimath. in trocknem Weizen. Schottland (v. Bibra) 2,01 Nord- und Mittel-Frankreich (Reiset) 2,08 Umgegend von Lille (Millon) 2,18 Versuchsstation Chemnitz (Siegert) 2,42 Bayern (Mayer) 2,20 Eldena (v. Bibra) 2,18 Mähren : Raitz - Blansko (v. Gohren) 2,36 Polen (Peligot) 2,68 Odessa (Millon) 3,12 Taganrog (Peligot) 2,54 Rjasan (v. Bibra) 2,4? Samara (v. Bibra) 3,47 Europäisches Russlaud (Laskowsky) 3,58 Gouvernement Wilno (Derselbe) 1,'J5 Süd- und südöstliche Gouvernements (Ders.) . 3,72 Centrale Gouvernements (Ders) 3,57 Sibirien (v. Bibra) 2,65 Tobolsk (Laskowsky) 2,74. Im Allgemeinen bestätigt diese Uebersicht die Annahme, dass eine hohe Sommertemperatur und geringer Regenfall ho- hen Stickstoffgehalt in den produzirten Weizensorten bedingen; wo sich Abweichungen zeigen, wie bei dem Weizen von El- 104 Niihoro Pflanzenbestandtheilc und Aschonanalysen. dena und Sibirien sind dieselben durch lokale Verhältnisse V (maritime Lage) bedingt, ueber das Uebcr das Scheffelgewicht des Hafers, vonPried- scheffei- p jj g j-^ H a b e r 1 a n d t. * ) — Von grossem Einfiuss auf das bekannt- gewiclit dos ' '-' Hafors. lieh sehr differirende Gewicht des Hafers ist die auf die Reinigung desselben verwendete grössere oder geringere Sorgfalt, dann ob der Hafer mit geschlossenen oder weit auseinander gespreizten Spelzen versehen ist, und ob die Spelzen mit wenig oder stark abstehenden Grannen ausgestattet sind. Auch der Umstand ist hierbei von Einfiuss, dass in vielen Gegenden ein grosser Theil der Haferkörner von den Maden der sogenannten Prit- • fliege (Oscinis frit L.) ausgefressen wird, so dass zwischen den Spelzen nur das verschrumpfte, missfarbige, ausgefressene Korn nebst einer leereu Tonnenpuppe der genannten Fliege zurück- geblieben ist, die bald nach der Haferernte ausschlüpfte. Ver- fasser hatte Gelegenheit, Haferproben aus dem südlichen Russ- land, der Walachei, aus Südungarn, der Gegend von Unga- risch- Altenburg, aus dem nördlichen Böhmen, Holienheim und Eldena zu untersuchen und konnte in allen das Vorkommen der leeren Puppe der Pritfliege in ausgefressenen Haferkörnern konstatiren. In einer Probe von Ungarisch -Altenburg, deren Gewicht per Wiener Hetzen (= 1,119 preuss. SchfQ.) nur 42 bis 45 Pfd. betrug, fand er 25 bis 30 Proz. der Körner aus- gcfrcssen. Haferproben aus Algier, Oran, Schottland und Nor- wegen waren niclit von der Pritfliege bescliädigt, sie zeigten bei vorzüglicher Reinigung ein Gewicht von 56 bis 62 Pfd. j)er Wien. Hetzen. Abgesehen von dieser Beschädigung, erwies , sich diejenige Hafersorte unter sonst gleichen Umständen als die schwerere, werthvollere, bei welcher das Verhältniss zwi- schen den Spelzen und der nakten Pracht ein für die letztere günstigeres war. Ueber diesen Punkt hat der Verfasser einige Untersucliungcn angestellt, welche wir nachstehend mittlieilen. Gewichtsanthcil der Spolzou Gewicht jier Wionor Ilcimatli. von der bespelzten Frucht Metzen in Prozciiloii. in Wiener Pfd. Algier 30,G 51,5 Oran 2d,9 49,0 Südliches Rnssland 25,9 48,5 Walachei 30,4 48,5 *) Allgemeine liUid- nud torstwirlhsclinitliche ZeitmiR. I8(jr). S. 4(57. i'Winiiiiiig. Nähoro Pilanzoiilifstandilioilr und Aschonaiialyson. lOf) Gowichtsanthoil ik'r Spelzen (Jewicht per Wiener Heiraath. von der hespolzten Krnclit Metzen in l'rozpnleii. jii Wiener Tfcl. Siidungarn '^(Vi4 Ab,0 Ungarisch-Altenburg 28,8 46,0 Nördliches Bühnicn 27,6 41,8 Pommern, 1. Probe 38,0 50,8 2. „ 27,5 53,0 3. „ 22,8 58,0 Südliclics Norwegen 23,0 62,0 Nordliches Norwegen 2G,84 45,0 New -York 35,4 (?) 46,0. Es tritt hier allerdings in mclircren Fällen eine Koinzidenz zwischen dem geringeren Gehalt an Spelzen nnd dem höheren Gewichte hervor, wo dies nicht der Fall ist, da ist nach dein Verfasser die J3eschädigung durch die Fritfliege die Ursache. lieber Mo Im bau und Opiumgewinnung, von H. l-(I,pi »loi,,, Karsten,") — Der Verfasser macht auf den Werth der opium- Mohnpflanze als landwirthschaftliches Kulturgewächs aufmerk- sam. In Frankreich wird bekanntlich viel Opium produzirt, auch bei Berlin wurde auf dem Versuchsfelde des Akklimatisa- tionsvereins von Riesenmohn ein Opium gewonnen, w^elches 10 Proz. Morphium enthielt. Die Molmpflanze liebt ein war- mes, massig feuchtes, windstilles Klima und einen dungkräfti- gen, lockeren, möglichst reinen Boden. Acht Tage nach dem Abblühen wird zum Zwecke der Opiumgewinnung Morgens ein etwas spiraliger Querschnitt durch die äussere Rindenschiclit der Frucht gemacht; Mittags kann dann das Opium abgenom- men werden. Ein Morgen Mohn liefert im Orient gegen 3^ Pfd. Opium, welches je nach dem Morphiumgehalte einen verschie- denen Werth besitzt. Ausserdem liefert der Morgen 6 bis 9 Scheffel Mohnsamen, welcher Ertrag durch die Opiumgewin- nung wenig beeinträchtigt wird. Die organischen Basen im Opium scheinen so nahe verwandt, dass sie leicht in einander übergehen, die Bedingungen der Entstehung der einen oder der anderen in dem sich entwickelnden Pflanzenkörper, sowie deren Bedeutung für diesen, ob Exkret oder Sekret, sind noch unerforscht. Ebenso ist noch durch Versuche festzustellen, welche Mohnvarietiit die höchsten Erträge an Opium und Oel liefert, welchen Einfluss der Dünger, Feuchtigkeit und Klima auf die Entstehung des Morphiums ausüben und welches der für das ]Oinsammeln des Milchsaftes vortheilhaftestc Entwicke- lungszustand der Mohnfruclit ist. *) Annalen der Landwirthschafr in Preufson. W<'chonbi. 1865, S. 105. 106 Nähere Pflanzenbestandtheile und AschenanalySen. Chemische Unter- Buchungen über die Runkelrübe. Che mische Untersucliun gen über die Runkelrübe, von B. Goren winder.*) — Der Verfasser hat eine Reihe von Analysen von Runkeh'üben, die unter verschiedenen Verhalt- Ursprung und Düngung der Rüben. Zusammensetzung der Rüben. Eiweiss, Wasser. Zucker. Zellulose etc. 85,55 10,09 3,644 85,30 9,73 4,167 85,65 9,53 4,091 86,00 8,80 4,532 86,76 6,60 5,773 88,74 6,82 3,418 87,26 7,15 4,512 89,70 5,22 4,209 84,72 11,00 3,510 78,50 13,75 6,450 1. Quesnoy sur Deule, ungedüngt .... 2. Ebendas., mit flamäudischem Dünger . 3. Ebendas., mit Oelkuchen gedüngt . . . 4. Ebendas., mit Guano gedüngt 5. Köpfe der Rüben Nr. 3 | 6. Sümpfe von St. Omer, mit Schlamm . 7. Niederungen von Dunkerque, ungedüngt 8. Lille, mit flamändischem Dünger ... 9. Nevers, mit Stallmist und Süssigem , Dünger I 84,7' 10. Aisne, ebenso gedüngt Diese Analysen zeigen den höchst wechselnden Gehalt der Rüben an den einzelnen organischen wie mineralischen Be- standtheilen. Der Gehalt an kohlensaurem Kali und kohlen- saurem Natron scheint in einem bestimmten Verhältniss zu einander zu stehen, derart, dass der Gehalt an kohlensaurem Natron um so höher steigt, je mehr der Gehalt an dem Kali- salze sich vermindert. Wenn Coreuwinder übrigens in seiner Mittheilung die Ansicht aus- spricht, dass es ausser den Analysen von Boussingault und Payen an Aschenanalysen der Rübenpflanze fehle, so verweisen wir ihn auf Wolff 's**) Zusammenstellung der Aschenanalysen. Ueber den Nikotingehalt verschiedener Tabak- sorten, von Liecke.***) — ■ Der Verfasser bestimmte den Ni- ner Tabak- kotiugelialt in mehreren Tabaksorten, wobei er fand, dass in Sorten, ^g^. Rcgcl dersclbc bei kohlenden Tabaken ein höherer ist als in nicht kohlenden. Prozent Nikotin, kohlend. nicht kohlend. Ueber Ni- kotingehalt verschiede Deutscher Tabak 8,14 Franzüsischer Tabak 7,64 Türkischer Tabak 6,42 Amerikanische * ....... Tabake: Maryland . Havanna 5,18 3,47 5,28 4,91 4,52 6,11 1,96. *) Compt. rend. Bd. CO, S. 154. **) Emil Wolff. Die mittlere Zusammensetzung der Asche aller laud- und forstwirtlibchaftlich wichtigen Stofte. Stuttgart, 1865. ***) Mittheilungen des Gewerbevereins für das KOnigr. Hannover, -1865. Nähere Pflanzenbestandtheile und Aschenanalysen. 107 nisscn gewachsen -waren, ausgeführt, deren Resultate nachstehend zusammengestellt sind. , Zusammensetzung der Rübenaschen. Kohlen- Kohlen- 1 Schwe- Chlor- Chlor- Phosphor- saures Na- Unlös- Asche. saures Kali. saures Natron. leisaures Kali. kalium. natrium. tron und Verlust. liches.*) 0,716 33,362 20,499 4,963 10,861 — 4,249 26,066 0,803 27,832 22,745 5,160 15,522 — 4,614 24,127 0,729 25,618 26,268 6,923 11,309 — 4,543 25,339 0,668 31,241 19,756 ! 6,917 8,108 — 4,551 29,427 0,867 6,126 30,632 10,813 9,069 — 1,920 41,440 0,972 — 34,456 4,767 33,877 7,492 4,172 15,236 1,078 7,714 39,644 3,760 30,971 — 3,843 14,068 0,871 18,399 30,277 4,468 20,807 — 3,313 22,736 0,770 54,428 4,031 4,084 14,471 0,747 22,239 1,300 44,999 5,562 6,037 18,145 — 0,585 24,672 Zur Verbesserung kohlender Tabake empfiehlt Li ecke eine verlängerte oder wiederholte Fermentation derselben. Stark kohlende Tabake, welche aufs neue einer Gährung unter- worfen wurden, verringerten ihren Nikotingehalt in 10 bis 12 Tagen um ein Drittel, und die lästige Eigenschaft des Koh- lens war damit verschwunden. Dabei hatten die Tabake nicht merklich an Kräftigkeit und Aroma verloren. Die verschiede- nen zur Verbesserung kohlender Tabake emj)fohlenen Mittel: Salpetersäure, Salpeter und Borax und Oxalsäure hältLiecke nicht für empfehlenswerth , die ersteren beeinträchtigen den Tabakgeschmack und die Oxalsäure erscheint ihrer giftigen Eigenschaften halber gefährlich. Es ist nicht einzusehen, in welcher Weise durch den etwas höheren Nikotingehalt das Kohlen des Tabaks bedingt sein kann. Bekannt ist, dass durch die Fermentation der Nikotingehalt der Tabakblätter um V4 bis Vs vermindert wird, wahrscheinlich findet auch später beim Lagern des Tabaks noch eine Verflüchtigung von Nikotin statt. Nach Schi ö sing**) steht das Kohlen des Tabaks in Beziehung zu der Art der Alkalisalze, welche derselbe enthält. Die Verbindungen des Kalis mit organischen Säu- ren — Aepfel-, Citronen-, Oxal-, Pektin- und Weinsäure — geben beim Verbrennen eine poröse, länger in Gluth bleibende Kohle, als die Kalk- *) Der in Wasser unlösliche Theil der Asche besteht aus phosphor- saurem Kalk, phosphorsaurer Magnesia, kohlensaurem Kalk, Kieselsäure, Eisen etc. **) Erdmann's Journal Bd. 71, S. 143. lOS Nähere Pfianzenhestandthnilo und Apchenanalyscn. salze deräelben Säuren, welche eine kompakte Kohle liefern. Schwefelsau- res Kali und Chlorkalium spielen bei der Verbrennung keine Kolle , die Anwesenheit der organischen Kalisalze in einer Tabaksorte — oder des kohlensauren Kalis in der Asche derselben — ist hiernach ein Kriterium für die Verbrennlichkeit des Tabaks. Ein Tabak ist um so leichter ver- brennlich, je alkalischer die Asche ist, welche er liefert. Die salpetersau- ren Salze im Tabak sind hierbei zwar mitwirkend, doch steht die Verbrenn- lichkeit nicht zu ihnen in direkter Beziehung, indem schlecht brennende Tabake oft viel und umgekehrt leicht verbrenuliche zuweilen wenig salpe- tersaure Salze enthalten. Schlösing hat zur Verbesserung kohlender Tabake empfohlen, dieselben mit dem Kalisalze einer organischen Säure so stark zu imprägniren, dass das Kali in der Asche über die Schwefel- säure und Salzsäure überwiegend ist. Bestand- B G s t aud t h 6 11 6 cl G p Tabakblätter, von Brandt.*) rlhak" — Im besten Pfälzer Tabak fand der A^erfasser 2,141 Troz. Mütter. Nikotin und 3,624 Ammoniak. Der Aschengehalt der Blätter betrug 20,24 Proz.; die Asche enthielt: Kali 4,749 Natron 5,G95 nr.1 * • 1^ 01A i 5'^^^ Natrium Chlornatrmm .. 14,310 j g^^^j. ^j^j^^. Kalk 32,221 Magnesia .... 7,219 Thouerde .... 0,21(5 Eisenoxyd .... 0,443 Schwefelsäure . 4,184 Phosphorsäure . 2,367 Kieselsäure . . . 5,702 Kohlensäure . . 22,108 99,214. In den Blättern fanden sich die Basen zum Tlicil an Apfelsäurc gebun- den, ausseidem war noch eine Spur von Oxalsäure; nachzuweisen. A.s<-h,Mi- Anal^'sc der Asche von Feigenblättern."*) — Die Feigen-" Blätter waren von einem auf Kalkboden -stellenden Feigenl)aurae biätter. jj-cnoramcn, sie gaben (mit den Stielen iinalysirt) im frischen Zustande 27,3 Proz. Trockensubstanz und 0,280 Proz. Asche. Diese entliielt: \0,8r) Natrium Chlornatnnm . . 2,15 { . .„, ,„ , / 1,30 ( lilDr Kali 11,45 Natron 3,11 Kalk 29,22 *) Wittstein's Vicrteljahrsschrift Bd. 13, S. 322. **) Wittstein's Vierteljahrsschrift Bd. 13, S. 3ü4. Nähere PflanzeiiixiStaiultlu'ilc und .Nscheiianalysen- 101} Magnesia .... 10,17 Thoucrdo .... (»,('0 Eiseuoxyd .... 0,111 Schwefelsäure . 1 ,9.5 Pliüsphorsäure . 4,.'37 Kieselsäure . . . 13,97 Küldensiiure . . 2o,0() Analyrioii von gelagertem und nicht gehigcrteiu Analysen Weizenstroli lielerte r. brctsclincidcr.'"; — bnn Weizen- „.,„„„,, leid, welches zum vierten Male hinter einander Weizen trug, "i^'" t^'i-'- welcher sich bei trocknem Wetter vollständig lagerte, lieferte ^jcnsiroh. das eine Material; das andere wurde von einem Weizeniclde genonnnen, welches nach Raps in zweiter Tracht stand und mn- durcli einen schmalen Fussweg von crstercm getrennt war. 1000 Thcile lufttrockncs Stroh enthielten an Aschen];estand- theilen : Rapsweizen. Lagerweizeu Kieselsäure .... 19,5)8 12,88 Eisenoxyd 0,21 0,37 Kalk . .' -2,30 1,90 Magnesia 1,52 1,11 Kali 5,24 9,20 Natron 0,22 0,19 Schwefelsäure . . 0,88 1,19 Phosphorsäurc . . 1,34 1,82 Chlor . . . . . . . 0,83 2,13 Zusammen 32,58 30,79. Ab au Sauerstoff für C hlor 0,18 0,48 32,40 30,31. Beide Stroharten enthielten hiernach ziemlich gleiche Aschen- mengen, aber sehr verschiedene Mengen der einzelnen Aschen- bestandtheile. Besonders niedrig ist der Kieselsäuregehalt des gelagerten Strolis, Bretsehneider glaubt jedoch, dass dieser nicht als Ursache des Lagerns angesehen werden darf, da die ßlattscheiden eine viel grössere Menge von Kieselsäure ent- halten, als der Halm, weshalb die Festigkeit des letzteren niclit auf seinem Kieselsäuregchalt beruhen könne. *) Mittheiluugcu des landwirthschaftlichen Ccntralvereins für Schle- sien. Heft 15, S. 31. 110 Nähere Pflanzenbestandtheile und Aschenanalysen. Analyse der Einc Analjse dcT Rapspflanze, von P. Bretschnei- apsp anje. jj^^,*^ — jjj^ Pflanzenthcile wurden kurz nach dem Ausdrusch, ■welcher im August erfolgte, analysirt. Es enthielten: Kapssamen. Stroh. Schoten. Wasser 9,720 14,710 14,950 Aschenbestandtheile . . . 4,388 5,655 7,942 Organische Stoffe . . . ■ 85,892 79,635 78,008 100,000 100,000 100,000. Kali 1,175 2,010 1,527 Natron 0,073 0,378 0,079 Kalk 0,456 1,255 3,520 Magnesia 0,464 0,275 0,593 Eisenoxyd 0,055 0,032 0,009 Phosphorsäure 1,723 0,180 0,574 Schwefelsäure 0,413 0,735 1,208 Kieselsäure 0,014 0,045 0,071 Chlor ■ . 0,018 0,959 0,463 4,391 .5,869 8,045. Ab davon Sauerstoff für Ch lor 0,003 0,214 0,103 4,388 5,655 7,942. Es ist nicht bemerkt, wie der Raps gedüngt worden war. Unter- U u t e T s u cliu u g 6 n vou Flcchtcn, von W. Knop.**) von FUdi" — I^i^ untersuchten Flechten waren folgende : Chlorangium te"- Jussuffii Link aus Algerien, Parmelia scruposa Fries, von Quarzporphyr gesammelt, Parmelia conspersa Achar, von Quarz- porphyr, Parmelia parietina Wallr., auf Syenit gewachsen, Gy- rophora pustulata Achar., von Quarzporphyr, Parmelia fraxinea (Ramalina fraxinea) Achar., von Quarzporphyrfels und von einer Pappel gesammelt. In den trocknen Flechten wurden gefunden : Stickstoff. Asche. Phosphorsäure. Chlorangium Jussuffii 1,7 Proz. 31,01 Proz. 0,09 Proz. Gyrophora pustulata 2,2 „ 4,30 „ 0,32 „ Dieselbe, sehr grosses Exemplar . 2,2 „ 3,80 „ — „ Ramalina fraxinea, vom Stein . . 1,8 „ 2,70 „ 0,40 „ Dieselbe, von Pappelrinde 1,6 „ 5,10 „ 0,48 „ Parmelia conspersa 1,6 „ 16,50 „ 0,08 „ Parmelia scruposa — „ 61,00 „ 0,02 „ Parmelia parietina — „ — „ 0,10 „ *) Mittheilungen des landwirthschaftlichen Central -Vereins für Schle- sien. Heft 14, S. 49. **) Die landwirthschaftlichen Versuchsstationen. Bd. 7, S. 436. Nuhore Pflanzenbestandtheilo und Aschenanalysen. 111 Der Stickstoffgchalt der Flechten ist hiernacli nicht gering, es ist bekannt, dass manche Flechten als Nahrungsmittel be- nutzt werden. Der hohe Aschengehalt manclier Flccliten rührt theils von dem in ihr Gewebe eingedrungenen Staube, theils von einem Gehalte an oxalsaurem Kalk her. Knop ist ge- neigt anzunehmen, dass die im Regen gallertartig aufquellen- den Flechten den feinen Staub, welcher sich auf ihrer Ober- fläche abgelagert hat, in ihr Gewebe aufzunehmen und zu ihrer Ernährung zu verwenden vermögen, ähnlich wie die Wasser- flechten (Algen) mittelst des Wedels aus dem Wasser Nahrung aufnehmen. An oxalsaurem Kalk fand Knop im Chlorangium JuRsuffii (trocken) 22,8 Proz. Auffallend ist der gefundene niedrige Gehalt an Phosphorsäure in den Flechten. Bei eini- gen Flechten sind von Knop und Lindt vollständige Aschen- analysen ausgeführt worden, welche wir folgen lassen. 100 Theile der trocknen Flechten enthielten: Chlorangium Jussuftii. Gyrophora pustulata vom Stein. Ramalina fraxinea vom Stein. Ramalina fraxinea von Pap- pelrinde. Eingewachsener Sand Kieselsäure Phosphorsäure . ^ . Schwefelsäure .... Kalk Magnesia Kali Thonerde Eisenoxyd 1.5,00 0,U 0,09 0,03 10,29 0,41 0,09 1,90 3,0G 2,G34 0,328 0,287 0,031 0,(^68 0,487 0,344 0,121 0,378 0,400 0,648 0,432 0,076 0,603 0,031 0,156 2,993 0,478 0,508 0,342 0,080 0,182 0,517 5,100 Mineralbestandtheile I 31,01 i 4,.300 \ 2,724 Eine gleiche Zusammensetzung der Mineralbestandtheile ist hiernach bei Gewächsen niederer Ordnungen ebenso wenig wie bei denen höherer Ordnungen anzutreffen. Verschiedenes Alter und die damit verbundene verscliiedene Dauer der Vege- tation haben, nach Knop, auf den Gehalt an Mineralbestand- theilen einen erheblicheren Einfluss, als die Natur der Unter- lage, aus welcher die Flechte ihre Nahrung bezieht. Die Thon- erde ist als ein wesentlicher Bestandtheil der Flechten anzu- sehen, wodurch dieselben sich in dieser Beziehung den Lyko- podiaceen anschiiessen. Bei der Auflösung der Thonerde und des Eisenoxydes spielt wahrscheinlich die in den Flechten ent- haltene Oxalsäure eine Rolle. Der Grund, dass die Flechten, 112 Nähere PHcUizenbostamltlieili' und AsclieinuiiUysüii. Aschen- analyscii des KCineiiicn Schilfrohrs. abweiclioiul von allen übrigen Pflanzen, ,so ausdauernd konstante Farben haben, liegt vielleicht eben darin, dass die Oxydations- prodnktc der Flechtensäuren, welche die Ursache der Flechten- förbungen sind, sich mit Eisenoxyd und Thonerde zu einem förmlichen Lack verbinden. — Die Phosphorsäürc und der Stickstoff werden den auf Steinen wachsenden Flechten und Moosen grösstentheils durch thierischc Exkremente und die Verwesungsprodukte der dem Tode anheimgefallenen Thiere selbst geliefert, nur ein kleiner Theil der Phosphorsäure stammt von der Unterlage oder dem Staube her und auch bezüglich des Stickstoffs ist nur ein kleiner Theil atmosphärischen Ur- sprungs und von dem in der Luft enthaltenen salpetersaurem iVmmoniak abzuleiten. Knop untersuchte die Flechten ausserdem noch auf ihren Gehalt au Flechtensäurcn, er fand in der Gyrophora pustuhxta die bereits von Sten- liousc entdeclite Gyrophorasäuro, in der Parnielia conspcrsa eine Säure von den Eigenscliaften der von ihm früher in der Usnea florida cntdcclfton Usninsäure, in der Parmclia scruposa eine neue Säure. Er ghuiLt, dass die Flechtcnsäuren einen Fingerzeig bezüglich der Abstammung zweifel- hafter Flcchtengebilde geben können. Asclieuanalysen des gemeinen Schilfrohrs,Phrag- mites communis, von J. Fittbogen. ''''^) — Das Unter- suchungsmaterial wurde beim Beginne der Blütlie der Pflanzen aus dem Schlossteiche in Dahme entnommen. Der Wurzcl- stock und ein Theil des Stengels befanden sich im Wasser. Das untersuchte Exemplar hatte eine Länge von 285 Centim. Nel)cn der Aschenanalyse ist auch der Wassergehalt der frischen Substanz ermittelt. Bestaudtheilc. Wassergehalt der frischen Substanz Aschengehalt der trocknen Substanz Kieselsäure I'hospliorsäure Kalk Magnesia Eisenoxyd Kali Natron (i9,i;» (;,;;(■)() 2,4;]o o,(;(M) o:.m (^220 (»,070 1,910 o,o;jo 6-2,12 \m,m 5;t,os (;i,s2 ,«1,110 4,780 ::!,17() 0,270 0,110 0,120 0,0s 10 0,820 0,03^ i(j,(;7o I2,;i9oi4,(»ioj(;,r)(;o, 12,9.00 0,4.f)0 0,0.59 o,0(;5 2,220 0,089 8.200 10,2.% 9,890 0,G20l 0,275 0,.5(iO 0,810 o,;;9G o,i9()[ o,ir)0 0,1101 0,190 1,(520! 1,910 0,039! 0,068 1,420 0,260j 2,4,50! 0,008, 4,810 2,8(;(», 0,270 (),0,H2, 0,070; 1,290 0,029, 6,070 l;V>oo 0,210 0,170 0,093 0,044 1,270 0,109 ^) Die landwirthschaftlichen Versuchsstationen Bd. 7, S. 302. Nähere Pflaiizenbestandtlieik' und Ascbenanalysen. \\',\ Das Schilfrohr zciclinct sich durcli seinen liohen Gehalt an Kieselsäure vor allen anderen Gräsern aus, besonders reieli daran sind die Blätter und Blattscheiden, und der für die ganze Pflanze sich berechnende Kieselsäuregehalt wird dadurch be- sonders gross, dass die Entwickelung der Blattorgane bei die- ser Pflanze eine sehr üppige ist. Doch auch die übrigen Pflan- zentheile besitzen einen beträchtlichen Kieselsäuregehalt. Pitt- bogen macht noch auf das Verhältniss des Kalks zu der Magnesia in den Aschen aufmerksam, welches in den verschie- denen Pflanzentheilen ein sehr ungleiches ist, indem in den Blättern und Blattscheiden der Kalk die Magnesia weit überwiegt, während in den Stengel- und Wurzeltheilen und in der Rispe die gefundeneu Mengen von Kalk und Magnesia weit weniger ver- schieden sind. Zur Vergleichung theilt der Verfasser noch einige Anga- ben über den Wasser- und Kieselsäuregehalt einer anderen, dem- selben Teiche entnommenen Sum})fpflanze, des gemeinen Rohr- kolbens, Typha latifolia, mit. Diese Pflanze enthielt: Wassergehalt Kieselsäuregehalt der frischen Substanz. der trocknen Substanz. Stengel 89,3 Proz. 0,177 Proz. Obere Blattscheiden . . . 81,4 „ 0,124 „ Untere Blattscheiden . . . 87,4 „ 0,103 „ Hiernach ist also Phragmites communis beträchtlich reicher an Trockensubstanz und Kieselsäure. W. Knop*) l)Cmcrkt zu diesen Untersuchungen, dass sich aus einer Vergleichung seiner früheren Bestimmungen über den Kieselsäuregehalt in Phragmites mit den vorstehenden Ermittelungen von Fittbogen bei bei- den Analysen eine beträchtliche Abnahme des Kioselsäuregehalts im Sten- gel von oben nach unten herausstelle; für die Blattscheiden zeige sich bei den Untersuchungen von Fittbogen ein gleiches Verhalten, während Knop für die Blätter mit Blattscheiden eine Abnahme von unten nacli oben beobachtete. Die von Kno]) analysirten POanzen standen auf dem Ufer. Indem Knop auf diese Abweichung in den Bestandtheilcn der Prtau- zen aufmerksam macht, weist er darauf hin, dass die in der Natur von den Pflanzen aufgenommenen Aschenbestandtheile nicht alle als der Qualität und Quantität nach unentbehrliche Bestandtheile angesehen werden dürfen. — Dass die Aschenbestandtheile der Pflanzen wenigstens in quantitativer Beziehung oft die beträchtlichsten Verschiedenheiten zeigen, crgiebt sich zur Genüge aus einer Vergleichung mehrerer Analysen einer und dersel- ben Pflanze, besonders wenn dieselbe unter verschiedenen Verhältnissen *) Die landwirthschaftlichen Versuchsstationen Bd. 7, S. 434. Jsliresberichl. VIII. Q 114 Nähere Pflanzenbestandtheile und Aschenanalysen. lieber die unorgani- schen Be- slandtheile des Hopfens gewachsen ist. Es erscheint daher selbst für praktische Zwecke kaum ge- rechtfertigt, aus der Zahl der vorliegenden Aschenanalysen für irgend eine Pflanzensubstanz den mittleren Gehalt an Mineralbestandtheilen zu berech- nen; jedenfalls verdient der Vorschlag Knop's Beachtung, dass hierbei die Maximal- und Minimalzahlen, innerhalb deren die Mineralstoffe erfahrungs- mässig schwanken, zu berücksichtigen seien. Ueber die unorganischen Bestandtlieile des bayerischen Hopfens, von C. Gilbert Wheeler.^) — Der Verfasser bestimmte bei acht bayerischen Hopfensorten von verschiedener Güte die Aschenbestandtheile. Zur Ver- gleichung wurde noch eine böhmische Sorte mit analysirt, auch sind die Analysen dreier englischer Sorten nachstehend mit aufgeführt. Die Sorten waren folgende (die bayerischen Sorten sind nach ihrer Güte geordnet): von Spalt, von Weingarten (Spalter Land), von der Holledau, von Roth, vom Aischgrund, von Lauf, von Hersbruck, 8. von Sulzbach, 9. von Saaz in Böhmen, 10. Farnham whitebine, 11. Kent yellow grape, } englische Sorten. 12. Bentley, Hampshire, 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. Kali Natron Kalk Magnesia Eisenoxyd Manganoxydoxydul Thonerde Phosphorsäure . . Schwefelsäure . . . Chlorkalium .... Chlornatrium . . . Kieselsäure .... Kohlensäure . . . Kohle und Sand . 32,83 1,27 11,21 2,03 0,G4 Spur Spur 14,47 Spur 2,96 11,44 11,74 9,1.^) 28,60 4,58 11,52 2,56 2,04 Spur Spur 8,(56 Spur 3,96 14,18 4,63 17,29 29,72 13,00 10,64 0,31 Spur Spur 11,05 Spur 3,35 0,17 11,42 6,66 12,80 28,99 14,09 4,84 0,78 Spur 13,62 Spur 4,93 1,.53 11,96 6,81 11,93 31,60 11,16 5,67 1,65 Spur Spur 12,76 Spur 4,67 .5,!)5 10,37 6,47 8,93 37,79 11,86 1,27 6,48 Spur Spur 12,67 1,98 8,48 1,21 10,02 12,50 1,91 30,59 14,23 5,11 1,04 Spur Spur 13,77 Spur 1,66 3,43 9,44 13,03 8,25 36,17 11,32 3,27 0,91 Spur Spur 14,75 Spur 4,22 1,22 12,29 (;,iti 7,70 27,43 12,35 2,52 1,75 Spur Spur 6,49 2,03 3,25 2,77 12,04 11,33 15,61 Summa Totalaschengehalt Stickstoffgehalt . . ;»7,74 9,93 1,85 98,02 9,28 99,02 9,89 99,4« 7,64 99,23 7,56 99,(;7 9,14 100,55 6,93 1,73 98,86 7,45 97,57 8,42 *) Erdmann's Journal Bd. 94, S. 385. Nähere Pflanzenbestandtheile und Aschenanalysen. 115 d 3 o 00 a o o W ö o > bß N < (^ l^ (^ r- o o r-t CO CO Q CC 1 1^ QC 'X 1 1 cc CO y—l c- vO_ o tri CO ^^ ~ 1 1 1-1 o Oi o T-l 8 1— 1 t-- GO vf5 CO O CO CO Ol (Ti ?2 Q (N 1 \r. CO c ta 1 "*. CO (N " y^ o" 1— 1 ^ " iH (M o rH (?; 1^ _ o GO t^ CO t> Q oc . 1 ^ o ■^ 1 1 C*i Ci O. o_ -^* cc ' i- co" r^ ' ' Oi (N TjT CO t>^ o cc tH tH s G^l 05 00 (T * 1 c cc t~ ~ 1 1 02 1 o '^ tH CO CO tH r- * ' 1 1 '*" of CO iH 8 i-t 00 tc ■* t- OS CO Oi g »n 1 Oi -* CO 1 1 co 1 o CO f ^^ 1—1 1—1 8 r-l CO OO Ol ID CO IM rH T-( CD 8 o: 1 CO "i* \C. 1 CO CO O '^^ t^ r^ l r. > ■£ <* 1 CO rH o ■ ^^ f^f oT T-T y^ o ■^ 1-1 l-H 1-1 o 1—1 o « t^ t^ CO t- Cl CO o t- 1 '"' "^ Ol I t CO 1 o o. CO o • lÖ r^ ' c^ •■£: rH ' ' lO" ' MTi t>^ (M o" CO 1-1 1— 1 I— ( o I-H Z£ - CD O o 1-1 o O: 1 "^ 05 cr 1 1 GO 1 T-( ^ ao_ o '^ 1 1 1 ' 1 1 CO l^ • «£> CO c CO 1 rjT o" '*■ o CO ^H 1-1 ^ 1—1 o 1—1 cc (M 't to cc CO o ■* (-, in O >- CO ci: 1 1 CO 1 1 Ci CD <^ 1 1 [ 1 c^ CO " >:£ iC CO c^ i-T o co" 1—1 o o 1-1 CO '* O CO CM -* '^ o o (X> «o o cc CO 1 1 t- I 1 00 (M^ o ry 1 1 1 ~ l-T Tj. Cl c ocT 1 CO in tH tH , . CS • a 's • x* c ^11 3 CO O 3 s 2 *« 2 ^ 11 's a SM) a 1 i 1 ^ ^ ^ ^ M o (-1 2 "3 m 0) fctf ^ ^ s CU M CJ ü 3 116 Nähere Pflanzenbestandtheile und Aschenanalyscn. Aus der Zusammensetzung der Aschen ergiebt sich kein Zusammenhang zwischen der Güte der Hopfensorten und ihrem Gehalte an Mineralstofifen ; es scheint also, dass auch beim Hopfen der Gehalt an den einzelnen Mincralbestandtheilen je nach den Boden- und Düngungs Verhältnissen erheblich diflferi- ren kann, ohne dass diese Differenzen in der Zusammensetzung der organischen Substanz, resp. in dem Gehalte des Hopfens an denjenigen Bestandtheilen, welche seine Güte bedingen, einen Ausdruck fänden. Auffällig ist, dass nur bei einer der bayerischen Hopfensorten in der Asche eine bestimmbare Menge von Schwefelsaure gefunden wurde. Der hohe Gehalt der englischen Sorten ist vielleicht darauf zurückzuführen, dass diese Sorten geschwefelt waren, was in England fast allgemein ge- bräuchlich ist. Bezüglich der Frage: wie weit die Beschaffenheit des Bodens auf die Zusammensetzung der Ascheu einwirkt, hat der Verfasser eine Untersuchung der beiden Bodenarten, in welchen die Sorten von Spalt und Ilersbruck gewachsen waren, ausgeführt. Der Boden von Spalt ist ein zerfallener Keupersandstein von rothbrauner Farbe, sehr feinem Korn und ziemlich gleichmässiger Beschaffenheit; der von Hersbruck gehört zum oberen oder weissen Jura (Malm) und ist mehr braun als roth, mit Bruchstücken von Kalk- und anderen Gesteinen dieser Formation vermengt, dem Ansehen nach weit reicher an organischen Bestandtheilen, als der von Spalt. Erdboden von Spalt. Hersbruck. Kali 0,1406G 0,43941 Natron 0,00562 0,13439 Kalk 0,07233 1,29200 Magnesia ....... 0,03833 0,65519 Eisenoxyd 1,43286 3,07000 Manganoxydoxydul . . 0,05066 0,33000 Thonerde 0,58000 1,60200 Phosphorsäure .... 0,42218 0,35873 Schwefelsäure 0,00966 0,04055 Chlornatrium 0,01826 0,02651 Kieselsäure 0,02805 0,07340 Kohlensäure 0,14053 0,10130 Wasser 2,06500 3,01000 Unlösliche Theile . . 95,73667 89,03334 Summa 100,74881 100,24031. Stickstoffgehalt .... 0,22600 0,16144 Glühverlust der bei 100 " C. getrockneten Erden . 5,09 6,68 Die Erden wurden bei der Analyse 48 Stunden mit konzentrirter Salz- Bäure bei 14" C. behandelt. Nähere Pflanzenbestandtheile und Aschenanalysen. 117 Eine Konvergenz in der chemischen Zusammensetzung des Bodens und der Asche des darauf gewachsenen Hopfens dürfte schwerlich aufzufinden sein. Analyse der Asche des Hopfens, von Lermcr."^) — 100 Gewichtstheilc des lufttrocknen Hopfens enthielten 1(1,07 Gewichtstheilc Wasser und 7,135 Gewichtstheilc Asche. Diese enthielt: Kali 17,073 Natron 3,975 . \ Natrium 1,525 Chlornatrium . . . 3,855 < ^, , ,, „„.^ ' / Chlor 2,330 Kalk 12,042 Magnesia 5,615 Thonerde 0,763 Eisenoxyd 2,078 Schwefelsäure . . . 4,605 Phosphorsäure . . 15,100 . 23,181 . 11,237 Kieselsäure . Kohlensäure . 99,474. Beslandtheile. Elsässer I kalk- armem Boden. \rapp von kalk- reichem Boden. Seelän- discher Krapp. Bewässertes Feld. Karamit Karamit 4jahrig, 6jährig. Unbewässerles Feld. Karamit Karamit ISjahrig. 22jührig. Kali 29,68 11,90 34,92 3,76 1,19 7,85 5,32 3,72 1,66 27,47 0,09 30,16 3,79 3,47 22,52 2 21 5^53 3,42 25,76 16,29 3,17 2,67 12,58 16,84 2,86 16,41 35 86 .^4.47 39,20 2,34 32,78 4,86 0,95 4,25 8,15 2,17 5,30 3919 Natron Kalk 14,87 15,01 0,93 18,86 10,76 1,99 1,72 4,47 11,70 20,42 3,19 7,45 11,49 1,70 5,11 5,72 27,19 7,09 0,69 5,49 9,14 3,89 1,60 Magnesia Eisenoxyd Chlornatrium .... Phosphorsäurc . . . Schwefelsäure . . . Kieselsäure Summa Aschenmenge, frei von Sand und Kohle 100,00 8,25 100,00 8,42 1(10,00 y 100,(JO 8,87 100,00 8,80 100,00 8,80 100,00. 5,25. Aschen- aiialyso des Hopfeua. UeberdieAschenbestandtheilcderKrapppflanze hat A. Petz hold t**) Untersuchungen ausgeführt. Das dazu verwendete Material stammte aus den Distrikten von Kuba und Derbent an der Westküste des kaspischen Meeres, es war theils von bewässerten, theils von nicht bewässerten Feldern gewon- nen worden. Zur Vergleichung hat der Verfasser in der nach- stehenden Tabelle einige frühere Aschenanalysen der Krapp- Wurzel*^*) mit aufgeführt. *) Wittstein's Vierteljahrschrift. Bd. 13, S. 182. **) Erdmann's Journal Bd. 95, S. 211. ***) Anualen der Chemie und Pharmacie Bd. 54, S. 345. Aschenbe- stnndtbeile der Krapp- pflanze. 118 Nähere Pflanzenbestandtheile und Aschenanalysen. Aschciilii' »tanUtlieile de* Reli- hoUes. In Verbindung mit den vorstehenden Analysen hat der Verfasser einige zum Krappbau benutzte Erden aus Transkau- kasien aualysirt. Die Bodenarten sind folgendermassen charak- terisirt : 1. Durch Krappbau erschöpfter Boden, derselbe hatte nach dem Umbruch als Neuland 4 Jahre lang Krapp getragen, 2. Zwei Jahre lang mit Krapp bebaut, scheinbar der Probe No. 1. sehr ähnlich. 3. Zwölf Jahre lang zum Krappbau benutzt, bei der Probe- entnahme mit Melonen bebaut. 4. Fünfzehn Jahre mit Krapp bebaut, niemals bewässert; dieser Boden hatte den 15jährigen Karamit geliefert. 5. Der zu dem 22 jährigen Karamit gehörige Boden. Bestandtheile. Unlösliches . . Thonerde . . . Eisenoxyd . . . Kieselsäure . . Schwefelsäure Phosphorsäure Kalk Magnesia . . . Kali Natron Chlornatrium . Kohlensäure . . 73,80 3,45 8,58 1,10 0,08 0,10 5,14 1,40 0,G2 0,03 5,70 62,64 6,03 6,59 10,40 0,10 0,37 5,82 1,50 0,93 0,31 0,03 5,28 72,13 7,54 5,80 0,10 0,19 6,92 1,75 0,43 0,06 0,02 5,06 4. 84,67 8,44 4,76 0,03 0,06 0,54 0,83 0,57 0,07 0,01 0,02 84,10 9,06 4,75 0,03 0,10 0,45 0,83 0,57 0,09 0,01 0,01 Summa Organische Substanz 100,00 5,58 100,00 7,10 100,00 6,71 100,00 .5,15 100,0. Analyse von öargassum (Fucus) natans s. baeci- Analyse vob ferum, von B. Corenwinder.**) — Organische Substanz 79,627 mit 0,8 Stickstoff. Asche 20,373 100,000. Die Asche hatte folgende Zusammensetzung: Chlornatrium 41,750 Kali 2,685 Natron 9,557 Magnesia 12,397 Kalk 12,774 Schwefelsäure 12,513 Kohlensäure 4,827 phosphorsäure 1,026 Kieselsäure, Eisen etc. . 2,471 100,000. Sargassum iiatao«. *) Farmers magazine 1865, S. 195. ♦*) Corapt. rend. Bd. 60, S 1247, 120 Nähere Pfianzenbestandtheile und Aschenanalysen. Die Analyse wurde hauptsächlich zu dem Zwecke ausgeführt, um auf indirektem Wege Aufschluss über einen etwaigen Gehalt an Phosphorsäure im Meeiwasser zu erhalten. Die Analyse lehrt, dass die Phosphorsäure darin nicht fehlt, obgleich sie sich nur in so geringen Mengen findet, dass sie analytisch im Meerwasser nicht mit Sicherheit vom Verfasser nachge- wiesen werden konnte. Die Meerespflanzen zeigen hiernach gegen die Phosphorsäure dasselbe Verhalten wie gegen das in dem Meerwasser ent- haltene Jod. — Gödechens*) fand schon früher in der Asche von vier Fucusarten 1,36 bis 4,40 Prozent Phosphorsäure. Ascheni.e- Djß Asclic vou C h c V ali 6 rgci' s t c , **) welche in armem der chtva- Landc gewachsen war, zeigte folgende Zusammensetzung: — liergerste. Kicselsäure . . . 23,00 Phosphorsäure . 26,01 Schwefelsäure . . 2,72 Kalk 2,79 Magnesia 8,07 Eisenoxyd .... 0,09 Kali 27,43 Natron 0,05 Chlornatrium .■ 8 ,60 98,76. coniinaehait Conüngchalt der Blätter und S anjen von Conium '",'''''" maculatum L., von C. Close.***) -- Es enthielten: Amerikanische, noch nicht 1 Jahr alte Blätter 0,000 Prozent. Amerikanische, frische Blätter 0,040 „ Englische, eingeführte Blätter 0,010 „ Frischer amerikanischer Samen 0,142 „ 2 Jahre alter Samen 0,141 „ Deutscher Samen (ohne Angabe des Alters) . 0,120 „ Der Samen ist hiernach reicher an Coniin, als die Blätter, in letzteren scheint der Coniingohalt mit dem Alter rasch abzunehmen. Aconiiin- A c o ui t i H g cli al t in Aconitum Napcllus, von W, gehait im p j, ^ c t c i". t) — Es cuthicltcn: Amerikanische, im Frühling gegrabene Wurzel 0,42 Prozent Europäische Wurzel 0,20 „ reines Aconitin. strjrhiiin- Strychuiu- und Brucingchalt der Nux vomica und ^ebairder' Faba Ignatii, von F. Mayer. ff) — Es enthielten: u'nd "Jlm-^ die Brechnüsse . . 14,24 bis 16,93 Proz. Brucin und 4,57 Proz. Strychnin, .iusbohnen. jie jgnatiusbohnen 21,97 „ „ 7,20-7,88« Analyse von lu dcm Samcu VOU Lolium tenuilentum landen Lolturn te- uiuleiituro. Lolturn te- L mj ^ j g y,^ j Stahlfff) ausser den bekannten ßentandtheilen *) Annalen der Chemie und Pharmacio Bd. ,54, S. 351. **) Farmers magazine 18C5, S. 330- **♦) Chemisches Centralblatt. 1865. S. 336. f) Ibidem S. 336- tt) Ibidem S. 320. fff) Archiv der Pharniacie Bd. 119, S. 55. Nähere Pflanzciibestandthcile und Aschcnanalysen. 121 der Gramineen: Stärke, Kleber und Cellulose, ein helles, neu- trales, t^eschmackloses Fett, eine ölige mit Bleiessig aus der Spirituosen Lösung- fällbare Säure, ein braunes öliges Fett von stark kratzendem Geschmack, eine gelbe, ölige^, fettige Masse von kratzend bitterem Geschmack, einen in Aether und Weingeist löslichen Bitterstoff, der sich durch Kochen mit Säuren in Zucker und flüchtige, aromatische Säuren zerlegen Hess; ferner Zucker, eisengrünenden Gerbstoff, eine der Meta- pektinsäure ähnliche Säure und eine harzige Substanz. Alkaloi'de im Mutterkorn, von Wenzell.*) — Der AikaioWe im Verfasser fand im Mutterkorne zwei neue, nicht kristallisirbarc ^''"'<''•koln, Alkaloide: Ekbolin und Ergotin, und eine flüchtige Säure, die er Ergotsäure nennt. Solaningehalt der Kartoffeln, von 0. Hant.**) — soianii. in Im Mai untersuchte, von den jungen Trieben sorgfältig befreite ''•'" Kanof- Kartoffeln lieferten aus 500 Grm. Substanz 0,16 Grm. reines Solanin, während aus 500 Grm. der Kartoffelschalen 0,18 Grm. und aus einem gleichen Gewichte der geschälten Kartoffeln 0,12 Grm. des Alkaloids erhalten wurden. Im Juli entiiiclten 500 Grm. rohe Kartoffeln 0,'^1 Grm., 500 Grm. geschälte Knollen 0,16 Grm. und ein gleiches Gewicht möglichst dünn geschnittener Schalen 0,24 Grm. Solanin. Der grösste Theil des Sohvnins ist hiernach in den Schalen enthalten, auch enthalten die jungen Kncillen mehr, als ältere. Der Verfasser hält die Benutzung junger Kartofl'elu als Viehfutter für bedenklich. Thein fanden W. F. Da nie 11 und J. Attfield**^) in der The.,, i.. Kolanuss (Cola acuminata) aus Westafrika. Die Nuss ent- »*"»""" hält bis zu 2 Froz. Thein, während der Thee 0,5 bis 3,5 Proz. enthält. Auch die Blätter der Paullinia sorbilis, eines brasi- lianischen Baumes, sind reich an Thein. Physostigmin nannten Job st und Ilcssef) ein in Aikaio.d ... Wasser schwer, in Alkohol, Aether uiul Alkalien leicht lösli- ''^"^ f^'''^''»'- ches Alkaloid, welches die Verfasser aus der Calabarbohne, dem Samen einer in Oberguinca wachsenden Leguminose (Phy- sostigma venenosum) darstellten. Das neue Alkoloid zeichnet *) Chemisches Centralblatt. 18(;5. S. 351. **) Buchuer's Ropertorium Bd. 13, S. 559. ***) Chemisches Centralblatt. 18(j5. S. 4.57. t) Annalen der Chemie uud Pharmacie Bü. lüli, S. 115. 122 Der Bau der Pflanze. sich durch Giftigkeit und durch die Eigenschaft, die Pupille zusammenzuziehen, aus. — A. Yee und M. Leven*) nennen das giftige Prinzip der Calabarbohne Es er in. orgauische In dcu Blättcm von Lycium barbarum fanden A. Hu- Basen.nLy- gQjjjg^^jj^ ^^j^(] y^f Marmc^*) ciue neue organische Base, welche cium, Helle- / u / borus und slc Lyclu nannten; ebenso gelang es ihnen aus der Niesswurz cytisus. (^2gllg]3Qp^g njger l_ uj^j jj. viridis L.) zwei Glukoside: Helle- borein und Helleborin und aus den Schoten und Samen des Goldregens (Cytisus Laburnum L.) eine stark giftige organische Base abzuscheiden. Wir erwähnen endlich noch folgende hierher gehörige Abhandlungen: Matiere amylacee et cryptogames amylifere dans les vaisseaux du latex de plusieurs apocynees, par A. Trecul.***) Production des plantules amyliferes dans les cellules vegetales pendant la putrefaction. Chlorophylle crystallisee, par A. Trecul.f) Die chemischen Bestandtheile des Hopfens, von Dr. Seelhorst, ff) Zusammensetzung von mit Abraumsalz gedüngtem Klee, von Paul Bretschneider. fft) Welches sind die Bestandtheile der Pflanzen? von F. Stohmann.*t) Der Bau der Pflanze. Wurzel- Ueber die Entwickelung der Wurzeln bei Wasser- biidnngbei ^^^^^ Laudpflauzcn haben W.Knop und W. Wolf^^f) bei Wasser- uml *■ i i • Land- ihren zahlreichen physiologischen Untersuchungen Gelegenheit ^""'"■"'' gehabt, Erfahrungen zu sammeln. Auf Grund ihrer Beobach- tungen kommen die Verfasser zu dem Schlüsse, dass sich der eigentliche Unterschied in den Eigenschaften des Land- und Wasserwurzelsystems weniger am Körper der beiden Objekte, als an dem Verhalten derselben im Laufe der Vegetation er- kennen lässt. Wasser- und Landwurzeln einer und derselben Pflanze zeigen .unter dem Mikroskope eine gleiclie Anordnung *) Compt. rend. Bd. 60, S. 1194. **) Annalen der Chemie und Pharmacie III. Supplement, S. 245 und Bd. 135, S. 55. *"*) Compt. rend. Bd. 61, S. 156. i) Ibidem S. 432. ff) Landwirthschaftlicher Anzeiger. 1865. Nr. 30. ttt) Mittheilimgcu des landwirthschaftlichen Central- Vereins für Schle- sien. 15. Heft, S. 78. *t) Zeitschrift des landwirthschaftlichen Vereins in Baiern. 1865. S. 435. **t) Die landwirthschaftlichen Versuchsstationen Bd. 7, S. 345. Der Bau der Pflanze. 123 der Zellen und Gefässo, der einzige Unterschied, den man mit bewaffnetem Auge leicht erkennt, ist der, dass die Zellen und Cxctasse der Wasserwurzeln durchsichtigere und stets weniger inkrustirte Wände haben, als die einer in festem Boden gewachsenen Wurzel. Dabei unterscheidet sich das Waelisthum einer Land- von dem einer Wasserwurzel sehr wesentlich. Die dikotyledonischen Gewächse, namentlich die Bäume, entwickeln in der Erde eine Pfahlwurzel, die alljähr- lich an Länge und Dicke regelmässig zunimmt. Die Enden der Nebenwurzeln verzweigen sich in Einem fort und laufen in viele feinste Fäden aus. Bei den mouokotyledonischen Pflanzen, welche keine Pfahlwurzel entwickeln, findet in der Erde eine gleiche Verzweigung der Hauptnebenwurzeln statt. Bei in Wasser erzogenen Maispflanzen besetzen sich die Neben- wurzeln erster und zweiter Ordnung und ebenso die Pfahlwur- zeln der Erbsen, Bohnen, der Rosskastanie nur in der Nähe des Wasserspiegels mit längeren Nebenwurzeln fernerer Ord- nungen und diese letzteren werden immer kürzer, je tiefer ihre Träger unter den Wasserspiegel hinabreichen und die letzten Enden derselben tragen meistens gar keine Nebenwurzeln mehr. Die Wasserwurzel mit ihren Nebenwurzeln zeigt die Form einer mit der Spitze nach unten gerichteten Pyramide. Die Landwurzel ist dagegen oft in der Nähe des Stammes wenig verzweigt, und gerade nach dem Ende hin verzweigt sie sich besenförmig in feinere Nebenwurzelu. Ohne Schwierigkeit las- sen sich Wasserwurzeln in Laudwurzeln umwandeln, schwieri- ger ist es, eine wahre Landwurzel auf die Dauer in einer wäss- rigen Nährstofflösung am Leben zu erhalten, doch gelingt dies, wenn man sehr verdünnte Nährstofflösungen (0,5 bis 1 p. mille) anwendet und am besten, wenn man die Pflanzen vorher einige Zeit in reinem Wasser vegetiren lässt. Bei höherer Konzen- tration der Salzlösungen (2,5 bis 5 p. mille) erleidet die Ve- getation der Pflanzen stets eine Störung, meistens stirbt ein Theil der Wurzeln ab und die Pflanze geht ein, wenn sie nicht fähig ist, ein neues System von Wassernebenwurzeln in solcher Lösung zu entwickeln. Ein durchgreifender Unterschied zwi- schen der Land- und Wasserwurzel stellt sich bei der Ent- wickeluug der Pfahlwurzeln heraus. Während nämlich bei Wasserpflanzen die Entwickelung der Pfahlwurzel von der Zeit 124 Der Bau der Pflanze. an, wo nach dem Keimen die Substanz der Samen verbraucht ist, fast ganz still steht, nimmt dieselbe bei Bodenpflanzen auch im späteren Wachsthumsstadium regelmässig an Grösse und Dicke zu. Ebenso verhalten sich die Wurzeln von Eichen, Rosskastanien und anderen Bäumen, die aus dem Boden in Wasser oder wässrige Nährstofflösungen versetzt werden. Auch die Entwickelung der stärkeren Nebenwurzeln von Bodenpflan- zen wird beim Versetzen in Salzlösungen verlangsamt. Die Ursache dieser Retardation sehen die Verfasser in einer durch den hydrostatischen Druck auf die Wurzeloberfläche ausgeüb- ten Unterdrückung der Respiration der Wurzeln. In verdünn- ten Salzlösungen treiben die Landwurzeln zahlreiche neue Was- sernebenwurzeln, während ihr eigenes Fortwachsen verlangsamt wird und sie selbst sehr häufig früher oder später absterben. Das Auge erkennt die Wasserwurzel leicht an der geraden Streckung ihrer Theile, während die Landwurzeln stets mehr oder weniger hin- und hergebogen erscheinen. Auch unterschei- det sich die Wasserwurzel durch ihre Sprödigkeit, welche durcli eine Ueberfüllung der dünnwandigen Zellen und Gefässe mit flüssigem Inhalte verursacht wird. Die Wurzeln verschiedener Landpflanzeu zeigen jedoch beim Versetzen in wässrige Lösun- gen kein gleiches Verhalten. Beim Mais sterben die Landwur- zeln meistens ab, aber es entwickelt sich rasch ein neues Sy- stem von Wasserwurzeln, welches die Pflanze erhält. Rhodo- drendronarten, deren Wurzeln von feinen fadenförmigen Neben- wurzeln dicht besetzt sind, Hessen sich sehr gut aus der Erde in eine wässrige Lösung umsetzen. Ebenso die Myrthc, bei welcher die starken, schwarzen Landwurzeln nicht eine Linie weiter wuchsen,*) aber kurze und dicke, weisse Wasserneben- wurzeln entwickelten. Junge einjährige Eichen zeigten, je nacli dem Standorte, von welchem sie entnommen waren, ein ver- schiedenes Verhalten; gegen zwölf Stück von einem Standorte im Walde starben sämmtlich ab, drei von einem anderen Orte lebten dagegen freudig fort, sie entwickelten viele lange neue Nebenwurzcln, aber die Pfahlwurzel vergrössertc sich nicht. *) Im Boden ontwickellc iiltoro Wiirzolstücko, die sich mit Periderm iiherzit'hen, hören nuf Nuhrstolle aus dem Hoden aufzunehmen, dennoch treibt ihre Spitze fort und Kebenwurzelu bilden sich, weh;he die Nahrungs- auinahme fortsetzen. Sachs, Experimentalphysiologie S. 175. Der Bau der Pflanze 125 Ein gleiches Verhalten zeigte ein einjähriges Rosskastanien- bäiimchen, bei welchem auch die im Boden gebildeten Neben- wurzeln sich in der Lösung nicht verlängerten. Sehr schwierig erwies sich die Aufzucht von Weidenzweigen in wässrigen Lö- sungen, meistens kränkelten im zweiten Jahre die von den Zweigen in Flusswasser getriebenen Wurzeln. Die vorliegenden Untersuchungen sind von Wichtigkeit für die Beur- thcilung der Gültigkeit der bei den Vegetationsversuchen in wässrigen Nährstofflösungen ermittelten Gesetze für die Bodenpflanze. Während man früher den in Wasser entwickelten Wurzeln von Landpflanzen eine von der der Bodenpflanzen abweichende Organisation zuschrieb und die Mög- lichkeit der Umwandlung von Landwurzeln in Wasserwurzeln in Abrede stellte,*) zeigen die vorliegenden Beobachtungen keine so wesentliche Ver- schiedenheit. Allerdings treten nach Knop's Ansicht noch beträchtliche Differenzen in dem Verhalten, namentlich bezüglich der Pfahlwurzeln, her- vor, doch zeigt auch die Ausbildung des Wurzelsystems bei Landpflanzen, wie sich aus den ungleichen Verhalten der von verschiedenen Standorten entnommenen Eichen in den obigen Versuchen und bei Hellriegel's**) Unttrsuchungeu über die Wurzelbildung der Getreidearteu ergiebt, sich von lokalen Verhältnissen abhängig. Wesentlich anders situirt als die Land- pflauzen sind die Wasserpflanzen durch die Unterdrückung der Respiration in Folge des hydrostatischen Druckes der Flüssigkeit auf die Oberfläche der Wurzeln. — Zu vergleichen sind noch die interessanten Beobachtungen von Nobbe***) über die Wurzelentwickelung bei der Chiligerste und dem Buchweizen in wässrigen Lösungen und besonders die „Wurzelstudien" von J. Sachs, t) Eine ausführliche Erörterung über den Einfluss des Me- diums, in welchem die Wurzel sich entwickelt, auf deren Ausbildung fin- det sich in Sachs' Handbuch der Experimentalphysiologie der Pflanzen S. 174. Sachs macht hierin besonders darauf aufmerksam, dass der Er- folg bei der Versetzung einer Pflanze aus einem Medium in das andere, wesentlich von den hierbei stattfindenden grosseren oder geringeren Beschä- digungen der Wurzelhaare und kleinen Wurzelfasern abhängig ist. Wir würden überhaupt auf dies Werk fast bei jeder einzelnen physiologischen Abhandlung unseres Berichts verweisen müssen, wenn wir nicht voraus- setzen dürften, dass dies klassische Buch bereits von allen denjenigen stu- dirt worden sei, welche mit der Physiologie der Pflanzen sich beschäftigen. Uebcr das Auftreten von Pektinkörpern in den veh^r lits Geweben der Runkelrüben, von Julius Wiesner. ff) — von lU^h,- körpein in •) Vergl. die landwirthschaftlichen Versuchsstationen Bd. 5, S. 07. •*" •^""kei **) Jahresbericht. VIL Jahrgang, S. 106. ***) Ibidem S. 160. Vergl. auch die landwirthschaftlichen Versuchssta- tionen Bd. 4, S. 212. t) Ibidem Bd. 2, S. 1. tt) Sitzungsbericht der k. k. Akad. der Wissenschaften zu Wien. Bd. 50. rübp. 126 Der Bau der Pflanze. Es ist längst bekannt, dass in der Runkelrübe Pektinstoflfe vorkommen, über die Region, in welcher sie auftreten, wie über ihre Bildungsweise herrschten jedoch bislang noch verschie- dene Ansichten, welche durch die Untersuchungen von Aug. Vogl'^) über die Löwenzahnwm-zel wesentlich aufgeklärt sind. Des Verfassers Untersuchungen erstrecken sich zunächst auf den anatomischen Bau der Runkelrübe. Die äussere Begren- zung, die Aussenrinde der Rübe, wird durch ein mehrschichti- ges, 2 bis 6 Zellenschichten dickes, blassgelbröthlich gefärbtes Periderm gebildet, welches aus polygonalen (manchmal recht- eckigen oder rhombo'idischen) Zellen besteht, die nicht nur in tangentialer, sondern auch — bei vertikaler Stellung der Rübe — in vertikaler Richtung gestreckt sind. Die Membranen die- ser Zellen sind schwach schmutzig gelb gefärbt; sie umschlies- sen eine lichtbraune, körnige Masse, die so häufig als Be- gleiter der Korkzellen auftritt. Dui*ch Jodlösung nimmt die gelbe Farbe der Membranen und der körnigen Masse an Inten- sität zu; auf Zusatz von Schwefelsäure nehmen Inhalt und Membranen eine hellbraune Farbe an. Durch Chromsäurc las- sen sich diese verkorkten Zellen isoliren. Neben diesen Zel- len treten an verletzten Stellen der Runkelrübe, ferner am so- genannten Kopfe der Rübe, und zwar im letzteren Falle über chlorophyllführendem Parenchym, Gruppen von sehr stark vor- korkten Peridermzellen auf, die sich schon mit freiem Auge durch ihre schmutzigbraune Farbe vom anderen Periderm un- terscheiden. An das Periderm schliesst sich nach innen zu die Mittelrinde an. Diese besteht durchweg aus parenchymatischen Elementen, die äussersten derselben sind in tangentialer Rich- tung platt gedrückt; sie sind die Mutterzellen der Periderm- zellen, die Korkmutterzellen. An dies Korkcambium reihen sich gegen das Innere der Rübe zu Parenchymzellen , die um so mehr den Charakter der tangentialen Abplattung verlieren, je mehr sie von den Korkmutterzellen entfernt liegen. Bis gegen die Mitte der Mittelrinde nehmen diese Zellen an Grösse zu. Sie sind mehr oder minder abgerundet oder polygonal und nach den Richtungen der drei Hauptabschnitte ziemlich gleich- massig ausgedehnt. Von hier ab, in der Richtung gegen die Jahresbericht. VII. Jahrgang, S. 104. Der Bau der Pflanze. 127 Innenrinde, wird der Querdurclimesser der Parenchymzellen kleiner, der Längendurclimcsser dagegen grösser, und zwar so, dass die am längsten gestreckten Elemente der Mittelrinde an die Innenrinde, in die sie jedoch keineswegs übergehen, gren- zen. Die Zellen der Mittelrinde zeigen hiernach drei Haupt- formen: platte Parencliymzellen (Korkmutterzellen), abgeplattet- kugelige Parenchymzellen und lang gestreckte Parenchymzellen. Sie bilden, auf dem Querschnitte gesehen, 8 bis 20, vielleicht auch noch mehr hinter einander liegende Zellschichten. Zwi- schen den Zellen liegen dreiseitige, seltener vierseitige, stets Luft führende Interzellulargänge. Sämmtliche Zellen der Mittel- rinde sind reich an Plasma und führen häufig noch Zellkerne mit grossen, einzelnen Kernkörperchen. Die Membranen dieser Zellen werden durch Jod und Schwefelsäure gebläut; Kali färbt sie in Folge der Anwesenheit eines Gerbstoffes gelb; Chrom- säure isolirt die Zellen sehr rasch. Die Innenrinde der Rübe hebt sich deutlich von der Mittelrinde ab; sie hat eine Dicke von 0,09 bis 0,216 Mm. und besteht aus plasmareicheu , zart- wandigen, langgestreckten Zellen, die, auf dem Querschnitte gesehen, viereckig sind und in der Richtung der Tangente et- was zusammengedrückt erscheinen. Sämmtliche Zellen der In- nenrinde sind Cambialzellen, sie nehmen von aussen nach innen zu an Grösse ab und schliessen sich nach innen zu an den Holztheil des Gefässbündels an. Luftführende Interzellular- gänge fehlen in diesem Gewebe. Die Zellen der Innenrinde zeigen dieselben Reaktionen, wie die der Mittelrinde, enthal- ten also ebenfalls Gerbstoff. Die Innenrinde ist radial durch- brochen vom Parenchym, dessen Zellen in ihren Dimensionen die Mitte halten zwischen den in ihrer Grösse sehr verschiede- nen Zellen der Mittelrinde. — Das Gewebe des Holzringes enthält ausser Zellen, die auf der Entwickeluugsstufe des Cam- biums stehen geblicl)en sind, noch konisch zugespitzte, })oröse Holzzellen und Netzgefässe. Auch dieses Gewebe ist durch radial verlaufende Fortsätze der Mittelriudc durchbrochen (Markstrahlen). An diesen äussersten Holzring der Rübe reihen sich in regelmässig wiederkehrendem Wechsel: Mittel- rinde, Inuenrinde und Holzkörper, in radialer Richtung durch- setzt von — in Bezug auf ihre Breite wahrhaft riesigen — Markstrahlen, deren Elemente mit jenen der Mittelrinde in 128 Der Bau der Pflanze. chemischer und histologischer Beziehuug übereinstimmen. Im Parenchymgewebe der Rübe sind die Zellen durch eine schwach entwickelte Interzellularsubstanz vereinigt; nur hier und da, am meisten in den mittleren Regionen des Parenchyms ist dieser Körper resorbirt und in Folge dessen das Gewebe aufgelockert. Beim Kochen quillt die Interzellularsubstanz stark auf und hebt sich mit Deutlichkeit von den Membranschichten ab, die Haiitschicht des Plasmas zieht sich stark zusammen und schliesst das Plasma in sich ein. Dabei tritt nur stellenweise eine un- bedeutende Auflockerung im Gewebe ein, welche durch partielle Lösung der Interzellularsubstanz bedingt ist. Die gequollene Interzellularsubstanz wird durch unorganische und organische Säuren (Schwefelsäure, Chromsäure, Oxalsäure, Citroncnsäure und Acpfclsäure) gelöst, man kann auf diese Weise eine voll- ständige Isoliruug der Parenchymzellen herbeiführen. Dies Verhalten zeigt, dass in den Regionen des Parenchyms nur die Interzellularsubstanz der Sitz der Pektose sein kann. Der Verfasser nimmt an, dass durch die Einwirkung der organi- schen Säuren der Parenchymzellen auf die Interzellularsubstanz sich Pektin- oder Metapektinsäure in den Rüben bilden, und dass auf diese Weise die Resorption an den Stellen geschehen ist, wo die Interzellularsubstanz fehlt. Beim Behandeln mit Jod und Schwefelsäure färben sich die Zellmembranen des in Wasser gekochten Parenchymgewebes intensiv blau, die Inter- zellularsubstanz nimmt eine blassblaue Farbe an und zerfliesst hierauf zu einem l)lassbläulichcn Schleime. Manchmal bleibt die Interzellularsubstanz farblos, geht aber dann noch rascher, als die sieh blaufärbendc, in Lösung über. Diese Blaufärbung des Zwischenzellstoffes rührt entschieden von einem Zellulose- reste her, der in dieser Substanz mit Pektose vermengt ist, und dies deutet an , dass die Zellmembranen der Parenchym- zellen nach dem Grade ihres Alters einer Desorganisation ver- fallen, bei welcher die Zellulose der Zellmembran successivc sich in Pektose umsetzt. Wenn man die Isolirung der Parenchym- zellen aufmerksam verfolgt, so sieht man, dass die Auflösung des Zwischcnzcllstoffes in tangentialer Richtung weit rascher, als in radialer Richtung erfolgt, dass ferner die Zellen anfäng- lich nicht einzeln, sondern gruppenweise aus dem Verbände treten, meist zu zweien, die mit den Radialwänden an einander Per Bau der Pflanze. 129 haften und von einer gemeinsamen Interzcllularsnbstanz (meta- morphosirte Muttcrzellhant) umschlossen sind. Ein gleiches Verhalten beobachtete A. Vogl an den Parenchymzellen der Löwenzahuwurzel, und es bestätigt daher die vorliegende Un- tersuchung die von Vogl zuerst begründete Ansicht, dass die Pektose zum grossen Theile aus den Membranen der Mutter- zellen hervorgeht und ebenso die Wiegand'schc Ansicht, dass eine Umformung der Muttcrzellhäutc zur Bildung der Interzel- lularsubstanz der Tocliterzelle beiträgt. Die Zellen des Kork- cambiums zeigen bcziiglicli ihrer Interzellularsubstanz ein ähn- liches A^erhalten wie die Parenchymzellen, sie enthalten aber darin mehr Zellulose, ebenso auch die Zellen der Innenrinde, die Cambialzellen des Holzringes, ja selbst die jüngeren Holz- und Grefässzellen. Die Zellen des aus den Korkmutterzellen hervorgehenden weissen Periderms werden durch organische Säuren zwar nicht vollständig isolirt, doch findet eine bedeu- tende Auflockerung im Gewebe statt. Die in organischen Säu- ren ausgekochten Zellen zeigen alle Reaktionen der gewöhnli- chen Korkzellen. Bei dem oben erwähnten braunen Periderm, welches sich am Kopfe der Rübe und an verletzten Stellen findet, bringen organische Säuren keine Aenderung hervor. Dies verschiedene Verhalten der Peridermzellen zeigt, dass bei dem nur schwach verkorkten weissen Periderm die Auflocke- rung durch die organischen Säuren nur die Folge der hierdurch bewirkten Auflösung eines in der Interzellularsubstanz eingela- gerten Stoffes geschehen ist, welcher nur Pektose sein kann. Dieser Körper tritt schon in den Mutterzellen des Periderms in kleiner Menge auf und ist in den Zellen des weissen Peri- derms, statt wie in den Korkmutterzellen mit Zellulose, mit Korksubstanz, oder richtiger gesagt, mit der den Korkzellen eigenen Zwischenzellsubstanz gemengt. Diese Beobachtungen bestätigen die Ansicht von Kabsch*) und Vogl,**) dass die Interzellularsubstanz der Sitz der PektinstofFe ist und dass diese vornehmlich ein Umsetzungsprodukt der Mutterzellhäute sind; sie zeigen aber weiter, was früher nicht bekannt war, dass auch Cambial-, Gefäss- und Holzzellen, ebenso Peridermzellen als Träger von Pektinstoffen auftreten können. *) Pringsheim's Jahrbücher Bd. 3, S. 367. **) Sitzungsbericht der k. k. Akad. der Wissenschaften zu Wien Bd. 48. Jahreebcricht. VIII. O (lerPflanzen- z.ellen. 130 Der Bau der Pfl;mze. Bezüglich der Runkelrübe lassen sich die vorstehendon Beobachtungen in folgende Sätze zusammenfassen: 1. Sämmtliche Zellenmembranen der Runkelrübe befinden sich; wenigstens anfänglich, in einer Pektinmetamorphose. 2. Die Membranen der der Mittel- und Innenrinde ange- hörigen Zellen bleiben auf der Stufe der Pektinmetamorphose stehen. 3. Die Membranen der Holz- und Gefässzellen, die an- fänglich in einer Pektinmetamorphose begriffen sind, verholzen später. 4. Die Membranen der Periderrazellen gehen eine kombi- nirte Metamorphose, eine Pektin-Korkmetamorphose, ein. ueber die Uebor die Entstehung des Harzes im Inneren Entstehung ^^^ P f 1 an z c n z c 1 1 c n , von Jul. Wiesner. ^M — Der Ver- des Harzes ' ■' im Innern fasscr fand bei Untersuchungen über die Zerstörung des Hol- zes an der Atmosphäre, das? der Holzkörper im Inneren der Markstrahlenzellen der Laubbäume eine besondere Widerstands- fähigkeit gegen die Einwirkung der Luft besitzt, welche durch eine Einlagerung von Harzkörnern in den Markstrahlenzellen bedingt ist. Diese Körner haben eine kugelförmige, manchmal bedeutend abgeplattete Gestalt, mit oft sehr unregelmässiger Umgrenzung, und erscheinen im Inneren nicht selten ausgehöhlt; sie sind dann entweder mit Luft oder mit einem anders brechen- den, festen Medium erfüllt. Durch Jodlösung nehmen die Kör- ner nur selten eine bläuliche Farbe an, häufiger tritt die Bläuung ein, wenn die llarzkörner zunächst kurze Zeit mit verdünnter Kalilauge und hernach mit Jod und Schwefelsäure behandelt werden. Bei längerer Einwirkung von verdünnter Chromsäure lösen sich die meisten Körner auf und zeigen hier- bei zum Theil eine deutliche Schichtung, auch hohle Harzkör- ner aus dem Holze einer Protea zeigten bei dieser Behandlung mehrere Zonen von verschiedener Helligkeit. Die rückständi- gen, beinahe farblos gewordenen Körner ergaben nach vorher- gegangenem Waschen in Wasser die bekannten Zellstoflfreak- tionen mit Jod und Scliwefelsäure und Kupferoxydamraoniak. Gegen Eisenchlorid geben die Harzkörner die Reaktion auf Gerbstoff. Aus dem weiteren Verhalten gegen Reagentien *) Sitzungsbericlil der k. k. Akad. der Wissenschaften zu Wien Bd. 51. Der Bau der Pflanze. 131 geht hervor, dass die Harzkörner keine amorphe, sondern in der Regel geschichtete Körper sind ; ferner dass sie nur selten blos aus Harzen bestehen, sondern fast immer höchst wech- selvolle Gemenge von Harz, Zelkilose, Granulöse, Gerbstoff und einem durch Alkalien hervorrufbaren Farbstoff sind. Da die Harzkörner eine grosse Verbreitung in dem Parenchym des Holzes und der Rinde haben, so will der Verfasser sie, in Uebereinstimmung mit den Hartig'schen Benennungen anderer Zellinhaltsstoffe, als „Harzmehl" bezeichnet wissen. Das augeführte Verhalten der Harzkörner gegen Reagentien scheint anzudeuten, dass dieselben entweder aus Stärkekörnern oder aus Hartig's Gerbstoffkörnern hervorgehen; diese Annahme wird dadurch unterstützt, dass die Zellen, in welchen die Harzbildung erfolgt, kein Plasma mehr führen, mithin die Ent- stehung der Harzkörner nur aus den vorgebildeten grobkörni- gen Einschlüssen der Zellen hergeleitet werden kann. Diese körnigen Einschlüsse Hessen sich bei einigen Holzarten mit Bestimmtheit als Stärkekörner erkennen, bei anderen zeigten sie mehr oder weniger die Eigenschaften des Hartig'schen Gerbmehls, theilweise waren sie als Zwischenbildungen von Stärkemehl in Gerbmehl anzusehen, und gerade diese Zwischen- bildungen sind es, welche nach dem Verfasser sich in Harz umsetzen. Durch weitere Untersuchungen weist der Verfasser nach, dass eine grosse Menge des in der Natur vorkommenden Harzes aus Stärkekörnern entweder direkt oder indirekt her- vorgeht, dass der so entstandene Körper ein geschichteter ist, der in Bezug auf seinen Bau, sowie Hartig's Gerbstoffkör- ner (vergl. dagegen S. 97) gleichsam eine Pseudomorphose nach Stärke ist. Im lebenden Organismus setzt sich die Stärke in Zucker, Dextrin, Gerbsäuren u. s. w. um, im absterbenden Gewebe verwandelt sie sich in Arabin (Wiegand) oder in Harz, welche Stoffe — als wahre Endprodukte des Stoffwech- sels — für das Leben des betreffenden Gewebes und wohl auch für das Leben der Pflanzen ohne alle Bedeutung sind. — Die von den Chemikern aufgestellte Theorie über die Ent- stehung der Harze aus den ätherischen Oelen, durch Aufnahme von Sauerstoff scheint dem Verfasser nicht bewiesen, jedenfalls sind auch noch andere Entstehungsweisen der Harze möglich. Schon Karsten und Wiegand haben nachgewiesen, dass die 9* 132 I^^i* B*^^ ^^^ Pflanze. starre Wand vieler Holzzellen (Coniferen) durch Desorganisation in Harz übergeht. Da die ganze Zellwand in Harz umgewan- delt wird, so lässt sich dessen Entstehung Avohl nur aus dem Hauptbestandtheile der Zellwand — aus Zellulose — herleiten, und es ist nur noch fraglich, ob diese Umwandlung direkt ge- schieht, oder ob nicht vorerst ein anderer Körper aus der Zellulose hervorgeht. Der Verfasser schliesst aus seinen Unter- suchungen, dass der Gerbstoff das Zwischenglied bei der Metamor- phose der Zellulose und Granulöse in Harz bildet. Da gleichzei- tig Harz und ätherisches Oel in einem Pflanzentheile vorkommen, so nimmt Wiesner an, dass das Oel aus dem Harze hervorgeht: die starre Zellwand erweicht sich und erst hierauf verflüssigt sie sich bei der Harzmetamorphose. Zellulose, Granulöse, Gerb- stoff, Harzsäure, ätherisches Oel kann man sich hiernach aus ein- ander durch fortgesetzte Reduktionen hervorgegangen denken. üeber Ucbcr gcflccktc Blätter, von F. Jaennicke.*) — %]itul^ Nach den Untersuchungen des Verfassers enthalten die gefleck- ten (panachirten) Blätter verschiedene dem Chlorophyll gleich- werthige Farbstoffe, welche die verschiedene Färbung bedin- gen. Die Flecken, welche bei gewissen bald gefleckt, bald un- gefleckt erscheinenden Pflanzen der europäischen Flora zufäl- lig auftreten, sind durch nicht zusagende Bodenmischung oder sonstige äussere Einflüsse bedingt. Krankhafte Flecken unter- scheiden sich von den konstant auftretenden durch ein ganz verschiedenes Aussehen. Schieiden erklärt die Panachirung durch Zersetzuug des Chloro- phylls oder durch Ablösung der mit farblosen Säften gefüllten Oberhaut von dem darunter liegenden grünen Zellgewebe, wobei die dazwischen tre- tende Luftschicht einen silberweissen Fleck bewirken soll. Auch Schacht sieht eine Umwandlung des Chlorophylls als die Ursache der Panachirung an, ebenso Meyen, welcher die Panachirung als eine Krankheitserschei- nung „Fleckenkrankhcit" bezeichnet. Wir verweisen endlich noch auf nnchstehende Abhandlungen: Ueber den Bau des Holzes der wichtigsten in unseren Waldungen vor- kommenden Bäume und Sträucher. Laubhulzer. Von J. Rossmann.**) Remarques sur les vaisseaux lactiföres de quelques plantes de Bresil, par Netto.***) *) Botanische Zeitung. 1865. S. 269. **) Allgemeine Forst- und Jagdzeitung. 1865. S. 245. ***) Compt. rend. Bd. 60, S. 668. Das Leben der Pflanze. 133 Observations sur les lactift-res des convolvulacees, par Trecul.*) Bemerkungen über die Schutzscheide und die Bildung des Stammes und der Wurzel, von R. Caspary.**) Sur les lactiferes et les libres du liber ramifiees dans les euphorbes, par A. Trecul. ***) Sur la Constitution du fruit des cruciferes, par E. Fournier.f) Des lactiferes dans los papaveracees, par A. Trecul ff) Das Wachsthum der Wurzel, von Otto Nicolai.fft) Observations sur divers anomalies vegetales, par Liron d'Airoles.*t) Das Leben der Pflanze. Das Keimen. Ueber die Stoffwuiidcriuiü; bei der Keimuuff von stoßfwaude- , , rung bei der Weizen und Klecsamcn hat Dr. Hofmann^ f) mikroche- Keimung, mische Untersuchungen angestellt. — Beim Weizen konnten schon im Keime des ruhenden Samens die Eiweissstoffe nachge- wiesen werden; bei der Keimung licss sich die Verbreitung derselben bei der erfolgenden Streckung der Plumula und Ra- dikula in den sich ausdehnenden Zellen deutlich erkennen. Bei der Entstehung der ersten Schraub eugefässe in dem Keimblatte und in den Wiirzelfasern, welche von engen und dünnwandi- gen Leitzellen umgeben sind, waren die Eiweissstofic stets in diesen letzteren mit Sicherheit zu erkennen. Mit Zunahme der Längenausdchnnng der in den noch unentwickelten Theilen dicht und gepresst liegenden Zellen, waren es sowohl in dem Keimblattc als den Wurzelfasern die am Grunde und in der Spitze befindlichen Partien, welche die Reaktion auf Eiweiss am intensivesteu zeigten. Es scheint hiernach, dass die Eiweiss- stoffe von der Basis aus, wo sie als Vorrath sich befinden, gegen die Spitzen hin wandern, in denen sie sich wieder stär- ker anhäufen. Das Leitzellenbündcl erreicht jedoch die äusserste Spitze nicht, sondern es verliert sich in dem dichteren Zell- *) Compt. rend. Bd. 60, S. 825. **) Jahrbuch für wissenschaftlicbc Botanik. Bd. 4. S. 101. ***) Compt. rcnd. Bd. 60, S. 1840. t) Ibidem. Bd. 61, S. 404. ff) Ibidem. Bd. 60, S. 522. tit) Schriften der phys.- Ökonom. Gesellsch. in Königsberg Bd. 6, S. 33. *t) Revue horticole. 1865. S. .^95. **f) Der chemische Ackersmann. 1865. S. 153. 134 Das Leben der Pflanze. gewebe, welches sich erst mit fortschreitendem Wachsthume streckt. In dem Keimblatte, und später im Laubblatte, bilden sich bald mehrere parallel laufende Leitzellenbündel, welche sämmtlich Eiweissstoffe führen, während in den einzelnen Wur- zelfasern sich nur je ein centrales Bündel entwickelt. — Stärkemehl war nachzuweisen in dem Parenchym, wel- ches das sich entwickelnde Leitzellenbündel umgab. Nach er- folgter Streckung zeigte es sich am meisten an der Basis und an den Spitzen des Keimblattes und der Wurzelfasern und zwar in der Form äusserst feiner Körnchen, welche haufenweise einzelne Zellen fast ganz erfüllten, andere nur theilweise. In dem grünen und vollkommen entwickelten Laubblatte liess sich nach der Ausbleichung des Chlorophylls in allen Parenchym- zellen Stärke nachweisen, selbst die das Laubblatt anfangs ein- hüllende, fast farblose Blattscheide zeigte reihenweise an den Zellwandungen abgelagerte stärkehaltige Chlorophyllkörner. In den äussersten Zellen der Spongiolen war neben Stärke auch Eiweiss vorhanden. Die Anhäufung des Stärkemehls im Parenchym, am Grunde des Keimblattes, der Knospe, dem Schildchen und den Wurzelscheiden beweist, dass dasselbe aus dem Endosperm des Samens in den Keim übergeht. Seine Gestalt als äusserst kleine runde Körner, bald zu mehreren haufenweise in den Zellen liegend, bald nur wenige, führt zu dem Schlüsse, dass es, wie auch Sachs annimmt, einer fort- währenden Auflösung und Wiederabschcidung unterliege. Die in denselben Zellen mit vorkommenden Eiweissstoffe scheinen vielleicht diesen Wechsel zu veranlassen oder zu vermitteln. Während diese Veränderungen in dem Keime vor sich gehen, erweicht das Endosperm des Samens, und zwar werden zuerst die dem Schildchen zunächst liegenden Partien milchig. Das aufgeweichte Endosperm erzeugt auf Lackmuspapier eine vor- übergehende Röthung. Die Stärkekörner erscheinen zu dieser Zeit durch einen Längsspalt zerklüftet, der sich fortwährend erweitert und in Querrisse theilt, bis endlich das ganze Korn zerreisst. Die Wurzelhaare enthalten weder Stärke noch Ei- weiss, wohl aber einen sauer reagircnden Saft, der Lackmus- papier vorübergehend röthet. — Dextrin und Z ucker konnten weder in den Basilai'theilen der Blattknospe noch der Wurzelfasern gefunden werdcD, eben Das Lehen der Pflanze. loD sowenig auch in den Spitzen des Keim- und Laubblattes. Da- gegen ergab sich nach erfolgter Streckung in dem Parenchym des Laubblattes, sowie aucli in den mittleren, am meisten ge- streckten Zellen der Wurzcltascrn die Reaktion auf Dextrin. Bei der Keimung des Kleesamens stellten sich diesel- ben Entwickelungsvorgänge hinsiclitlich der Wanderung der EiweissstoÜe und des Stärkemehls heraus. Auch hier wurde die Anwesenheit der Eiweissstoffe stets in den Verzweigungen der Leitzellenbündel, die Wanderung des Stärkemehls in dem Parenchym und die Bildung des Dextrins im mittleren gestreck- ten Theile der Wurzeln beobachtet. Die Radikula bedeckte sich bald nach ihrer Pjntwickeluug von der Spongiola bis ge- gen die Mitte mit einer braunen Schicht von Kork- oder Rin- densubstanz, während der mittlere Theil weiss blieb, die Basis aber von chlorophyllführenden Zellen eine grüne Färbung zeigte. Da diesem Samen der Eiweisskörper fehlt und die Nährstoffe für den Keim in den dicken Samenlappen aufge- speichert sind, so erfolgt die Wanderung derselben durch die Stielchen nach der Keimknospe und der Radikula. In jedem Stielchen bildet sich ein centrales Gefässbündel, in dessen Leitzellen die Eiweissstoffe, wie in dem umgebenden Parenchym das Stärkemehl, deutlich nachgewiesen werden konnte. Untersuchungen über denKeimungsprozess, von umer- G. Fleury."") — Der Verfasser untersuchte zunächst die bei über den der Keimung ölhaltiger Samen sich entwickelnden Gase; es Keimungs- war hierbei die Vorkehrung getroffen, dass zuerst die bei der Keimung gebildete Kohlensäure aufgefangen wurde, dann strich der Gasstrom durch eine mit Kupferoxyd gefüllte glühende ' Röhre, um das entwickelte Kohlenwasserstoff'gas zu Kohlen- säure und Wasser zu verbrennen, welche Produkte ebenfalls dem Gewichte nach bestimmt wurden. Endlich war noch eine Vorrichtung augebracht, um etwa entwickeltes Ammoniak be- stimmen zu können. Es wurden 10,921 Grm. Riziuuskörner am 17. September in feuchten Sand zur Keimung ausgelegt und anfangs jeden zweiten Tag, später täglich, die Gase be- stimmt. Die erhaltenen Resultate sind nachstehend zusammcn- sestellt. *) Annales de chimic et de phys. Bd. 4, S. 38. Chomisclies Ccntral- blatt. 18Ü5. S. 883. 136 Das Lebeu der Pflanze. Kohlensäure, Wasser, Tage. Kohlensäure, durch Verbrennung des Kohlenwasserstoffgases. 2V2 — — 4V2 0,0665 — — 6 0,062 — — 7V2 0,0705 — — 9 0,114 — — 10 0,104 — — 11 0,112 — - 12 0,130 — — 13 0,121 — — 14 0,139 — — 15 0,132 — — 16 0,082 — 0,1115 17 0,1095 — — 18 0,1285 — - 19 0,1835 — — 20 0,1905 — 0,049 21 0,1285 0,0335 — 22 0,2225 — 0,011 23 0,1585 — — 24 0,1925 — - 25 0,1885 — 26 0,2045 — — 27 0,171 — — 28 0,2585 — — 29 0,255 — — 30 0,227 — 0,051 31 0,2635 — — 32 0,3025 — — 33 0,3865 — — 34 0,4235 — — 35 0,451 0,0775 — 36 0,399 — — 37 0,5805 0,0145 0,023. Eine Verflüchtigung von Ammoniak trat nicht ein, auch der Sand enthielt nach beendeter Keimung kein Ammoniak, so dass also eine Ammoniakbildung während der Keimung überhaupt nicht stattfand. Die Kohlensäureentwickelung stieg mit dem Vorschrciten der Keimung, wobei aber zu bemerken ist, dass die Samen während der ganzen Zeit vor dem Ein- flüsse des Lichtes geschützt waren. Durch die Verbrennung der austretenden brennbaren Gase wurden 0,1455 Grm. Wasser und 0,1255 Grm. Kohlensäare erhalten, welche 0,01Glö Grm. Das Ijcbcn der Pflanze. i; Wasserstofl" und 0,0342 Grm. Kohlenstoff entsprechen; es muss sich also während der Keimung freier Wasserstoff neben Kohlenwasserstoff entwickelt haben. Der Verfasser untersuchte ferner das Verhalten der nähe- ren Bestandtheile der ölhaltigen Samen während der Keimung. Die hierzu benutzten Samen und deren Zusammensetzung wa- ren folgende: Nähere Bestaudtheile. Rizinus. Prozent. Kaps. Süsse Mandeln. Euphorbia lathyris. Wasser Aschenbestaudtheilo Stickstofi'haltige Substanzen Zucker, Dextrin, Gummi etc. Fettsubstanz Zellulose Unbestimmte Stoffe Ü,18 3,10 20,20 2 21 4g',60 17,99 3,72 8,081 2,U18 19,078 7,232 •16,001 8,258 7,721 6,488 3,058 23,24 6,290 54,090 4,687 2,247 5,607 3,048 19,350 4,085 40,294 25,227 2,388 Summa | 100,00 Elemeutarbestandtheile. Wasser 6,18 Aschenbestandtheile ; 3,10 Stickstoff I 3,233 Kohlenstoff I 57,412 Wasserstoff j 8,2716 Sauerstoff . . . { 21,8934 100,00 100,00 , 100,00. 8,081 6,488 5,607 2,918 3,058 3,048 3,166 3,718 3,096 59,803 62,985 56,777 8,895 9,219 7,906 17,137 14,532 23,563 Summa I 100,00 100,00 | 100,00 1 100,00. Die keimenden Rizinus s amen wurden in sechs Perioden von je 5 Tagen untersucht. Gefunden wurde: Perioden. Fettsubstanz. Zucker etc. Zellulose. Stickstoffhaltige Stoffe. 1- Tag 46,60 2,21 6. „ 45,90 — 11. „ 41,63 — 16. „ 33,15 9,95 21. „ 7,90 18,47 26. , 10,3 17,724 31. „ 10,28 26,90 17,99 20,20 29,99 20,31. Die Elementarzusammensetzung der Samen nach beendeter Keimung war folgende: Aschenbestandtheile 3,10 Stickstoff 3,25 Kohlenstoff 50,52 Wasserstoff 5,7356 Sauerstoff :30,0144 Summe der festen Bestandtheile 92,62. 138 Das Leben der Pflanze. Der Verlust an Trockensubstanz beträgt hiernach 1,466 Proz., hauptsächlich betrifft derselbe den Kohlenstoff, während der SauerstoÖgclialt zunimmt. Die Veränderungen in den näheren ßestandtheilen bestehen in einer stetigen Abnahme des Fett- gehalts und in einer Zunahme des Gehalts an Zucker. Gleich- zeitig wurde das Auftreten einer wenig flüchtigen Säure beol)- achtet, die jedoch nicht genauer isolirt werden konnte. Bei der Keimung des Rapssamens wurde nur die Zu- sammensetzung nach beendeter Keimung ermittelt. Versuch. Fettsubstanz. Zucker etc. Zellulose. Stickstofl'haltigc Stoft'e. 1. 37,93 10,14 11,70 — 2. 35,26 12,73 10,51) — 3. 33,3G 11,70 10,24 — 4. 28,35 3,50 18,18 19,87. Hier zeigte sich nur eine unbedeutende Vermehrung der löslichen Kohlehydrate, bei dem letzten Versuche wurde sogar eine starke Verminderung beobachtet, wahrscheinlich weil in diesem Falle schon ein selbstständiges Pflanzenleben und eine Umwandlung des Zuckers in Zellulose eingetreten war, Avie der analytische Befund dies zeigt. Elementarzusammensetzung des gekeimten Rapssamens, Aschenbestandtheile 2,918 Stickstoff 3,150 Kohlenstoff 48,550 Wasserstoff 7,ltj7 Sauerstoff' . 27,48i; Summe der festen Bestandtheile 89,271. Hier beträgt der Verlust an organischer Substanz 2,8S1 Proz., wiederum betrifft derselbe hauptsächlich den Kohlenstoffgehalt, während der Gehalt an Sauerstoff wieder zugenommen liat und der Stickstoffgehalt konstant geblieben ist. Keimung der Mandeln und Wolfsmilchsamen. — Nach beendeter Keimung enthielten diese Samen: Süsse Mandeln. Euphorbia lathyris. Nähere Bestandtheile. Prozent. Prozent. Fettsubstanz 45,28 9,60 Zucker, Dextrin etc 10,022 23,87 Zellulose 12,13 90,507 (V) Stickstoälialtige Stoffe .... 23,12 19,0(]. Elementarbes tan dt heile. Aschenbestandtheile 3,058 3,048 Stickstoff 3,700 3,049 Kohlenstoff 55,880 41,470 Wasserstoff 3,(J92 G,341 Sauerstoff . 23,040 37,274 Summe der festen Bestandtheile 92,370 (V) '.i1.is2. Das Lohen der Pflanze. 139 Das Gesammtresiiltat aus diesen Untersuchungen lässt sich dahin zusammenfassen, dass während der Keimung die Fettsubstanz nicht einfacli oxydirt wird, sondei'n dass dieselbe gleiclizoitig das Material zur Ausbildung der Pflanze liefert. Das erste Produkt der Umbildung ist Zucker oder Dextrin, diese organisircn sich später unter Abgabe von 1 oder 2 Aequiv. Wasser. Die Einwirkung des Sauerstoffs beschränkt sich nicht auf der Bildung von Kohlensäure und Wasser, sondern es wird Sauerstoff bei der Keimung chemisch gebunden, wodurch der Gewichtsverlust der Samen vermindert wird. Bei stärkemehl- haltigen Samen scheint derselbe erheblich grösser zu sein, denn nach Thomson erleidet die Gerste bei ihrer Umwandlung in Malz einen Gewichtsverlust von 9 Proz.; dies erklärt sich dadurch, dass bei diesen Samen mit der Verbrennung des Kohlenstoffs ein Austreten der Bestandtheile des Wassers Hand in Hand gehen muss, damit die näheren Bestandtheile die Zu- sammensetzung der Holzfaser behalten. — Eine Aenderung des Stickstoffgehalts war bei keinem der Versuche zu beob- achten. — Nach Stein*) geben 100 Theile Gerste 92 Theile keimfreies Malz und 3,5 Theile Keime. Peters**) beobachtete beim Kürbissamen einen Ge- wichtsverlust, der, je nach der Dauer der Keirazeit, 0,43 Proz., 11,20 und 21,80 Proz. vom Gewichte des geschälten Samens betrug. Hellriegel***) bestimmte für Rapssamen den Substanzverlust bei der Keimung zu 3,2 Proz. Folgende hierher gehörige Abhandlungen verdienen noch erwähnt zu werden: Die Prüfung des Samens in Bezug auf seine Keimfähigkeit.!) Ist es rathsam, ausgestreuten Samen oder schon im ersten Wachsthum begriffene Gartengewächse bei heirscheuder Ti-ockenheit zu begiesscsn oder nicht? ff) Welche Wärme muss im Boden sein, damit die Samen keimen kön- nen? von J. Nessler.ftt) Experiment on the germination of wheat.*!) *) Polytechnisches Centralblatt. 1860. S. 481. **) Die landwirthschaftlichen Versuchsstationen Bd. 3, S. 10. ***) Der chemische Ackersmann. 1861. S. 94. t) Lüneburger land- und forstwirthschaftliche Zeitung. 1864. S. 129. ti) Ibidem. 1865. S. 7. ttt) Badisches landwirthschaftliches Wochenblatt. 1865. S. 79. *t) Gardeners chronicle 1865. S. 202. 140 Das Leben der Pflanze. Assimilation und Ernährung. ueber die Uebei' die Funktionen der Blätter von Boussin- der" Blätter g^ult.*) — Es Ist eluc vou allen Physiologen anerkannte Thatsache, dass die Pflanzen sich ihren Kohlenstoffgehalt durch Zersetzung der in der atmosphärischen Luft enthaltenen Koh- lensäure aneignen, bisher war es jedoch noch unentschieden, ob die Pflanzen das Vermögen besitzen, auch die reine Koh- lensäure zersetzen zu können oder ob hierzu die Vermischung derselben mit atmosphärischer Luft oder Sauerstoff erforderlich ist. Th. de Saussure's Untersuchungen ergaben bekannt- lich das Resultat, dass junge Pflanzen in atmosphärischer Luft, welche -g bis -f'^ Kohlensäure enthielt, recht gut gediehen, in einer Atmos])häre von reiner Kohlensäure dagegen zu Grunde gingen. Ilicj-nach würde ajizunehmen sein, dass die Mitwirkung des Saucrstofts zur Zersetzung der Kohlensäure durch die Pflanzen uothwendig ist. Da Saussurc seine Ver- suche mit ganzen Pflanzen augestellt hat, so Hesse sich jedoch auch denken, dass die Ursache des Zugrundegehens der Pflan- zen darin zu suchen sei, dass der von den Blättern im Son- nenlichte produzirte Sauerstoft" nicht hinreichte, um dem Sauer- stoffbedürfnissc der Wurzeln zu geniigen. Boussingault brachte daher l)ei seinen Versuchen nur die grünen Thcile der Pflanzen mit der Kohlensäure in Bei'ührung: es wurden Blät- ter in einer Atmos])häre von reiner Kohlensäure dem Sonnen- lichte ausgesetzt und daneben imniei- ein anderer Versuch mit einem bekannten (xemenge aus Luft und Kohlensäure zur Ver- gleichung angestellt. Die Dauer der Exposition, die Licht- stärke und die Tem})eratur waren in lieidcn Fällen gleich. ^■) Compt. rcnd. Bd. 60, S. 872. Bd. (il, ö. 493. Das Lebou der Pflanze. 141 Datum. 7. Juli 14. Juli 1864. IT.Aug. 1864. 3. Sept. 1864. Ein Kirsch- lorbeor- blatt. Zwei Oleander- blätter. Ein Kirsch- lorbeer- blatt. Ein Eichen- blatt. 4 Stun- den im Sonnen- lichte. 4 Stun- den im Sonnen- lichte. 10 Stun- den im Sonnen- lichte. 4 Stun- den im Sonnen- lichte. Angewen- detes Gas. Reine Kuh- lensäure j Kohlen- I säure und atmosphä- rische Luft \ Reine Koh-j lensäure j Kohlen- / säure und ] atmosphä- j rische Luft ' Reine Koh- lensäure Kohlen- säure und atmosphä- ' rische Luft ' Reine Koh- lensäure Kohlen- säure und atmosphä- rische Luft Bestandtheilc des- selben. Gesammtgasmonge Kohlensäure . . . Sauerstoff Stickstoff Gesammtgasmengc Kohlensäure . . . Sauerstoff Stickstoff Gesammtgasmengc Kohlensäure . . . Sauerstoff Stickstoff Gesammtgasmenge Kohlensäure . . . Sauerstoff Stickstoff Gesammtgasmenge Kohlensäure . . . Sauerstoff Stickstoff Gesammtgasmenge Kohlensäure . . . Sauerstoff Stickstoff Gesammtgasmenge Kohlensäure . . . Sauerstoff Stickstoff Gesammtgasmenge Kohlensäure . . . Sauerstoff Stickstoff Zusammen- setzung vor 1 nach dem i dem Ver- Ver- suche. suche. f. c. c. c. 83,1 84,0 83,1 78,4 0,0 5,5 0,0 0,2 87,6 89,5 26,1 5,5 13,9 35,3 48,5 48,7 86,1 86,9 86,1 82,4 0,0 4,0 0,0 0,5 86,6 87,1 31,9 12,8 11,5 80,9 43,2 43,4 86,7 86,7 86,7 75,4 0,0 10,9 0,0 0,4 78,9 79,1 32,3 3,5 9,8 38,9 36,8 36,7 87,0 86,1 87,0 82,1 0,0 4,0 0,0 0,0 86,0 85,7 37,7 12,7 10,1 34,8 38,2 38,2 unter gleichen Licht- und mit atmosphärischer Luft Diese Versuche zeigen, dass Temperaturverhältnissen von der gemengten Kohlensäure ungefähr fünfmal so viel zersetzt wurde, als von der reinen Kohlensäure, immerhin aber waren die Pflanzenblätter im Stande, auch letztere, wenngleich langsam, zu zersetzen. Es liesse sicli jedoch gegen diese Versuche der Einwand mrchen, dass die der Kohlensäure ausgesetzten Blätter eine geringe Menge Sauerstoff mit der in ihrem Parenchym ent- haltenen Luft in das Gasgemenge hineinbrachten, diese geringe Sauerstoffmeuge könnte den ersten Anlass zu der Zersetzung der Kohlensäui-e gegeben haben, wodurch von neuem Sauer- Diffc- renz. c. c. + 0,9 4,6 5,5 0,2 1,9 20,6 + 21,4 0,2 0,8 3,7 4,0 0,5 0,5 + + + + + — 19,1 + 19,4 + 0,2 0,0 — 11,3 + 10,9 + 0,4 + 0,2 — 28,R + 29,1 — 0,1 0,9 4,9 4,0 0,0 — 0,3 — 25,0 + 24,7 0,0 + 142 Das Leben der Pflanze. Datum. 17. Aug. 1864. 17. Aug. 1864. 16. Okt. 1864. Stoff ausgeschieden worden sei , welcher einer neuen Kohleu- säuremenge die Fähigkeit gegeben habe, zersetzt zu werden. Boussingault zeigt jedoch durch Versuche, dass der Sauer- stoff auf die Blätter, solange sie dem lebhaften Sonnenlichte ausgesetzt sind, gar keine Einwirkung ausübt, welche allerdings im Dunkeln eintritt. Ferner ergab sich, dass die in dem Pa- renchym der Blätter enthaltene Luft gar keinen freien Sauer- stoff, sondern nur Kohlensäure und Stickstoff enthält. Da nun aber, wie oben nachgewiesen ist, die Zersetzung der reinen Kohlensäure viel langsamer vor sich geht, als wenn dieselbe mit atmosphärischer Luft gemengt ist, so war anzunehmen, dass der Stickstoff die Zersetzung der Kohlensäure begünstige, da in den Blätteni kein Sauerstoff' vorhanden und dieser dabei überhaupt nicht thätig zu sein schien. Es liess sich erwarten, dass auch andere indifferente Gase dieselbe Wirkung hervor- bringen wüi'den. Diese Erwartung fand durch folgende Ver- suche ihre Bestätigung. Pflanzen- Stoff. Ein Kirsch- lorbeer- blatt. Ein Kirscb- lorbeer- blatt. Ein Kirsch- lorbeer- blatt. Zeit- dauer der Exposi- tion. 6 Stun- den im Sonnen- lichte. 6 Stun- den im Sonnen- lichte. 6 Stun- den im Sonnen- lichte. Angewen- detes Gas. Bestandtheile des- selben. Stickstoff und Kohlensäure Wasserstoff und Kohlensäure Wasserstoff und Kohlensäure Gesammtgasmenge Kohlensäure . . . Sauerstoff Stickstoff' Gesammtgasmenge Kohlensäure . . . Sauerstoff Wasserstoff .... Gesammtgasmenge Kohlensäure . . . Sauerstoff Wasserstoff .... Zusammen- setzung vor I nach dem I dem Ver- j Ver- suche, suche, c. c i c. c. 73,1 26,6 0,0 46,.5 87,1 27,9 0,0 rj9,2 84,8 29,3 0,0 55,5 73,7 1,1 25,5 47,1 87,2 2,0 26,2 .59,0 84,9 1,9 27,7 55,3 Diffe- renz. -L 0,6 — 25,5 + 25,5 + 0,6 + 0,1 -25,9 + 26,2 — 0,2 + 0,1 -27,4 + 27,7 — 0,2 Andere verbrennliche Gase lieferten ähnliche Resultate. Hieraus geht also hervor, dass in einer Atmosphäre von reiner Kohlensäure die dem Sonnenlichte ausgesetzten Blätter das Gas nicht oder doch nur äusserst langsam zersetzen. In einem Gemenge von atmosphärischer Luft und Kohlensäure wird letz- tere schnell zersetzt, doch scheint der Sauerstoff hierbei nicht thätig zu sein , indem aucli in Vermischung mit Wasserstoff Das Lclion dor Pflanze. 143 oder Stickstoff die Zersetzimg eintritt. In ähnliclicr Weise wie die atmosphärische Luft, Stickstoff und Wasserstoff wirk- ten auch Kohlenoxyd und Sumpfgas, auch in Gemengen mit diesen Gasen wurde die Kohlensäure durch die Blätter zerlegt, aber weder das Kohleuoxyd- noch das Sumpfgas erlitten eine Zersetzung durch die Blätter. Das indifferente Verhalten des Kohlenoxyds gegen die Blätter unterstützt die Ansicht, dass die Blätter gleichzeitig Wasser und Kohlensäure zersetzen, wo- bei letztere in Kohlenoxyd verwandelt wird nach der Gleichung : CO 2, HO = CO, H, O2, wobei CO, H die Zusammensetzung der Zellulose, der Stärke, des Zuckers u. s. w. repräsentirt. Boussiaganlt vergleicht die Zersetzung der Kohlensäure durch die Blätter mit der langsamen Verbrennung des Phosphors. Auch der Phos- phor leuchtet nicht und verbrennt nicht bei gewöhnlicher Temperatur in reinem Sauerstoffgase, oder wenn die Oxydation eintritt, so geht dieselbe doch nur äusserst langsam vor sich, während er dagegen in einem Gemenge von Sauerstoff mit atmosphärischer Luft, mit Stickstoff, "Wasserstoff oder Kohlensäure unter Leuchten verbrennt. L'nter gewöhnlichem Luftdrucke findet in reinem Sauerstoff die langsame Verbrennung des Phosphors nicht statt , sie tritt aber ein , wenn der Luftdruck vermindert wird. Auch bei den Blättern fand der Verfasser, dass bei diesen bei vermindertem Luft- drucke eine Zersetzung der reinen Kohlensäure eintrat. Es erscheint hier- nach nicht unwahrscheinlich, dass die Zersetzung der Kohlensäure durch die Blätter durch diesellien mechanischen Ursachen bedingt wird, wie die langsame Verbrennung des Phosphors; die Mitwirkung der indifferenten Gase scheint nur darin zu bestehen, dass hierdurch die Theilchen der Koh- lensäure, oder im anderen Falle diejenigen des Sauerstoffes, auseinander gehalten werden, welche Wirkung auch durch Verminderung des Luftdrucks erzielt werden kann. Um die Grenze des Vermögens der Blätter, die Kohlen- säure zu zersetzen, zu ermitteln, brachte der Verfasser ver- schiedene Oleanderblätter in Mischungen von Kolüensäure mit atmosphärischer Luft, nachdem dieselben längere oder kürzere Zeit vom Zweige abgelost worden waren. Es zeigte sich hier- bei, dass Blätter, welche nach dem Abpflücken 24 Stunden lang im Dunkeln an freier Luft und mit dem Stengel in Wasser oder mit einer kleinen Menge Luft eingeschlossen aufbewahrt waren, von ihrer Fähigkeit, die Kohlensäure zu zersetzen, nichts verloren hatten. Im Mittel ergab sich, dass jeder Quadrat- Centimeter Blattobertläche in 9 Stunden 1,14 C. C. Kohlen- säure zersetzte. Die Aufbewahrung der Blätter war hierbei ohne Einfluss, sobald dieselben nur vor Austrocknung geschützt 144 Das Leben der Pflanze. wurden. Ausgetrocknete Blätter zeigten die Fähigkeit, die Kohlensäure zu zersetzen, in um so geringerem Grade, je wei- ter die Austrocknung vorgeschritten war; bei völlig ausgetrock- neten Blättern war das Zersetzungsvermögen erloschen. Bei der Aufbewahrung in einer langsam sich erneuernden Atmo- sphäre behielten die Blätter ilir Zersetzungsvermögen 12 bis 24 Tage lang, vorausgesetzt, dass sie nicht austrockneten; Blätter, welche in einem sehr geringen Luftvolumen eingeschlos- sen waren, verloren ihre Zersetzungsfähigkeit bald, selbst ohne ausgetrocknet zu sein. Die einschliessendc Luft zeigte sich vollständig frei von Sauerstoff, ebenso wurden die Blätter ge- tödtet, wenn sie mit Wasserstoff, Stickstoff oder Sumpfgas im Dunkeln 48 Stunden aufbewahrt wurden. Die A^cränderung, welche die Blätter erlitten, scheint hiernach dem Umstände zu- geschrieben werden zu müssen, dass sie zu lange Zeit des Sauerstoffs entbehrten, der ihnen zur Respiration nöthig ist. Ein gleiches Resultat erhielt V. Jod in*) bei ähnlichen Versuchen. Der- selbe nimmt an, dass die grünen Pflanzentheile nur bei Gegenwart einer grösseren Wassermenge ihr normales Zersetzungsvermögen bewahren, und dass durch die Entziehung dieses physiologischen Wassers dasselbe all- mählich abnimmt und auch durch Anfeuchten nicht wieder von neuem er- weckt werden kann. Boussingault brachte ferner Blätter in eine Atmosphäre von Kohlen- säure mit Wasserstoff oder atmosphärischer Luft, welche mit Terpentinöl- dämpfen oder Quecksilberdämpfen gesättigt war. Diese Versuche ergaben, dass der Terpentinöldampf zwar die Kohlensäurezersetzung nicht völlig aufhob, aber doch beträchtlich verminderte. Quecksilberdämpfe wirkten dagegen absolut uachtheilig, das Quecksilber wirkte tödtend auf diejenige Substanz oder das Organ ein, welches die Redaktion der Kohlensäure in den grünen Theilen veranlasst. Umgekehrt störte das Quecksilber nicht die Aufnahme von Sauerstoff und die Kohlensäurebilduug im Dunkeln. Untersuchungen über die Respiration der Blätter im Dunkeln ergaben, dass eine Blattfläche im Lichte weit mehr Kohlensäure zersetzt, als die- selbe Fläche in der Dunkelheit erzeugt. Im Mittel einer langen Reihe von Versuchen ergab sich, dass eine 1 Quadrat-Metre grosse Blattfiächc von Oleanderblättern in einer kohlensäurereichen Atmosphäre zwischen 8 Uhr Morgens und 5 Uhr Abends in der Sonne 1,108 Liter Kohlensäure per Stunde zersetzte. Das Maximum betrug 2,22 Liter, das Minimum 0,82 Liter per Stunde. Im Dunkeln erzeugte ilieselbe Blattfläche 0,07 Li- ter Kohlensäure, im Maxiraum 0,085 Liter und im Minimum 0,0G3 Liter per Stunde. ") Compt. rend. Bd. 61, S. 505. Das Leben der Pflanze. 145 Ueber die vermeintliche Ab Scheidung von Koh- Abscheidung lenoxyd durch die Blätter der Pflanzen hat B. C o- ^^"J' ^ "^^'"^ renwinder*) neuerdings Versuche ausgeführt, welche die be- die Blätter, reits früher von Boussingault und Cloez gefundene That- sache bestätigen, dass weder Kohlenoxyd noch irgend ein an- deres brennbares Gas als Exhalationsprodukt der grünen Blät- ter oder der Blüthen auftritt. Weder bei Tage nocli zur Nachtzeit, im Schatten und im Sonnenlichte war die Bildung von Kohlenoxyd zu bemerken. Ebenso bildete sich Kohlen- oxyd nur spurenweise bei der Verrottung von Dünger an der Luft. In der atmosphärischen Luft war weder Kohlenoxyd noch irgend ein anderes brennbares Gas nachzuweisen. üeber den Zustand des von den Pflanzen unter ueber den . ^ _, Zustand des dem Einflüsse des Lichtes ausgeathmeten Sauer- von den Stoffs, von S. Cloez.**) — Nach dem Verfasser reagirt der Pfl^nzenaus- von den Pflanzen ausgeathmete Sauerstoff nicht auf ozonome- Sauerstoffe. trisches Papier, sobald dieses dunkel gehalten wird; unter Mitwirkung des Sonnenlichtes tritt jedoch rasch eine Bläuung ein. Bei den Versuchen wurden die Pflanzen unter "Wasser dem Sonnenlichte ausgesetzt. Ueber das Athmen der Blüthen hat Cahours***) ueber das eine Reihe von Untersuchungen ausgeführt, welche zu den Biathen. nachstehenden Schlussfolgerungen geführt haben: 1. Jede Blume nimmt aus der Luft Sauerstofi" auf und giebt dafür Kohlensäure ab, gleichgültig ob die Blume Geruch besitzt oder nicht. Die von verschiedenen Blumen abgegebe- nen Kohlensäuremengen diflferiren oft beträchtlich, selbst wenn jene von gleichem Gewichte sind und in gleicher Entwickelungs- periode stehen. 2. Die Menge der von den Blüthen ausgehauchten Kohlen- säure nimmt unter sonst gleichen Verhältnissen mit der Stei- gerung der Temperatur zu; bei 15 bis 25° C. ist sie sehr be- deutend, dagegen bei 5 bis 10° C. nur noch sehr schwach. 3. Durch die Einwirkung des Lichts wird die Kohlen- säurebildung nur wenig beeinflusst, gewöhnlich ist jedoch die *) Compt. rend. Bd. 60, S. 102. **) Bulletin de la societe chimic. Jahrgang 186.5, S. 86. ***) Compt. rend. Bd. 58, S. 1206. Jahr«ebericht. VIII. in 146 Das Leben der Pflanze. im Lichte ausgehauchte Kohlensäuremenge etwas grösser, als bei völliger Dunkelheit. 4. In reinem Sauerstoff zeigen die Blumen dieselben Er- scheinungen, nur in erhöhtem Grade. 5. Die im Aufblühen begriffene Blüthe (Knospe) entwik- kelt mehr Kohlensäure, als die völlig aufgeblühte, was sich wahrscheinlich durch den lebhafteren Gang des Vegetationspro- zesses bei der aufblühenden Knospe erklärt. 6. Auch in indifferenten Gasen, wie Stickstoff oder Was- serstoff, haucht jede Blüthe etwas Kohlensäure aus. 7. Am lebhaftesten ist die Aufnahme von Sauerstoff und die Abgabe von Kohlensäure bei den Staubfäden und dem Pistille. Leider ist in dem Berichte über die Methode der Untersuchungen nichts Näheres mitgetheilt. Die erhalteneu Resultate stimmen mit den Er- gebnissen der früheren Untersuchungen über diesen Gegenstand von Saus- sure*) überein. ueber das Ucber das Verhalten der Blätter zur atmosphä- L7laZ i'ischen Feuchtigkeit, von Th. Hartig.**) — Unger zur aimo- hat bekanntlich durch Experimente an Pflanzen im abgesperr- sphärischen Raumc nachgewicscn , dass die Blätter der Pflanzen at- reucntig- o / keit. mosphärische Feuchtigkeit in keiner Form aufnehmen. Eine Bestätigung dieser Beobachtung giebt die vorliegende Unter- suchung H artig 's an im Freien wachsenden Bäumen. — Alles natürlich stark gefärbte Kernholz, das der Akazie, des Maul- beerbaumes, der Rüster, Eiche besitzt keine Leitungsfähigkeit für die durch die Wurzeln aufgenommene Flüssigkeit nach oben. Das Stammholz der Buche, Hainbuche, Weide, Pappel, Linde, Rosskastanie ist und bleibt dagegen bis zum Marke leitungs- fähig, so lange es gesund bleibt. Durchschneidet man nun bei Akazien die ungefärbte Splintschicht ringsherum, dann welken die Blätter auch kräftiger Bäumchen schon nach zwei Stunden, selbst wenn die Operation bei Regenwetter ausgeführt wird. Bringt man belaubte Zweige solcher Bäume in einen verschlos- senen Glasballon, so scheiden sie anfänglich nach dem Ringeln des Stammes bedeutende Mengen von Wasserdampf aus, die in mit Wasserdampf völlig gesättigter Luft befindlichen Blätter *) Recherches chimiques sur la Vegetation S. 126. **) Botanische Zeitung. 1865. S. 238, Das Leben der Pflanze. 147 welken aber ebenso rasch, wie die im Freien befindlichen Blät- ter desselben Baumes. Bei Buchen, Birken, Linden, Hain- buchen von 6 bis 8 Zoll Stärke im Stamme, die im Frühjahre 1864 auf 1 bis 2 Zoll vom Marke in gieiclier Weise einge- schnitten wurden, zeigte sich in demselben Jahre keine Ab- weichung ihrer Belaubung gegen unbeschädigte Bäume; im fol- genden Jahre war die Belaubung allerdingä kleinblättriger, aber durchaus spannkräftig. Üeber den Einfluss der Bodenfeuchtigkeit auf lieber den die Vegetation, von Ilienkoff.*) — Fünf gleich grosse ßldenfeuch- Bluraentöpfe wurden mit Gartenerde gefüllt und am 15. Mai "s''"' *"f in jeden Topf sieben gekeimte Buchweizensameu gelegt. Die tion. Töpfe wurden an die Mittagsseite eines unbewohnten Zimmers gestellt und mit verschiedenen Mengen Wasser begossen; es bekamen nämlich: Topf 1. V2 Liter Wasser, » 2. 1/4 „ " o- /8 „ „ „ 4. /16 „ „ Das Begiessen geschah nicht täglich, sondern es wurde für alle Töpfe ausgesetzt, so lange in Topf 1 nicht alles Wasser von der Erde aufgesogen war. Auf diese Weise fand während der ganzen Vegetationszeit von 67 Tagen an 17 Tagen kein Begiessen statt. Im Uebrigen waren die Verhältnisse für alle Töpfe gleich, so dass die in der Entwickelung der Pflanzen hervorgetretenen Verschiedenheiten als Folge der verschiede- nen dem Boden zugeführten Wassermengen zu betrachten sind. Die Pflanzen keimten sehr rasch; am 31. Mai war in Topf 2 und 3 schon die Bildung der Blüthen bemerklich, in Topf 1 zeigte sich dieselbe am 2. Juni, in Nr. 4 am 4. Juni und in Nr. 5 am 6. Juni. Die Entwickelung der Pflanzen war sehr ungleich, in Topf 1 waren die Pflanzen hoch, aber die Stengel etwas schwach, in den Töpfen Nr. 2 bis 5 verhielt sich am 1. Juli die Grösse der Pflanzen ungefähr wie die Zahlen 8:4: 2 : 1. Die Pflanzen in Topf 2 hatten das gesündeste Aussehen, Topf 1 hatte ofiFenbar zu viel Wasser, die übrigen Töpfe zu wenig. Die Ernte wurde am 22. Juli vollzogen, sie ergab Folgendes: ") Annalen der Chemie und Pharmacie. Bd. 136, S. 160. 10* 148 Das Leben der Pflanze. ri Gewicht der Ernte im Gewicht der r^ 2 «^ Topf. frischen Zustande. I 1 ^ getrockneten Ernte. -73 :0 aA 'S SS Im Ganzen O Ol a :0 O g 3« a «3 o CS " OT y, M CS .2 o ö öl«« «3 o a m W m W Liter. 3 Ph > o H W 12; M ^ w PL, cc 3 m 1. 1450 1.580 3030 364 53 382 86 10 170 61 187 1313 o 600 1560 2160 368 31 285 49 5 174,5 84 162 1158,5 3. 4.*) .5. 300 1180 1480 252 46 209 37 Spur 149 99 126 918 250 700 950 ? ? 178 37 Spur ? 9 80 ? 6. 210 600 810 V V 143 V Spur ? y 82 ? 100 Theile Glührückstand enthielten in Milligrammen: Bestandtheile. 1. Kali . . . Natron . . Kalk . . . Magnesia Eisenoxyd Phosphorsäure Schwefelsäure Kieselsäure . 23,06 3,35 24,22 5,42 0,60 10,78 3,89 11,81 23,53 2,01 18,22 3,12 0,34 11,17 5,39 10,36 21,32 3,90 17,68 3,13 Spur 12,59 8,35 10,62 32,91 5,76 Spur 21,35 12,23 25,49 5,27 Spur 11,38 23,82 Spur 13,57 Summa | 83,13 | 74,14 77,59 ; — , — Unverkennbar sinkt auch bei der Sonnenrose die Konzen- tration des Saftes mit der Dauer des Blutens. Der Sonnen- rosensaft zeichnet sich besonders durch den reichen Gehalt an Kieselsäure vor den Säften der Kartofiel- und Tabakpflanzc aus. Bei einem zweiten Versuche wurde der Saft von 20 Sonnen- rosenpflanzen aufgefangen und zusammen analysirt. Die Höhe der 17 Centimeter über dem Boden abgeschnittenen Pflanzen- Zum Theil verschüttet Das Leben der Pflanze. 155 theile betrug durclischnittlicli 126,8 Centimctcr, ihr Gewicht 529,1 Grm. Die gewonnene Saftmenge bclief sich auf 5138 0. C, pro Pflanze also durchschnittlich auf 256,9 C. C. in zwei Tagen. Der Saft enthielt i)er Liter: Organisclie Trockensubstanz 0,800 Grm. Asche ■ 1,3G0 „ Trockensubstanz im Ganzen 2,160 Grm. 1 Liter Saft enthielt: 100 Theile Asche enthielten: Kali 0,24G Grm. 18,15 Natron 0,023 „ 1,72 Kalk 0,334 „ 24,61 Magnesia 0,084 „ 6,16 Eisenoxyd 0,003 „ 0,20 Manganoxydul Spur — Phosphorsäure 0,170 „ 12,50 Schwefelsäure 0,095 „ 6,99 Kieselsäure 0,157 „ 11,58 Chlor 0,025 „ 1,77 Kohlensäure und Verl ust 0,229 „ 16,76 1,3G6 Grm. 100,44 Ab Sauerstoff für Chlo r. 0,00G „ 0,44 1,3G0 Grm. 100,00. Ausserdem enthielt 1 Liter Saft 0,048 Grm. Ammoniumoxyd und eine beträchtliche Menge Salpetersäure. Ulbricht stellte ferner eine Untersuchung über die Ver- änderungen an, welche der aufsteigende Saft in der Pflanze erfährt. Um hierüber Aufschluss zu erhalten, wurden von vier recht gleichmässig entwickelten Sonnenblumenpflanzen zwei dicht über dem untersten Blattansätze (2 Centimeter (?) über dem Boden), die zwei andern 17 Centimeter über dem Boden ab- geschnitten. Die beiden ersten Pflanzen lieferten in 48 Stunden den zur Analyse dienenden Saft; nach dieser Zeit wurden die ausgebluteten Stengelstumpfe 2 Centimeter über dem Boden abgeschnitten und gleichfalls analysirt. Von den beiden dicht über der Erde abgeschnittenen Pflanzen endlich gelangte der unterste 15 Centimeter lange Theil zur Untersuchung. Die Analyse ergab in 100 Theilen: Unterster Stengeltheil vor dem Bluten, nach dem Bluten. Saft. Trockensubstanz . . . lO.GOO 9,548 0,251 Kali 0,4714 0,3867 0,0408 Natron 0,0172 0,0123 0,0048 Kalk 0,1082 0,1057 0,0338 Magnesia 0,0792 0,0574 0,0077 Phosphorsäure .... 0,1 GlO 0,1138 0,0219 Kieselsäure 0,0126 . 0,0161 0,0149. 156 Das Leben der Pflanze. Es scheint hiernach, dass der durch den Stengel gehende Rohsaft bei seinem Durchgange durch die Pflanzenorgane im Zellsafte gelöste oder abgelagerte Stoße hinweggeführt hat; hauptsächlich wurden hiervon die Trockensubstanz, das Kali, die Magnesia und die Phosphorsäure betroffen. Ulbricht nimmt an, dass selbst der unmittelbar über der Erde dem verwundeten Stengel entfliessende Saft nicht als die rohe Nährstofflösung, wie sie der Boden der Wurzel zuführt, anzusehen ist, sondern dass schon in der Wurzel und den untersten Stengeltheilen eine Vermischung mit dem sekundären Bildungssafte Hartig's eintritt. Diese aus mehreren Grün- den sehr wahrscheinliche Annahme findet durch den hohen Gehalt der Blutungssäfte an organischen Substanzen ihre Bestätigung. Eine weitere Untersuchung betraf die Unterschiede in den Saftbestandtheilen bei ungleich entwickelten Pflanzen. Es dien- ten hierzu fünf Sonnenblumenpflanzen mit völlig entfalteter Terminalblüthe (IL) und fünf andere mit noch unentwickelten Blüthenknospen (I.). Die Pflanzen wurden 10 Centimeter über der Erde abgeschnitten. Es enthielt 1 Liter Saft: I. II. Organische Trockensubstanz . 0,870 Grm. 1,070 Grm. Asche . 1,720 „ 1,590 „ Trockensubstanz im Ganzen 2,590 Grm. 2,660 Grm. Kali 0,444 0,400 Natron 0,037 0,033 Kalk 0,304 0,334 Magnesia 0,079 0,084 Eisenoxyd 0,003 0,005 Phosphorsäure 0,263 0,312 Kieselsäure 0,144 0,138. Die beiden Saftproben zeigten nach den Ergebnissen der Analysen nur geringe Unterschiede in ihren Bestandtheilen, nur der Phosphorsäuregehalt war bei den blühenden erheblich höher. Vielleicht lässt sich diese Beobachtung mit dem hohen Phosphorsäuregehalt der Samenaschen in Verbindung setzen. Zu bedauern ist, dass Ulbricht zu dieser Untersuchung Pflanzen wählte, die hinsichtlich ihrer Entwickelung nur wenig auseinander standen; in weiter auseinander liegenden Ausbildungsstadien dürften sich wohl noch bedeutendere Unterschiede ergeben. Endlich theilt der Verfasser noch eine Reihe von Unter- suchungen mit, welche sich auf den Einfluss der Bodenbeschaf- fenheit auf die Zusammensetzung jener Säfte bezieht. Es Das Leben der Pflanze 157 wurden hierzu Sonnenblumenpflanzen in drei verschiedenen Bodenarten, welche zum Theil noch mit Kalk oder Kochsalz gedüngt worden waren, erzogen, beim Beginne der Blüthe ab- geschnitten, und der Saft gesammelt. Die benutzten Bodenarten gaben mit verdünnter Salzsäure (1:3) in der Siedehitze behandelt an diese ab: Sandl)oden. Gartenboden. Mistbeeterde. Kali (),()47-2 0,0833 0,1984 Natron 0,0015 0,0249 0,0456 Kalk 0,1181 1,3858 1,2796 Magnesia . . . 0,0961 0,1922 0,2276 Phosphorsäure 0,0620 0,5492 0,6399 Kieselsäure . . 0,1127 0,2374 0,1547 Glühverlust , . 2,950 5,099 20,174. In den Blutungssäften konnte nur ein Theil der ßestandtheile quantitativ bestimmt werden. Es enthielten 1000 Theile Saft: Kalk. Magnesia. Phosphorsäure Kieselsäure. Sandboden 0,129 0,071 0,169 0,149 Desgl. mit Kalk gedüngt 0,250 0,144 0,234 0,183 Desgl. mit Kochsalz „ 0,279 0,103 0,158 0,165 Gartenboden 0,402 0,074 0,356 0,211 Desgl 0,301 0,065 0,196 0,194 Desgl 0,314 0,049 0,161 0,184 Mistbeeterde 0,303 0,084 0,367 0,287. Es scheint hiernach die Düngung von wesentlichem Ein- flüsse auf die Zusammensetzung des Saftes zu sein; die Kalk- düngung hatte den Gehalt desselben an obigen vier Stoffen ausnahmslos gesteigert; ähnlich, aber minder kräftig, wirkte das Kochsalz auf die Vermehrung der Saftbestandtheile, mit Ausnahme der Phosphorsäure. Auch bei der Garten- und Mistbeeterde ist der Einfluss der Bodenbeschaffenheit nicht zu verkennen. Ueber den Frühjahrssaft der Birke, von Julius ueber den Schröder.*) — Der Birkensaft ist bekanntlich reich an Zucker ; Frühjahrs- ' , ' saft der über die darin vorhandene Zuckerart sind verschiedene An- Birke, sichten ausgesprochen worden, der Verfasser fand, dass nur links drehender Fruchtzucker darin vorkommt, Rohrzucker dagegen nicht darin nachzuweisen ist. Den Ausgangspunkt für die Bildung des Zuckers giebt das im Holzkörper abgela- *) Archiv für die Naturkunde Liv-, Ehst- und Kurlands. II. Serie. Bd. 7, S. 1. 158 Das Leben der Pflanze. gerte Stärkemehl. In der Birke konnte das Stärkemehl in dem ganzen Organismus des Baumes sowohl in dem ober- wie unter- irdischen T heile nachgewiesen werden; in vorherrschender Menge fand es sich im Parenchym der Rinde, nächstdem im Mark- gewebe und den Markstrahlzellen, zum Theil auch in den eigent- lichen Holzzellen, namentlich in den jüngeren, der Rinde zu- nächstliegenden. Die Zellsysteme der jungen Aeste und Triebe zeigten einen auffällig geringeren Stärkegehalt, als die gleich- namigen bei Stamm und Wurzel. Durch den Einfluss der Früh- jahrssonne wird das Stärkemehl in Gummi und dann in Zucker umgewandelt. Dieser Prozess lässt sich zur Zeit noch nicht erklären, eine dabei stattfindende Einwirkung von Säure oder Ferment ist nach des Verfassers Untersuchungen nicht wahr- scheinlich. Es ist anzunehmen, dass das Amylum nur durch den Einfluss der Wärme in Gummi verwandelt wird und dann unter Wasseraufnahme in Zucker übergeht, wobei vielleicht zunächst Rohrzucker gebildet werden mag, der aber dann jedes- mal sogleich am Bildungsort die Form des unlu-ystallisirbaren Fruchtzuckers annehmen muss. Der Auflösungsprozess nimmt im Parenchym der Rinde seinen Anfang und schreitet von da allmählich nach dem Innern zu fort. Am längsten hält sich das Stärkemehl im Stamm und Wurzeln, während es aus den dünneren Aesten schon sehr bald verschwindet. Die Zucker- bildung beginnt schon vor dem Anfang der Periode des Blu- tens; am 12. März liess sich durch Ausziehen von Zweigen und Bohrmehl aus Stamm und Wurzeln mit Wasser schon Zucker nachweisen; ein gleicher Versuch vom 3. Februar war resultatlos geblieben. Am 17. März zeigte sich das Bohrmehl schon feucht und von gebildetem Gummi klebrig, den 24. März begann der Saft auszufliessen und zwar zunächst unmittelbar über der Erde. Für je 1 Meter Stammhöhe verspätete sich das Ausfliessen um etwa 2 Tage. — Der Zuckergehalt des Saftes differirt beträchtlich in den verschiedenen Theilen des Baumes; es erklärt sich dies durch die Umwandlung des Zuckers in Zellulose, welche überall da stattfindet, wo Zellen sich entwickeln. Dadurch wird das Gleichgewicht in der Saft- konstitution gestört und DilTusionsbewcgungen nach den Orten des Verbrauchs hin angeregt. Es entstehen auf diese Weise zwei Strömungen : die eine in vertikaler Richtung zu den sich Das Leben der Pflanze. 159 entwickelnden Blattknospen, die andere in horizontaler, den neuangclegten Jahresring versorgend. Da die Wirkung des vertikalen Stroms die überwiegende ist, so folgt als Gesammt- effekt für den ganzen Baum eine Diftusionsbcwegung des Zuckers von unten nach oben. — Das Maximum des Zuckergehalts liegt zwischen dem Erdboden und derjenigen Stelle des Stammes, wo die Hauptvcrästelung beginnt, in ungefähr 2 bis 3 Meter Stammhöhe. Gefunden wurde: Höhe des Bohrloches von der Erde in Metern. U 1 2 2. April. 7. April, Zuckerprozente. 1,39 1,11 1,32 1,19 1,32 1,31 1,60 1,24 1,29 1,21 0,63 0,74 0,74 0,66. 4 5,5 7 Der Punkt des Maximums ist hiernach kein fester, sondern er rückt während der Periode des ßlutens von oben nach unten zu fort, niemals findet er sich in der Wurzel oder ober- halb der Hauptverästelung. Die Gesammtmenge des im Baume gebildeten Zuckers ist hiernach am 7, April geringer, als am 2. Die Zuckerbildung beginnt in den oberen Theilen des Baumes, weil ihre dünnere Rindeubekleidung dem Eindringen der Wärme einen geringeren Widerstand entgegen setzt, und schreitet von da abwärts fort. Die Gesammtmenge des an einem Tage im Baume enthaltenen Zuckers nimmt zuerst gegen ein Maximum hin zu und vermindert sich von da ab stets mehr und mehr gegen das Ende der Periode. In Folgendem sind die Zucker- bestimmungen des Saftes eines Baumes bei 0,28 Meter Stamm- höhe aufgeführt. Datum. Zuckerprozente. Datum. Zuckerprozente. 5. April 1,72 12. April 1,61 G. „ 1,80 13. „ 1,62 7. „ 1,86 14. „ 1,59 8. „ 1,83 15. „ 1,55 9. „ 1,74 16. „ 1,52 10. „ 1,V1 17. „ 1,49 11. „ 1,68 18. „ 1,41. Die Aenderungen des Zuckergehalts betragen hiernach im Mittel 0,045 pCt. pro Tag. — Die Umbildung des Amylums in Zucker wird im Allgemeinen durch Wärme begünstigt, durch Kälte gehemmt; folgende Zusammenstellung über die Aenderun- gen des Zuckergehalts in dem Safte giebt den Beleg hierfür. 160 Das Leben der Pflanze. Datum. 5.— 6. April 6.- 7. „ 7.— 8. „ 8.- 9. „ 9.-10. „ lO.-ll. „ 11.-12. „ 12.-13. „ 13-14. „ 14.-15. „ 15.-16. „ 16.-17. „ 17.-18. „ Vom 5. Aenderung des Zuckergehalts. 0,08 r 5. 0,06 6. 0,03 7. 0,09 8. 0,03 9. 0,03 10. 0,07 11. — 0,01 12. 0,03 13. 0,04 14. 0,03 15. 0,03 16. 0,08 17. Datum. 5. April Mittel der Tages- temperatur. + 4,53 + 5,43 + 6,91 + 4,70 + 8,21 + 7,73 + 4,46 + 1,55 + 1,84 — 0,07 + 0,60 4-1,12 + 4,36 bis 11. incl. ist die Durchschnittstemperatur für einen Tag +5.99", die tägliche Aenderung in den Zucker- prozenten 0,055 Proz., vom 11. bis 16. incl. das Mittel der Tagestemperatur + 1,01 " und der tägliche Aenderungswerth 0,024 Proz. — Ein Unterschied in Bezug auf die verschiedenen Tageszeiten war dagegen bei der Zuckerbildung nicht zu er- kennen; bei einer Untersuchungsreihe wurden die Zucker- bestimmungen früh, mittags und abends ausgeführt, es ergaben sich hierbei zwar beträchtliche Schwankungen, im Mittel stellte sich jedoch der Zuckergehalt für alle Tageszeiten ganz gleich heraus. — Um die Umwandlung des Zuckers in Zellulose nach- zuweisen, wurden gleichzeitig Bestimmungen des Zuckergehalts in dem Safte aus verschiedenen Stammhöhen des Baumes aus- geführt, welche folgende Resultate ergaben. Zuckerprozente Datum. in 0,28 Meter , in 7,33 Meter Stammhöhe Differenz. 5. April 1,72 1,04 0,68 6. „ 1,80 0,93 0,87 7. n 1,86 1,13 0,73 8. „ 1,83 1,23 0,60 9. „ 1,74 1,28 0,46 10. „ 1,71 . i;34 0,37 11. „ 1,68 1,33 0,35 12. „ 1,61 1,34 0,27 13. „ 1,62 1,28 0,34 14. „ 1,59 1,30 0,29 15. „ 1,55 1,31 0,24 16. „ 1,52 1,31 0,21 17. , 1,49 1,30 0,19 18. „ 1,41 1,19 0,22 Das LebPn der Pflanze. IGl Die Differenz vcrsinnlicht den Fortgang des Zuckerver- brauchs für die Knospenentwickelung; es zeigt sich hierbei zugleich, dass der Verbrauch um so grösser ist, je stärker die Zuckerbildung in Folge hoher Temperatur vor sich geht. Die Aenderungen der Wärme treffen die Entwickelung der Knospen gerade zweimal so stark, als sie die Umbildung des Amylums in Zucker zu modiiiziren vermögen. Berechnet man den rela- tiven Zuckerverbrauch für den unteren und oberen Baumtheil, so zeigt sich, dass am Anfange der Beobachtungszeit der untere eine verhältnissmässig grössere Menge als der obere erhält; im Laufe der Entwickelung tritt dagegen mehr und mehr das Umgekehrte ein. Es ist durch diese Thatsache eine Knospen- entwickelung von unten nach oben angedeutet, was die Beob- achtung bestätigt. Beispielsweise bemerken wir aus den Be- rechnungen des Verfassers, dass von 100 Theilen gebildetem Zucker verbraucht wurden bei einem 16 Meter hohen Baume, dessen Verästelung in 3 Meter Höhe begann: Im untern, 4 Meter langen Baum- Im oberen, 9 M. langen Baum- Datum, ^j^gjj^ ^,pjj 3— 7 Meter Höhe: theil, von 7— 16 M. Höhe: 5. April 40,7 Proz. 59,3 Proz. 12. „ 16,1 „ 83,9 „ 18. „ 15,6 „ 84,4 „ Wie für die UmAvandlung der Stärke in Zucker, so ergab sich auch für die Umwandlung des Zuckers in Zellulose ein gleichmässiges Fortschreiten während der verschiedenen Tages- zeiten. Wenn auch beide Vorgänge durch die Wärme bedingt sind, so war doch der Einfluss der Differenz in der Tages- und Nachttemperatur zu gering, als dass er bei der Unter- suchung deutlich hervortrat. — Auch die Wurzeln der Birke enthalten einen zuckerhaltigen Saft, dessen Zuckergehalt den- selben Gesetzen der allmählichen Abnahme unterliegt, die für den Stamm gelten. Je weiter vom Stamme entfernt und je geringer der Umfang einer Wurzel, desto kleiner ist der pro- zentische Zuckergehalt, z.B.: Datum. Entfernung Umfang der des Bohr- Wurzel ' loches vom 0,16 Meter. Stamme ! 0,12 Meter. Entfernung Umfang der des Bohr- Wurzel 1 loches vom 0,27 Meter. ; Stamme t 0,56 Meter. Umfang der Wurzel 0,12 Meter. Entfernung des Bohr- loches vom Stamme 2,90 Meter. 28. Aprü Jahrcsbe 0,94 Proz. rieht. VIII. 0,97 Proz. 0,bO 11 Proz. Datum. Umfa ng des Baumes, in Metern: 24. April a. 0,57 b. 0,89 c. 1,47 25. April d. 0,28 e. 0,61 30. April f. 1,40 162 Das Leben der Pflanze. Bei verschiedenen Bäumen ergiebt sich oft ein ungleicher Prozentgehalt des Saftes an Zucker, hierauf ist nicht das Alter der Bäume, wohl aber — wie oben gezeigt wurde — der Grad der Knospenentwickelung von Einfluss. Die bei verschiedenen Bäumen vorkommenden Unterschiede zeigt z. ß. folgende Uebersicht: Zuckergehalt des Saftes unmittelbar über der Erde: 1,07 Proz. 1,25 „ 1,66 „ 0,96 „ 0,79 „ 0,47 „ Das in dem Birkenwasser enthaltene Albumin nimmt nach Analogie des Zuckers in der ersten Zeit bis zu einem Maximum zu und vermindert sich von da ab gegen das Ende der Periode, wodurch es in gleicher Weise wie der Zucker als Reservestoflf charakterisirt wird. 1 Liter Birkensaft enthielt: Datum. Albumin. 28. März 0,0200 30. „ 0,0287 2. April 0,0241 3. „ 0,0307 4. „ 0,0830 5. „ 0,0213 12. „ 0,0273 15. „ 0,0165. Im Birkensafte ist Aep feisäure enthalten, dagegen konn- ten freie Kohlensäure, Oxalsäure, Weinsäure und Citronensäure nicht nachgewiesen werden. Die Menge der Aepfelsäure nimmt im Allgemeinen mit der Dauer der Periode zu, wärmere Tem- peratur unterstützt, kältere hemmt die Zunahme. 1 Liter Birkensaft enthielt: Datum. Albumin. 16. April 0,0155 19. „ 0,0170 20. „ 0,0065 22. „ 0,0068 24. „ 0,0072 25. „ 0,0099 7. Mai 1,0069. Datum. Aepfelsäure. Datum. Aepfelsäure. 30. März 0,3324 17. April 0,5642 2. April 0,2340 19. „ 0,5280 4. „ 0,4493 25. „ 0,4364 6. „ 0,5157 27. „ 0,4207 8. „ 0,5203 29. „ 0,3564 10. u. 11. „ 0,3794 1. Mai 0,3459 13. „ 0,5564 7. „ 0,4379. 15. „ 0,6071. Das Leben der Pflanze. 163 Die Aepfelsäure sieht der Verfasser als ein Produkt der in dem Baume wirksamen Reduktionsthätigkeit an, durch welche zunächst die Reservostoffe zu Neubildungen umgewandelt wer- den, bis mit der Entwickelung der Blätter die Assimilation von Kohlensäure beginnt. Der Gehalt des Birkensaftes an Mineralbestandthei- len war am grössten unmittelbar über der Erde und nahm nach dem Gipfel und den Wurzelendpunkten hin ab. So wur- den gefunden in 1 Liter Saft: T^ i «, Stammhöhe d „ Höhe „ , I^at"™- in Meter, ^alze. -^ ^^^^^ Salze. 6. April 0,28 0,52 7,33 0,29 8. u. 9. „ 0,28 0,66 7,33 0,34 10. u. 11. „ 0,28 0,82 7,33 0,42 18. „ 0,28 1,14 7,33 0,54 25. „ 0,20 — Wurzel 0,42 Entfernung vom Stamme 0,81 28. „ 0,20 0,87 „ 0,42 „ „ „ 0,78 28. „ - - „ 2,90 „ „ „ 0,68. Die Gesammtmenge der Mineralbestandtheile nimmt nach Analogie der Aepfelsäure im Allgemeinen vom Anfange der Periode nach dem Ende hin zu, die Temperaturunterschiede zeigen hierbei ähnlichen Einfluss wie bei jener. Gefunden wur- den in 1 Liter Birkensaft: Datum. Salze. Datum. Salze. 30. März 0,50 16. April 1,06 1. April 0,53 20. „ 1,08 3. „ 0,57 24. „ 0,86 5. „ 0,64 28. „ 0,88 7. „ 0,72 30. „ 0,86 9. „ 0,87 2. Mai 0,91 12. „ 0,90 6. „ 0,97. 14. „ 1,00 lieber die prozentische Zusammensetzung der im Birken- säfte enthaltenen Mineralbestandtheile giebt folgende Zusammen- stellung Auskunft. Die Proben Nr. 1 — 8 stammen von demselben Baume und zwar aus 0,28 und 7,33 Meter Stammhöhe, Nr. 9—12 sind von einem anderen Baume entnommen. ir 164 Das Leben der Pflanze. Bestandtheile. 1. 2. Unten. Oben. 3. I 4. Unten. ! Oben. 5. I 6. Unten.' Oben. Unten. Oben. Kali Natron . . . . . Magnesia . . . Kalk Eisenoxyd . . . Phosphorsäure Chlor Schwefelsäure . 6. April. 16,31 2,11 7,7.5 29,37 0,22 4,86 1,21 2,01 30,30 2,73 7,15 15,83 0,23 7,72 1,88 2,33 8. und 9. April. 12,92 127,48 1,63 ' 1,37 9,83 i 9,39 35,35 ,23,25 0,19 1 0,24 4,12 I 5,49 0,97 I 1,.3S 2,09 1 1,94 10. u.U. April. 10,90 1,30 8,61 38,78 0,38 4,28 24,03 1,88 8,59 27,77 0,27 6,33 18. April. 24,05 2,06 4,18 39,74 0,49 7,56 2,13 8,04 26.36 0,54 5,38 I Bestandtheile. Kali Matron Magnesia . . . Kalk Eisenoxj^d . . . Phosphorsäure 9. Stamm in 0,20 Meter Höhe. 27. April 16,04 3,19 11,12 27,87 0,98 3,33 10. 11. Wurzel Wurzel 0,42 Meter vom Stamm. 25. April 28. April 21,47 4,37 9,42 25,30 0,66 3,84 19,26 2,72 7,71 25,18 0,43 5,26 12. Wurzel 2,90 Meter vom Stamm. 28. April 22,06 4,01 9,52 23,33 0,99 4,94 1 Liter Birkenwasser enthielt: Bestandtheile. 1. 2. 3. 4. 5. 6. Kali 0,0848 0,0873 0,08.52 0,0934 0,0893 0,1009 Natron .... 0,0109 0,0078 0,0107 0,0046 0,0107 0,0078 Magnesia . . . 0,0403 0,0204 0,0648 0,0319 0,0705 0,0360 Kalk 0,1527 0,0456 0,2333 0,0790 0.3180 0,1166 Eisenoxyd . . 0,0011 0,0006 0,0012 0,0008 0,0031 0,0011 Phosphorsäure 0,0252 0,0222 0,0271 0,0186 0,0350 0,0265 Chlor 0,0062 0,(J054 0,0064 0,0046 — — Schwefelsäure 0,0104 0,0061 0,0137 0,0065 — — Bestandtheile. 7. 8. 9. 10. 11. 12. Kali 0,1000 0,1298 0,1404 0,1555 0,1636 0,1502 Natron .... 0,0235 ! 0,0115 0,0279 0,0219 0,0332 0,0272 Magnesia . . . 0,0476 1 0,0434 0,0973 0,0622 0,0715 0,0647 Kalk 0,4530 0,1423 0,2540 0,2038 0,1922 0,1586 Eisenoxyd . . 0,0046 ! 0,0029 0,0085 0,0034 0,0050 0,0067 Phosphorsäure 0,0862 i 0,0290 0,0291 0,0424 0,0291 0,0335 Aus diesen Untersuchungen geht Folgendes hervor: das Kali ist im Safte der höheren Stamratheile und entfernter ge- legenen Wurzeln in grösserer Menge vorhanden und vermindert sich von da nacli der Mitte zu. Der Kalk, die Magnesia und wahrscheinlich auch das Eisenoxyd sind dagegen umgekehrt in den niederen Stammtheilen in grösserer Menge enthalten und Das Leben der Pflanze. 1G5 vermindern sich mit der Zunahme der P]ntfernung nach dem Gipfel und der Wurzelspitze. Die Phosphorsäure tritt in der Wurzel in grösserer Menge auf als im Stamme und nimmt in Letzterem der Höhe proportional ab. Die Vertheilung des Natrons lässt keine Gesetzmässigkeit erkennen, eine Analogie mit dem Kali ist jedenfalls nicht vorhanden. Chlor und Schwe- felsäure zeigen eine Verminderung mit Zunahme der Stammhöhe. Da der Kaligebalt des Birkensaftes am höchsten in den Wm-zelu und den höheren Stammtheilen gefunden ist, so müssen, wenn die Aufnahme der Nahrungsflüssigkeit durch die Wurzeln und ihre Aufwärtsleitung durch Diffusion geschieht, zwei einander begegnende Strömungen nach dem Mit- telpunkte hin gehen. Für den Kalk, der im Stamme in grösster Menge \or- handen war, und für die Magnesia werden umgekehrt zwei Strimiungeu nach der "Wurzel einerseits und nach dem Gipfel andererseits stattfinden. Die Phosphorsäure wird sich dagegen in einem einzigen Difl'usionsstrome von unten nach oben verbreiten. Es scheinen hiernach in der Frühjahrs- periode eigenthümliche Verhältnisse in dem Baume stattzufinden, die sich später unter Mitwirkung der Blätter anders gestalten. Wahrscheinlich ist eine vorherrschende Aufnahme von Phosphorsäure und Kali bei dem ersten Erwachen des Lebens, wogegen eine Aufnahme von Kalk in dieser Periode nicht stattzufinden scheint. Der Verfasser theilt endlich noch eine Reihe von Aschen- analysen der verschiedenen Theile der Birke mit. Das Mate- rial hierzu wurde Ende August einem Baume von 0,80 Meter Umfang entnommen. Der Baum wurde in folgender Weise zerlegt: 1. Blätter mit den Blattstielen. 2. Zweigholz. Die Zweige von 5 -8 Millimeter Durchmesser. 3. Die Rinde dieser Zweige. 4. Die weisse Rinde des Stammes, von der Borke getrennt. 5. Die Borkschicht incl. Cambium. 6. Stammholz aus 1,5 Meter Höhe, Peripheriestück. 7. Stammholz, Centralstück. 100 Theile des Stammes ergaben: Holz 90,51 Borke 6,28 Rinde 3,21. 100 Theile Stammholz ergaben: Peripheriestück . 62,18 Centralstück . . . 37,82. 100 Theile der ganzen Stammrinde ergaben : Weisse Rinde . . 33,88 Borke 66,12. 100 Theile Asche enthielten : 166 Das Leben der Pflanze. Bestandtheile. 1. ü :"c8 s 2. ÖD 'S 3. 'S _a 'E .SP 'S N Stammholz, Pe- ripheriestück. • Stammholz, ^ Centralstück. • 6. "o . a ÖD 7. • -r» • ' 1 "\ TT Veriinrierun- früchtc beim Reiten hat A. Beyer'-'') Untersuchungen an- ge„ der s;a- gestellt. Es wurde hierbei von der Zeit an, wo die Stachel- «heibeeren beeren noch sehr klein waren, bis zur Reife in Perioden von 3 bis 4 Tagen der Gehalt an Zucker, freier Säure, Protein- stoffen, Trockensubstanz, Asche und Fett bestimmt. Die Re- sultate dieser Untersuchungen giebt die nachstehende Tabelle, in welcher die Gesammtmenge der freien Säure als Aepfel- säure berechnet ist: für die Zeit vom 19. Juni bis 18. Juli wurde auf elementaranalytischem Wege die Abwesenheit anderer freier organischer Säuren konstutirt. *) Die landwirlhschaftlichen Versuchsstationen. Bd. 7. S. 355. 174 Das Leben der Pflanze. Datum. 1 Wasser. 1 Zucker. Pro- tein. Aepfel- säure. Fett. Asche. Anderweitige stickstofffreie Bestandtheile. 100 Theile frische Substanz enthielten 7. Juni . . 1,736 1,08 -^, — 13. „ . . 88,8 1,826 1,.52 1,60 0,481 0,624 5,14 16. „ . . 88,8 2,06 1,51 1,60 0,614 0,603 4,81 20. „ . . 88,4 2,08 1,54 1,87 0,813 0,626 4,67 23. „ . . 88,3 2,51 1,61 1,92 — 0,614 — 27. „ . . 88,0 2,54 1,76 1,95 0,840 0,624 4,30 30. „ . . 87,9 2,58 1,90 2,14 — 0,617 — 4. Juli . . 87,7 2,62 1,84 2,14 0,911 0,627 4,15 7. „ . . 87,7 2,76 1,88 2,01 0,885 0,623 4,14 11. „ . . 87,7 2,76 — 1,87 — 0,615 — 14. „ . . 87,6 2,78 1,67 1,87 0,885 0,617 4,57 17. „ . . 87,7 2,80 1,66 1,84 0,744 0,541 4,71 21. „ . . 87,3 3,02 1,68 1,84 — 0,553 25. „ . . 86,0 3,14 1,78 1,87 0,838 0,565 .5,80 28. „ . . 85,7 3,30 1,70 1,87 0,840 0,553 6,03 1. August . 85,2 3,82 1,58 1,85 0,917 0,532 6,10 4. 83,5 4,45 — 1,79 — 0,503 — 8. „ . 81,9 5,54 1,57 1,68 1,122 0,443 7,84 100 Theile Trockensub stanz ent hielten 13 Juni . . — 16,30 13,6 14,28 4,3 5,58 45,94 16. „ . . — 18,42 13,5 14,28 5,49 5,39 42,92 20. „ . . — 17,9 13,3 16,12 7,1 5,4 40,18 23. „ . . — 21,3 13,8 16,39 — 5,25 — 27. „ . . — 21,1 14,7 16,25 7,0 5,2 35,75 30. „ . . — 21,3 15,5 17,68 5,1 — 4. Juli . . — 21,3 15,0 17,40 7,5 5,1 33,70 7. „ . . — 22,4 15,3 16,34 7,2 5,08 33,68 11. „ . . — 22,4 — 15,20 — 5,03 — 14. „ . . — 22,4 13,5 15,08 6,9 4,98 37,14 17. „ . . — 22,7 13,5 14,96 6,2 4,4 38,24 21. „ . . — 28,8 13,25 14,53 — 4,36 — 25. „ . . — 23,8 13,25 13,85 6,21 4,19 38,70 28. „ . . — 23,5 12,18 13,42 6,0 3,95 40,95 1. August . — 25,8 10,68 12,50 6,2 3,6 41,22 4. „ . — 26,9 — 10,85 3,05 — 8. „ . — 30,6 8,7 9,28 6,2 2,45 42,77 Aus diesen Untersuchungsresultaten ergiebt sich für die Zu- oder Abnahme der einzelnen Bestandtheile während des Reifens Folgendes: 1. Das Wasser nimmt mit der Reife ab, in Folge dessen der Trockensubstanzgehalt zu. 2. Der Zucker nimmt sowohl in der frischen, als auch in der trocknen Sub- stanz konstant zu. 3, Der Gehalt an Säure ist in der Mitte der Entwickelung am stärksten. Die Abnahme gegen das Ende des Reifens tritt bei der frischen Substanz nur wenig, mehr bei der Trockensubstanz hervor. 4. Die Mineralbestand- theile nehmen in beiden Fällen konstant ab. Es beweist dies, Das Leben der Pflanze. 175 dass die Frciny 'sehe Meinung, nach welcher die Säuren beim Reifen durch Basen neutralisirt werden sollen, unrichtig ist. 5. Die Protein Stoffe zeigen dasselbe Verhalten wie die freie Säure. Sie nehmen anfangs etwas zu, dann wieder ab, in der frischen Substanz zwar sehr wenig, auf Trockensubstanz berechnet je- doch sehr bedeutend. 6. Der Fettgehalt scheint konstant zuzunehmen. Bei der Trockensubstanz ist er gegen die Mitte der Reife am stäi'ksten, nimmt aber dann nur unbedeutend ab. Der Verfasser ist geneigt, dem neutralen Fette eine wesentliche Rolle bei der Stoömetamorphose der reifenden Früchte zuzu- schreiben. 7. Mit der schnellen Zunahme des Zuckers in den letzten Tagen des Reifens ist auch eine rasche Vermehrung der durch Differenz bestimmten übrigen stickstofiYreien Be- standtheile zu bemerken. Es scheint also die Zuckerbildung mit der Bildung der letzteren gleichen Schritt zu halten. Ob dabei die Säuren in höher organisirte Körper umgebildet wer- den oder nur die Anregung zur Zuckerbildung geben und dabei eine Zersetzung erleiden, ist nicht zu entscheiden. Da wo in einzelnen Fällen die Zunahme, z. B. des Zuckers, eine sehr rasche erscheint, war sehr häufig der plötzliche Eintritt sehr warmer Witterung die Ursache. Bei der Betrachtung der Zahlenreihe bemerkt man in der Mitte der Reife einen Punkt, wo die Zunahme einzelner Bestandtheile eine Veränderung er- leidet. Dieser Wendepunkt fällt genau mit der Zeit zusammen, in der sich in den Schalen rother Farbstoff entwickelt. Es scheint hiernach, dass die grüne Schale, welche anfänglich die Funktion der grünen Blätter besitzt, von da ab ihre Thätig- keit ändert. Bezüglich der Veränderungen der Früchte beim Aufbewahren fand Beyer, dass der Zuckergehalt hierbei nicht unbedeutend zu-, der Säuregehalt dagegen abnahm. Zu bedauern ist, dass die einzelnen Untersuchungsperioden nicht durch eine Beschreibung des üntersuchungsniaterials näher charakterisirt sind. lieber die Zu- und Abnahme des Stärkegehalts der Kartoffelknollen hat Fr. Nobbe*) Untersuchungen „ahme des ausgeführt. ^''^'^^- 1 T\ • 1 •^ ^ gehalts der 1. Die Ausbildungder Knollen am lebenden Stamme. Kartoffeln. Da die grünen Organe der Kartoffelpflanze der Bildungs- heerd der Stärke sind, so ist anzunehmen, dass der absolute *) Die landwirthschaftlichen Versuchsstationen. Bd. 7, S. 451. L'tber die 176 Das Leben der Pflanze. Gehalt der Pflanzen an Stärkemehl und damit der des unter- irdischen Reservoirs dieses Reservestoffes so lange zunehmen muss, als diese Organe in einem lebensthätigen Zustande sich befinden. Die Erzeugung der Stärke in der oberirdischen Pflanze kann nun entweder mit der Progression des äusseren Umfanges der Knollen gleichen Schritt halten oder hinter der- selben zurückbleiben, oder auch sie übertreffen. Dass Letzteres der Fall und die Knollen mit dem Alter nicht blos absolut, sondern auch prozentisch stärkereicher werden, ist bereits längst bekannt, von Nobbe aber durch genaue Untersuchungen noch bestimmter nachgewiesen worden. Da über diesen Gegenstand bisher nur wenig exakte Untersuchungen gemacht sind, so theilen wir die von dem Verfasser ermittelten Ergebnisse mit. Es wurden in fünf verschiedenen Terminen je eine Anzahl Stöcke der sächsischen Zwiebclkartoffel ausgehoben, die vorhandenen Knollen nach ihrer Grösse in acht P^ntwickelungsstufen surtirt und analysirt. üeber die ^ egetationszeitdauer bis zu den einzelnen Perioden ist leider nichts be- merkt, ebenso wenig ist augegeben, ob die untersuchten Knollen zu glei- cher Zeit geerntet worden waren. Die Zusammensetzung der Knollen war nach der Analyse von Siegert folgende: Entwickelungsstadium. I. IL m. IV. VI. VII. ! VIII. Trockensubstanz Wasser Asche Stärke Protein, Zellulose, Pektin etc. Durchschn. Gewicht in Grammen 17,90 20,38 82,10 79,G2 1,31 0,94 11,01 14,.55 5,58 4,89 26,59 73,41 1,12 19,94 5,53 22,80 ■ 27,50 77,20 0,82 17,42 4,56 5-6 25,64 72,50 74,36 1,10 0,85 20,35 120,28 6,05 I 4,51 10-12 20—22 29,22 ' 31,16 70.78 68,84 0,82 0,87 23.79 I 25,74 4,61 4,55 50 100. 0,150,15-0,5 2—3 Mit vorschreitendem Alter und bis zur Reife der Kartoffel- knollen nimmt hiernach der Prozentgehalt derselben an Stärke- mehl unzweideutig zu. Bei günstiger Witterung entspricht daher jeder Verzögerung der Ernte, so lange das Laub noch grünt, ein positiver Gewinn an Stärkemehl. Diese Thatsache ist den Landwirthen nicht unbekannt, trotzdem machen, wie im Jahre 1865, Rücksichten auf die Kartoffelkrankheit und auf das Auswachsen der Kartoflclknollen unter Umständen eine zeitige Ernte wünschenswerth. 2, Die Degeneration der Kartoffel bei der Aufbewahrung, Bekanntlich erfahren die Kartoffeln bei der Aufbewahrung einen Verlust an Wasser und orffanischcr Substanz, welche Das Leben der Pflanze. 177 letztere unter dem Einflüsse des atmosphärischen Sauerstoffs theilweise oxydirt wird. Nobbe hat diese Veränderungen der Kartoffeln genauer untersuclit und dabei zugleich den Ein- fluss der äusseren Verhältnisse des Winterlokals auf dieselben studirt. Je zwei mittelgrosse Zwiebelkartoffeln von bestimm- tem Gewichte und Stärkegehalte wurden theils in dem zer- streuten Tageslichte des Laboratoriums, theils am Boden eines dunkeln Wandschrankes unter Glasglocken aufbewahrt, welche letztere den Luftzutritt jedoch nicht ganz abschlössen. Unter je einer Glocke w^urde die Luft durch Schwefelsäure getrocknet, unter die entsprechende zweite Glocke dagegen ein Gefäss mit Wasser gestellt. Die Temperatur des Zimmers schwankte meistens zwischen 10 bis 22" C, die im Schranke zwischen 10 bis 16 -' C; bei vier Versuchsabtheilungen wurde die Wärme künstlich auf 25 bis 35 ° C. erhöht. Es wurden so 8 Versuchs- abtheilungen gebildet, die sich durch die Art der Aufbewahrung der Knollen unterschieden. Diese geschah: V. dunkel -trocken -kühl, VI, dunkel- trocken -warm, VII. dunkel -feucht -kühl, VIII. dunkel -feucht -warm. I. hell -trocken -kühl, II. hell - trocken - warm, m. hell -feucht -kühl, IV. hell -feucht -warm, Hieran schloss sich noch eine IX. Abtheilung, bei welcher die Knollen in einem Aspirator eingeschlossen waren, durch welchen Luft geleitet wurde. Die Versuchsknollen wurden von 8 zu 8 Tagen gewogen und dabei zugleich die Veränderungen des spezifischen Gewichts ermittelt. Wir beschränken uns dar- auf das Endresultat, welches sich nach Verlauf eines sechs- monatlichen Zeitabschnittes herausstellte, zu referiren, die er- langten Ergebnisse sind dabei nach den drei Faktoren: Licht, Wärme und Feuchtigkeit geordnet: Verlust. kühl 34,05 Proz. warm 57,05 „ kühl 34,50 „ ■warm 68,75 „ kühl 20,15 „ •warm 57,70 „ \ kühl 13,35 „ / warm 62,10 „ 12 Verlust. \ hell 34,05 Proz ) dunkel 34,50 „ \ hell 57,05 „ i dunkel 68,65 „ hell 20,15 „ dunkel 13,35 „ hell 57,70 „ dunkel 62,10 „ Jahresbericht. VIII. trocken -kühl- trocken - warm- feucht - kühl- feucht-warm- trocken - hell- trocken -dunkel- feucht- hell- feucht- dunkel 178 Das Leben der Pflanze. kühl -hell- kühl -dunkel- warm -hell- warm - dunkel- \ trocken 34,05 Prozent. ) feucht 20,15 trocken 34,50 „ feucht 13,35 trocken 57,05 „ feucht 57,50 „ \ trocken 68,75 „ j feucht 62,10 Hieraus i.st ersichtlich, dass auf den Gewichtsverlust der Kartoffeln in erster Linie die Wärme, in zweiter die Feuchtig- keit des umgebenden Raumes, erstere in positivem, letztere in negativem Sinne einwirken. Der Luftzutritt scheint ohne Ein- fluss zu sein. Bei dem Aspiratorversuche lieferten zwei Knollen von zusammen 176,69-t Grm. Anfangsgewicht in 6 Monaten 29,921 Grm. Wasser und 8,523 Grm. Kohlensäure. Die Kohlen- säureentwickelung zeigte sich während der Versuchszeit ziem- lich konstant, dagegen nahm die Transpiration von Wasser im März mit dem Lebhafterwerden der Keimung zu. Die auf- gefangene Kohlensäuremenge entspricht nur etwa einem Drittel des gesammten verlorenen Stärkemehls, die übrigen zwei Drittel sind theils bei der Keimung in ZcllstoflF verwandelt, theils auch (in geringer Menge) als Kohlenoxyd und Kohlenwasserstoffe, überhaupt in solcher Form entwichen, welche nicht mit der Kohlensäure aufgefangen wurde. Nach Abschluss des Versuchs wurden die Knollen von Kleckl auf Trockensubstanz, Stärke, Stickstoff und Asche analysirt, die Resultate enthält nachstehende Zusammenstellung. Gewicht der Stick- Gehalt an Stärke Abthei- Knollen beim Trocken- Asche. st off- bei Be- am Ende lung. Schlüsse des substanz. haltiae ginn des des Ver- Versuchs. Stoffe. Versuchs. suchs. Orammen. Prozeot. Prozent. Prozent. Prozent. Prozent. I. 89,712 30,75 1,28 2,69 18,00 21,89 II. 48,623 47.51 2,71 8,01 21,18 29,40 m. 120,305 26,74 1,14 1,21 22,77 18,50 IV. 63,110 46,13 2,47 5,70 22,48 27,69 V. 98,572 31,22 1,81 2,39 20,85 19,30 VI. 68,275 50,40 2,92 5,19 19,89 34,06 VII. 121,954 24,98 1,19 1,43 23,38 17,43 VIII. 37,671 • 52,22 2,.50 3,11 26,49 38,22 IX. 145,044 25,52 1,17 1,925 24,75 16,53 Ueberall bei wärmerer Aufbewahrung der Kartoffeln hat deren Prozentgehalt an Stärkemehl eine bedeutende Zunahme Das Leben der Pflanze. 179 erfahren. Die feucht und kühl uufbcwahrten Knollen weisen eine geringe Abnahme nach, ebenso die im Aspirator, die trocken und kühl aufbewahrten sind sich nahezu prozentisch gleich geblieben. Aclmliches gilt für die Aschenmenge und die stickstoffhaltigen Stoffe. Da aber diese Veränderungen in hohem Grade von dem Wasservcrluste der Knollen beeinflusst werden, so hat Nobbe die am Schlüsse des Versuchs gefun- denen Mengen der Bestandtheile auf das ursprüngliche Gewicht der Knollen beim Beginn des Versuchs umgerechnet. TTrsprüng- Stickstoff- 100 Theile Abtheilnng. liches Stärke. haltige , Asche. Stärke redu- Gewicht. Stoffe. zirten sich Prozent. Prozent. Prozent. 1 Prozent. auf I. 136,437 15,8 1,587 0,84 87,8 IL 113,794 12,5 1,658 1,16 59,0 m. 150,692 14,8 1,321 ; 0,91 65,0 IV. 151,413 11,5 1.499 1,03 50,8 V. 150,901 12,6 1,540 1,18 60,4 VI. 182,055 12,7 1,337 1,09 63,9 VII. 140,905 15,1 1,512 , 1,02 64,6 vin. 99,302 14,4 1,209 , 0,95 54,4 IX. 176,694 13,6 1,578 j 0,96 54,5. Es unterliegt hiernach keinem Zweifel, dass die Kartoffeln unmittelbar nach der Ernte den höchsten Gehalt an Stärke und stickstoffhaltigen Stoffen (der Durchschnittsgehalt frisch geernteter Zwiebelkartoffeln zu 2,66 Proz. stickstoffhaltiger Stoffe angenommen) besitzen. Die grösste Einbusse an Stärke erlitten die feucht -warm aufbewahrten Knollen, die geringste die hell, trocken und kühl gehaltenen. Die Bedingungen, welche die Lebensthätigkeit der Knollen anregen, sind der Konser- virung ihrer Bestandtheile nachtheilig. Es ergiebt sich hier- aus für die Aufbewahrung der Kartoffeln, dass durch mög- lichsten Abschluss der Feuchtigkeit und Wärme, natürlich ohne den Gefrierpunkt zu erreichen, die Keimung der Kartoffeln ver- hindert werden muss. lieber die Behandlung der Keime bei diesen Versuchen, namentlich bei der chemischen Analyse, findet sich nichts bemerkt. 3. Die Erschöpfung der Saatkartoffel durch die Vegetation. Es ist bekannt, dass die Stärke der Mutterknolle der jun- gen Kartoffelpflanze die erste Nahrung liefert, bei grösseren 12* 180 I^äs Leben der Pflanze. Saatknollen findet man aber oft zur Reifezeit der daraus her- vorgegangenen Kartoffeln noch stärkehaltige Reste der Mutter- knollen in der Erde vor. Nobbe fand, dass die Konsumtion der Stärke nach begonnener Vegetation sich nicht gleichmässig durch das Knolleninnere vertheilt, sondern dass sich zunächst die Nachbarschaft der Gefässbündel erschöpft. Erst später werden die entfernteren Zellgewebstheile in diesen Auflösungs- prozess hineingezogen. Den Substanzverlust keimender Kar- toffeln bestimmte Nobbe an Knollen, weichein einem dunklen Glase ohne Erde starke Keimtriebe und an denselben zahl- reiche, zum Theil haselnussgrosse Brutknollen erzeugt hatten. Nach Entfernung der Sprossen enthielten die Mutterknollen 77,79 Proz. Wasser, also 22,21 Proz. Trockensubstanz, und diese bestand aus: 1,97 Prozent Zellulose, 14,91 „ Stärke, 4,11 „ stickstoffhaltige Stoffe, 1,22 „ Asche. Da die sächsische Zwiebelkartoffel einen Stärkegehalt von über 20 Proz. zu enthalten pflegt, so ergiebt sich ein Substanz- verlust von 5 bis 10 Proz., der noch bedeutender sich heraus- stellen würde, wenn nicht zugleich ein Verlust an Wasser stattgefunden hätte. Im Erdboden trat eine noch viel auf- fälligere Erschöpfung der Mutterknollen ein: 15 Saatknollen von durchschnittlich 76 Grm. Gewicht und mit je 12 Augen wurden ausgepflanzt und, nachdem jede im Mittel vier Laub- sprossen von zusammen 150 Grm. Gewicht und 11 Knollen ä 5,4 Grm. gebildet hatten, geerntet. Die Mutterknollen er- schienen noch vollkommen frisch nnd straff, sogar härter, als bei der Aussaat, im Durchschneiden spröde und von Wasser strotzend. Sie wogen durchschnittlich 56 Grm., hatten mithin 20 Grm. an Gewicht verloren und enthielten nur 4,47 Proz. Trockensubstanz, welche folgendermassen zusammengesetzt war: 2,11 Prozent Zellulose, 1,60 „ Stärke, 0,34 „ stickstoffhaltige Stoffe, 0,42 „ Asche. Eine ähnliche Konsumtion der Mutterknollen tritt nach Nobbe oft ein; sie beweist, dass die junge Pflanze während der Keimungsperiode die mütterlichen Reservestoffe wirklich Pflanzeukultur in wässerigen Nährstofflösungen. 181 aufbraucht und motivirt die Wahl grosser, unzerschuittener Knollen zur Aussaat. — Wir verweisen schliesslich noch auf folgende Abhandlungen: Ueber den Einfluss der verwesenden Pflanzenrestc auf die nachfol- gende Vegetation, von V. H. Schröder. *) Die Funktionen der Pflanzenniihrstoffe, von W. Schumacher.**) Wachsen die Pflanzen auch während des Winters und setzen sie ihr Eruährungsgescbäft fort oder nicht? von Theilen.***) Einiges über Pflanzenernährung und über chemisches und physikali- sches Verhalten des Bodens, von Peter Kreuz, f) La plante et ses conditions, par M. Kolb. t^) Die Ernährung der Pflanzen, fff) Die Diffusion bei der Pflanzenernährung, von W. Schumacher.*!) Einfluss der Wärme auf das Wachsthum der Pflanzen, von J. Nessler.**t) Methodische Aiileituug zen in Wasser. Pflanzenkultur in wässerigen Nährstofl"- lösungen. Methodische Anleitung zur Erziehung von Land pflanzen in Wasser, von Fr. Nobbe.***t) — Der Verfasser ^^, Eme- hält es zunächst für nothwendig, die Pflanzen, bis auf die ab- huug von " . Landpflan- norme Modifikation, dass ihr gesammtes Wurzelsystem stetig von fliessendem Wasser, welches Salze gelöst enthält, umgeben ist, in allen übrigen Lebensbedingungen: Besonuung, Erwär- mung, Luftwechsel u. dergl. soweit irgend thuulich den nor- malen Verhältnissen der Landpflanzen anzupassen und die Methode mögliehst zu vereinfachen. Das Verfahren von Hell- riegel, mittelst einer Art Eisenbahn die Pflanzen, so oft es angemessen erscheint, ins Freie zu befördern, ist für die Wasserkulturen sehr empfehlenswerth. In Ermangelung einer solchen Vorrichtung emptiehlt sich ein Vegetationshaus, wel- *) Zeitschrift für deutsche Landwirthe. 1866. S. 66. **) Agronomische Zeitung. 1865. S. 209. ***) Oldenburgisches landwirthschaftliches Blatt. 1865. S. 47. t) Zeitschrift für den landwirthschaftlichen Verein des Grossherzog- thums Hessen. 1865. S. 127. tt) Revue horticole. 1865. S. 415. Ift) Berliner landwirthschaftlicher Anzeiger. 1865. Nr. 17. *t) Agronomische Zeitung. 1865. S. 2. **t) Badisches landwirthschaftliches Wochenblatt. 1865. S. 302. ***t) Die landwirthschaftlichen Versuchsstationen Bd. 7, S. 68, 182 Pflanzeukultur iu wässerigen Nährstofflösungen. ches, ausser den beiden nach NO und SW belegenen Stein- giebelwänden ganz aus Eisen und G-las mit Sattelglasdach er- baut, den Strahlen der aufgehenden und scheidenden Sonne oflfen liegt, und an welchem ein Mechanismus zur Hinwegnahme sämmtlicher Seiten- und Dachfenster jederzeit eine beliebige Lüftung und eine freie Sonnenbeleuchtung zu geben gestattet. — Die Grösse der Versuchsgefässe ist nicht ohne Einfluss auf die Entwickelung der Pflanzen. Bei der Mehrzahl der ein- jährigen Kulturpflanzen sind Glascylinder von 3 Liter Inhalt für ein Individuum ausreichend, doch verwendet Nobbe unter Umständen auch weit grössere, bis zu 28 Liter fassende Ge- fässe. — Die Befestigung der Pflanzen geschieht durch Ein- spannen in Korkklammern. Die Versuchsgefässe werden mit Papphülsen, welche zurückgeschlagen werden können, um- schlossen und mit Pappscheiben bedeckt, in deren Durch- bohrungen die Korkklammern mit den Pflanzen, sowie in der Mitte der Scheibe ein durchbohrter Kork für den Befestiguugs- stab der Pflanzen eingefügt werden. Bei genaueren Messungen der von den Pflanzen verdunstenden Wassermengen ist natürlich ein hermetischer Verschluss der Gcfässe erforderlich. Auch die Baumwolle ist für den Zweck einer drucklosen Befestigung, wie zur Umhüllung und Beschattung einzelner Partieen der Pflanzen von vielfachem VVerthe. — Ferner sind zu beachten: rechtzeitiger Ersatz des verdunsteten Wassers, künstliche Bethauung durch ein gelegentliches Ricselbad, Herstellung von Rankstützen und nach Befinden Applikation einer Schiene. — Zu den bisherigen Hindernissen einer vollkommenen Entwickelung der Landpflau- zen in Wasser gehört nach Nobbe die zu hohe Konzentration der benutzten Nährstofflösungen. Ein Salzgehalt derselben von 3 bis 5 pro mille ist für die Mehrzahl unserer Kultur- pflanzen auf die Dauer entschieden zu hocli, indem dabei eine Uebersättigung des Pflanzensaftes mit Mineralstoffcn eintritt. Der Verfasser empfiehlt daher Lösungen von nur 0,5 bis 1 pro mille Salzgehalt zu benutzen, diese aber nach Massgabe der Grösse der Pflanzen und Gefässe häufig zu erneuern, um den einseitigen Erschöpfungen derselben durch den Lebensprozess der Pflanzen gerecht zu werden. Ueber den Werth der Wasserkulture i für pliysicdogische Zwecke si^richt sich Nobbe folgendermasseu aus: „Sind wir dabin gelangt, vollkommen Pflanzenkultur in wässerigen Nährstofflösungen. 183 vollwüchsige, morphologisch und chemisch den besten Bodeuptlanzen ihrer Art gleichwerthige Pflanzen im Wasser zu erziehen, so wird auch diese Ji^ulturmethode uns unvergleichliche Hülfsmittel zum Studium des Pflanzen- lebens darbieten und biologische Gesetze erschliessen von viel weittragen- derer Natur, als man ohne Kcnntniss der schon jetzt möglichen Resultate vermuthen m.ichte. — Eine ganze Reihe physiologischer Fragen, deren bündige Entscheidung ein dringendes Desiderat der Landwirtlischaft ist, lassen sich auf diesem „durchsichtigen" Wege ohne Schwierigkeit und in zuverlässigster Weise erledigen." — Von anderer Seite ist der Werth der Kultlirversuche in wässerigen Nährstoö'lüsungen für die Theorie der Pflanzenernährung bisher sehr gering geschätzt worden, nach den von Nobbe hierbei erzielten Resultaten unterliegt es aber wohl keinem Zweifel mehr, dass Rückschlüsse von dem Verhalten der Pflanzen in wässerigen Nährstofflösungen auf die Bodenpflanzen völlig gerechtfertigt sind. Die morphologische Gestaltung der von Nobbe erzogenen Wasserpflanzen zeigte keine unterschiede von normal gewachsenen Bodenpflanzen, ja die Wasser- pflanzen übertrafen die im Boden gewachsenen sogar zuweilen hinsichtlich der Masseneutwickelnng. Eine Buchweizenpflanze erreichte im Jahre 1864 eine Höhe von 2,05 Meter, sie besass 17 Stengelglieder und 4 Zweige und lieferte das llSOfache Erntegewicht eines lufttrocknen Samens, dabei er- gab sie in 65 Blüthentrauben 304 wohl ausgebildete und 67 unvollkommene Früchte. Die hierbei benutzte Nährstofflösung hatte 0,5 pro mille Konzen- tration und bestand aus 4 Aequivalenten Chlorkalium, 4 Aequiv. salpeter- sauren Kalk, 1 Aequiv. schwefelsaurer Magnesia mit etwas phosphorsaurem Kali und phosphorsaurem Eisenoxyd — Die von Nobbe auf der laud- wirthschaftlichen Ausstellung der deutschen Ackerbaugesellschaft zu Dres- den ausgestellten, in wässerigen Nährstofflisungen gezogenen Pflanzen (Po- lygonum Fagopyrum, Vicia faba, Pisum sativum und Hordeum distichum) sind von dem Prämiirungs-Comite durch eine Preismedaille ausgezeichnet worden. — Als Vegctatioiisgefäs se bei Kulturen der Pflan- ve-etations- zeninwässeriffenLösuns-en empfiehlt W. K n o p *) einfaelie sj'^^^\^'" D Dl r / Wasserkul- Glascylinder zu benutzen, welche zur Abhaltung des Lichtes turen. iu Dosen von Weissblech gestellt werden. Auf die Blechdose wird ein übergreifender Deckel aufgepasst, der in der Mitte eine Tülle zur Aufnahme der Pflanze enthält; ein zweiter seit- licher Tubulus ermöglicht das Nachgiessen von Wasser. Die Befestigung der Pflanze in der Tülle geschieht durch Kork und Baumwolle in bekannter Weise. — Für Kulturen der Pflanzen in künstlichem Boden, oder überhaupt bei solchen, die man auf mehrere Jahre hin fortzusetzen gedenkt, empfiehlt Knop nicht cylindrische Gefässe, sondern die gewöhnlichen *) Chemisches Ceutralblatt. 1865. S. 8Ü7 184 Pflanzenkultur in wässerigen Nährstoflflösungen. weithalsigen Standgefässe mit eingeschnürtem Halse zu ver- wenden und bei diesen den Deckel der Blechdose ohne Weiteres mit dem Halse der Flasche fest zu verbinden. Die Blechdose ist hierbei so hoch zu wählen, dass beim Auflegen des Deckels das Glasgefäss 1 bis 1,5 Zoll vom Boden absteht, damit man ein Untersatzschälchen unter das durchbohrte Glas setzen kann. Für Wasserkulturen hat diese zweite Vorrichtung den Vortheil, dass man die Gläser aus den Blechbüchsen herausheben und so die Wurzelentwickelung kontrolliren kann, selbstverständlich sind hierbei die Gläser nicht zu durchbohren, ueber die Ucber dic Aufnahme der Nährstoffe durch die Aufaabma der Nähr- Pflauze aus wässerigen Nährstofflösungen, von W. Stoffe aus KuoD.'^) — Dic Untersuchungen des Verfassers betreffen die ■ wässerigen Lösungen. Frage, ob es möglich ist, für eine Pflanze eme Lösung herzu- stellen, aus welcher dieselbe alle Basen und Säuren annäherungs- weise in den dargebotenen Verhältnissen aufnimmt. Der Aus- fall der Versuche spricht dafür, dass es eine solche Nährstoff- lösung, welche von der Pflanze intakt aufgesogen werden könnte, nicht giebt, dass aber nichts destoweniger von einer zweck- mässigsten Lösung die Rede sein könne. Bei der Ausführung der Versuche wurden gleichzeitig je drei Pflanzenexemplare von Roggen, Weizen, Gerste und Hafer in die Nährstofflösun- gen, deren Salzgehalt bekannt war, gestellt und nach einigen Tagen durch Analyse der rückständigen Flüssigkeit die Menge der aufgenommenen Salze bestimmt. Wir müssen darauf ver- zichten, die analytischen Ergebnisse vollständig mitzutheilen, nur die Resultate der 8. Versuchsperiode, in welcher das ge- steckte Ziel nahezu erreicht wurde, folgen nachstehend. Die Flüssigkeit enthielt in 1 Liter: 1 Gramm salpetersauren Kalk, 0,25 Grm. salpetersaures Kali, 0,25 Grm. phosphorsaures Kali, 0,125 Grm. schwefelsaure Magnesia, also einen Salzgehalt von 1,625 pro raille. Gehalt der Flüssigkeit an einzelnen Bestandtheilen vor nach der Benutzung als Vegetationsflüssigkeit. Kalk 0,3410 Grm. 0,373 Grm. Kali 0,2150 „ 0,295 „ Magnesia 0,0416 „ 0,090 „ Salpetersäure 0,7940 „ — „ Phosphorsäure .... 0,1500 „ 0,120 „ Schwefelsäure 0,0834 „ 0,0686 „ *) Die landwirthschaftlichen Versuchsstationen Bd. 7, S. 93. Pflanzenkultur in wässerigen Nährstoff lösungen. ISf) Die bedeutendste Differenz zeigt sieb bier bei der Magnesia, gegen welche auch in den anderen Versucbspcriodcn ein "Widerstand der Zellen- membrau sich bemerklich machte. — Die in den übrigen Versuchsperioden benutzten Nährstofflösungen weichen in quantitativer Hinsicht zum Theil beträchtlich von der obigen Mischung ab; da in allen Perioden dieselben Pflanzen benutzt wurden, welche bei dem Wechsel der Lösungen nur kurze Zeit in destillirtem Wasser standen, so dürfte bei der Beurtheilung des Verhaltens der Pflanzen nicht zu vergessen sein, dass der Pflanzenorga- nismus im Stande ist, erhebliche Mengen von Mineralstoffen aufzunehmen, ohne dieselben sogleich für vegetative Zwecke zu verwenden. Knop zieht aus seinen Untersuchungen unter Berück- sichtigung früherer Arbeiten folgende Schlussfolgerungen: 1. Die Mischung von l pro mille phosphorsaurem Kalk, 0,25 pro mille Kalisalpeter, 0,25 pro mille phosphorsaurem Kali (wasserfrei), und 0,25 oder 0,125 pro mille Bittersalz (wasserfrei) mit Zusatz von etwas phosphorsaurem Eisenoxyd ernährt Gräser und Buchweizen vortrefflich. Zweckmässig ist es vielleicht, diese Mischung noch mit phosphorsaurem Kalk zu sättigen. 2. Die Pflanze kann dieser Lösung das Kali vollständig entziehen, nicht aber Kalk und Magnesia, weil diese Basen als kohlensaure Salze wieder aus der Wurzel austreten. 3. Die Salpetersäure wird unter allen Umständen aus der Lösung aufgenommen. 4. Die Phosphorsäure wird von stark eisenhaltigen Wurzeln leicht, unter Umständen bis auf die letzte Spur aufgenommen. Bei unpassender Zusammensetzung der Lösung kann dieselbe ausserhalb der Wurzel reicher an Phosphorsäure werden. 5. Die Schwefelsäure findet von den Säuren den grössten Widerstand bei der Aufnahme, kann aber doch bei sehr starker Verdünnung der Lösung völlig entzogen werden. 6. Kalisalpeter, salpetersaurer Kalk, Bittersalz, phosphor- saures Kali und eine Spur eines Eisensalzes, dazu Wasser und Kohlensäure enthalten alle der Pflanze nothwendigen Materien. Es sind dies also sämmtlich vollkommen verbrannte Körper. 7. Alle übrigen Stoffe sind entweder ganz überflüssig, oder doch höchstens förderlich oder zur Erhaltung und zum Schutze gegen schädliche Einflüsse dienlich. Hierher rechnet Knop Ammoniak, Kieselsäure, Fluor, Chlor, Jod, Brom, Lithium, Eubidium, Humus und andere Stoffe. 186 Prtanzenkultuv in wässerigen Nährstofflösungen. Bezüglich der zuletzt ausgesprochenen Ansicht Knop's ist daran zu erinnern, dass nach den Untersuchungen von Nobbe und Siegert*) das Chlor mindestens für die Buchweizenpflanze als ein nothwendiger Nähr- stoff anzusehen ist. Für die Kieselsäure scheint aus den Untersuchungen %-on Stohmann,**) Rautenberg und G. Kühn***) ein Gleiches hervor- zugehen. Für die physiologische Wichtigkeit des Ammoniaks sprechen die Untersuchungen von Hosäusf) (S. 87), für die des Fluors etc. die Arbei- ten vom Fürsten Salm-Horstmar.ff) Auch das Natron dürfte wohl so lange als ein wirklicher Pflanzennährstoff anzusehen sein, als nicht in den Aschen normal gewachsener Pflanzen die Abwesenheit des Natrons kon- statirt ist. üeber die Uebei' die Aufnahme von Salzen aus wässerigen Aufnahme jt i \ von Salden Losungcu durcli beblätterte Pflanzen, von W. Wolf.^f) durch die — Dqy Verfasser hat seine früheren Arbeiten über diesen Ge- genstand, "'^'^t) bei welchen das Verhalten der Pflanzen in ein- fachen Salzlösungen studirt wurde, dahin fortgesetzt, dass jetzt die Pflanzen mit Salzlösungen, welche zwei Salze gelöst ent- hielten, in Berührung gebracht Avurden. Als Versuchspflanzen wurden Keimpflänzchen von Bohnen und Mais benutzt, die Salzlösungen enthielten schwefelsaure, salzsaure, salpetersaure und phosphorsaure Salze von Kali, Natron, Ammoniak, Kalk und Magnesia in verschiedenen Mischungen und Mengenverhält- nissen. Indem wir bezüglich der analytischen Ergebnisse auf das Original verweisen, referiren wir nachstehend nur die Schlussfolgerungen des Verfassers: 1. Die Aufnahme eines Salzes aus einer Lösung in die Pflanzen erfolgt für alle Fälle nach dem Saussure'schen Ge- setze, wenn die Konzentration der den Pflanzen dargebotenen Lösung grösser ist, als 0,25 prozentig, d. h. in diesen Fällen nehmen die Pflanzen relativ zu dem Salzgehalt der Lösung mehr Wasser als Salz auf. 2. Sind die Salzlösungen, aus welchen die Pflanzen die Salze entnehmen, von niederer Konzentration als 0,25 prozentig, so hängt die Art der Aufnahme von den an den Wurzeln noch zugleich vorhandenen Salzarten ab. Je nach der Mischung, in welcher ein Salz den Pflanzen dargeboten wird, kann eine grössere oder geringere Menge davon aufgenommen werden. *) Jahresbericht. VII. Jahrgang, S. 106. **) Ibidem S. IT.j. ***) Ibidem S. 177. f) Ibidem S. 84. ff) Ibidem S. 125. *t) Die landwirthschaftlichen Versuchsstationen Bd. 7, S. 193. **t) Jahresbericht. 1864. S. 170. Pflanzenkultur in wässerigen Nährstofflösungen. 187 3. Die Ptianzen äussern das Bestreben, verdünntere Auf- lösungen von Salzen relativ mehr zu erschöpfen, als konzen- trirtere. 4. Es kann von einer Pflanze die ganze Menge des in einem Lösungsgemische betindlichcn einen Salzes mit der Hälfte der Lösungsflüssigkeit aufgesogen werden. 5. Die beiden Versuchspflanzen unterscheiden sich nur in der absoluten Mengenaufnahme der einzelnen Salze von ein- ander. Diejenigen Salze, welche die Maispflanze in vom Saus- sure'schen Gesetze abweichenden Verhältnissen aufnimmt, zei- gen diese Abweichung auch bei der Bohnenpflanze. 6. Einen bestimmenden Faktor für die Art der Aufnahme eines Salzes in die Pflanze bildet das Verhältniss oder die Verwandtschaft des Zelleninhalts zu dem aufzunehmenden Salze. 7. Die Salze werden unmittelbar an den Wurzeln nicht zersetzt, sie gehen unzersetzt in die Wurzeln ein; die Zer- setzung und Umbildung der mineralischen Näiirstoffe erfolgt somit erst im Innern der Pflanzen bei beginnender Assimilation der Kohlensäure und Neubildung von organisclier Substanz. Bezüglich der mannigfachen Verschiedenheiten, welche sieh bei der Aufnahme der einzelnen Salze, je nach der Mischung, in welcher dieselben neben anderen Salzen den PHanzen dargereicht wurden, ergaben, müssen wir auf die in dem Originale mitgetheilten analytischen Ergebnisse verweisen; im allgemeinen ist daraus ersichtlich, dass dieAufnahme eines Salzes durch die Anwesenheit anderer Salze in der Lösung auf das wesentlichste beeiu- flusst wird. Man kann sich also vorstellen , dass auch im Erdboden die Aufnahme eines Nährstofl's von der Pflanze durch die Mitwirkung oder An- wesenheit eines zweiten gesteigert oder vermindert werden kann. Eine Gips- oder Kalksalpeterlosung vermag z. B. wahrscheinlich die Aufnahme der im Boden vorhandenen Phosphorsäure oder des Kali's zu steigern, gleichwie eine vermehrte Aufnahme dieser Stoffe aus einer Salzlösung er- folgte, welche neben diesen Körperu Gips oder Kalksalpeter enthielt. Hierin liegt ein Fingerzeig zur Erklärung der Wirkung des Gipses und anderer salzartiger Düngestoffe. — Die Pflanzen, welche in den h(>her konzentrirten Lösungen vegetirt hatten, wurden nach Beendigung des Aufsaugungsver- suchs, nachdem die Wurzeln mit destillirtem Wasser abgespült worden waren, eine Zeitlang in destillirtes Wasser gesetzt, um zu beobachten, ob hierbei das aufgenommene Salz an das Wasser wieder abgegeben werde. Es zeigte sich hierbei, dass nur sehr geringe Mengen von mineralischen Stoffen aus der Wurzel austraten, welche zwischen 0,0005 bis 0,004 Grm. schwankten, während der Gehalt der Wurzel an Mineralstoffen sich auf etwa 0,02 bis 0,05 Grm. berechnete. Wolf schliesst hieraus, dass der Pflanzenzelle eine Kraft inne wohut, welche die aufgenommenen Mineral- 188 Pflanzenkultur in wässerigen Nährstofflösungen. Stoffe an die Zellflüssigkeit (Zellinhalt) so fest bindet, dass nur Spuren da- von aus gesunden, lebenden Wurzeln an dcstillirtes Wasser abgegeben werden. Von den organischen Bestandtheilen des Zellinhalts treten da- gegen gewisse Quantitäten (neben Kohlensäure) aus den Wurzeln in das Wasser über. Wir erinnern hierbei an die interessante Beobachtung von Hellriegel,*) dass auch beim Auspressen des Saftes aus zerquetschten Pflanzen nur ein verdünnter Saft erhalten wird, während ein im Verhält- niss zu der in dem Pflanzengewebe zurückbleibenden Wassermenge relativ grösserer Theil der Mineralstofie in dem Pflanzengewebe zurückbleibt. — Der üebergang der Pflanzennährstoffe in die Pflanze ist nach W. Schu- macher**) bedingt durch eine innere organische Thätigkeit der Pflanzen ~ Assimilation und Stoffwechsel — , welche eine Diffusion der gelösten Stoffe veranlasst und deren Folge der Eintritt der gelösten Stoffe in die Pflanze ist. Ein Verbrauch eines Stofies in der Pflanze oder eine Aus- scheidung desselben (z. B. von oxalsaurem Kalk) bedingt eine erneute Auf- nahme. Stoffwechsel und Umwandlung der chemischen Form der anorga- nischen Stoffe findet auch in jenen Pflanzen schon statt, die vegetiren ohne zu assimiliren, d. h. ihr Gewicht zu vergrössern. Eine klare Darlegung der bei der Aufnahme der Nährstoffe durch die Pflanze stattfindenden Vor- gänge findet sich bei Sachs: Experimentalphysiologie im 6. Abschnitte. lieber die physiologische Funktion des Chlors, gis.^hTFTnk. von Fr. Nobbe.*^"*) — Der Verfasser hat bereits durch frühere tion des Versuche nachgewiesen, dass dem Chlor eigenthümliche und wesentliche Funktionen für den Lebensprozess, wenigstens del- Buchweizenpflauze und wahrscheinlich aller höher organisirten Pflanzen, zukommen f). Eine weitere Bestätigung dieser That- sache ist durch die nachfolgende Untersuchung geliefert. Als Versuchspflanze diente wiederum der silbergraue schottische Buch- weizen und als Nährstofflösung ein Salzgemisch von 4 Aeq. Chlorkalium, 4 Aeq. salpetersaurem Kalk, 1 Aeq. schwefelsaurer Magnesia, 0,033 Grra. phosphorsaurem Eisenoxyd und 0,133 Grm. phosphorsaurem Kali per Liter. Letzteres Salz wurde in periodischen Gaben verabreicht. Diese Normal- lösung wurde in den einzelnen Versuchsreihen zweckentsprechend abgeän- dert ; so wurde bei der ersten chlorfreien Reihe das Chlorkalium durch eine äquivalente Menge salpetersauren Kali's ersetzt, in der zweiten Reihe wurde die schwefelsaure Magnesia durch Chlormagncsium vertreten, in der dritten für 2 Aeq. Chlorkalium 2 Aeq. Chlornatrium angewendet und in der vier- ten statt Chlorkalium und Salpetersäuren Kalk Chlorkalcium und salpeter- saures Kali gegeben. Die Konzentration der Lösungen betrug 1 und 0,5 pro mille. Jede Pflanze erhielt 2 Liter Flüssigkeit. — Die Erscheinungen Ueber die physiolo- Cblors. *) Die landwirthschaftlichen Versuchsstationen Bd. 4, S. 60. **) Agronomische Zeitung. 1865. S. 6. ***) Die landwirthschaftlichen Versuchsstationen Bd. 7, S. 371. t) Jahresbericht 1864. S. 166 und 1862. S. 100. Pflaiizeiikiiltur in wässerigen Nährstofflösungen. 189 während des Wachst-hums der Pflanzen waren dieselben wie in den frü- heren Jahren, nur beeinträchtigte die ungünstige Witterung des Sommers 1865 die Versuche. Bis zur Blüthe (Ende Juni) entwickelten sich alle Pflanzen gleichraässig, dann traten wiederum die bereits beschriebenen Krankheitserscheinungen — zunächst an den Pflanzen der chlorfreicn und chlormagnesiunihaltigen (schwefelsäurefrcien) Li)sungeu auf. Die Blätter wurden dickfleischig, dunkelgrün, steifhart und brüchig, sie rollten sich von der Stammspitze ausgehend einwärts, ihre Basalfläche verkorkte und sie fielen leicht ab. Die Oberbaut löste sich partiell von dem aufgelocker- ten Parenchym ab. Der Stamm wurde unförmlich dick und zeigte wulst- förmige Verdickungen: Ausbiegungen des Holzkörpers wegen gehemmter Streckung. Die Stammspitze starb bald ab, neu hervorbrechende Ersatz- sprosseu blieben rudimentair. Auch die Blattstiele verdickten sich und wurden spröde; ihre Epidermis sowie die des Stammes und der abnorm dickstriemigen Blattaderu platzte bisweilen in zahlreichen Längsstreifen auf; diese Blossen verkorkten. Die Wasserverdunstung wurde sistirt und die Pflanzen starben zum Theil ab, ohne reife Samen zu liefern. — Die Pflan- zen der Chlorkalciumreihe zeigten mehr eine allgemeine Dürftigkeit, roth- braun gefleckte Blätter und ein spärliches, theilweise mit Pilzfäden über- zogenes W^urzelsystem, als direkte Kraukheitsei scheinungen. Eine dieser Pflanzen war sehr schön ausgebildet. lu der Lösung mit Chlornatrium neben Chlorkalium trat eine mangelhafte Wirkung weniger in der Massen- bildung, als im Verhalten hervor ; drei der Pflanzen erkrankten, die vierte blieb gesund. Charakter des Wurzelmediuras. Durchschnittliche Trocken- substanz einer Pflanze. C O «3 c r^ IS ü u :S ö fe ^ Grin. Grm. Multi- plum eines ent- hüls- ten Sa- mens. Aschengehalt, (;rin firm. a W3 Grm. Grm. Boden Chlorkalium 1 . . . 2 . . . „ 3 bis 5 Chlorkalcium .... Chlornatrium .... Chlormagnesium . . Ohne Chlor**) . . . 4,318 4,116 2,548 1,368 1,436 1,477 0,911 0,964 I 0,317 1,795 1..531 0,869 0,092 0,228 0,026 0,828 6,233 0,666 6,577 0,523 J 4,602 0,306 i 2,543 0,176 1,704 0,383 2,088 0,207 1,118 0,157 1 1,147 328 346 242 134 89 109 59 60 0,551 0,8465 0,5345 0,286 0,297 0,289 0,177 0,193 0,0085 0,0575 0,047 0,024 0,003 0,007 0,0015 0,2775 0,157 0,1235 0,057 0,028 0,029 0,022 0,027 0,837 1,061 0,705 0,367 0,327 0,339 0,199 0,221 Nachdem durch vorstehende Ergebnisse die früher gewon- nene Thatsache bestätigt war, dass im biologischen Prozesse *) 100 enthülste Buchweizensamen wogen, bei 110" C getrocknet, 1,9015 Grm. mit 0,0285 Grm. Asche; die Hülsen wogen 0,483 Grm. mit 0,016 Grm. Asche. **) Die Lösung enthielt Spuren von Chlor. 190 Pflanzenkultur in wässerigen Nährstofflösungen. der Buchweizenpflanze dem Chlor eine eigenthümliche, auf die Fruchtbildung gerichtete Funktion zukommt, welche es jedoch nur zu erfüllen vermag, wenn es in der Form von Chlorkalium, vielleicht auch von Chlorkalcium, in den Pflanzenkörper eintritt, hat Nobbe diese Entdeckung durch mikroskopische Unter- suchungen weiter verfolgt. Es ergab sich hierbei in den chlor- kranken Pflanzen eine erstickende Ueberfüllung mit Stärkemehl. Die gesunde blühende Buchweizenpflanze fuhrt in gewissen Ge- webspartieen ihrer Blätter, der Blatt- und Blüthenstiele , des Stammes und der Wurzeln beträchtliche Mengen freier Stärke- körner. Besonders schöne und grosse Körner führen der Stärkering und die jungen Holzzellen des Stammes. Die an Chlor Mangel leidenden Pflanzen enthalten in den Stärke füh- renden Zellgeweben aber weit grössere Mengen derselben, als gesunde Individuen. Die Parenchymzellen der verkümmerten dickfleischigen Blätter sind strotzend vollgepfropft mit Stärke- körnern in den Formen jedweder Auflösungsstufe. Da nun an- zunehmen ist, dass die Assimilation der Kohlensäure durch die Blätter, wie die Stärkebildung in den Chlorophyllkörnern durch das Chlor nicht beeinflusst wird, so scheint dasselbe bei der Hinbeförderung dieses RescrvestoflFs zu den Früchten, dem Theile der Pflanze, in welchem zu jener Zeit die lebhafteste Vegetation stattfindet, eine wesentliche Rolle zu spielen. Bei Chormangel häuft sich daher das Stärkemehl in den Blättern, Blattstielen und Stammtheilen auf, und unterliegt dort einer abnorm gesteigerten Metamorphose in die Endprodukte des pflanzlichen Stoffwechsels: Zellulose, Lignin, besonders aber KorkstoflF, wodurch jene Organe in der beschriebenen Weise degeneriren. Die Ursache dieser Schwerbeweglichkeit der Stärke in Folge Chlormangels kann eine doppelte sein, ent- weder kann eine Verminderung der Zugkraft der Fruchtorgane durch Verkümmerung und Absterben der Früchte eintreten, oder das Chlor kann auch einen direkten Antheil an der Ver- flüssigung oder Verbreitung des Stärkemehls haben, in welchem Falle die Nichten twickelung der Blüthen lediglich als Folge- •erscheinung aufzufassen wäre. Zur Erörterung dieser Alter- native hat Nobbe mehrere Versuche an Wasser- und Boden- pflanzen ausgeführt, welche lehrten, dass der äussere Bau der Befruchtungswerkzeuge bei den in chlorfreien Lösungen ge- Pflanzenkultur in wässerigen Nährstofflösungen. 191 zogenen Pflanzen keine Anomalien zeigte , aus denen sich das gänzliche Fehlschlagen der Früchte an diesen Pflanzen erklären liesse. Die Entfernung der Blätter der Buchweizenpflanze beeinträchtigte die Ausbildung derjenigen Organe, welche das Nahrungsdepöt für die nachfolgende Generation bilden, und die Beseitigung der Fruchtanlagen hatte eine Stockung und Anhäufung der für deren Ausbildung bestimmten Stoffe in den produzirenden und zuleitenden Geweben im Gefolge. Zugleich zeigte sich, dass die chlorfrei vegetireuden Pflanzen der ver- jüngenden Sprosskraft entbehren; während gesunde Pflanzen bei Verstümmelungen die verlorenen Organe zu ersetzen be- strebt sind, bildeten die kranken Pflanzen keine Ersatzsprossen. Diese Erscheinung zeigt nach Nobbe, dass bei Chlormangel eine Degeneration des Zellgewebes eintritt, welche die Pflanze einem vorzeitigen Lebensabschlusse entgegenführt. Auch B. Lucanus*) hat Versuche über die Erziehung einiger Land pflanzen in wässerigen Nährstoff lösungen aus- geführt, wobei er die von Knop empfohlene Nährstoffmischung, nämlich 0,01 Atom schwefelsaure Magnesia und phosphorsaures Kali, 0,02 Atom salpetersauren Kalk und etwas phosphorsaures Eisenoxyd benutzte. Einige Lösungen enthielten Zusätze von Chlormetallen etc., oder es fand eine Vertretung eines der Be- standtheile der Normallösung durch ein anderes Salz statt, in allen diesen Fällen kam stets 0,01 Atom der Salze zur An- wendung. Als Versuchspflanze diente rother Klee. Ein Sa- menkorn wog trocken durchschnittlich 2,1375 Milligramm und enthielt 0,1312 Milligr. Asche und 0,1023 Milligr. Stickstoff. Versuch» von B. Lu- canii«. Zusammensetzung der Nährstofflösung. An- zahl der Pflan- zen. Gewicht einer mitt- leren Pflanze. Trocken- substanz. Orm. Asche. Multi- plum des Samen- korns. 1 p. m. Normallösung 3 p. m Normallosung 5 p. m. Normallösung 3 p. m. Normallösung, Zusatz von Chlorkalium 3 p. m. Normallösung, Zusatz von Chlornatrium 0,-193.5 0,7320 1,1540 0,0.560 0,1225 0,2385 1,1075 , 0,1660 0,6030 ; 0,0905 230,9 .342,5 539,9 518,1 282,1 *) Die landwirthschaftlichen Versuchsstationen Bd. 7, §, 363. 192 Pflanzenkultur in wässerigen Nahrstofflösungen. Zusammensetzung der An- zahl der Gewicht einer mitt- leren Pflanze. Trocken- 1 . , Multi- plum des Samen- NährstofflösuDg. Pflan- Substanz. Ascne. korns. zen. Grm. Grm. 6. 3 p. m Normallösung, Zusatz von Gips (doppelte Menge) . 2 0,4455 0,1085 208,4 7. 3 p. m. Normallösung, statt sal- petersauren Kalk salpet. Kali 2 0,6990 0,1180 327,0 8. 3 p. m. ohne Kalk, statt dessen salpetersaure Magnesia .... 2 0,0025 0,00038 1,1 9. 3 p. m. Natron für Kali .... 2 0,0945 0,0187 44,2 10. 3 p- m. Cäsion für Kali 4 0,00180 0,00038 0,85 11. 3 p. m. Rubidion für Kali . . . 4 0,0500 0,0145 23,4 12. 3 p. m. Lithion für Kali .... 8 0,0026 0,00031 1,2 13. 3 p. m. Schwefelsäure für Sal- petersäure 2 0,0625 9 29,5 14. 3 p. m. Ammoniak für Salpeter- säure 5 0,1530 9 71,6 Das höchste Erntegewicht wurde erzielt in der Normal- lösung von 5 pro mille Salzgehalt, nächstdem bei der mit Chlor- kalium versetzten Lösung von 3 pro mille. Durch Zusatz von Chlorkaliura wurde die Pflanzenmasse gegenüber der chlor- freien Lösung (Nr. 2.) erheblich gesteigert. Chlornatrium zeigte diese Wirkung nicht. Ein Zusatz von schwefelsaurem Kali (6.), sowie eine Vermehrung des Kali's auf Kosten des Kalks erschienen nicht vortheilhaft, gänzlicher Ausschluss des Kalks (8.) bedingte ein rasches Absterben der Pflanzen. Eine Ver- tretung des Kali's durch Natron, Cäsion, Rubidion und Lithion fand nicht statt. Das höchste Erntegewicht lieferte hierbei noch das Natron (9,). Die beiden letzten Versuche (13. und 14.) zeigen, dass eine Zuführung von Stickstoff in der Form von Salpetersäure zur Erreichung eines üppigen Wachsthums der Kleepflanze unbedingt nothwendig ist. Die weiteren Versuche des Verfassers mit Lupinen, Wicken und Erb- sen übergehen wir, da dieselben zu einem Resultate nicht geführt haben. Bei Runkelrüben gelang es, in Bminnenwasser Pflanzen zu erziehen, welche das 1781 resp. 844,5 fache des Samengewichts erreichten. Zu erwähnen sind noch folgende Abhandlungen: Einige Resultate der Versuche, Landpflanzen in wässerigen Lösungen von Mineralstoffen zu erziehen, von Paul Bretschneider.*) Studien über die p]rnährung der Pflanzen in wässerigen Lösungen von Mineralstoffen, von Demselben.**; *) Schlesische landwirthschaftliche Zeitung. 1865. S. 72. **) Mittheilungen des landw. Ccntralvereins für Schlesien. Heft 15, S. 122. Pflanzenkrankheiten. 193 Sehr vollkummene Haferpflanzeu in wässerigen Losungen der Nähr- stoffe, von Emil Wolff.*) Pflanzenkranklieiten. Uebcr den p]iiiniiss dos Entlaubens der Kar- toffelpflanze auf die Krankheit und die Entwicke- lung der Knollen, von E. Heydcn.**) — Das Ackerstück (l Morgen), in wclclicm die Versuchskartofleln erbaut wurden, hatte sandigen Lehmboden mit Lchmuntergrund; es wurde mit 124 Ztr. Schafmist per Morgen gedüngt und vor dem Winter 18 Zoll tief gepflügt. Die Saatkartoffeln wurden am 29. April 1864 in 24 : 12 Zoll Entfernung nach dem Marqueur mit dem Spaten gelegt. Als Saatgut diente die weissfleischige säch- sische Zwiebelkartoffel, das Saatquantum betrug 20 Metzen = 132,5 Pfd., die Kartoffeln wurden theils ganz, theils zer- schnitten ausgelegt. — Das Versuchsfeld wurde in fünf gleiche Theile getheilt und von jeder Parzelle zu verschiedenen Zei- ten im Laufe des Sommers ein Theil der Kartoffelstöcke (je 5 Stück) geerntet, zugleich wurden die übrigen Pflanzen der Parzelle entlaubt, bei diesen blieben aber die Knollen bis zum 30. September in der Erde. Die Ernteergebnisse sind nachstehend tabellarisch geordnet, die bei der ersten Ernte von je 5 Stöcken gefundenen Zahlen sind darin für 4,5 Quadr. Ruthen = 275 Stöcke berechnet. Der Eiofluss der Entlau- bung der Kartoffel- pflanze. Tag der Entlaubung. -< W ^ Tag der ! ^^Z>i^ Ernte. "I^J^ rntegewicht m 4,5 Qua- •at-Ruthen. Davon krank o .S 'S OJ nII " o « Pfund Prozent. O Pfund. Lotb. 13. Juü***) 30. September 75 38,2 •^2 5,8 1,14 30. „ 30. Juli 92 116,6 — — 1,31 30. „ t) 30. September 92 130,5 9,5 7,3 1,49 18. August 18. August 111 178,1 ? ? 1,88 18. 30. September ! 111 179 43 24 2,33 2. September 2. „ 126 192,6 54,7 , 28,4 2,33 2. 30. „ : 126 177 36 20,4 2,24 30. 30. 154 170,5 33 24 2,51. *) Schlesische hindwirthschaftliche Zeitung. 1865. S. 209. **) Die landwirthschaftlichen Versachsstationen Bd. 7, S. 218. ***) Neue Krautbildung. f) Neue, aber schwache Krautbildung. Die später entlaubten Stucke entwickelten kein Kraut mehr. Jahresbericht. VlII. 13 194 Pflanzenkrankheiten. Die geernteten Knollen wurden auf ihre organischen und mineralischen ßestandtheile untersucht, folgende Zusammen- stellung giebt eine Uebersicht über die hierbei erhaltenen Re- sultate. CO «o o .-1 Cl (M o o o cT cT o' I I o o o ocoinr-cit-t— o CO Q CO CO t- (M CTi ^ '^ ^ "^J, "^ '"1- '^ '^ •aqosy COt>-t>*O^COCO>-lr-t r-<^ (N^ oq_ o_ 0_ C>3^ CO 0_ T-T T-T ö" T-T T-T i-T th" f-T •J9(I.I0Jiai9^ •SSI9ÄI[J •J9S'CJZ[0JJ o ^ cn. CX> Oi lO 00 1—1 • o 1— ( tH o o o o O o o o o o o o o »n o o lO <-) o cn rN o CO CO r- T-l (N ■^ O CD «) CO CO CO lO o o O o o o o o •noÄ C0i-ICOO(T30 (^ 1^ 1^ h-^ I— I 1— I p- Pflanzenkrankheiten. 195 lu der nachstehenden Tabelle sind die Analysen auf Trockensubstanz berechnet. Bezeich- nung. a ^ S M 'S "3J :0 ^ a I. IIa. IIb. ma. III b. IV a. IV b. V. 21,804 20,990 17,983 25,138 23,641 24,865 25,277 23,176 63,95 74,95 66,52 77,17 77,16 71,09 67,69 76,56 2,89 1,04 2,98 0,86 2,12 1,16 1,13 0,24 1,88 0,38 1,55 0,28 2,18 0,29 1,34 0,29 2 25 2Ü8 3,37 3,30 2,66 2,72 2,43 2,25 0,46 0,24 0,50 0,58 0,64 0,20 0,34 0,39 7,99 6,89 9,07 8,34 7,35 10,50 8,76 7,89 5,48 5,76 4,72 4,21 4,07 4,89 5,25 4,54 15,94 5,94 12,54 5,03 5,86 8,77 13,06 6,74. Die Aschenanalysen ergaben Folgendes: Bestandtheile. Am 30. Juli geerntet. Am 18. August geerntet. Am 2. Sep- tember geerntet. Am 30. Sep- tember geerntet. Eisenoxyd . . . Kalk Magnesia . . . Kali Natron Chlor Schwefelsäure Phosphorsäure Kieselsäure . . 1,64 2,94 1,40 66,32 2,60 5,14 4,46 13,04 3,61 1,93 2,63 3,95 63,75 2,22 4,33 4,09 15,74 2,34 2,04 3,14 3,60 63,46 1,85 5,00 5,04 14,59 2,42 1,92 2,03 4,26 64,80 1,44 3,39 4,72 16,84 1,36 Es muss hierbei zunächst bemerkt werden, dass die anomale Witte- rung des Jahres 1864 die Resultate beeinträchtigt hat. Es regnete in der Zeit vom 13. Juli bis zum 30. September (79 Tage) an 51 Tagen. Die durch- schnittliche Temperatur betrug im Mai 8" R., schwankend zwischen 32/3 und 13 Va". Juni 15,8 " R., „ , Juli (bis zum 13.) 14,7" R., Juli (vom 13. bis 30) .... 14,7 « R., „ August (bis zum 18.) .... 14,7" R., „ ,. August (vom 18. bis 2. Sept.) 11,7" R., „ y, September (vom 2. bis 30.) . 11 " R., „ Aus den Yersuchsresultaten ergiebt sich Folgendes: 1. Das Abschneiden des Laubes hat die Kartoffeln nicht vor der Krankheit geschützt, wohl aber bei den früh entlaub- ten die Wirkung derselben etwas geschwächt, während bei den später entlaubten gar kein Einfluss bemerkbar ist. 13* 11 „ 20". 11,7 „ 17,3" 12,7 „ 17». 11,7 „ 19". 9,7 „ 13». 7,3 „ 14,7« J96 Pflanzenkrankheiten. Leider ist in dem Berichte nicht angegeben, ob der Nachwuchs au Kraut bei den zuerst entlaubten Parzellen unterdrückt wurde, oder ob derselbe ungestört fortwachsen konnte. 2. Das Erutegewicht wurde durch eine frühe Entlaubung bedeutend joeeinträchtigt, durch eine spätere dagegen nicht. 3. Bei den am 30. Juli entlaubten und am 30. September geernteten Kartoffeln fand noch eine Gewichtsvermehrung um 14 Proz. statt; bei den am 18. August entlaubten nicht mehr; dagegen trat bei den am 2. September entlaubten und am 30. September geernteten Kartoffeln eine Verminderung des Erntegewichts um 25,4 Proz. ein. Die analytischen Ergebnisse zeigen viele Unregelmässigkeiten, die wohl grösstentheils den ungünstigen Witterungsverhältnissen zuzuschreiben siud, doch scheint daraus hervorzugehen, dass die frühzeitige Entlaubung eine Verminderung der Trockensubstanz, der Stärke, des Zuckers, des Dextrins, des Fettes, der Proteiustoffc und der Asche, dagegen eine Ver- mehrung des Holzfasergehaltes bewirkt hat. vereuch von Diesclbc Fragc über den Einfluss der Entlaubung Birubaum. ^^^^ q-^ K ar 1 f f cl k r a ukh c 1 1 und den Knollenertrag hat auch K. Birnbaum*) durch einen Versuch zu lösen ge- sucht ist aber dabei zu einem von dem vorstehenden abwei- chenden Resultate gekommen. Auf einem glcichmässig bestell- ten Kartoftelfelde Hess der Verfasser zu verschiedenen Zeiten je eine Pflanzenreihe entlauben und alle Reihen zusammen am 28. September ernten. Die zuerst (am 24. Juni) entlaubten Stöcke schlugen wieder aus, sie wurden einige Wochen später nochmals entlaubt. Eine Probeaufnahme zur Zeit der Ent- laubung fand nicht statt. Ueber die Saatzeit ist nichts bemerkt. Die Ergebnisse waren: 1. Reihe, entlaubt am 24. Juni, vor der Blüthe, ergab 1 Pfund kleine und schlechte Kartoffeln, 2. Reihe, entlaubt am 13. Juli, in der Blüthe, ergab 9 „ kleine und mittelgrosse Knollen, 3. Reihe, entlaubt am 20. Juli, in der Blüthe, ergab 17 „ kleine, mittlere und grosse Knollen, theils schön, 4. Reihe, entlaubt am 26. Juli, nach der Blüthe, ergab 16 „ Knollen, in Grösse ebenso, theils sehr schön, b. Reihe, entlaubt am 4. August bei beginnender Erkrankung, ergab 30 „ meistens grosse, schöne und gesunde Knollen, 6. Reihe, entlaubt am 11. August bei völliger Erkrankung, ergab 25 „ Knollen, darunter kranke, *) Annalen der Landwirthschaft. Bd. 45, S. 197. Pflanzenkrankheiten. 197 7. Reihe, entlaubt am 19. August nach völliger Erkrankung, ergal> 25 Pfund Knollen, wie bei Nr. 6, 8. Reihe, entlaubt am 26. August nach völliger Erkrankung, ergab 25 „ Knollen, darunter viele kranke. Mehrere andere nicht entlaubte Reihen ergaben ebenfalls 25 Pfund Knollen im Durchschnitt, dabei einen noch grösseren Prozentsatz an kran- ken Knollen. Birnbaum bemerkt hierzu: „Der Versuch hätte nicht schö- ner ausfallen können ; er bestätigt vollkommen die Theorie ; er lehrt, dass das Abschneiden des Krautes nach der Blüthe un- bedenklich ist, dass es, wenn es zur rechten Zeit geschieht, höheren und besseren Ertrag sichert, als wenn nicht abge- schnitten wird, und dass nach vollendeter Blüthe der Ertrag im Ganzen derselbe bleibt, aber je länger mit dem Abschnei- den gewartet wird, um so mehr kranke Kartoffeln sich ein- stellen ". Wir müssen hierbei wiederholt auf die Untersuchungen von Julius Sachs*) verweisen, nach welchen die Stärke durch den Einfluss des Lichts in den grünen Pflanzentheilen (Blätter) gebildet wird, wonach ein vortheilhafter Einfluss der Entlaubung auf die Ausbildung der Knollen — falls die von Birnbaum beobachtete Zunahme nicht allein in Wasser be- standen hat — undenkbar erscheint. Einen absoluten Schutz gegen die Erkrankung kann die Entlaubung einzelner Kartofi'elf eider — oder gar einzelner Reihen — auch nicht gewähren, da die Pilzsporen sehr leicht vom Winde fortgeführt und auf fernstehende Pflanzen übertragen werden. Robert Ho ff mann**) theilt nachstehende Beobachtungen versuche über den Einfluss der Entlaubung auf die Ausbildung ^°" '^" "°'^' der Kartoffeln mit. 1. Domaine Neuhof. Enden: sandiger Lehm mit schotterigem Un- tergrunde, gedüngt mit Kompost aus Bauschutt, Fabrikschaum und anima- lischem Dünger. Gelegt wurden per 100 Quadrat -Klafter österreichisches Mass je 112 Pfund zerschnittene Kartofl'eln. Die Aussaatzeit ist nicht an- gegeben. 2. Versuchsfeld bei Prag. Boden: lehmiger Sand, 18G0 mit Stall- mist gedüngt. Aussaat wie in Neuhof. *) Jahresbericht 1864. S. 112. **) Centralblatt für die gesammte Landeskultur in Böhmen. 1865. S. 150. 198 Pflanzenkrankheiten. Zeit der Entlaubung. Bei der Entlau- bung geerntet. Stärke 30. Oktober geerntet. Stärke | Gewicht Prozent. Prozent. Wiener Pfund. D omaine Neuhof. Entlaubt den IG. Juli . . „ „ -1^. „ • • „ 6. August » « 16. „ Nicht entlaubt 14,04 16,81 18,23 18,70 17,52 16,58 11,09 15,65 14,50 17,52 887 904 683 994 1261 Versuchsfeld bei Prag. Entlaubt den 15. Juli . . „ „ 2y. „ . . „ 12. August „ 26. , Nicht entlaubt 11,52 26,24 17,75 16,81 16,81 23,03 20,13 19,89 25,99 200 533 533 600 1066 Die Resultate dieser Versuche scheinen ebenfalls durch Witterungseinflüsse gestört zu sein; sie ergaben nach dem Ver- fasser, dass der Stärkegehalt der Kartoffeln schon 3 Monate nach der Aussaat bedeutend ist und bis Ende August zunimmt, wenn auch nicht konstant. Die Krankheit trat nur in Neuhof auf, hier zeigten sich auf den entlaubten Parzellen weniger kranke, als auf den nicht entlaubten. (Nähere Angaben fehlen.) Der Ernteertrag wurde in beiden Fällen durch die Entlaubung bedeutend beeinträchtigt, Ueber die Degeneration des Maulbeerlaubes. — Vor längerer Zeit schon hat Kamp hausen*) die Ansicht aus- Mauibeer- gesprochcu, dass eine Degeneration des Maulbeerlaubes als die Ursache der Krankheit des Seideuwurms anzusehen sei. Neuerdings ist diese Ansicht von von Liebig'^*) wiederholt und als die primäre Ursache die Erschöpfung des Bodens durch die Kultur hingestellt worden. Die Liebig 'sehe Ansicht fand Unterstützung durch die Ergebnisse einer Untersuchung von gesunden und schlechten Maulbeerblättern aus Italien, d. h. von solchen, bei denen die Seidenraupe gesund geblieben und anderen, bei denen die Krankheit eingetreten war. Neumayr und Ullmann***) fanden in den getrockneten gesunden Blät- tern 22,3 Proz. Eiweissstoöe, in den schlechten nur 17,3 Proz. üeber die Degenera- tion des *) Ueber die Entstehungsursachen der jetzt herrschenden Krankheit des Insekts der Seide. Koblenz, 1860. **) Jahresbericht 1864. S. 157. ***) Augsburger Allgemeine Zeitung vom 25. Juni 1865. Pflanzenkrankheiten. 199 Es wurde hieraus geschlossen, dass der Gehalt der schlechten Blätter an Eiweissstoffen zu gering sei, um die Thiere in nor- maler Weise zu ernähren, und dass die abnorme Ernährung die- selben zu Krankheiten disponire. Zu demselben Resultate soll auch Daniel Nova^) gekommen sein. Dumas, Pasteur**) und viele andere sind dagegen der Ansicht, dass die Seiden- raupenkrankheit von der Ernährung unabhängig ist. Es ist übrigens durch direkte Versuche festgestellt, dass das Putter von demselben Baume bei verschiedenen fast gleichaltrigen Zuchten ganz entgegengesetzte Resultate liefern kann ; die eine Zucht blieb bei diesen Versuchen gesund, während die andere verdarb. Bekannt ist auch, dass nicht alle Racen der Seidenraupe von der Krankheit unter denselben Verhältnissen gleich viel zu leiden haben, so hat sich die japanische Seiden- raupe als besonders widerstandsfähig gegen die Krankheit er- wiesen. Der Keim der Krankheit scheint sich zu vererben. Auch die nachstehende Untersuchung von Th. v. Gohren'^**) macht es wahrscheinlich, dass die Ursache der Seidenraupen- krankheit nicht in einem zu geringen Stickstoffgehalte des Lau- bes zu suchen ist. Der Verfasser analysirte vier verschiedene Sorten von Maulbeerlaub und fand darin: Bestaudtheile. Junge Blätter. Aeltere Blätter. Von der Schatten- seite. Von der Sonnen- seite. Wasser Trockensubstanz In der Trockensubstanz: Zellulose Fett Stickstofffreie Extraktstoffe Stickstoffhaltige Stoffe . . . Asche In den Extraktstoffen: Traubenzucker 77,50 22,50 10,120 18,400 45,653 15,249 10,577 25,747 68,66 31,34 8,659 19,751 49,077 15,236 7,275 24,696 70,37 29,63 9,797 19,811 45,980 15,231 9,179 69,23 30,77 9,359 18,527 49,990 15,235 6,890 30,101 I 26,000. Die mit diesen Blättern gefütterten Seidenraupen blieben völlig gesund, trotzdem enthalten sie sämmtlich einen gerin- geren Gehalt au stickstoffhaltigen Stoffen als die von Neu- mayr und Ulimann analysirten ungesunden Blätter. Die Ansicht, dass bei diesen der geringe Stickstoffgehalt die Er- *) Della riacclimazione del gelso. **) Compt. rend. Bd. 61, Nr. 13. ***) Jahresbericht des österr. -schlesischen Seidenbau-Vereines. 1865. 200 Pflanzenkrankheiten. krankung der Seidenraupen bedinge, bedarf hiernach noch sehr der Bestätigung. — Die Unterschiede in der Zusammensetzung der verschiedenen Blätter sind nicht bedeutend, die jüngeren Blätter enthalten weniger Trockensubstanz, in dieser aber mehr Asche und auffälligerweise mehr Zellulose, als die älteren Blätter. Der Verfasser verweist hierbei auf eine Untersuchung von C. Karmrodt,*) deren Ergebniss ebenfalls der Ansicht Liebig' s widerspricht. Karmrodt fand in verschiedenen Sorten von Maulbeerblättern, welche theils im Schatten, theils im Sonnenlichte gewachsen waren, folgende Bestandtheile in 100 Theilen der getrockneten Blätter: Standort. Stickstofffreie Stoffe. Stickstoffhaltige Stoffe. Asche. Ungedüngt, schattig .... 66,807 23,178 10,014 Ungedüngt, sonnig 72,700 16,333 10,969 Gedüngt, sonnig 67,731 22,315 11,061. Die Raupen, welche mit den im Schatten gewachsenen Blättern ernährt wurden, erkrankten, die mit den im Sonnen- lichte gewachsenen gefütterten blieben gesund ! Die Zusam- Ucbcr die Zusammensetzung von gesundem und ^oT'gesun- befallenem Rothklee, von P. Bretschneider.**) — Die dem und ^u dcu nachstehenden Untersuchungen benutzten Kleepflanzen befallenem .,, r-iiii-in Rotiikiee. — gesunde wie kranke — waren eben auigeblüht; die kranken Pflanzen wurden sogleich nach beobachteter Erkrankung ein- gesammelt, sie zeigten sich wie mit einem weissen Pulver über- streut und hatten dadurch eine graugrüne Färbung angenommen. Mikroskopisch Hess sich eine Pilzvegetation auf den kranken Blättern erkennen, von welcher es der Verfasser dahingestellt sein lässt, ob sie der Gattung Erysiphe oder Oidium angehörte. Die befallenen Pflanzen fanden sich mitten zwischen gesunden, eine äussere Ursache des Befallens in Folge der Standorts- verhältnisse oder des Entwickelungsstadiums der Pflanzen war nicht bemerkbar. Die gesammelten Pflanzen wurden in Stengel, Blätter und Blüthen zerlegt, zu crsteren wurden ausser dem Hauptstamme auch die Blattstengel gelegt; unter Blüthen sind die ganzen Blüthenköpfchen zu verstehen. Die gesunden Pflan- zen wurden von P. Bretschn eider, die kranken von 0. Kül- *) Jahresbericht des Osterr.-schlesischen Seidonhau-Vercius 1863. S. 31. *♦) Mittheilungen des landwirthschaftlichen Central -Vereins für Schle- sien. 1865. 14. Heft, S. 25. Pflanzenkrankbeiten. 201 lenberg analysirt. 100 Gewiclitstheile der frisclien Kleepflan- zen (am 21. September geerntet) bestanden aus: Gesund. Befallen. Stengel 54,58 5G,4G Blätter 40,46 37,07 Blütheu . . . ■ . 4,96 6,47 100. 100. Bei HO*' C. getrocknet ergab sicli: Wasser. Trockensubstanz. Gesund. Befallen. Gesund. Befallen. Stengel 78,86 74,30 21,14 25,70 Blätter 73,21 69,35 26,79 30,65 Blüthen 70,57 72,60 29,43 27,40 Ganze Pflanze . . 76,16 72,36 23,84 27,64. Stengel und Blätter waren also beim befallenen Klee ent- schieden ärmer an Vegetationswasser, als die gleichen Organe bei den gesunden Pflanzen, obgleich alle Pflanzen an demselben Tage und von demselben Felde gesammelt waren. Bret- schneider nimmt an, dass das Mycelium des Pilzes in das Parenchymgewebe eingedrungen ist und so in ähnlicher Weise als wenn aus dem Zelleninhalte feste Stoffe ausgeschieden wären das Lumen der Zellen verkleinert hat, wodurch der relative Wassergehalt der einzelnen Zellen wie des gesammten Zell- gewebes reicher an Trockensubstanz resp. wasserärmer ge- worden ist. Ueber die chemische Zusammensetzung der verschiedenen Pflanzentheile giebt die folgende Zusammenstellung Auskunft. Bestandtheile. Inder getrockneten Sub- stanz : Stickstofflialtige Bestandtheile Fett Zellstoff Stickstofffreie Bestandtheile Kohlensäurefreie Asche . . . In der frischen Substanz: Stickstoffhaltige Bestandtheile Fett Zellstoff Stickstofffreie Bestandtheile Kohlensäurefreie Asche . . . Wasser Stengel. fiesiind.j Krault. Blätter. Gesund. Krank. 14,37 5,81 24,09 47,90 7,83 3,037 1,228 5,093 10,127 1,655 78,860 1.5,06 6,13 26,91 44,79 7,11 3,871 1,575 6,915 11,511 1,827 74,300 28,85 9,58 10,-54 43^90 7,63 7,595 2,566 2,824 11,761 2,044 73,210 27,97 9,64 10,42 41,89 10,08 8,573 2,9.55 3,194 12,839 3,089 69,350 Blüthen. Gesunii. Kraiili 19,37 7,01 20,58 46,42 6,62 21,90 7,58 18,75 44,82 6,95 5,700 6,001 2,063: 2,077 6,057! 5,077 13,62212,280 1,948 1,9(14 70,570; 72,600 Ganze Pflanze. Gesund. Krank. 21,04 7,59 17,72 46,00 7,65 5,014 1,811 4,223 10,964 1,828 76,160 20,84 7,67 19,57 43,60 8,32 5,760 2,120 5,409 12,051 2,300 72,360 202 Pflanzenkrankheiten. Die Zusammensetzung der organischen Substanz von ge- sunden und befallenen Kleepflanzen zeigte hiernach nur ge- ringe Unterschiede und dieselben würden noch geringer sein, wenn der Wassergehalt gleich wäre. Auf die geringen Unter- schiede ist kaum ein besonderer Werth zu legen. Ein anomal hoher Stickstoflgehalt, den Grouven^) bei befallenen Klee- pflanzen beobachtete, ist nicht hervortretend, höchstens macht sich ein solcher bei den Blüthenköpfchen bemerklich. Es ist hieraus zu schliessen, dass die Zusammensetzung der organi- schen Materie des befallenen Klees nach den ersten Symptomen des Befallenseins sich von derjenigen des gesund gebliebenen so unwesentlich unterscheidet, dass daraus eine krankhafte An- lage des befallenen Klees nicht abgeleitet werden kann. Nachstehende Zusammenstellung enthält die Ergebnisse der Aschenanalysen der verschiedenen Organe nach Abzug von Kohlensäure, Sand und Kohle. Bestandtheile. Stengel, j Blätter. I Gesund. i Krank, j Gesund.' Krank. Prfizentisclie Zusammensetzung der Aschen. Kali Natron Kalk Magnesia .... Eisenoxyd .... Phosphorsäure . Schwefelsäure . Chlor Kieselsäure . . . Summa Sauerstoff üb für Chlor 34,88 (.),74 25,19 18,23 0,65 7,70 2,18 12,85 0,46 19,82 1,83 27,72 28,21 1,13 8,30 4,79 8,64 1,49 102,88 j 101, 94 2,88 1,94 26,48 0,76 42,05 11,72 1,17 9,05 3,21 5,40 1,43 14,04 0,83 49,21 14,31 1,99 9,64 2,96 6,24 2,17 Blüthen. Gesund. I Krank. Ganze Pflanze. (iesund. | Krank. 101,27 1,27 101,40 1,40 40,01 2,00 23,56 9,00 1,26 13,63 2,62 7,;.2 1,79 34,01 31,35 1,29 0,79 27,08 32,80 11,12 14,82 1,59 0,92 14,42 8,66 3,94 2,64 7,39 9,19 1 0,80 0,92 Auf 100 Theile der getrockneten Substanzen Kali Natron Kalk Magnesia .... Eisenoxyd .... Phosphorsäure . Schwefelsäure . Chlor Kieselsäur e ■ . ■ Summa Sauerstoff ab für Chlor 2,73 0,06 1,97 1,43 0,05 0,60 0,17 1,01 0,04 1,41 0,13 1,97 2,01 0,08 0,59 0,34 0,61 0,10 8,06 0,23 7,24 0,13 2,02 0,06 3,21 0,89 0,09 0,69 0,24 0,41 0,11 1,42 0,08 4,96 1,44 0,20 0,97 0,30 0,(53 0,22 7,72: 10,221 0,09 I 0,14 1 6,74 ,06 7,81 17,81 1,20 38,39 20,34 1,56 9,27 3,85 7,34 1,80 101,79 101,65 102,09 1,79 1,65 2,09 2,65 2,37 2,40 0,13 0,09 0,06 1,56 1,88 2,51 0,60 0,77 1,13 0,08 0,11 0,07 0,90 1,00 0,66 0,17 0,27 0,20 0,53 0,51 0,70 0,12 0,06 0,08 101,56 1,56 1,48 0,10 3,1!) 1,69 0,13 0,77 0,32 0,61 0,15 8,44 0,12 1 0,11 1 0,16 I 0,13 *; Annalen der Laudwirthschaft. 1861. Wochenblatt S. 136 und 151. Pflanzenkrankheiten. 203 Der charakteristische Unterschied in der Zusammensetzung der Aschen beruht in dem Kaligehalte, welclfer in allen Or- ganen der befallenen Pflanzen bedeutend geringer ist, als in denen der gesund gebliebenen. Die Differenz beträgt im Durch- schnitt für die ganzen Pflanzen 62 Proz. Dem geringeren Kaligehalte entspricht, wie sich aus den bereits oben ange- gebenen Zahlen für den Aschengehalt ergiebt, nicht eine Ver- minderung des gesammten Aschengehalts, sondern es findet sich bei nicht vermindertem Aschengehalte in den kranken Pflanzen das fehlende Kali durch einen höheren Gehalt an Kalk, Magnesia und Phosphorsäure vertreten. Da die Aschen- mengen bei den verschiedenen Substanzen ziemlich überein- stimmend waren, so treten die Unterschiede, welche sich bei der prozentischen Zusammensetzung der Aschen ergeben, auch in der Zusammensetzung der Trockensubstanz hervor; bezüglich des Kalkes und der Phosphorsäure zeigt sich nur in den Blättern der kranken Pflanzen ein erheblich grösse- rer Gehalt, die Magnesia ist dagegen in allen Organen der kranken Pflanzen in grösseren Quantitäten zugegen, als in den gesunden. Bretschneider ist der Ansicht, dass die Unter- schiede zwischen kranken und gesunden Pflanzen noch mehr hervorgetreten und vielleicht auch ein höherer Stickstofi"gehalt der kranken Pflanzen, wie ihn Grouven beobachtete, sich be- merklich gemacht haben würde, wenn die Schmarotzerpilze Zeit gehabt hätten, länger auf der Oberfläche der Pflanzen und auf Kosten ihres Zellinhalts zu vegetiren, und durch ihre vom Winde fortgetragenen Sporen den Gehalt der Pflanzen zu ver- mindern oder eine Störung der Funktionen der Organe zu be- wirken. Da sich schon beim Auftreten der ersten Symptome des Befallenseins eine andere Zusammensetzung der erkrankten Pflanzen ergab, so ist anzunehmen, dass diese Verschiedenheit schon vor dem Auftreten der Parasiten bestand und die Ur- sache der Erkrankung bildete, indem sie den Parasiten den zu ihrer Entwickelung günstigen Boden darbot. Der Acker, von welchem die Kleepflanzen, gesunde wie kranke, gewonnen waren, war ganz gleichmässig im Jahre zuvor mit 300 Ztr. Stallmist pro Morgen gedüngt worden. Dass trotzdem die Pflanzen eine so verschiedene Zusammensetzung zeigen konnten, beruht auf der Ungleichmässigkcit des Bodens, die der Verfasser durch 204 Pflanzenkrankheiten. Mittheilung der Ernteresultate des vorhergegangenen Jahres konstatirt, zum Theil aber auch darauf, dass durch die im Boden stattfindenden Diffusionsvorgänge, die Nährstoffe nicht ganz gleichmässig und rasch vertheilt werden. Endlich bringt der Verfasser aber selbst noch einen Einwurf gegen seine Vermuthung, dass der beobachtete geringere Kaligehalt des befallenen Klees mit dem Auftreten der Parasiten in Verbindung stehe , indem er seine jetzige Untersuchungen mit den Ergebnissen einer früheren Versuchs- reihe bei Klee vergleicht. Hierbei war in Mittel von 11 Analysen in ge- sundem blühendem Klee, welcher im Juni 1861 geerntet worden war, ge- funden worden: in der Kleeasche 20,76 Proz. Kali, in der getrockneten Pflanze 1,25 „ „ Vergleicht man diese Angaben mit den obigen Ergebnissen, so ist er- sichtlich, dass der kranke Klee sogar noch etwas reicher in seiner Trocken- substanz an Kali ist, als der früher analysirte gesunde vom Jahre 1861. Zum Theil lässt sich diese Verschiedenartigkeit, wie auch der gleichzeitig beobachtete geringere Gehalt an stickstoffhaltigen Verbindungen und der grössere Zellstoft'gehalt in dem Sommerklee, wohl dadurch erklären, dass dieser in seiner Entwickelung weiter vorgeschritten war. Es ist bekannt, dass jüngere Pflanzen stets einen grösseren Reichthum an plastischen Be- standtheilen und Kali enthalten, welcher mit zunehmender Verholzung re- lativ sich vermindert. Jedenfalls bleibt es unerkläi'lich, wie sich die Schma- rotzerpilze gerade die kaliärmsten Pflanzen ausgewählt haben sollten, wenn man nicht eine Coincideuz dieser Erscheinung mit dem geringen Gehalte an Kali annehmen will. ueber den Ucber dcu schädlichcn Einfluss des Hütten- Einnuss des rauchcs aui rilanzen und i hiere, von Rösler.*) — Hüttenrau- j)ep Vsrfasser schliesst sich den Ansichten von Stöckhardt, pnanzen und Haubucr u, a. an, dass der schädliche Einfluss des Hütten- Thiere. rauchcs auf den Gesundheitszustand der Pflanzen und der mit solchen von Hüttenrauch betroffenen Gewächsen ernährten Thiere hauptsächlich auf die dem Rauche beigemengte schwef- lige Säure , Schwefelsäure und Salzsäure, zurückzuführen ist. Den in dem Rauche enthaltenen Staub von Arsenik, Antimon, Blei etc. glaubt der Verfasser nach den Untersuchungen von von Gorup-Besanez und Daubeny nicht als ein Haupt- moment der schädlichen Wirkung annehmen zu dürfen, obgleich er in einigen Erdbodenproben aus der nahen Umgebung der Freiberger Silbcrliüttcn 0,37 rcsp. 0,234 Proz. Arsenik ermittelte. *) Mittheilungen des landwirthschaftlichen Instituts der Universität Halle. 186.''). S. 179. Pflanzenkrunkheiten. 205 Auch die durch Waschcu und Bürsten von ullcin anhängenden Staube befreiten Pflanzenstoflfe zeigten noch deutliche Arseuik- reaktion, nicht minder gab aber auch das Waschwasscr starke Reaktionen auf Schwefelsäure und Chlor. Bezüglich der Wirkung des mit den Gasen und Dämi)fen mechaniscii fortgerissenen Metallstaubes auf den Gesundheitszustand der Thiere verweist Röslcr auf den gewohnheitsmässigen Arsenikgcnuss mancher Menschen in Steiermark und die Beobachtungen von Hertwig und anderen Veterinären über die Wirkung des Arseniks bei Thiercn, aus denen hervorgeht, dass der thicrische Oi^ganismus bei fortgesetzter Zuführung von Arsenik demselben sich akko- modiren kann. Diese Beobachtungen machen es wahrscheinlich, dass es mindestens die im Hüttenrauclie vorkonmiende arsenige Säure nicht allein ist, welche die fürchterlichen Verheerungen unter dem Rindvieh in dem vom Hüttenrauche heimgesuchten Bezirke veranlasst. Das Blei hndet sich in dem Staube fast aus- schliesslich als schwefelsaures Salz, welches ganz unlöslich und deshalb wohl als völlig unschädlich anzusehen ist. Die Haupt- schuld des Uebels ist daher den in dem Hüttenrauche in so be- trächtlicher Menge auftretenden Säuren beizumessen. — Zur Ver- minderung der schädlichen Wirkungen des Hüttenrauchs empfiehlt der Verfasser, die abziehenden Gase bei Hüttenwerken durch lange Kanäle zu leiten, auf deren Sohle sich, wenn möglich der Richtung des Dampfes entgegen, rasch fliessendes Wasser befin- det, oder dieselben durch Koaksthürme zu leiten, wie sie bei Schwefelsäurefabriken zur Absor})tion der Säuredämpfe benutzt werden. Auch durch zweckmässige Aenderung des Röstpro- zesses dürfte eine Verminderung des schädlichen Einflusses der Dämpfe auf Pflanzen und Thiere zu erreichen sein. Die von Seiten der Beschädigten anzuwendenden Mittel bestehen in einer Entsäuerung des Bodens durch Kalk und Mergel und kräftige Düngung der Felder, um dieselben wieder produktions- fähig zu machen. Zur Verbesserung der gewonnenen Futter- stoffe schlägt der Verfasser vor, dieselben mit Kalkwasser zu waschen, resp. bei der Verfütterung mit Kalk zu vermischen. Bei den Freiberger Silherhütten sind seit einigen Jahren bereits unter- irdische Kondensationskammern und Kanäle in Gebrauch, ebenso bei den meisten Bleihütten in England, deren Kanäle zum Theil eine Länge bis zu 8 englischen Meilen besitzen sollen. Auch das Wasser wird in der Form von hochgespannten Dämpfen oder feinem Staub zur Verdichtung 206 Rückblick. der schädlichen Dämpfe benutzt, doch scheinen alle diese Mittel das Uebel nur mehr oder weniger beschränken, nicht aber gänzlich beseitigen zu können. Wir verweisen schliesslich noch auf folgende Abhandlungen, deren Wiedergabe wir uns versagen müssen: Ueber den Getreiderost, von A. de Bary*) und H. W. Reichardt,**) Das Rothwerden älterer Kiefern, begleitet von parasitischen Pilzen, von Prof. H. Karsten. ***) Die Rothfäule der Holzarten, von Moritz Willkomm, f) Ueber die Lärchenkrankheit, nach Beobachtungen im Grossherzogthum Hessen, von Böse, ff) Ein Wort über eine der Ursachen der Pflanzenkrankheiten, von M. Kolb. tti) Ueber den Getreidebrand, von H. W. Reichardt. *t) Ursache einer Moorrübenkrankheit, von H. Karsten. **f) Einige Betrachtungen über brandige und nicht brandige Rispen von Avena sativa, von v. Schlechtendahl. ***-J-) Der gegenwärtige Stand der Rostfrage, von Prof. Körnicke, f*) Mittheilungen aus dem physiologischen landwirthschaftlichen Institute über die Pilze, welche die Trockenfäule der Kartoffeln begleiten, von H. Karsten, t**) Rückblick. Auch im verflossenen Jahre haben sich wiederum die Chemiker mit besonderer Vorliebe mit der Erforschung der Bestaudtheile der Pflanzen und deren physiologischer Bedeutung beschäftigt. Wir haben in dem er- sten Abschnitte dieses Theiles unseres Berichts zunächst eine Fortsetzung der vorjährigen Untersuchungen über das Vorkommen von Ammoniak und Salpetersäure in den Pflanzen von A. Ho saus mitgetheilt. Aus diesen geht hervor, dass der Salpetersäure- und Ammoniakgehalt der Pflanzen während ihrer Vegetationszeit beträchtlichen Schwankungen unterliegt, deren Ursache noch nicht genügend ermittelt ist. Es ist anzunehmen, dass die Menge des in der Form von Ammoniak und Salpetersäure in den einzelnen Pflanzentheilen sich befindenden Stickstoffs um so niedriger sich *) Landwirtbschaftliches Centralblatt für Deutschland. 18G5. 1, S. 281. Annalen der Landwirthschaft. 1864. S. 148. **) Allgemeine land- und forstwirthschaftliche Zeitung. 1865. S. 448. ***) Forstliche Blätter. Heft 10, S. 152. t) Agronomische Zeitung. 1865. S. 473. tt) Forstliche Blätter. Heft 10, S. 68. ttt) Gartenflora. 1865. S. 8. *t) Allgemeine land- und forstwirthschaftliche Zeitung. 1865. S 214. **t) Annalen der Landwirthschaft. Bd. 46, S. 229. ***t) Botanische Zeitung. 1865. S. 355. t*) Land- und forstwirthsch. Zeitung der Provinz Preussen. 1865. S. 311. t**) Annalen der Landwirthschaft Bd. 44, S. 182. Rückblick. 207 herausstellen wird, je lebJiaftcr der Vcgetationsprozcss und damit der Ver- brauch der Pflanzen ist, doch tritt dies bei den Untersuchungsorgebnissen nicht überall deutlich hervor. Die mannigfache Abwechselung in den rela- tiven Mengen der beiden Stickstoifverbindungen macht es wabrscheinlich, dass im Organismus der Pflanzen die eine in die andere übergehen kann, dagegen lässt es sich zur Zeit nicht entscheiden, ob nur eine oder beide Verbindungen an der Bildung der organischen Substanz direkt sich be- theiligen können. — Durch A. B. Frank's Untersuchungen über die Pflanzenschleime ist zunächst die Ansicht von Schmidt berichtigt worden, nach welcher diese Körper alle denselben Grundstofi' enthalten und ihre verschiedenen Eigenschaften der Verbindung mit unorganischen Substanzen verdanken sollten. Frank betrachtet die verschiedenen Pflanzenschleime dagegen als isomere organische Körper, deren Gehalt an Mineralsubstanzen ganz irrevelant ist und ihnen entzogen werden kann . ohne ihre Eigen- schaften wesentlich zu verändern. Pflanzenschleime entstehen auf verschie- dene Weise, bald werden sie als Umwandlungsprodukte der Zollmembran gewisser Gewebe von den Pflanzen ausgeschieden, bald stellen sie die Ver- dickungsschichten gewisser Zellen dar, bald sind sie in dem Zellinhalte und den Interzellularkanälen gelöst und werden aus den Pflanzensäften sezernirt. Ihre chemischen Eigenschaften sind nicht gleich, manche Schleime lösen sich vollständig in kaltem Wasser auf, andere erst beim Kochen, wie- der andere werden auch bei der Kochhitze nicht vollständig gelöst. Auch im weiteren Verhalten gegen Reagentien zeigen die Pflanzenschleime manche Verschiedenheit, so dass eine genaue Unterscheidung derselben unter sich und von den ihnen nahestehenden Modifikationen der Zellulose und des Gummis nicht mit Sicherheit ausführbar ist. — Als Träger des Gerbstoffs in den Pflanzen betrachtet Th. Hartig einen in Form, Grösse und Fär- bung dem Stärkemehle oder dem Grünmehle ähulichen, organisirten Körper des Zellinhaltes, welcher in kaltem Wasser löslich ist, durch Eisensalze schwarz oder grün und durch Jodlösung blau gefärbt wird. Anfangs nahm Hartig an, dass das Gerbmehl sich aus dem Chlorophyll oder dem Stärke- mehle bilde; er zeigte jedoch später, dass schon in den jüngsten Trieben diejenigen Zellen, welche später Gerbmehl führen, durch ihre Reaktion auf Eisensalze die Anwesenheit des Gerbstoffes zu erkennen geben. Bei der allgemeinen Verbreitung des Gerbstoffes in den Pflanzen und dem grossen Gehalte mancher Pflanzentheile an Gerbstoff erscheint eine genauere Er- forschung der physiologischen Bedeutung dieses Stoffes von grossem Inter- esse. Neue quantitative Bestimmungen des Gerbstoffgehalts verschiedener Pflanzensubstanzen sind von A. Commaille ausgeführt worden. — Ueber das Wachs der Sumachineen hat Batka Untersuchungen unternommen, welche es wahrscheinlich machen, dass das sogenannte japanische Wachs, dessen Mutterpflanze noch nicht mit Sicherheit ermi.ttelt ist, eine Sumach- art (Rhus succedanea) ist. Das Wachs der Sumacharten bildet mit Borax eine Seife, aus welcher durch Säuren das Wachs wieder abgeschieden wird, hierdurch unterscheidet os sich von dem gewöhnlichen Bienenwachse. — Ueber die Farbstoffe der Blätter liegen neue Untersuchungen von fran- zösischen Chemikern vor, die jedoch kein besonderes Interesse bean- 20K |{ii(lcl)li(;lc. Hin'iiclicii Idiiiiifii, (l;i sii' (liis Vcihallcn der h'iuli.sdiirc lici ilcr l{(!li;uHllmig mit Siiiirc'ii, Ammoiiiiik otc. hctrcircii. Niirli l<'illiol und (Jliiitiii liorulit die hrrliHt,lic.lit( l'',iil)iiii^f der HliUlfr miiI' ciiiiT Oxydation d(!S l''iiii)Htotl'K. — (!. W. Nii^ücli iiiiiiiiil an, dans di(^ VciKcliicdcidicilcM in dem clieinischcn Vciiialtcn der Slaikcliorncr tlicils dnrcli einen iinf,'l(!ich /^roKKon (iohalt an (iiaiuilose und /ellnlnse und tlieilweise dnrcli eino v(!rK(;liicd(;nt! mo- IckniaK; Anordnnnv; er verschiediiie Kau der S])elzen und (iiaiiiHii liedin^t hau|itsilehlicli die I Interschiede in dem (iüwichtc verschie- dener Sorten, dii; Heschildigung durch die Maden dagegen di»! betriicht- liclicii |)ilVeren/en in dem (lewiciile einer und derselben Sorte in verschie- denen .laliigiingen. II ahe rlaii d t zeigt, dass in sehr leichten llafersorten die Menge der liesciiildiglen Koriu'r "3 bis aO Prozent betragen kann. — II. Karsten siiciit den M(dinhaii iiinl die Opiunigewinming in Aufnahme zu liriiii'.en; er fand in einem bei IJerliu gewonnenen Opium 10 Troz. Morphium, (iieiclizeilif' werden I Intersucbungen nher die physiologische liedeiilmig der Opiumalkaloide l'iir die ]\lohn])ilaiize iiml uhtir den Eiulbiss der l>iiiignng, des Klimas etc. auf die iMitstehung der Alkaloide empfohlen. Kine Iteihe von liUbenanalysen vendVentlichte Core n w i nd er; dieselben zeigen die luichst wecjisolnde Zusanunensetzung tier Hube, je nacii {\vn Verhiiltnissen, uiüer denen sie gewachsen war. In der lvtibenasciu> scheint das Kali bis zu einem gewissen (iracle durch Natron vertreten werden zu Uonncii. l/iecke i'janbl , dass das Nikotin das Kohlen des Tabaks be- dinge; zur Verminderung des Nikotingehalts und damit zur lieseiligung der nblcn Kigonschal't emptiehll der \eri'asscr, den t'ehlürhaften Tabak Itll.'lvl.lick. 'J()*J cjiii'i' wit'iln luiilcii (iahi'iiii". .11 iiiili'i wi'i Irii Wir Ii.iImii IticiIü dImmi iiiihCl'tt lirili'iiKi'll V,(tK(*ll (lioHO Alisii lil llillri l!iM iilini;!, Ulli rn vor von 'riilmklilRtlt'iii ( I! lii II il I ) , Kcif-ciililiillri n , i;,i|) |i||.iii.-.iii iiihI ilcm Sh'dli von f.«.!'!!!!?!!!'!!'!!! iiiiil iihlil f;t'l;i|^'('rl.oiii Wi'i/(Mi. Hfl (Irr Ici Icifii I liiliM'Hiuliiiiig wiirilt' zwar III ilc iclil (',('Iiini"i"l<"iii VVt'i/.i'imddli IUI lii'tiaclilliclitu'ri' (liOmll, im Kic cl Naiii'r ^rldridcii, ilnrli (.'lanlil l! i't< I hi' li iic i (Irr, (I,n|i, rr laml il.iiiii /.nii.irliiit eine tili imiIm li.ii hllii lii'ii (m'Ii.iIi an Sl icKitl nD' , woiliin li ai li ilic Nilir- Krall (li'i t''l('< liliii (ilvlail. I>i<' iiicnli'n KIci lilrii ciilliirllin ttclir vvcni^' riiiii'|ili<>i; am I' , dir (ii ,aiiiinliiii'ii"i' ilii iM iini .1 1 loHr .-ii>'lr nicli iniMHcr orilcndirli liiHcriicnil , lni r in l'Han/cu war ilic AHi'licniin'nf.',c ilnicli alif-Mdaf-cilcn oMilsaiiicii Kall» iiinl rini'cwarlna'iicn Saud tudir cilndil hic /iiHaniniciiHct/iMiK ilci- A;u In'ii .'i'i"li' miIi wciiif-cr mpii der riilcila(T der hlcililcn, als von ilircin Aller und iliirr \ i'i'rlaluiiitidatiit aldiaii>'i^> Ihc riiiincrdi' ' nlil l\iio|i als einen weMenllicIien lieiJandllinl der l'leililcn an nnd ^-lanlil , dahs die llcHliUidifj.Keil der l'lei'lilenrai In lulle veii die; er alllliitlf^ig hci. I>ic Ah<'lleliliCHlaildllieile der I' le( li(eii iiiliieii .um "llieil VOM dem auf iliicr DlMMlIailic ^;criidcn SLinlic lier, welchen dio- Hcilicn in ihr (iewclie anr/nnehinen veini(i(j;en, der SlicIiHlnH' und die rinm- plinrHtkiirc daf^c^en lnui|iliuichlicli \iiii di 11 l''.\l>i eineiileii und lanelicn Idei ncr Thicrc, welche /'HiHclien den l'liililiii lelnai rilllm^riMi lilhrlc illll<*rHneliiiiif'eii nliei die \: ilieidiei.l . null helle der eiii.adneii (>i|>iine det^ ScIiillH aii'i, er land den huclelin Kieui .1 111 e^eliall in diu Itlallein und ltliitt.K('hcideii, aiii'h der {.'.emeine L'elii Kollien enllnell lieli icIiIIicIm' IMiaii-eii von KicHclMiinrc. AHclienanalvHcn xcr: cluidenei I lii|ih'niiiiricn inml \<>ii Wlicclcr lUiHgcl'dhi'l. worden, dii'Hc AnitlyHcn eifilien, iImhh ein /uHaiiiiiieii lum^^ der die (iiilc den llo|d'eni< liediiif'.eiiijeii l'.i : landlheile niil den Mineral Hnlediui/cii nichl iiachwiniihar iiil. Auch mmi der ehcniiiiclieii llciichall'cnheil iler laileii /iiyle 11 li die /n aninieirel . iiiiy der A;clie deiilaiin 11 hanliii l|ii|ileiiii niclil .ilihaiipie, Weileie \ :.i lienana l\ neu liefen mo mhi dei Im a|i|>|illaii/e ( I' e I / li o I d I 1, \oiii Iti Idnii/c (II Allierl), mmm I .einiiiinien, dem Sai'i'.aHanni nalaiiü ( ( 'me 11 w 1 n d e 1 1 und ilei ( 'he\ alierpeiitle. (,,lnaii lilalive lte:tliniinnnf.'en illiei den (nhall an iir".i iie dien Üaien iiiid aiiH f;ctOlirl.: heim Schierling. (('loien ( 1 1 n ;< e in a n 11 und IMaiiiie). Indem Ahüchnille „Hau dei rilan.e" Iniheii w ir die A iimh hien miii Kliiip und Well iihei die \ er :iliiedeiiheili'ii in der linl wii'l>eiiin|.' der VViir/eln im Wiih er nnd im l'irdlioden niit^'clheill l'iiti orpa.niHi her Hnl.cr-' Ncliicd Hchcinl hiernach nii hl, /ii hchlehen, diif'.e|.MMi /ci^cii iillcrdinfjH ilio im WiiHHCr /'chihlelen Wiii7.e|n dilnneie, /arleic /ellwi(ndiiii(.M'n und eine hirol/cndc llelieirniliiii|j, iler /eilen niil, l<'lllHid^l(cil. \V< Miilliihe (Ititci .I11l1iri.l1, ii. In VIII, |,| 210 Rückblick. schiede zeigen sich in dem Verhalten der Wurzeln: die im Wasser gebil- deten funktioniren beim Versetzen in die Erde ohne Schwierigkeit fort, umgekehi't wachsen Laudpflanzen bei dem Versetzen in eine wässerige Nährstoff lösung nur dann ohne Störung Aveiter, wenn der Salzgehalt der Lösung gering ist; bei höherem Salzgehalte stirbt die im Boden gebildete Wurzel meistens ab und es bildet sich entweder ein neues System von Wasserwurzeln, oder die Pflanze geht ein. Die Verfasser beschreiben ferner mehrere Erscheinungen bei der Entwickehiiig der Wurzeln, welche je nach dem Bodeumedium sich verschieden zeigen, es scheint jedoch noch nicht genau festgestellt, wie weit diese Unterschiede als konstante Folgen des Bodenmediums anzusehen sind, resp. wie weit dieselben von der Kon- zentration der Nährstofi'lösungen und anderen Umständen beeiuflusst wer- den. — üeber das Auftreten von Pektinkörpern in den Geweben der Runkel- rübe hat J. Wiesner Untersuchungen ausgeführt, deren Ergebnisse sich kurz dahin zusammenfassen lassen, dass sämmtliche Zellmembranen der Rübe sich anfangs in einer Pektiumetamorphosc befinden, welcher bei den Holz- und Gefässzelleu die Verholzung folgt, während die Membranen der Mittel- und lunenrinde auf der Stufe der Pektinmetamorphosc stehen blei- ben und die der Peridermzellen eine kombinirte Pektin - Korkmetamor- phose eingehen. — In Bezug auf die Entstehung des Harzes im Innern der Pflanzenzellen schliesst Wiesner aus dem Bau der Ilarzkörner und ihrem Verhalten gegen Reagentien, dass dieselben entweder aus Stärke- körnern oder aus GerbstotTkörnern hervorgehen und also gleichsam Pseudo- morphosen nach Stärke bilden. Eine Entstehung von Harz durch Oxyda- tion von ätherischen Oelen hält der Verfasser nicht für wahrscheinlich, er glaubt vielmehr, dass das Oel durch Reduktiousprozesse aus dem Harze gebildet werde.— Nach Jaenicke ist die Panacbirung gefleckter Blätter durch verschiedene dem Chlorophyll verwandte Farbstoffe bedingt; früber nahm man als Grund derselben eine Zersetzung des Chlorophylls an, oder man betrachtete sie als eine Krankheitserscheinung. — Ueber die „Vorgänge bei der Keimung" des Weizens und Klee- sameus liegen mikroskopische Untersuchungen von Hof mann vor; hier- nach finden sich die Eiweissstoffe in der Keimpflanze stets in den Ver- zweigungen der Leitzellenbüudel, die Wanderung des Stärkemehls geht in dem die Leitzellen umgehenden Parenchym und die Bildung des Dextrins in dem mittleren gestreckten Theile der Wurzel und in dem Parenchym des Laubblattes vor sich. — Die Keimung ölhaltiger Samen hat Fleury genauer verfolgt; er fand, dass die l)ei der Keimung sich entwickelnden Gase zwar zum allergrössten Theile aus Kohlensäure bestehen, dass je- doch auch eine geringe Ausgabe von Kohlenwasserstoff und von freiem Wasserstoff eintritt ; eine Bildung von Anmioniak findet dagegen nicht statt. Der Gewichtsverlust der Samen wurde zu l,b bis 3,0 Proz. gefunden. Die Veränderungen in den näheren Bestandtheilen bestehen in einer Abnahme des Fettgehalts und Zunahme des Zuckers. Das fette <>el wird also bei der Keimung nicht einfach oxydirt, sondern es bildet gleichzeitig das Material zur EntWickelung der junjjen Pflanze, indem es zunächst in Zucker und Dextrin übergeht und dann als Zellulose eine orgauisirte Gestalt auuimmt. Rückblick. 211 Die keimenden Samen nehmen nicht hlos Sauerstoff auf, um damit Kohlen- säure und Wasser zu bilden, sondern es wird auch ein Theil desselben von der Substanz des Samens gebunden, wodui'ch der Gewichtsverlust ver- mindert wird. In dem Abschnitte „Assimilation und Ernährung" halten wir zuerst die interessanten Untersuchungen von Boussingault über die Aufnahme von Kohlensäure durch die Blätter mitgetheilt. Es zeigte sich hierbei, dass die Pflanzen zwar im Stande sind, auch in einer reinen Koh- lensäureatmosi)häre sich Kohlenstoß" anzueignen, doch wird bei einer Ver- mischung der Kohlensäure mit 2 bis 3 Volumen atmosphärischer Luft unter denselben Umständen etwa fünfmal so viel Kohlensäure zersetzt. Das ver- dünnende Gas kann atmosphärische Luft, Stickstoff, Wasserstoff, Kohlen- oxyd oder Kohlenwasserstoff sein, alle diese Gase wirken gleichsam nur mechanisch die Kohlensäure verdünnend, sie werden bei der Zersetzung der Kohlensäure nicht verändert. In gleicher Weise befördert auch eine Verminderung des Luftdrucks die Kohlensäurezersetzung. Die Blätter ver- lieren ihr Zersetzungsvermögen nicht, wenn sie längere Zeit vom Baume abgepflückt sind, vorausgesetzt, dass sie vor dem Austrocknen geschützt und in einer nicht völlig sauerstofffreien Atmosphäre aufbewahrt werden. Im Lichte wird von den Blättern viel mehr Kohlensäure zersetzt, als im Dunkeln von ihnen ausgegeben wird. — Corenwinder fand, dass die lebenden Blätter keine Spur von Kohlenoxyd oder irgend einem anderen brennbaren Gase ausgeben; auch bei der Verrottung des Düngers an der Luft bildeten sich nur Spuren von Kohlenoxyd und in der atmosphärischen Luft war dies Gas nicht nachzuweisen. — Nach Cloez ist der von den Blättern ausgeathmete Sauerstoff nicht ozonisirt, bekanntlich ist das Gegen- theil von A. P o ey *) behauptet worden. — Die Untersuchungen von C a h o u r s über das Athmeu der Blüthcn ergaben, dass diese auch im Sonnenlichte Kohlensäure ausgeben und sogar mehr, als im Dunkeln; die Kohlensäure- bildung zeigte sich ungleich gross bei verschiedenen Blüthen, durch Tem- perathrsteigerung wurde sie erhöht, aufblühende Knospen entwickelten mehr Kohlensäure als völlig aufgeblühte Blüthen, am stärksten war die Kohlensäurebildung bei den Geschlechtsorgauen. — Hartig zeigte, dass die Blätter von Bäumen, deren Kernholz keine Leitungsfähigkeit für Flüs- sigkeiten besitzt, selbst bei Begenwetter schnell welken, wenn die Splint- schicht ringsherum durchschnitten wird; andere Bäume, deren Holz lei- tungsfähig ist, zeigten nur eine geringe Beeinträchtigung ihres Blattwachs- thums durch die Operation. Die Blätter scheinen hiernach nicht im Stande iZU sein, Feuchtigkeit aufzunehmen; sprechen aber auch andere Umstände dafür, dass den Blättern dies Vermögen nicht ganz abgeht, so ist doch unter allen Umständen jedenfalls die Wasserverdunstung grösser, als die Aufnahme. — Ilienkoff unternahm Untersuchungen über den Einfluss der Bodenfeuchtigkeit auf das Pflauzcuwachsthum, die jedoch exakte Re- sultate nicht ergeben konnten. Extreme nach beiden Seiten hin zeigten sich schädlich, der Wassergehalt der Pllanzen wie die Aufnahme von Mi- •=) Jahresbericht 1864. S. 73. 14* 212 Rückblick. neralsubstanzen envies sich unabhängig von dem Feuchtigkeitsgehalt der EriJe. — Knop's Untersuchungen über die endusmutischen Erscheinungen an vegetirenden Pflanzenorganen lehren, dass selbst beträchtliche Kouzen- trationsdifferenzen einen üebertritt der Flüssigkeiten zu einander durch eine Pflanzensubstanz allein nicht zu bewirken im Stande sind, sondern dass hierzu ein Ueherdruck erforderlich ist, welcher ebenso leicht das reine Wasser in die Salzlösung als diese in das Wasser hinübertreibt. -- Das Saftsteigen erklärt Buhm als eine Wirkung des Luftdrucks, die für seine Ansicht beigebrachten Grüude scheinen jedocli nicht ganz stichlialtig zu sein. Es ist anerkannt, dass mehrere Ursachen: die eudosmotische Kraft der Wurzel, die Imbibition des Zellgewebes und die Transpiration der Blätter zusammenwirken, um die Aufwärtslcitung der von den Wurzeln auf- genommenen Flüssigkeit zu bewirken ; es unterliegt wohl keinem Zweifel, dass auch der Luftdruck hierbei eine Rolle spielt, ohne jedoch als die ein- zige oder nur als die hauptsächlichste Ursache angesehen werden zu dür- fen. _ Ueber die chemische Zusammensetzung der Blutungssäfte sind von Ulbricht bei krautartigen Gewächsen, von Schröder und Beyer bei der Birke und Weissbuche Untersuchungen angestellt; ein besonderes In- teresse gewährt die ausgezeichnete Arbeit von Schröder, die übrigen Untersuchungen bedürfen noch einer weiteren Fortführung. Sehr i) der zeigt, dass der in dem Frühjahrssafte der Birke enthaltene Zucker aus der zur Herbstzeit in den Geweben des Baumes abgelagerten Stärke gebildet wird. Aus dem Zucker entsteht die Zellulose, der Zucker bildet mithin das Hauptmaterial für die Neubildungen bei dem Baume. Da diese vorzugs- weise an den beiden Endpunkten des Baumes, der Krone und der Wurzel, vor' sich gehen , so findet sich der grösste Zuckergehalt im Staiume des Baumes, jedoch nicht unmittelbar über der Erdoberfläche, sondern höher hinauf im Stamme an einem Punkte, welcher während der Periode des Blutens von oben nach unten zu fortschreitet. Der Zuckergehalt des Saftes zeigt anfangs eine progressive Zunahme, in der späteren Periode des Blu- tens vermindert er sich dagegen wieder. Durch die Wärme wird die Zijcker- bildung befördert, durch Kälte gehemmt; die Tageszeit ist für die Zucker- bildung ebenso wie für die Umwandlung des Zuckers in Zellulose ohne Einfluss. Der Saft der Wurzeln enthält um so weniger Zucker, je weiter vom Stamme entfernt derselbe entnommen wird und je dünner die Wurzeln sind. Auch der Eiweissgehalt des Saftes nimmt anfangs zu und später wieder ab ; im Allgemeinen ist der Gehalt des Saftes au Eiweiss sehr ge- ring, Beyer fand dagegen grössere Mengen von Ammoniakverhindungen im Safte , es ist daher wohl anzunehmen , dass diesen eine Hauptrolle bei der Neubildung der Organe zukommt. Der Gehalt an Aepfelsäuie zeigt während der ganzen Dauer des Blutens eine konstante Zunahme. Schrö- der betrachtet die Aepfelsäure als ein Produkt der Roduktionstliätigkcit und als Mittelglied bei der Entstehung organisirter Gewebe. Der gr(>sste Gehalt des Saftes an Mineralstoflen wird uiimittelliar über der Erde ge- funden, er nimmt nach dem Gipfel und dem Wurzclende hin ab; ilie haupt- sächlichsten Mineralbestandtheile des Saftes sind Kali, Kalk, Magnesia und Phosphorsäure, Beyer fand ausserdem in dem Birkensaft einen reichen Rückblick. 213 Gehalt an Eisenoxyd nnd in der Woisshuclio viel Mangan. Aus den rela- tiven Mengen dieser Ascbenbestandthcile, die sich in den aus verschiede- nen Theilen des Baumes entnommenen Säften vorfinden, schliesst Schrö- der, dass zur Frühjahrszeit eigentliiimlicLe Strüninngen in dem Baume stattfinden, die S])ater unter Mitwiikiing der Bliltter sich anders gestalten. Wahrscheinlich werden im Frühjahre hauptsächlich Kali und Phosphor- säure von den Wurzeln aufgenommen, während eine Aufnahme von Kalk in dieser Zeit nicht stattfindet. — Ueber den Einfluss des Lichts auf die lilüthenhildung iiat Sachs Untersuchungen ausgeführt, bei denen sich her- ausstellte, dass nuinche l'ilanzen im Finstern normale Blüthen entwickeln, bei andern die Entfaltung ebenfalls bei Abschhiss des Lichts vor sich geht, wenn sie vorher einen l'hcil ihres Knospenwachsthums am Lichte vollbracht haben, wieder andere aber im Finstern keine Blüthenbildung zeigen. Die Ursache der fehlenden Blüthenbildung ist nicht Maugel an organisirbarem Stofif überhaupt, sondern speziell an den hierzu spezifisch nothwendigen Steifen, welche bei den im Finstern Blüthen entwickelnden Gewächsen in den Zwiebeln und Knollen, vielleicht in den Blüthenknospen selbst, schon im Jahre vorher sich abgelagert haben. Sachs zeigt, dass die Blüthen- bildung bei Phascolus multitlorus und Ipomaea purpurea auch im Finstern in normaler Weise eintritt, wenn nur ein Theil der Pflanzen in einen fin- stern Raum eingeführt wird, die grünen Lanbblätter aber am Lichte blei- ben. Durch die fortgesetzte Assimilationsthätigkeit der Blätter werden mit- hin die zur Ausbildung und Entfaltung der Blüthenknospen erforderlichen Stoffe gebildet und den im Finstern befindlichen Knospen zugeführt. — Hallier's Beobachtungen über die Chlorose der Laubbäume bestätigen die Ansicht von J. Sachs, dass das Ergrüneu der Blätter nicht allein vom Lichte, sondern auch von der Temperatur abhängig ist. — Nach den Un- tersuchungen von Hampe sind der Ilarnstofi' und die Harnsäure als Pflan- zennahrungsmittel anzusehen; Anderson 's Versuche zeigen, dass im freien Felde der Stickstoff der Harnsäure den Pflanzen ebenso rasch zu Gute kommt, als der in Form von Ammoniak zugeführte. — Knop und Wolf haben verschiedene organische StickstoflVerbindungen auf ihr Verhalten zu den Pflanzen geprüft, einen günstigen Einfluss jedoch bei keiner einzigen beobachten können. — Ueber die Stoflmetamorphose reifender Früchte führte A. Beyer Untersuchungen aus, welche eine Zunahme des Gehalts an Trockensubstanz, an Zucker und an Fett beim Reifen, dagegen eine Abnahme in dem Gehalte an Mineralbestandtheilen ergaben; der Gehalt an Säure nahm anfangs ebenfalls zu, in der späteren Reifeperiode dagegen wieder erheblich ab. Die ganze Reifezeit scheint in zwei Perioden zu zer- fallen, in der ersten Periode besitzt die Frucht noch eine grüne Farbe und funktionirt nach Art der übrigen grünen Pflanzenstofle; mit der Verände- rung der grünen Farbe in Roth tritt dann ein Wendepunkt ein und bei den nachfolgenden Veränderungen spielen wohl O.xydationsprozesse eine Hauptrolle. — Nobbe hat Untersuchungen über die Veränderungen des Stärkegehalts der Kartofleln bei der Entwickelung der Knollen, bei der Aufbewahrung und bei der Benutzung als Saatknolle ausgeführt. Während der Entwickelung der Knollen findet eine fortdauernde Zunahme des pro- 214 Rückblick. zentischen Stärkegehalts statt, so lange das Laub noch lebenskräftig ist. Der Verlust an Stärke bei der Aufbewahrung ist von der Temperatur und dem Feuchtigkeitsgehalte des Aufbewahrungsraumes abhängig, je höher die Temperatur und je geringer der Feuchtigkeitsgehalt, desto grösser ist der Gewichtsverlust; der Luftwechsel scheint hierauf wenig Einfiuss zu haben. Der Substanzverlust der als Saatgut benutzten Kartoffeln ist sehr beträcht- lich, selbst solche Mutterknollen, welche anscheinend wenig verändert, frisch und straff waren, zeigten nur noch einen sehr geringen Gehalt an Stärke. Man darf sich also durch die scheinbar unvollständige Erschöpfung der Mutterknollen nicht verleiten lassen, kleine Knollen als Saatgut zu ver- wenden. — Für die „Kultur von Pflanzen in wässerigen Nährstoff- lüsungen" gab Fr. Nobbe eine methodische Anleitung, in welcher er zunächst betont, dass man den Wasserpflanzen, ansser der abnormen Mo- difikation, dass ihr gesammtes Wurzelsystem stetig von fliessendem Wasser umgeben ist, alle Lebensbedingungen in normaler Weise darbieten müsse. Zu berücksichtigen sind hierbei Besonnung, Erwärmung, Luftwechsel, Be- thauung und Beregnung. Die Konzentration der Nährstofflösung ist am besten zu 0,5 bis 1 pro mille zu bemessen, dabei aber durch rechtzeitige Erneuerung und Wassernachguss oder durch Anwendung sehr grosser Was- sermengen dafür zu sorgen, dass der Stoffgehalt der Lösung nicht durch die Lebensthätigkeit der Pflanze in nachtheiliger Weise geändert werde. — Knop empfiehlt statt der bisher allgemein angewandten Pappfutterale, die Vegetationsgefässe mit Blechhüllen zu umgeben. — Derselbe Chemiker führte Untersuchungen über die Aufnahme von Nährstoffen durch die Pflan- zenwurzel aus wässerigen Lösungen aus, deren Zweck es war, zu ermitteln, ob eine Salzlösung hergestellt werden könne, welche ganz unverändert von den Pflanzen aufgesogen wird. Aus den Versuchen scheint hervorzugehen, dass eine solche Mischung nicht existirt, wohl aber lässt sich eine Lösung darstellen, welche diesem Ziele sich nähert. Wenn man berücksichtigt, dass der Stoffverbrauch in dem Pflanzenorganismus die Aufnahme der Substan- zen durch die Wurzel beeinflusst und dass, je nach dem p]ntwickelungs- stadium der Pflanzen, ihr Nährstoffbedürfniss modifizirt wird, so muss man von vorn herein annehmen, dass eine Nähistoffniischung, welche für die ganze Dauer der Vegetation intakt aufgenommen Avürde, nicht herzustellen ist. Berücksichtigt man ferner, dass die Pflanze das Vermögen besitzt, Salze in ihren Organen anzuhäufen, ohne sogleich etwas davon zum Stoffwechsel zu verwenden,*) so muss man annehmen, dass die in der einen Versuchs- periode in grösseren Mengen aufgenommeneu Stoffe in der nächsten Periode in um so geringeren Mengen in die Pflanzen übertreten konnten, je weniger die Pflanzen mittlerweile davon für ihre Prozesse verwendet hatten. Knop beobachtete ausserdem, dnss einige Substanzen von den Wurzeln wieder sezernirt werden. Zur Ernährung der Pflanzen ist es genügend, denselben, neben Kohlensäure und Wasser, in einer Lösung salpetersaures Kali und salpetersauren Kalk, schwefelsaure Magnesia, phosphorsaures Kali und eine ") W. Wolf. Jahresbericht 18G4, S. 175. Rückblick. 215 Spur eines Eiscnsalzes darzureicLcn. Alle übrigen, sonst wohl als Pflanzen- nährstoffe betrachteten Korper: Ammoniak, Kieselsäure, Fluor, Chlor, Jod, Brom, Lithium, Rubidium und Humus sind nach Knop „entweder ganz über- flüssig für die Pflanzen, oder doch höchstens fijrderlich oder zur Erhaltung und zum Schutze gegen schädii('he Einflüsse dienlich." — W. Wolf hat seine Untersuchungen über die Aufnahme von Salzen durch die Wurzeln der Pflan- zen mit zusammengesetzten Lösungen fortgesetzt; es zeigte sich hierbei, dass die Konzentration der Lösungen dafür massgebend ist, ob die Aufnahme nach dem Saus sure' sehen Gesetze erfolgt, oder ob dem entgegen relativ mehr Salz als W^asser aufgenommen wird. Wenn die Salzlösung einen hö- heren Gehalt hatte, als (»,2.5 Proz., so wurden verdünntcre Lösungen, d. h. mehr Wasser als Salz aufgesogen; bei geringerer Konzentration zeigte sich die Aufnahme von der Mischung der Salze abhängig. Verdünntere Lösun- gen wurden im Allgemeinen mehr erschöpft, als konzentrirtere, unter Um- ständen wurden einige Stoffe den Lösungen völlig entzogen. Eine Zer- setzung der Salze bei der Aufnahme trat nicht ein, die Umbildung derselben erfolgt mithin erst im Organismus der Pflanzen. — Nobbe lieferte eine neue Bestätigung seiner Beobachtung, dass das Chlor ais ein unentbehr- licher Nährstoff der Pflanzen anzusehen ist; diese Frage dürfte hiermit wohl als endgültig entschieden anzusehen sein. Wenn das Chlor auch nicht direkt als Baustoff' an der Entwickelung der Pflanzenorgane sich betheiligt, so scheint es doch in der Oekonomie der Pflanzen , bei der Verflüssigung und Transportation der Stärke eine wesentliche Rolle zu spielen, in wel- cher es nicht durch andere Stoffe vertreten werden kann. — B. Lucanus führte Versuche bei rothcm Klee aus, wobei die Lösung von 5 pro mille Salzgehalt die grösste Erntemasse liefei'te; ein Zusatz von Chlorkalium zu der (chlorfreien) Nährstoft'mischnng erwies sich vortheilhaft, Kochsalzzusatz dagegen nicht. Das Kali Hess sich nicht durch andere ähnliche Körper ersetzen, ebenso war die Salpetersäure nicht durch Ammoniak oder Schwe- felsäure vertretbar. In dem Kapitel „Pflanzeukrankheiten" ist zunächst wieder über einige Arbeiten berichtet, welche den Einfluss der Entlaubung auf den Knollenertrag der Kartoffel und die Erkrankung derselben betreffen. Die Ergebnisse der Untersuchungen von Hey den und Hoffmann harmoniren mit der schon von anderen gefundenen Thatsache, dass eine vorzeitige Entnahme des Kartoffelkrautes den Knollenertrag um so mehr beeinträch- tigt, je früher die Entlaubung ausgeführt wird und doch dabei einen völ- ligen Schutz gegen die Erkrankung nicht gewährt. Birnbaum nimmt da- gegen an, dass die Krautentnahme, wenn sie nach der Blüthe und bei be- ginnender Erkrankung ausgeführt wird, nicht allein die Knollen vollständig vor der Erkrankung schützt, sondern auch noch die Erträge vergrössert. — Nach von Liebig ist eine durch die Erschöpfung des Bodens bedingte Degeneration des Maulbeerlaubes die Ursache der Seidenraupenkrankheit; Neumaj-r und Ullmann fanden in ungesunden Blättern einen beträcht- lich niedrigeren Stickstofigehalt, als in solchen, bei deren Verfütterung die Raupen gesund blieben; die Ergebnisse der Untersuchungen von v. 6 ob- ren und Karmrodt stimmen hiermit nicht überein, indem sie lehren, dass 216 Rückblick. selbst ein noch geringerer Stickstoflfgehalt , als in den obigen ungesunden Blättern enthalten war, keine Erkrankung der Raupen bewirkte und diese bei Karmrodt's Untersuchungen gerade bei den stickstofi'reicheren Bhittern eintrat. Bei Bretschneider's Untersuchungen von befallenem Klee stellte sich heraus, dass in der Zusammensetzung der organischen Substanz ge- sunder und kranker Kleepflanzen, ausser einem geringeren Wassergehalt der letzteren, kaum einu Verschiedenheit besteht. Die Asche der befallenen Kleepflanzen zeigte einen beträchtlich niedrigeren Kaligehalt, dagegen einen entsprechend höheren Gehalt an Kalk, Magnesia und Phosphorsäure. Ob- gleich frühere Untersuchungen ergeben hatten, dass unter Unibtäudeu auch ganz gesunde Klcepflanzen einen grösseren Kaligehalt nicht aufzuweisen haben, so schliesst der Verfasser doch aus dem autfäliigen Zusammentreffen der Kaliarmuth mit dem Auftreten des Pilzes, dass diese die Pflanzen zu der Erkrankung disponirt habe. — Schliesslich haben wir noch einer Un- tersuchung von Rdsler über die schädlichen Wirkungen des Hüttenrauches zu gedenken, wobei die Ilauptnachtheile den hierdurch verbreiteten Dänipfon von schwefliger Säure, Schwefelsäure und Salzsäure zugeschrieben wird. Ausserdem enthält der Hüttenrauch zwar noch Arsenik- und Bleiverbiu- dungen, doch scheinen diese auch nach anderen Untersuchungen für das Pflanzen- und Thierleben nicht so gefährlich zu sein, als jene Säuren. — Literatur. Gesammelte Beiträge zur Anatomie und Physiologie der Ptlanzen, von H. Karsten. I. Bd. Berlin, Dümmler. Beiträge zur Anatomie und Physiologie der Pflanzen, von F. Unger. Wien, Gerold's Sohn. Phytohistologischo Beiträge. II. Heft. Die Blätter der Sarracenia pur- purea L., von Aug. Vogl. Wien, Gerold's Sohn. Die Milchsaftgefässe und die verwandten Organe der Rinde, von Job. Hanatein. Berlin, Wiegandt & Hempel. Ueber die physiologischen Bedingungen der Chlorophyllbildung, von Jos. Böhm. Wien, Gerold's Sohn. Beitrag zur Entwickeluugsgeschichte getheilter und gefiederter Blatt- formen, von M. Wretscbko. Wien, Gerold's Sohu. Wird das Saftsteigen in den Pflanzen durch Diffusion, Kaiiillarität oder durch den Luftdruck bewirkt? von Jos. Böhm. Wien, GeroUfs Sidin. Untersuchung der chemischen Konstitution des Frübjahrssaftes der Birke, seiner Bildungsweise und weiteren Umwandlung bis zur Blattbil- dungsperiode, von Julius Schröder. Dorpat, Gläser. Literatur. 217 Uobor die Entstehung des Harzes im Innerei) der Pllanzenzellen, vuu Julius AVicsncr. Wien, Gerold's Sohn. Handbuch der Experimentalphysiologie der Pflanzen. Untersuchungen über die allgemeinen Lebensbedingungen der Pflanzen und die Funktionen ihrer Organe, von Julius Sachs. Leipzig, Engelniann. Die Pflanzenernährungslehre mit Einschluss der Dünger- und Ersatz- lehre, von Karl Max Graf von Seilern. München, Oldenbourg. Naturstudien und Kultur oder Wahrheit und Freiheit in ihrem natür- lichen Zusammenhange, von Schultz -Schultzenstein. Berlin, Ilemak. lieber unsere Kenntniss von den Ursachen der Erscheinungen in der organischen Natur, von Prof. Huxley. Aus dem Englischen übersetzt von Carl Vogt. Braunschweig, Vieweg & Sohn. Die mittlere Zusammensetzung der Asche aller land- und forstwirth- schaftlich wichtigen Stoffe, von Emil Wolff". Stuttgart, Lindemann. Kartofl'elkultur, Kartoffelkrankheit und vergleichende Versuche über den Werth von 440 verschiedenen Kartoftflsorten für den Anbau, von Ed. Eegel. Erlangen, Enke. , Bodenbearbeitung. Ueber das Lois-VVee- Ueber das Lois-Wecdon'sclic Sj'stem dos Ackcr- doii-systeui. bauGS, voü Joliii Algernon Clarke.^") — Das Land, auf welchem der englische Geistliche, Mr. Sam. Smith in Lois- Weedon, seine seitdem berühmt gewordene Kulfcurmethodc ausgeführt hat, ist etwa 3 Acre gross; es hatte beim Beginne der Versuche eine thonige Ackerkrume von nur 5 Zoll Tiefe, welche auf einem gelben oder blauen der Oolithforraation an- gehörigen Thone lagerte. Das Land lag bis zum Jahre 1845 in alter Weide, in diesem Jahre wurde es umgebrochen und 5 Zoll tief zu Hafer aufgepflügt, nach welchem Wicken folg- ten. Nach diesen wurde die erste Lois-Weedon- Kultur bei Weizen in Angriff genommen, welche so ausgeführt wurde, dass zwischen je drei Drillreihen ein [)reiter Streifen des Lan- des brach liegen blieb. Diese Zwischenstreifen wurden mit der Hand einen Spatenstich tief umgegraben, wobei also die Acker- krume um einige Zoll vertieft wurde. Ln zweiten Jahre wurden diese gut durchgearbeiteten Bracliestreifen mit drei Reihen Wei- zen bestellt, während nun die Stoppelreihen umgegraben und gebracht wurden. Und so fort, indem immer Brachereihen und Weizenreihen jährlich mit einander abwechselten. Im drit- ten und vierten und in den folgenden späteren Jalii-en wurde der Spatenstich stets etwas tiefer genommen, bis eine Tiefe der Ackerkrume von 16 bis 18 Zoll eri-eichl war. Hierauf wurde vier Jahre lang (bis zum Jalire 1858) nur ein einfacher Spatenstich gegeben, später dagegen zwei Stiche, wobei wie- der etwa ein Zoll frischer Thon herauf gebracht wui-de. Bis zum Jahre 1865 ist eine Tiefe von zwei Puss noch nicht er- Journ. of the Royal agricultur. soc. of England. 11 Scrics, Bd. 1. S. 73. Bodenbearbeitung. 219 reicht, ein grosser Tlicil des Landes ist jetzt 18 bis 20 Zoll tief, also wenig tiefer als vor 10 Jahren. Mr. Smith ist hiernach nicht gezwungen worden, zu jeder Aussaat tiefer zu ackern, um reiche Erträge zu erzielen, obgleich dem Felde in der langen Reihe von Jahren nicht die geringste Menge von thierischem , vegetabilischem oder mineralischem Dünger zuge- führt worden ist. Ueber die erzielten Erträge theilt der Verfasser folgende Angaben mit: von 1847 bis 1854 durchschnittlich per Acre 34 Bushcl (14,18 Scheffel per preuss. Morgen), von 1855 bis 1858 „ „ „ 38,25 „ (15,97 Scheffel per preuss. Morgen), von 1859 bis 1864 „ „ „ 33 „ (13,77 Scheffel per preuss. Morgen). Im Jalire 1863 betrug die Weizenern tc nicht weniger als 40Bushel per Acre (16,69 Scheffel) und im Jahre 1864 — die achtzehnte Weizenernte in ununterbrochener Folge — 32 Bsh. per Acre (13,35 Scheffel per Morgen). Der Durchschnittser- trag der letzten zehn Jahre berechnet sich auf 35,75 Bsh., es waren also während dieser Zeit 1,75 Bsh. durchschnittlich mehr geerntet worden, als in den vorausgegangenen acht Jah- ren. Selbstverständlich beziehen sich alle diese Angaben auf die ganze Fläche, die Brachestreifen mitgerechnet. Die Qua- lität des geernteten Weizens war stets vorzüglich, in den letz- ten Jahren sogar besser, als in den früheren. Auf den Erd- boden hat die Kulturmethode den vortheilhaftesten Einfiuss aus- geübt, die anfänglich nur fünf Zoll tiefe Ackerkrume mit darunter liegendem rohen Thonuntergrunde ist jetzt auf 1,5 bis 2 Fuss Tiefe in einen braunen, ergiebigen, lockeren Lehmboden um- gewandelt, das Land zeigt sich dabei durchaus nicht erschöpft, sondern im Gegentheil erheblich verbessert und im Werthe ge- steigert. Nicht minder haben sich auch die erzielten Reiner- träge sehr günstig gestaltet. Das charakteristische Prinzip, welches dem Lois-Weedon- Systeme zu Grunde liegt, ist, dass dnrch die Zwischenbearbeitung, die Lockerung und Lüftung des Bodens zwischen den Reihen des wachsenden Getreides, das Wachsthum desselben befördert werden soll. Hierdurch unterscheidet es sich wesentlich von der schwarzen Brache, man darf also nicht annehmen, dass bei dieser Methode einfach die eine Hälfte des Ackers brach liege und eine Brachbearbeitung erfahre, sondern es ist hierbei zugleich die durch 220 Bodenbearbeitung. die Bcarlieitiing bcwirlvte Bofürderiiiig des Waclisthuiiis der zwischcnlie- genden Getreidereihen zu berücksichtigen. Da die Smith'sehc Metliode viel Handarbeit und Kosten verursacht, so versuchte der Verfasser, wie weit durch Pferdearbeit ein gleicher Erfolg erzielt werden könne. Das hierzu benutzte Land war ein nicht besonders fruchtbarer Al- luviallohni, ziemlicli bindig, docli mit zwei Pferden sechs Zoll tief zu pfliigen. Die Tiefe der Ackerkrume betrug 1 bis 2, 5 Fuss mit Sandunterlago. Das Land war drainirt, es wurde als das schlechteste Stück der Farm (Long Sutton in Lincoln- shire) angesehen; die Durchschnittserträge hatten bei guter Beliandlung von weniger als 30 bis zu 40 Bsh. Weizen per Acre betragen. Im Jahre 1850 war das Land zum letzten Mal gebracht worden, 1854 zum letzten Mal zu Bohnen gedüngt mit 12 Karrenladungen Stallmist per Acre, 1855 wurde eine gute Weizenernte, das Jahr darauf eine schlechte Gerstenernte erzielt. Im Jahre 1856 wurde das Land nach Lois-Weedon'- scher Methode mit Weizen besäet, ohne gedüngt zu werden. Der Zustand des Ackers, welcher total verunkrautet und ver- queckt war, wie die Witterung während der Saatzeit waren gleich ungünstig. Im Sommer hatte der Weizen von dem Un- kraute viel zu leiden, er ergab eine dürftige leichte Ernte mit kur:}em Stroh aber wohlausgebildcten Aehren, die bis zu 64 und 75 Körner enthielten. Der Ertrag betrug 24 Bsh., war also unter Berücksichtigung der misslichcn Umstände niclit un- günstig. Im folgenden Jahre trug das Land wieder Weizen, welcher vorzüglich gerieth, besonders im Stroh, die Aehren waren (wie in dem ganzen Distrikte) weniger gut ausgebildet, der Ertrag belief sich auf 30 Bsh. per Acre. 1859 wurden 24,5 Bsh. erzielt, der Weizen missi-ietli in diesem Jahre in der Gegend allgemein, es wurde auch auf andern Feldern nicht mehr als 24 bis 28 Bsh. Weizen geerntet. Auch im folgen- den Jahre war die Witterung wieder liöchst ungünstig, der Weizen reifte spät und unvollkommen und ergab etwas über 22 Bsh. Ertrag. Im Durclischnitt der vier Jahre waren 25| Bsh. Weizen geerntet worden. Im Jaln-c 1861 winterte der Weizen total aus, die Versuche wurden damit beendet, der Verfasser theilt jedoch mit, dass das Land in seinem späteren Verhalten — obgleich es sechsmal hinter einander Weizen Bodenbcarbcituijg. 221 ohne Düngung getragen hatte — keinesvvregs Zeichen von Er- schöpfung zeigte. Es wurde im Jahre 1802 gedüngt und lie- ferte eine vorzügliche Turnipsernte. Die Wfizcnsaaton waren so ausgeführt worden, dass zwi^clieu je drei 10 Zoll von eiuaudcr enttVi nteii Drillrcihea ein 10 Zoll breiter Liindstreifen zur Brachebearbeitung liegen blieb, so dass also die mitlelste Drillreihe des eiueu besäeteu Streifeus vou der mittelsten Reihe des nächsten 5 Fuss entfernt war. Die Beliaiullung des Bodens erhellt am leichtesten aus fol- gender Zusammenstellung der Arbeiten für die einzelnen Monate: August: F.rnte des Weizens, Bcarbeitnng der Brache mit dem Skarifikator. September: Quetkenrechen, Bi'arbeilung mit dem Skaritikator und zwei- maliges Eggen. Oktober: Drillen und Eggen. Dezember: Pfliigen und Untergrundpflügen. Februar und Miirz: Pflügen, Untergrundpflügen und Kliisseklopfen. April und Mai: Behacken des Weizens mit der Hand, Bearbeitung der Zwischeustreifen mit Egge und Grubber. Mai: Jäten des AVeizens mit der Hand, Bearbeitung der Brachestreifen mit der Pferdehacke. Juni: Zweite Bearbeitung der Brachestreifen mit der Pferdehacke, An- häufeln des AVeizeus, Untergruudpflügen und Jäten des Wei- zens mit der Hand, lieber die Tiefe der Pflugfurche bei verschie- u^ber die _ ^ ^ . Tiefe der denen Bodenklassen, vom Oberamtmann Schmidt- paugfurche. Oberröblingen. ") — Der Verfasser hält eine von Zeit zu Zeit wiederholte tiefe Bearbeitung des Bodens für noth- wendig, um einerseits die tieferen Bodenschichten der Luft zugänglich und andererseits die Ackerkrume biudiger zu machen , wenn dieselbe durch die Bearbeitung und durch den Einfluss der Pflanzen übermässig locker und lose gewor- den ist. Abgesehen von den Bestandtheilen, welche der Boden durch die entnommenen Ernten verliert und in der Voraus- setzung, dass diese ihm auf anderen Wegen wieder zugeführt werden, lagert sich mit der durch die Erde dringenden Feuch- tigkeit das so nothwendige fruchtbare Bindemittel stets nach dem Untergrunde zu ab. In solchem Boden zersetzt sich dann der Dünger rasch, er giebt Anlass zu Lagergetreide und bleibt natürlich ohne nachhaltige Wirkung. liier ist eine allmählich tiefer gegebene Pflugfurche das beste und sicherste Mittel, um lohnende Ernten wieder zu erzielen. Zu berücksichtigen ist *) Landwirthschaftliches Intelligeuzblatt. 1865. S. 112. 222 Bodenbearbeitung. hierbei jedoch, dass der aus der Tiefe heraufgebrachte Boden stets mehr oder weniger todt (roh) ist und zwar um so mehr, je scliwieriger er aufzuschliessen ist und je weniger organische Bestandtheilo er enthält. Es ist daher nothwcndig, die tiefere Pflugfurche zu einer Zeit zu geben, wo die Einwirkung der Luft am stärksten ist, daher im Herbste, da durch den Frost des Winters und die Abwechselung der Temperatur die allzu grosse Bindigkeit des heraufgebrachten Bodens am ehesten zerstört wird. Als die geeignetste Zeit im Turnus bezeichnet der Verfasser nicht die Brachebearbeitung, sondern den Termin nach abgeernteter Winterfrucht, besonders da, wo die Winte- rung in breite und nicht hohe Beete geackert wurde. Die auf dem tiefer geackerten Felde anzubauenden Früchte sind Hafer und Kartofieln; letztere gewähren durch ihre Bearbeitung noch den Vortheil, dass hierdurch die Vermischung des heraufge- brachten Bodens mit der früheren Ackerkrume und seine Zer- setzung beschleunigt wird. Soll der Boden aber auf einmal bedeutend tiefer gelockert werden und gehört er einer der besseren Bodenklassen an, so ist es am gerathensten, die Arbeit nach Kartofl'eln auszuführen und im nächsten Jahre Hafer zu säen. Ein Boden, welcher sich in schlechtem Dün- gerzustande beiludet, eignet sich überhaupt zu einer tieferen Kultur nicht, es müssen noch unzersetztc organische Theile des Düngers im Boden